MUMMYS NIGHT OUT
‚Yipi, ya, yeah‘ in der Schaubühne

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Ich bin ja eine wirklich leidenschaftliche Theatergängerin. Aber um ehrlich zu sein, hat seit der Geburten meiner Kinder mein Theateraufkommen etwas nachgelassen. Das heißt eigentlich stimmt das nicht ganz. Denn ich gehe schon noch viel ins Theater, aber eben nur noch in eins. In das beste Theater der Welt: die Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin.

Die Schaubühne hat ja schon viel erlebt und ich kann zumindest sagen, dass ich sie schon seit zwanzig Jahren begleite. Mal mehr, mal weniger treu. Aber seitdem Ostermeier Intendant ist, kann ich nicht mehr von ihr lassen. Weil sie einfach glücklich macht. Diese Woche war ich wieder da. In ‚Die bitteren Tränen der Petra von Kant‘ von Fassbinder, realisiert von Wengenroth.

Das Stück ist perfekt für ein ‚Mummys Night Out‘. Mit den begrenzten Möglichkeiten als Mama auszugehen, steigen ja auch die Ansprüche an diese seltenen Abenden. Dieses Stück bietet aber wirklich die perfekte Unterhaltung. Ich habe es irgendwie als weibliche Interpretation Fassbinders empfunden, obwohl es ja von einem Mann inszeniert wurde. Es ist sanft, gleichzeitig sexy und kühl, bitter und komisch. All diese Facetten tragen fast allein die beiden Hauptdarstellerinnen: die wirklich umwerfende, bezaubernde Lucy Wirth und die kein bißchen weniger beeindruckende Jule Böwe. Inhaltlich ist Fassbinders Thema, dass Liebe – egal in welcher Beziehung – möglichst nicht Besitzergreifung sein sollte, ja nicht mehr die aktuelleste Neuigkeit. Die Umsetzung stimmt aber einfach.

Und wie gewohnt kommt an der Schaubühne auch gute Musik nicht zu kurz und so hören wir zum Auftakt ‚The Lovecats‘ von The Cure, zwischendrin Songs von Adele, Beyoncé und schließlich auch noch von Hildegard Knef. Die Trennung untermalt ‚Everything must Change‘ von Quincy Jones. Das Finale gipfelt mit dem von Wengenroth selbst gesungenen Bosse Song: ‚Es existiert nicht mehr / Du singst Yipi, ya, yeah / Es geht vorbei / Ich sing Yipi, yipi, yeah.‘

Ist das dann vielleicht Wengenroths Statement zur inhaltlichen Leichtigkeit des Stücks? Unsere Generation trägt die Gefühlsdramatik der vorhergehenden Generation nicht mehr in sich, unser Seelenleben ist nur noch Popkultur? – Auch nicht schlecht, oder?

[Bild via Schaubuehne.de]

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