R wie Relativierungstheorie

R wie Relativierungstheorie beim ABC von Mummy Mag

Oh je, dass es dazu mal kommen würde… dass ich mich mit der Mengenlehre auseinandersetze, wo ich bereits frühzeitig erkannte, dass Algebra nicht zu meinen Stärken zählt. Die Physik reiht sich da gleich mit ein und so dürft ihr nicht davon ausgehen, dass ich mich vertippt habe und es hier eigentlich um die Relativitätstheorie geht. Das trifft sich insofern gut, dass ich vor Jahren schon beschloss einen Bogen um Albert Einstein zu machen. Laut dem Roman „Einsteins Tochter“ von Michele Zackheim, soll er sich ziemlich unrühmlich gegenüber seiner ersten Frau Mileva Marić und ihren gemeinsamen Kindern benommen haben. Aber das ist eine andere Geschichte.   

Von „Einsteins Tochter“ zu meiner Tochter.

Zurück zur Relativierungstheorie. Die besagt, dass Relativierung im mathematischen Gebiet der Mengenlehre bedeutet, dass man mengentheoretische Aussagen in Bezug auf eine Eigenschaft betrachtet, die die insgesamt betrachteten Mengen einschränkt. 

Soweit zur Modelltheorie. In der Modellpraxis als Mutter war meine jüngste Begegnung mit der Relativierungstheorie anderer Natur: Lieblingsmenschen haben bis dato gesetzte Kinder-Regeln zurückgenommen und relativiert. Für sie nur Worte, für mich Pflastersteine die mir vom Herzen krachten. YES.

Eigentlich beginnt alles ab dem Moment, in dem man seine Schwangerschaft bekannt gibt. Werdende Mütter bekommen am laufenden Band ungefragt, gut gemeinte Ratschläge oder Erfahrungsberichte erzählt, von Frauen die bereits Mutter sind (oder noch besser, Frauen die eine Mutter kennen, die sagt, dass alles ganz einfach ist). Dazu gehören Freundinnen und Kolleginnen, Schwestern oder Schwägerinnen und ganz besonders natürlich die eigene Mutter. Schwangere hören sich meistens alles brav an und lächeln sittsam, weil sie ja theoretisch noch gar nicht mitreden können…  Wenn besagte Schwangere sich vorgenommen haben, alles ganz ruhig angehen zu lassen und schauen wollen, wie sich all die neuen Herausforderungen mit dem eignen Kind anfühlen, merken auch sie irgendwann wie gehörte Geschichten durchsickern und kleines Unwohlsein mit sich bringen. Denn irgendwie ist das Gras in den Gärten der anderen grüner und woanders ist es – zumindest laut Erzählung – immer besser: dort schläft das Kind eher durch, es isst viel gesündere Dinge und es ist viel früher trocken oder Schnuller-frei.

Das wurmt. Und so lernt man, sich ein dickes Fell zuzulegen und denkt sich insgeheim „ist mir total egal, was du sagst, obwohl du mir so viel bedeutest“.
Und wenn dann irgendwann unerwartet dieser Moment kommt, indem die andere Person plötzlich sagt, dass jetzt doch alles völlig anders daheim läuft, dass durchschlafen passé ist oder die Oma erlaubt, dass es während der Sommerzeit okay ist, das zweijährige Kind auch mal um halb zehn ins Bett zu bringen, macht das eigene Herz plötzlich einen riesigen Hüpfer und schlägt fast Purzelbäume. Nicht etwa aus Schadenfreude, sondern weil es kein besser oder schlechter bei der einen oder anderen Mummy gibt. Bei uns allen laufen Dinge gut und manches läuft eben irgendwie gar nicht oder noch besser, es läuft total aus dem Ruder.  

Anstelle darüber zu verzweifeln, hilft es zu akzeptieren, dass es allen Mummys irgendwann mal so ging oder gehen wird. Die einen verdrängen es nur besser und die anderen schönen, vermutlich aus Selbsterhaltungstrieb, ihre Erzählungen. Das was man schließlich laut hört, glaubt man eher – auch wenn die Stimme nur die eigene ist. Und so schließt sich auch mein Kreis, alles relativiert sich. Je mehr man erzählt und hört, je eher (Achtung, Mengenlehre) trifft das zu. Das macht es nicht besser, aber es fühlt sich gut an zu wissen, das man nicht alleine ist.

 Carpe Diem

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