The day that…
Johann was born!

Geburtsstory Gastbeitrag Eva Hausgeburt

Ich freue mich wie ein Schneekönig, einen Gastbeitrag über meine Geburt schreiben zu dürfen und damit allen Fast-Mamas Lust auf ihre Geburt zu machen, da ich das Glück habe, von einer völlig komplikationslosen spontanen Hausgeburt berichten zu dürfen! Moment … HAUSGEBURT?! Ja ihr habt richtig gelesen, dieses Wort fiel auch bei mir vor meiner ersten Schwangerschaft auch eher unter die Rubrik Wollstrumpfhosenträgerin. Ich denke nicht, dass ich das „Hausgeburtlerinnen-Klischee“ bediene, ich bin eine junge, modebewusste Frau, die es sich auch traut, den Popo ihres Sohnes in eine „Plastiktüte“ aka Wergwerfwindel zu packen. 

Mein Name ist Eva, ich bin 24 Jahre alt und habe Politik und Ethnologie studiert. Gemeinsam mit meinem Mann Paolo und meinem Sohn Johann lebe ich im sonnigen Freiburg im Breisgau. Und hier, im Mekka der Hausgeburtshebammen ist es eben doch nicht so abwegig, sein Kind zu Hause zu gebären. Auf der Suche nach einer Hebamme stellte sich also gleich die Frage: brauche ich „nur“ eine Wochenbettbetreuung oder möchte ich zu Hause gebären und somit auch alle Vorsorgen bei den Hebammen machen und nur die Ultraschall Untersuchungen von der Frauenärztin durchführen zu lassen. Da ich eine ziemlich junge Mutter bin, habe ich mich in den ruhigen, warmen Händen meiner Hebammen am wohlsten gefühlt und mich gemeinsam mit meinem Mann dann auch entschlossen, sofern das Kind richtig liegt, laut Ultraschalluntersuchung gesund ist und meine Schwangerschaft komplikationslos verläuft, meinen Sohn in unseren eigenen vier Wänden zur Welt bringen zu wollen. 

Geburtstermin war der 10.12.13  (insgeheim hoffte ich die ganze Zeit auf den 11.12.13). Da meine Frauenärztin bei der letzten Ultraschalluntersuchung jedoch die Vermutung äußerte, das Kind könnte etwas früher kommen und ich meine Schleimpfropf auch schon fast zwei Wochen vor der Geburt verloren hatte, stellte ich mich innerlich jedoch darauf ein, dass das Kind früher kommen will. Die Nachbarn waren alle längst informiert und ich wartete. Und wartete. Meine unter Druck stehende Wassermelone schien sich zur Fleisch gewordenen Geduldsprobe zu entwickeln. 

Irgendwann kam mir jedoch der Gedanke, dass ich meinem Baby während der Schwangerschaft ziemlich viel zugemutet hatte. Ich habe fertig studiert und meine Abschlussarbeit kurz vor Geburt abgegeben. Der kleine Halb-Italiener hinter meiner Bauchdecke schien also ein wenig Schlaf, Ruhe und Kraft zu tanken. Ich fing also an mich zu entspannen und tröstete mich mit dem Gedanken, dass bisher kein Kind drin geblieben war. 

Am Tag, an dem Johann geboren wurde, setzte ich mich also ins Auto, um meine Familie, die 20 km entfernt wohnt, zu besuchen. Aß mindestens ein Kilo Vanillekipfel und ließ mich verwöhnen. Nichts ahnend schaute ich abends auf dem Sofa eine Musiksendung und machte mir (trotz ausgiebigen Abendessens) ein Müsli mit Schoko und Banane. In der Show traten dann Joy Delaney, Max Herre und Gentleman gemeinsam auf und rissen mich, mit der Müsli Schale tanzend, vom Sofa. Und Schwups…platzte die Fruchtblase. Zuvor hatte ich immer Angst, es nicht mitzubekommen, wenn die Fruchtblase platzt, über solche Gedanken konnte ich in diesem Augenblick nur lachen! Die Niagara Fälle sind ein lächerliches Bächlein gegen das, was sich in meiner Hose abspielte. So machte ich auch das erste Mal Bekanntschaft mit den Surfbrettern zwischen den Beinen, die mich die nächste Zeit begleiten sollten. Von den Hebammen hatten wir eine Liste bekommen, was spätestens drei Wochen vor Geburtstermin zu besorgen sei. Darunter war auch eine Rolle Malervlies, diese Surfbretter, eine selbst gekochte Hühnersuppe im Gefrierfach und mit Wasser und Alkohol gefüllte Kondome. Letzteres hat sich im Wochenbett als sehr nützlich erwiesen.  Nachdem gegen 22 Uhr meine Fruchtblase geplatzt war, bekam ich ganz gemächlich die ersten Wehen. Ich legte mich also erst einmal in die Badewanne um nochmal richtig sauber zu werden und zu entspannen. Um halb 2 meldeten wir uns auf Drängen meines Mannes hin, der sich alleine mit mir doch zusehends unwohl fühlte, bei der Hebamme. Eine Stunde später kam sie gemeinsam mit der Hebammenschülerin, die ich auch schon von den Vorsorgen kannte, bei uns an. Ich stieg wieder in die Wanne und ließ mir von der lieben Schülerin die ganze Nacht lang warmes Wasser über den Bauch kippen und von meinem Mann sagen, dass ich das cosi brava (so gut) mache. Um halb 4 fragte ich nach meinem Muttermund und wurde herbe enttäuscht: 3-4 cm dünn und relativ straff (laut Geburtsbericht). Also weiter wie zuvor, atmen, atmen, pause, atmen, atmen. Gegen 6 hielt die Hebamme über zwei Wehen meinen Muttermund und schob die letzte Haut zur Seite. Ab diesem Zeitpunkt durfte ich ENDLICH mit schieben. Scheiterte jedoch in der Wanne, da ich mit meinen 1,78 m in der kleinen Wanne zusätzlich zu den Wehen Wadenkrämpfe bekam. Also an Land weiterarbeiten.

Mein Mann und ich arbeiteten gemeinsam mit der Schwerkraft. Obwohl wir uns im Geburtsvorbereitungskurs einig darüber waren, dass die Haltung “er steht, ich in den Wehenpausen auch und während der Wehe gehe ich in die Hocke und schiebe mit”, überhaupt nichts für uns ist. Wir hatten auch beide noch tagelang Muskelkater. Gegen 7:00 Uhr kam die dritte Hebamme  hinzu und ich nahm mir fest vor, das Kind vor dem Frühstück zu bekommen. Um 7:23 war es geschafft! Ein kleines Alien namens Johann erblickte das Licht der elektrischen Lichterkette unseres Weihnachtsbaumes. Ich war so unendlich erleichtert aber auch so unendlich müde…

Geburtsbericht Gastbeitrag Hausgeburt

Die großen Muttergefühle und das Weinen vor Freude wichen der Realität. Die sah so aus, dass mein Kreislauf zu schwach war, um aufzustehen und auf die Toilette zu gehen. Ich sollte in eine Schüssel pinkeln, damit sich die Gebärmutter zusammenziehen konnte. Aber ihr werdet es kaum glauben: ich wusste nicht mehr, wie das geht! Ich schafft es einfach nicht, Pipi zu machen. Somit musste mir nach der ganzen getanen Arbeit noch ein Katheter gelegt werden. Danach konnte ich mich endlich entspannen und meinen kleinen Mann begutachten. Ich sah ihn an und auf einmal kamen alle Muttergefühle hoch und ich spürte die volle Wucht der Liebe, die eine Mutter zu ihrem Kind aufbauen kann. Diese fast angsteinflößende, wunderschöne, Gänsehaut machende Liebe. Die Hebammen hatten in der Zwischenzeit die Hühnersuppe aufgetaut und für mich gab es zum Frühstück also einen Teller Suppe. Die Eiskondome kühlten meine kleinen Risse, die es nicht wert waren genäht zu werden. Die nächsten sieben Tage verbrachten wir komplett zu Hause, ohne Besuch (außer Oma und Opa), fast ohne Telefon. Mein Kreislauf ließ es leider erst am dritten Tag wieder zu, eigenständig auf die Toilette zu gehen. Mein Lebensretter war wahrscheinlich das Sitzbad von der Bahnhofsapotheke, das gab mir jeden Morgen Kraft und ließ mich mein Becken wieder spüren.

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Zurückblickend habe ich das Wochenbett etwas unterschätzt. Mein Mann musste viele Aufgaben übernehmen, die im Krankenhaus auf die Schwestern abfallen. Würde ich mich anders entscheiden? NIEMALS! Ich bin fest davon überzeugt, dass ich die Geburt nur aufgrund der intensiven Betreuung, ruhigen Atmosphäre und Unterstützung durch meinen Mann komplett ohne Schmerzmittel geschafft habe. Auch mein Sohn war und ist ein sehr entspanntes und ausgeglichenes Kind. Ich denke dazu hat vor allem der strikte Hausarrest beigetragen. Auch wenn ich am Ende der Woche in meiner Verzweiflung auf dem Balkon Kreise gelaufen bin wie ein einsamer Bär im Zoo denke ich, es hat Johann sehr gut getan, seine erste Lebenswoche in der Wohnung ohne Besuch zu verbringen. Er sah in seiner ersten Lebenswoche inklusive uns und den beiden Hebammen die zur Wochenbettbetreuung kamen, nur den Kinderarzt, der die U2 bei uns zu Hause durchführte, meine Eltern und meinen Bruder. Jetzt bin ich wieder schwanger und die nächste Hausgeburt steht uns im August bevor. Johanns Geschwisterchen wird also die Gesichter der gleichen Hebammen sehen, wie er, als er geboren wurde. Ist das nicht eine schöne Vorstellung?

Selbst für den Fall, dass meine Hebammen unter Geburt entscheiden, dass wir doch in die Klinik fahren müssen, würden Sie als Beleghebammen mit mir dort bleiben. Ich hoffe inständig, dass die Berufshaftpflichtproblematik der freiberuflich arbeitenden Hebammen endlich von der Politik und Gesundheitsminister Gröhe ernst genommen wird und die freiberufliche Hebammenarbeit in Deutschland noch viele Jahre Bestand hat. Denn auch bei einer klinischen Geburt bin ich mir sicher, dass der größte Teil der Fragen erst entsteht, wenn Mama und Kind zu Hause sind.  Hebammen sind für mich kleine Zauberinnen, die die Geburt und das Wochenbett mit ihren kleinen Tricks unglaublich erleichtern können. 

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Vielen Dank liebe Eva, für diesen tollen und ehrlichen Bericht und ganz viel Glück für die nächste (Haus-)Geburt! 

 


Nicolette an Dam mit Loading Baby Bump via Instagram zum Gast-Mummy Aufruf   

Für unsere Serie “The Day that…” freuen wir uns über jede Mummy unter Euch, die einen Gastbeitrag schreiben und ihre Erlebnisse mit uns teilen möchte – Bei Interesse schreibt uns eine Nachricht an: info@mummy-mag.de 


 

4 Gedanken zu „The day that…
Johann was born!

  1. Wow, wie mutig. Nie im Leben würde ich eine Hausgeburt in Betracht ziehen. Ich fühle mich sicherer mit Ärzten um mich herum. Alles Gute für Dich und Deine Familie!

    1. Liebe Claudia, ich glaube bei einem so intimen und einschneidenden Erlebnis wie einer Geburt ist es weniger eine Frage des Mutes sondern wie, du ganz richtig sagst, vom Wohlfühlen. Nur wer sich wohl fühlt kann loslassen. Ich denke jede Frau spürt innerlich, wo dieser Ort ist. Zum Glück haben wir (noch) das Recht auf die frei Wahl des Geburtsortes unserer Kinder.

      1. ich glaube auch, dass es wichtig ist, nach seinem ganz persönlichem Empfinden zu entscheiden, wo die Geburt stattfinden soll. Doch so ganz frei, ist die Entscheidung nicht. Ich konnte mir aus mehreren Gründen eine Geburt im Krankenhaus nicht vorstellen und habe mich für das Geburtshaus entschieden. für die Rufbereitschaft der Hebamme während der ca. 3 Wochen, innerhalb derer eine Geburt im Geburtshaus stattfinden könnte, hat die Krankenkasse damals die Pauschale nicht übernommen. Die ca. 250€ konnten wir zum Glück selber aufbringen. Viel Geld, wenn man zwei Kinder dort bekommen will. Rechtmäßig fand und finde ich das immer noch nicht und ganz so frei ist der Ort der Geburtswahl damit auch nicht.

        1. Da hast du allerdings recht! Mittlerweile ist der “Spaß” sogar noch teurer… Eigentlich ist eine Hausgeburt für die Krankenkassen doch um einiges günstiger als eine Klinikgeburt! Einige Krankenkassen übernehmen einen Teil der Kosten… Die Hebammenpraxis, die mich betreut, kooperiert soweit ich weiß auch mit Organisationen, die die Kosten übernehmen können, wenn eine Frau bspw. nicht krankenversichert ist…

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