Maite Kelly über Großfamilie und Familiengröße

Maite Kelly_Interview

Maite Kelly (35) ist vieles: Sängerin, Tänzerin, Bonprix-Model (siehe Foto), Dreifach-Mummy und mit einer singenden Großfamilie bekannt geworden. Wie sich sieben Brüder und zwei Schwestern auf die eigene Familienplanung auswirken, das hat sie uns erzählt…

Liebe Maite, du bist Mama von drei Kindern und wirkst super relaxed. Es muss doch etwas geben, das selbst dich als Großfamilien erprobten Menschen aus der Ruhe bringt?
Es ist witzig, ich höre das oft, dass ich entspannt wirke. Diese Entspannung kommt vielleicht daher, dass ich in einer Großfamilie aufgewachsen bin. Ich werde ganz ruhig, wenn sich viel Druck aufgebaut hat. Was bringt mich aus der Ruhe? Ich kann mich aufregen über Ungerechtigkeiten, vor allem Ungerechtigkeit den Menschen gegenüber, die mir wichtig sind. Ich werde auch unruhig, wenn es zu ruhig wird. Das ist aber die gesunde Unruhe einer Künstlerin, so entstehen oft neue Ideen.

Stieg die Herausforderung für dich proportional zur Kinderzahl?
Natürlich ist das eine Umstellung. Unsere Großen sind quasi aus dem Gröbsten raus, sehr selbständig. Wir fangen mit der Kleinen von Neuem an. Mein Mann und ich, wir haben uns gemeinsam für das dritte Kind entschieden und meistern die Umstellung gemeinsam. Wir sind beide selbständig und halten uns gegenseitig den Rücken frei. Nur so kann man die neue Herausforderung meistern. Bis jetzt ist alles gut gelaufen. Ich habe mir nach der Geburt viel Zeit genommen, um mich zu erholen und mich der Kleinen und der Familie gewidmet. Man muss in der Zeit auch lernen nein zu sagen, um sich auf das Wesentliche konzentrieren zu können. Mit der wachsenden Erfahrung kann ich heute schneller feststellen wann mir, uns oder der ganzen Familie zu viel zugemutet wird. Ich habe das Glück, dass ich als Künstlerin vieles von zu Hause entwickeln und bewegen kann. Ich mache keine Jobs, wo ich nicht als Mutter verstanden werde. Wer mich als Schauspielerin, Sängerin, Moderatorin, usw. engagiert, engagiert mich als Mutter. Das wird aber zum Glück auch respektiert.

Hast Du dir den Altersabstand für deine Kinder so gewünscht? Ist er in deinen Augen so ideal?
Ich glaube, das Leben hat seine Wege. Alle Eltern müssen für sich entscheiden, in welchen Abständen sie ihre Kinder bekommen. Ich kann aber von vornherein sagen, dass das Leben nicht wirklich planbar ist. Genau so wenig wie man den Tod nicht planen kann. Das Leben hat seine Berechtigung, seine Stimme und sein Rhythmus.
Somit kann ich nur dazu raten, dass man Kinder als Geschenk sieht. Sie fallen einem in die Arme und werden einem anvertraut. Sie gehören uns eigentlich nicht, deshalb kann man es eigentlich nicht kontrollieren und nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt buchen. Man kann nur offen sein dafür, was das Leben einem schenkt. Jedes Elternpaar muss auch für sich entscheiden, was es verantworten kann.

Wie hast du dich durch die Kinder verändert?
Mit jedem Kind wächst die Liebe. Ich muss mein Herz nicht, wie ein Kuchen in mehr Teile schneiden, wenn noch ein Gast dazu kommt, sondern jedes mal wird die Liebe mehr.

Worauf verzichtest du?
Ich habe nicht das Gefühl, als ob ich auf etwas verzichten müsste. Für mich ist es selbstverständlich, dass ich nicht jeden Abend mit meinen Freundinnen ausgehen kann. Wenn ich feiern gehe, dann weiß ich auch, dass am nächsten Tag nicht ausgeschlafen wird. Aber es fühlt sich nicht wie ein Verzicht an. Ich mache das aus Liebe, aus Verantwortung und mit vollem Bewusstsein.

Worauf wirst du nie verzichten wollen?
Auf ein heißes Bad.

Inwiefern kann dich Florent unterstützen?
In dem er einfach mein Mann ist. Es ist wichtig, dass ich Florent nicht nur als den Vater meiner Kinder sehe. Mein Mann bleibt immer zuerst mein Mann und erst dann der Vater unserer Kinder. Der väterliche Umgang mit den Kindern ist sehr wichtig, das brauchen die Kinder. Sie zeigen den Kleinen die Welt von der anderen Seite und es geht nicht immer konform mit der Art der Mutter. Dieser Unterschied ist für die Kinder sehr wichtig. Ich kann als Frau und Mutter nicht nur allein die Erziehung steuern. Es ist ein gemeinsamer Weg und eine Bereicherung für alle Seiten.

Habt ihr euch immer mehrere Kinder gewünscht oder hat sich das erst entwickelt?
Wir wissen beide, dass Kinder keine Selbstverständlichkeit sind. Die Zahl der Kinder ist mit keiner Leistung zu messen. Jedes Kind ist ein Geschenk. Mein Fokus liegt bei den Kindern, die da sind, die ich bekommen durfte. Alles andere kommt zu seiner Zeit oder wenn die Zeit reif ist. Wenn man sich zu viel wünsch, dann verkrampft man. Es gibt auch tausend Wege Eltern zu sein.

Wie würdest Du die Beziehung oder Rollenverteilung deiner Kinder untereinander beschreiben?
Meine große Tochter Agnes ist gerne die große Schwester. ich lege aber sehr viel Wert darauf, dass sie nicht nur als die große Schwester gesehen wird. Man verlangt einfach zu viel von der großen Schwester. Sie soll Vorbild sein, soll nachgeben, vieles einstecken und das finde ich unangebracht. Auch sie ist noch Kind und hat das Recht nur eine Schwester zu sein. Unsere zweite Tochter Josephine ist auch nicht das Sandwich-Kind. Sie war eine lange Zeit die kleine und jetzt ist sie eine der großen Schwestern. Es ist wichtig, dass man die Kinder nicht in eine Rolle quetscht, sondern ihnen als gleichwertigen Menschen begegnet. Bei uns findet keine Rollenverteilung statt. Die Kinder haben ihre Phasen, Ängste, Wünsche, Träume, Vorstellungen von ihrer Zukunft und wir können sie auf diesen Wegen begleiten. Das sind unbeschreibliche und unbezahlbare Momente. 

Was sind die größten Herausforderungen mit mehreren Kindern?
Die große Herausforderung ist einfach zu schauen, dass man mit weiser Voraussicht plant und einteilt. Was wir lernen mussten, war einfach, mehr Puffer einzuplanen für das, was wir vor hatten und zu erkennen, dass weniger mehr sein kann. Viele neigen dazu, viel zu viel zu planen. Kinder haben einen anderen, ihren eigenen Rhythmus. Viele Eltern haben Angst, ihre Kinder zu unterfordern, aber eigentlich haben sie selber Angst, unterfordert zu werden. Ein Kind kann man nicht unterfordern. Ein Kind hat noch den freien Geist und kann sich sofort was einfallen lassen, wenn es mal langweilig wird. Ich sage zu unseren Kindern, wenn sie in dieser Situation sind, dass es gut ist, Langeweile zu haben, denn aus dieser entstehen die tollsten Spiele. Kinder wissen sehr gut, mit der Leere umzugehen, denn sie haben eine blühende Fantasie. Wenn wir Erwachsenen unsere Ängste auf die Kinder projizieren, nehmen wir ihnen den Raum, sich entwickeln zu können.

Du bist zweitjüngstes Mitglied der berühmten Kelly Family Großfamilie. Hast du es als Vorteil oder Nachteil empfunden, so viele Geschwister zu haben? 
Als großen Vorteil , denn wie man so schön sagt: Politik fängt in der Familie an. Somit habe ich schon ganz früh gelernt, mit vielen unterschiedlichen Charakteren, verschiedenen Generationen umzugehen. Es ist nicht immer einfach gewesen (lacht). Sieben Brüder können schön anstrengend sein (lacht). Für mich war es eine tolle Schule.

Vervollständige den Satz: Mein erster Tag zurück im Job war … 
Weil ich eine selbständige Künstlerin bin, habe ich fünf Tage vor der Geburt noch einen Videoclip gedreht. Mein Job ist Gott sein Dank sehr kreativ, somit ist das Liederschreiben der kreative Part in meinem Job. Aber es ist kein 9-to-5-Job. Manchmal fällt mir nachts etwas ein und dann arbeite ich. Anstrengend sind Daten, Fakten, Zahlen. Das muss ich als Unternehmerin auch erledigen. Mein Mann unterstützt mich in diesem Bereich sehr und in der Zeit der Schwangerschaft und nach der Geburt hat er mich komplett entlastet.

Wie wichtig ist dir beruflicher Erfolg? Bist Du eine klassische Working-Mummy?Working-Mummy ist kein Begriff, der zu mir passt. Ich bin zuerst Mutter und durch das Muttersein strahle ich eine persönliche Stärke, eine natürliche Autorität aus. Davor haben vor allem die Männer einen großen Respekt. Ich bin eine Mutter, die arbeitet. An dem Tag, an dem ich Mutter wurde, wurde ich auch eine Geschäftsfrau. Ich merke auch, dass das Mutterdasein mir in der Arbeitswelt mehr Zugehörigkeit bietet und man hört mir zu. Ich habe auch nie Schwierigkeiten mit Männern bezüglich des Arbeitens als Mama gehabt. Meistens waren es die Frauen, die es nicht verstehen konnten, die einfach nur mit dem Kopf geschüttelt haben. Wie kann man Kinder haben und so intensiv arbeiten. Ich habe Kinder und deshalb arbeite ich so effektiv. Alle Frauen, die auch für mich arbeiten sind Mütter und ich merke, die sind in unserem Unternehmen die Mitarbeiterinnen, die am effektivsten und sehr produktiv arbeiten. Wir verlangen keinen 8-Stunden-Tag, sondern dass die Aufgaben erledigt werden. Und diese Mütter sind sehr effektiv! Das wird leider in unserer Gesellschaft nicht gefördert, denn bis jetzt heißt es immer: erstmal Arbeit, dann Mutter. Es geht aber auch anders. Die Mutter ist in der Arbeitswelt die treibende Kraft.

Was würdest Du beim nächsten Mal anders machen?
Gott-sei-Dank lebe ich im Heute und Jetzt und beschäftige mich nicht damit was ich hätte anders machen können. Natürlich lerne ich von Fehlern und mache das Beste daraus, aber mein Fokus fällt hauptsächlich auf das Heute.

Vielen Dank, liebe Maite, dass Du uns all unsere Fragen so ausführlich beantwortet hast!

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