The Day that…
Carlotta was born!

The Day that… mit Gast-Mummy Katharina auf Mummy Mag

Nachdem wir in der letzten Woche schon von Maria erfahren konnten, wie unkompliziert eine Geburt verlaufen kann, schließt sich Katharina mit der Geburtsgeschichte ihres kleinen “Pünktle”  direkt an. Zusammen mit ihrem Freund Mario und unter Hilfenahme einer Saugglocke – auf die vorletzten Wehen – hat sie ihr Baby wunderbar leicht zur Welt gebracht…

It`s all about Pünktle

Pünktle. Das war der Bauchname für unser Baby von dem Tag an, an dem wir ziemlich überraschend von unserem großen Glück erfuhren. Es war damals nur ein klitzekleines Pünktle auf dem ersten Ultraschallbild. Ein klitzekleines Pünktle. Ein unbeschreiblich großes Glück.

Eigentlich sollte Pünktle am 28.8.2014 zur Welt kommen. Genau an diesem Tag vor sechs Jahren war mein Vater jung verstorben. Am Anfang wusste ich nicht so recht was ich von diesem voraussichtlichen Geburtstermin halten sollte. Meine Gefühle waren gemischt. Nach einiger Zeit „wusste“ ich jedoch, dass mein Papa uns dieses Pünktle von oben geschickt hat und auf uns schaut und ich fand den Gedanken an diesen Termin immer schöner.

 Meine Schwangerschaft war absolut perfekt. Nicht eine einzige Beschwerde. Keine Übelkeit, kein Unwohlsein, keine dicken Beine, keine Schmerzen. Ich war unheimlich gerne schwanger und ganz verliebt in meinen immer größer werdenden Bauch. Mario, mein Freund, und ich konnten die ganze Schwangerschaft richtig genießen. Wir machten einen schönen Urlaub am Meer, wo Pünktle sich zum ersten Mal mit einem wunderschönen Kribbeln im Bauch bemerkbar machte. Wir besuchten einige Konzerte, was sich heute daran bemerkbar macht, dass unser Pünktle die Beine bei Musik nicht ruhig halten kann.

Nun war also der 28. August gekommen… und nichts passierte. Auch gut. Warten wir halt noch ein wenig. Der Bauch störte mich bis zum letzten Tag nicht. Nervös war ich auch nicht. Vielleicht ein wenig aufgeregt. Außerdem wollte ich nun endlich wissen wie es sich anfühlt. Wie sich die Geburt ankündigt, wie weh Wehen tun und vor allem: Was unser Pünktle überhaupt ist. Wir wollten uns überraschen lassen. Und was ich fast am Spannendsten fand: Wie würde es wohl aussehen!?

 Als auch am 30. August noch alles ruhig war und mich Leute fragten „Na, wann kommt es denn?“, antwortete ich nur mit „Vorgestern.“

Es wurde September. Am 2. September ging ich mittags mit meiner Schwester einkaufen. Im Discounter spürte ich leichte Bauchkrämpfe und ein Ziehen im Unterbauch. Zum Spaß sagte ich, dass das Baby nun wohl im Discounter zur Welt kommen würde. Der Nachmittag war ruhig, nur immer wieder kam dieses Ziehen. Trotzdem dachte ich nicht, dass es noch an diesem Tag losgehen würde. Am Abend wurde ich von Mario lecker bekocht. Indisch. Mag ich sehr gerne. Danach machten wir es uns auf der Couch gemütlich. Plötzlich bemerkte ich, dass ich leicht im Nassen saß. Nach einer kurzen Kontrolle auf der Toilette wurde ich etwas unsicher. Es war zwar nur ein wenig Flüssigkeit, aber dennoch ungewöhnlich. Beim Infotag im Kreißsaal hatte uns die Hebamme gesagt, wir sollten bei Unsicherheiten einfach anrufen, was ich daher tat. Eine der diensthabenden Hebammen meinte, dass ich einfach mal vorbeikommen sollte. Also holte ich mein gepacktes Köfferchen und sagte zu Mario, dass wir wahrscheinlich eh gleich wieder nach Hause kommen würden. Gerade ins Auto gesetzt saß ich plötzlich in einem richtigen See, schickte Mario nochmals ins Haus eine neue Hose und Handtücher holen, um den Autositz nicht noch mehr zu versauen. Okay, dann wohl vielleicht doch nicht mehr nach Hause.

„Ich kann die Haare schon sehen.“ – Dann zieh es raus. 

Gegen 23 Uhr kamen wir im Krankenhaus an. Während der kurzen Fahrt setzten auch schon leichte Wehen ein. Während dem folgenden einstündigen CTG wurden die Wehen immer stärker. So fühlen sich nun also Wehen an – aso, aha, okay. Nach dem CTG konnten wir in ein Wehenzimmer in dem ich es mir auf einem Gymnastikball gemütlich machte. Dort, an einem Seil hängend, atmete ich die immer stärker werdenden Wehen weg. Obwohl ich keine einzige Atemübung kannte, machte ich das meiner Meinung nach ganz gut. In dieser Situation weiß der Körper was zu tun ist. Plötzlich wurde mir furchtbar übel und ich musst so richtig – entschuldigt den Ausdruck – abkotzen. Das gute indische Essen über den ganzen Boden verteilt. Mario brachte mir immer neue Kotztellerchen (oder wie heißen die Teile im Krankenhaus?) – er kann bis heute, fast 10 Monate nach der Geburt, immer noch kein indisches Essen riechen. Ich hingegen schon. Es war eine laue Spätsommernacht und das Fenster im Zimmer war gekippt. Daher konnten wir eine gerade laufende Geburt im Endspurt sozusagen akustisch live miterleben. Die Dame nebenan schrie sich die Seele aus dem Leib. Seltsamerweise berührte bzw. erschreckte mich das überhaupt nicht. Ich konzentrierte mich weiter auf meinen Bauch, die Wehen, das Atmen, den Ball, das auf-und-ab-Hüpfen und am-Seil-hängen. Irgendwann war ich von den Wehen so erschöpft, dass mich die Hebamme ins Bett verfrachtete. Zwischen den Wehen schlief ich vor Erschöpfung immer wieder ein. Ich hätte nie gedacht, dass man während einer Geburt einschlafen kann. Mein Mario war toll in dieser Nacht. Er war einfach für mich da. Ganz unaufgeregt, ganz ruhig.  Er hielt mich fest, brachte mir Wasser, legte mir kalte Tücher auf die Stirn. In relativ kurzer Zeit öffnete sich mein Muttermund von 1 cm auf 8 cm. Die Wehen hatten wohl richtig gehend Gas gegeben. Es war Zeit für den Kreißsaal!

Dort konnte ich anfangen zu pressen. Anfangs zog ich mich bei jeder Wehe am Tuch hoch in die Hocke um so zu pressen. Nach einiger Zeit, meine Kraft wurde immer weniger, presste ich halb liegend mit angezogenen Beinen. Meine Hebamme unterstützte mich wirklich toll. Sie sagte mir immer wieder wie ich atmen sollte und welche Stellung ich ausprobieren könnte. Dann zog sie sich wieder etwas zurück, was ich als sehr angenehm empfand. Sie war zwar fast die ganze Zeit im Raum, aber nicht direkt bei uns. Sie ließ mich machen. Sie hatte das Vertrauen, dass ich es schaffen würde.

Schlimmer als jede Wehe waren meine fast unerträglichen Schmerzen im unteren Rücken. Wie Messerstiche kamen sie mir vor. Sollte ich nochmals ein Baby bekommen, würde ich vor der Geburt meinen Rücken durchchecken lassen, da ich im Nachhinein gelesen habe, dass dies von einer Verletzung am Steißbein kommen könnte.

Nach einer weiteren Presswehe sagte die Hebamme: „Ich kann die Haare schon sehen.“ und ich höre mich jetzt noch sagen: „Dann ziehe es heraus!“.

Irgendwann ging es nicht mehr so richtig weiter. Die Ärztin schaute sich die Situation an und erklärte mir ganz ruhig, dass mein Becken nicht gerade das breiteste sei und das Baby wohl etwas Hilfe braucht. Sie möchte es mit der Saugglocke holen, ob dies für mich okay ist. Ich stimmte zu und dann ging alles ziemlich schnell. Die Saugglocke wurde eingesetzt, was wirklich fürchterlich weh tat, jedoch schnell funktionierte. Mit der nächsten Wehe kam der Kopf heraus. Die letzte Wehe konnte ich wieder ohne Saugglocke alleine machen. Es flutschte zweimal und unser Pünktle war da.

Es wurde mir direkt auf den Bauch gelegt. Mario und ich hielten es gemeinsam. Wir hielten uns. Küssten uns. Konnten es noch gar nicht richtig glauben. Unsere Familie.

Katharina mit Carlotta bei The Day That auf Mummy Mag  

Es ist einfach unbeschreiblich. Dieser Moment. Ich bekomme jetzt noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke. Es ist kurz nach 6 Uhr am Morgen des 3. Septembers. Nach einer gefühlten Ewigkeit frage ich „Was ist es denn überhaupt?“. Die Hebamme meint fröhlich: „Schau doch einfach nach!“ Ich suche in der Decke herum, finde nichts vor Aufregung. Die Hebamme sagt: „Es ist ein Mädchen.“ – Unser Pünktle. Ein Mädchen. Wie schön. Carlotta. Unsere Carlotta.

Nachdem Mario mit zittriger Hand die Nabelschnur durchtrennen konnte und Carlotta durchgecheckt wurde, konnten wir uns als Familie ein bisschen kennen lernen. Danach wurde ich noch kurz von der Ärztin versorgt, wobei nicht viel zu machen war, da nichts gerissen ist oder ähnliches. Es ging mir unglaublich gut. Ich konnte sofort aufstehen, wir machten gleich ein paar schöne Fotos im Kreißsaal und riefen unsere Mütter an – was uns beide furchtbar zum Weinen brachte. Dann spazierte ich in mein Zimmer auf der Wochenstation. Mario nahm die Kleine mit und durfte sie wickeln und anziehen.

Mario mit Carlotta bei The Day That auf Mummy Mag

Der Tag hatte gerade erst so richtig begonnen und ich hatte schon ein Kind auf die Welt gebrach. Der ganze Tag lag vor uns. Ein so besonderer Tag. Immer wieder fand ich es absolut unwirklich, dass dieses wundervolle Wesen jetzt unsere kleine Tochter ist. So richtig begreifen konnte ich es an diesem ersten Tag wohl noch nicht.

Ich blieb drei Tage auf der Wochenstation, wo ich mich sehr wohl fühlte.

Es waren drei Tage mit viel Familiengekuschel zu dritt, wenig Schlaf, viel Stillen, wunden Brustwarzen, nettem Besuch… aber auch mit einigen Tränen. Es waren Tränen der Freude und Dankbarkeit. Unglaublicher Freude und Dankbarkeit.

Baby Carlotta bei The Day That auf Mummy Mag Baby Carlotta und Katharina bei The Day That auf Mummy Mag Baby Carlotta und Mario bei The Day That auf Mummy Mag

Mein persönliches Fazit
Die Geburt war für mich ein sehr positives Erlebnis. Natürlich tut eine Geburt fürchterlich weh, aber es ist machbar und es lohnt sich. In der Schwangerschaft habe ich mir immer wieder gedacht „Das haben schon so viele Frauen geschafft, dann wirst du es wohl auch schaffen.“. Außerdem habe ich mir immer wieder bewusst gemacht, dass mein Körper dazu gemacht ist, dass dieses wunderbare Wesen in mir wachsen und auch, dass ich es zur Welt bringen kann. Dieser Gedanke hat mir geholfen, wenn mal ein wenig Angst aufkam, was in meiner tollen Schwangerschaft aber nie wirklich der Fall war.

Nun denn… That was the day that Carlotta was born! 

Liebe Katharina – danke für deine tolle Geschichte zur Geburt deiner und Marios Tochter Carlotta. Und einen Handkuss in den Himmel, an deinen Glücksboten, Dein Papa. 


Nicolette an Dam mit Loading Baby Bump via Instagram zum Gast-Mummy Aufruf  

Für unsere Serie “The Day that…” freuen wir uns über jede Mummy unter Euch, die einen Gastbeitrag schreiben und ihre Erlebnisse mit uns teilen möchte – Bei Interesse schreibt uns eine Nachricht an: info@mummy-mag.de 


 

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