Das Stilltagebuch
& das Abstillen…

stillen

Kommen wir nun zum dritten und letzten Teil meines Stilltagebuchs in der Zusammenfassung: das Abstillen, bzw. viel mehr das unfreiwillige Abstillen. Denn eigentlich hatte ich vor erst nach sechs Monaten mit dem Abstillen zu beginnen – aber manchmal kommt halt alles anders…

 Doch fangen wir wie üblich von vorne an! Nach den Startschwierigkeiten und der darauf folgenden Stillroutine folgte nämlich der unfreiwillige Ausstieg. Ich hatte ja fleißig abgepumpt, das Supergirl bekam weiterhin abends die Flasche (meist vom Papa) und das Stillen klappte einigermaßen gut. Ab uns zu artete das Abpumpen zu Stress aus – insbesondere wenn wir Helene über Nacht zu meinen Eltern gebracht haben und ich so für 5-6 Muttermilch-Flaschen sorgen musste. Außerdem hatte ich das Nebenziel, den Tiefkühler mit einem möglichst großen Vorrat an Muttermilch zu füllen. Doch dann kam die Zeit, dass ich irgendwie immer weniger Milch hatte. Während ich früher beim Abpumpen die Flasche locker gefüllt habe, kamen mit Mühe und Not nur noch 30 ml zustande. Und das merkte auch Helene. Sie nahm kaum noch zu. Und jede junge Mutter weiß, wie wichtig es in den ersten Monaten ist, dass das Kind Gewicht zunimmt!

Also machte ich mir wahnsinnig viele Sorgen und sprach mit all den Müttern um mich herum. Von den meisten Müttern wurde ich motiviert dass dies normal sei und jede Frau mal weniger Muttermilch produziert. Und auch der Vertretungs-Kinderarzt sagte, dass sich die Milchproduktion dem Bedarf des Kindes anpasst. Aber nach drei sorgenvollen Wochen und stagnierendem Gewicht von Helene kaufte ich kurzerhand meine erste Packung Pre-Milch. Und so gab es dann abends anstelle der Muttermilchflasche eine Pre-Milch. Und mittags, nach dem Stillen, wenn das Kind aber immer noch Hunger hatte, gab es kruze Zeit später auch eine Pre-Milch. Und dann ging es schnell. Immer mehr Stillmahlzeiten wurden durch Flaschen-Mahlzeiten ersetzt und bald stillte ich nur noch nachts. Übrigens sollte ich an dieser Stelle erwähnen dass ich mit der Pre-Milch begann, als Helene knapp vier Monate alt war. Und durch das wenige Stillen und die immer geringere Lust mich abends an die Milchpumpe zu setzen, hatte ich bald fast gar keine Milch mehr. Als mir gesagt wurde „die Pre-Milch ist der Einstieg zum Ausstieg“ dachte ich noch, dass ich die Kombination von Stillen und Pre-Milch noch bis Ende des Winter durchhalten könnte. Es funktionierte ja auch ziemlich gut – die ersten Wochen. Und wahrscheinlich hätte ich mit viel Ausdauer die Milchproduktion wieder anregen können. Aber genau diese hatte ich nun mal nicht.

Ich ziehe den Hut vor allen Frauen, die mehr Ehrgeiz an den Tag legen und für die Stillen das höchste Gut ist. Ich finde es toll wenn Mütter aus Überzeugung sechs Monate voll stillen und wenn die Babys das genüsslich mitmachen. Doch so ist das nun mal nicht immer. Und insbesondere bei diesem Thema fehlt uns doch noch ein wenig mehr Toleranz. Ich musste mich gefühlt andauernd rechtfertigen und wurde immer wieder in Diskussionen reingezogen, weshalb Muttermilch doch viel besser ist. Klar ist Muttermilch super, die Natur hat das schon alles ganz gut eingerichtet. Aber es ist ja nun auch nicht so, dass Babys, die ohne Muttermilch aufwachsen, automatisch mehr Krankheiten und Unverträglichkeiten haben. Ich beispielsweise bekam nie Muttermilch und war weder häufig krank, noch hatte ich irgendwelche Allergien oder Unverträglichkeiten. Und dann gibt es wieder Kinder, die werden ganze 12 Monate vollgestillt und nehmen wirklich alles mit…

Ich persönlich kann beispielsweise nicht nachvollziehen, wenn man länger als acht Monate voll stillt, oder aber von vornherein das Stillen ablehnt. Aber letztlich muss das doch jeder für sich entscheiden. Klar, wenn ich ehrlich bin urteile ich auch gedanklich über die ein oder andere Mutter-Kind-Beziehung, aber ich muss doch nicht jedem meine Meinung aufdrücken oder? Ich hatte da kürzlich eine kleine Episode, die mich genau auf dieses Thema bringt. Eine Freundin erzählte in der Runde, dass ihre Schwester nach 2,5 Monaten überlegt abzustellen, da sie (das Baby hat ebenfalls im Krankenhaus auf der Neo die Flasche bekommen) den Stillen-und-Flasche-geben-Stress kaum noch aushält. Für mich ganz klar nachzuvollziehen, dennoch war die Reaktion eines jungen Vaters in der Runde ein ziemlich empörter Ausruf, dass das doch viel zu früh wäre. Es tut mir leid, aber in so einer Situation könnte ich die Decke hochgehen. Als würde diese besagte Schwester sich zum einen nicht selbst ausreichend Gedanken darum machen, es geht ihn vielmehr überhaupt gar nichts an. Denn Männer (es tut mir leid es an dieser Stelle mit aller Deutlichkeit sagen zu müssen) haben in dieser Sache einfach überhaupt keinen blassen Schimmer was FRAU teilweise durchmacht. Natürlich gibt es bei diesem besagten Vater überhaupt keine Still-Schwoerigkeiten bei Mama und Kind und ich gebe zu, dass ich auch öfters mit ein wenig Neid auf das tiefenentspannte Baby an der Brust geschaut habe. Aber sagt es denn in irgendeiner Weise etwas über die Mutterqualitäten aus? Nicht im Geringsten.

Warum ich mich hier so in Rage schreibe? Im Grunde möchte ich nur für etwas mehr Toleranz bei dem Thema Stillen plädieren. Lasst uns doch einfach lieber ein bissl besser bei den anderen Müttern hinhören, zuhören und vielleicht schaffen wir es auch nur dann Ratschläge zu geben, wenn sie auch erwünscht sind. Ich werde jedenfalls mein bestes geben! 😉