Schauspielern und Baby – wie geht das zusammen, Jasmin Schwiers?

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Vereinbarkeit. Ein Terminus, der zunächst leidenschaftslos klingt, hat sich innerhalb von gefühlt Monaten zum Aufreger-Thema entwickelt. Sind Kinder wirklich Karriere Killer? Wir vier Mummys haben dazu jeweils unsere ganz eigene Geschichte. Und auch Schauspieler sind – wie schon Collien Ulmen-Fernandes uns erzählte – nicht davor gefeit, ihren Alltag zu entrümpeln und mit Kind eine neue Struktur reinzubringen. Wohl dem, der grandiose Unterstützung dabei hat, oder Jasmin Schwiers?

Jasmin, wie kamst du zur Schauspielerei? Oder sollten wir besser fragen, die Schauspielerei zu dir?
Das zweite trifft tatsächlich eher zu. Ich habe als Kind in einem Ferienlager Theater gespielt und wurde da von einem Betreuer, der Drehbuch studiert hat, entdeckt. Wir haben einen Kurzfilm für die Filmhochschule Ludwigsburg gedreht, da war ich gerade zehn Jahre alt. Und so nahm alles seinen Lauf. 

Alles?
Ja tatsächlich habe ich beim Drehen meinen Mann getroffen. Wir hatten eine Szene zusammen im Film „Tattoo“ von Robert Schwentke. Richtig kennengelernt haben wir uns da nicht, aber wir haben uns Jahre später zufällig auf der Straße wieder begegnet und die Erinnerung hat doch ausgereicht, dass wir uns wieder erkannt haben (ich trug beim Drehen eine schwarze Perrücke, muss man dazu sagen).  Dann haben wir spontan einen Kaffee getrunken, weil es so nett war und was soll ich sagen? So nahm auch hier alles seinen Lauf!! Das ist inzwischen schon 11 Jahre her, Wahnsinn.

Was war das erste, das du nach dem positiven Schwangerschaftstest gedacht hast?WAAAS? So schnell geht das?

Und was das erste, das du gemacht hast?
Wir konnten die Neuigkeit beide komplett nicht fassen. Ich hab mir vorher immer vorgestellt, dass man sich heulend in die Arme fällt vor Freude, aber tatsächlich war das für uns in dem Moment einfach zu surreal. Wir standen nur völlig baff voreinander und haben dann auf Ratio umgeschaltet und sind zum Frauenarzt gefahren um erst mal sicher zu sein. Es war einfach viel zu viel, zu groß, zu schön!

Wie hast du die Geburt erlebt?
Als unglaubliches Erlebnis. Den ersten Schrei zu hören und zum ersten mal in das Gesicht zu sehen, das man sonst auf den völlig vernebelten Ultraschallbildern zu erkennen versucht hat, war unbeschreiblich. Mit nichts zu vergleichen.

Und dein Mann?
Naja, genauso. Nur, weil die Männer zu weitgehender Passivität verdammt sind, heißt das ja nicht, dass diese Erfahrung nicht eben so weltbewegend und kernerschütternd für sie sein kann.

Tränen flossen als…
… alles vorbei war und ich Juli das erste mal auf meinem Bauch liegen hatte. Und ich gestehe, seitdem immer mal wieder. Manchmal überkommt es mich einfach, dass dieses kleine Wunder jetzt einfach da ist und immer größer wird. Jetzt steht sie schon und mümmelt Möhrchen mit ihren zwei Zähnen – das ist doch nicht zu fassen!

Wo bist du geboren/aufgewachsen und wie prägt die Heimat deinen Stil?
Ich bin sehr behütet im sehr ländlichen Ost-Belgien groß geworden. Die meiste Zeit habe ich im Wald oder auf den Wiesen unseres Bauern verbracht oder mit den anderen Kindern in der Spielstraße. Mein Stil ist demnach praktisch, geerdet und gemütlich. Natürlich nicht, wenn ich auf einen roten Teppich muss. Dann ist von dem Landkind zumindest äußerlich nichts mehr zu sehen. Unsere Wohnung würde ich als Landhaus-shabby-gemütlich beschreiben. Es muss Altbau sein, am besten mit Dielenboden. Da geht mein Herz auf, wenn es unter mir so schön knarzt… 

Wie hat sich dieser Stil verändert seit du Mama bist?
Darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch nie so richtig Gedanken gemacht. Aber sagen wir so: ich versuche den Stil nicht ganz und gar zu vernachlässigen. Ich habe der Versuchung widerstanden mir die Haare kurz zu schneiden (darüber hatte ich aus praktischen Gründen tatsächlich nachgedacht) und ich bemühe mich aufrichtig noch ab und zu Nagellack aufzutragen. 

Wie teilt ihr euch auf? Bist du ein Working Mummy?
Naja, wir sind Working Mummy und Working Daddy. Das geht dann nach Prioritäten. Habe ich ein wichtiges Casting, muss Jani (Jan van der Weyde) mir den Rücken eben etwas mehr freihalten und umgekehrt. Momentan ist er sehr busy mit seinem Standup Comedy Programm. Er hat sehr viele Gigs und wird bald auch mit „Rubbeldiekatz“ auf Theater-Tournee gehen. Im Großen und Ganzen muss ich aber sagen, dass ich eher die Vorteile genieße, die unsere unkonventionellen Arbeitszeiten mit sich bringen. Nämlich sehr viele Schnittstellen an denen wir viel Zeit zu dritt verbringen dürfen. Das ist echter Luxus.

Wie hat sich die Geburt von Juli auf deinen Job ausgewirkt?
In der Schwangerschaft war es schwierig, weil die angebotenen Rollen sich alle nicht so recht mit meinem Bauch vereinbaren ließen. Reiten ging nicht mehr, Action auch nicht und zu extrem emotionale Sachen wollte ich irgendwann auch nicht mehr machen. So hat sich eine lange Pause ergeben. Jetzt habe ich wieder angefangen, zu arbeiten und muss sagen, dass das mit Juli zum Glück sehr gut funktioniert. Ich organisiere alles so, dass es für sie stressfrei bleibt und entschleunige so auch mein eigenes Leben. Weitere Auswirkungen bleiben abzuwarten, die drei Rollen seit dem Baby waren jedenfalls keine Mütter!

Wie ist das mit der Öffentlichkeit?
Und Juli? Mein Mann und ich sind Schauspieler, da zeigt man vor der Kamera ja sehr viel von sich. Auch wenn die Rollen gespielt sind, schöpft man ja aus sich heraus und gibt damit auch einen großen Teil von sich selbst preis. Wir finden, dass das schon sehr viel Öffentlichkeit ist. Wir reden sehr gerne über Juli, wir sind überstolze Eltern, wir würden sonst vermutlich platzen. Aber ausstellen wollen wir sie deshalb nicht. Es gibt von Juli keine Bilder bei Facebook oder im Netz. Angebote von Frauenzeitschriften für Happy-Baby-Fotos haben wir abgelehnt. Obwohl sie das süßeste Baby der Welt ist!!

Und mit Jobs?
(habe ich schon beantwortet, oder?)

Welche Unterstützung hast du?
Wir haben die beste Unterstützung, die man sich vorstellen kann. Vier völlig Juli-jecke Großeltern, die immer einspringen, wenn sich unsere Jobs mal überschneiden oder jemand mit mir und Juli durch´s Land reisen muss. Letzteres macht meistens meine Mama. Etwas Besseres gibt es für Juli gar nicht. Wir sind sozusagen ein eingeschworenes Trio, was für mich unbezahlbar ist. So dann kann ich einfach für ein paar Stunden ans Set verschwinden und mich voll konzentrieren, weil ich weiß, die beiden haben jetzt Partytime auf der Spieledecke.

Und der beste Tipp gegen Babypfunde?
Jaaa, der innere Schweinehund wird nicht kleiner wenn man im Baby-Business mitmischt… man hat ja auch schon ordentlich Tagwerk zu stemmen und mit den Monaten auch mehr Kilos zu schuckeln. Wer dann noch was gewuppt kriegt, dem empfehle ich „Fit mit Baby“ Kurse. Da hat man sein Baby dabei, muss also nicht wieder einen Babysitter engagieren und ist draußen an der frischen Luft. Und die anderen Mamis wissen zumindest wie exorbitant preisverdächtig es ist, dass man sich zusätzlich zum Babyprogramm auch noch zum Sport aufgerafft hat!

  Schauspielerin Jasmin Schwiers mit Tochter Juli

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