The day that… Vincent was born!

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Unsere heutige Gast-Mummy Sabine schreibt selbst einen Blog, hat aber ihre Geschichte auch noch einmal für uns aufgeschrieben. Und in dieser werden sich viele Mütter wiederfinden, denn die Geburt dauerte bei ihr schier endlos. Erst nach drei Schichtwechseln, einer Blasensprengung, einer PDA und drei versuchen mit der Saugglocke konnte sie ihren Sohn das erste Mal in den Armen halten. Aber lest selbst!

Nun ist es tatsächlich schon ein Jahr her… Naja, mittlerweile schon genau 16 Monate. Und mein Sohn wird immer grösser – die Zeit rast, bald zieht er aus…

Aber erstmal der Reihe nach: ich schreibe hier mal die Geschichte über meine Geburt auf. Wieso? Nun ja, ich empfand alles rund um die Schwangerschaft und Geburt als Erstmama besonders und einzigartig und habe auch das Gefühl, wenn man etwas aufschreibt erinnert man sich besser. Und ich möchte mich gerne an diese besonderen 9 Monate in meinem Leben erinnern.

Es waren ja sogar noch mehr: 9 Monate und 7 Tage.

Sabine

Die ganze Schwangerschaft hindurch ging es mir super und ich habe jede einzelne Sekunde genossen – wir wollten uns  überraschen lassen, ob es nun ein Junge oder ein Mädchen wird. Und auch die Geburt war ein sehr besonderes Erlebnis für mich.

Der errechnete Termin stand für den 2. Mai 2014 – ein tolles Datum, dachte ich mir, aber dem kleinen Powerfüsschen (so nannten wir unser Kind, da es besonders gern und viel im Bauch kickte) sagte ich immer wieder, dass es sich Zeit nehmen darf und kommen soll, wann es möchte. Bloss nicht stressen lassen. In der Schweiz ist es aktuell üblich die Säuglinge bereits nach 5 Tagen über dem Termin zu holen. Hier musste ich meine Frauenärztin noch überreden, denn auch ich und mein Bruder waren zu spät gekommen – so hatte es mir meine Mutter erzählt – sogar ganze 14 Tage zu spät. Für heutige Zeiten fast unvorstellbar.

Meine Frauenärztin war mit einer verspäteten Geburt einverstanden und so wurde gewartet. Naja, gewartet habe ich irgendwie nie, ich war nie aufgeregt und konnte es nicht mehr abwarten. Ich war einfach nur total entspannt. Diese Schwangerschaftshormone sind wirklich toll – ich war megamonstersuper-entspannt.

Ab vier Wochen vor dem Termin ging ich einmal wöchentlich zur Akkupunktur  für die natürlichen Einleitung. Dies alles schon im Krankenhaus in dem ich auch entbinden sollte. Und dann am Donnerstag vor dem Termin (1. Mai) passierte… Nichts.
Eine Woche später am 8. Mai war die Hebamme schon ein wenig nervös und meinte, dass sie unbedingt mit der Frauenärztin sprechen müsse, damit das Kind doch noch geholt wird. Na gut, dann soll sie das halt machen dachte ich mir. Über die Hebamme erfuhr ich, dass in der Nacht von Samstag (10. Mai) auf den Sonntag (11. Mai) eingeleitet werden sollte.

Mit meinem Partner besprach ich dies – wir sind beide grosse Verfechter davon, dem Kind die Zeit zu geben, die es braucht – und auch jetzt denken wir noch genauso.

So war es dann eher unromantisch: Wir fuhren Samstagnacht gegen 23.35 Uhr von zu Hause los, um Punkt Mitternacht ins Krankenhaus einzuchecken. Geschlafen hatte ich gefühlt gar nicht, wahrscheinlich waren es lediglich zwei bis drei Stunden. Denn am Abend zuvor sind wir früh ins Bett, aber richtig schlafen konnte ich nicht. Morgen ist es da. Wird es alles gut laufen für das kleine Powerfüsschen? Solche und ähnliche Gedanken gingen mir im Kopf umher. Wer kann da schon schlafen?

Als wir im Krankenhaus ankamen, fing es richtig schön an zu schütten – die Nacht sollte weiterhin sehr verregnet bleiben. Zuerst wurde mir eine Nadel in den linken Arm oberhalb vom Handgelenk gelegt – oh Mann, ich weiss noch bis heute, wie sehr mir das wehtat! Rückblickend ein süsser Schmerz…

Eine Leitung wurde mir gelegt, falls ich später noch Schmerzmittel oder Wehenbeschleuniger brauchte. Mein Partner war relativ entspannt. Wir gingen dann in unser Zimmer. Wir hatten uns für ein Familienzimmer entschieden. Dort wurde mir dann die berühmt-berüchtigte Magentablette vaginal eingeführt. Man hatte ja herausgefunden, dass diese vaginal eingeführt Tabelle die Wehen auslöst. Der Herzschlag vom Kind wurde noch mal überprüft und ich sollte dann schlafen. Nach ca. 20 Minuten fühlte ich ein heftiges Ziehen und hörte mich selber stöhnen und bewusst atmen. Oh Gott, geht’s doch so schnell los?

Nö, so ging es dann eine Weile weiter – und ich fand es auch cool. Ihr müsst wissen, ich mache seit über 6 Jahren schon Yoga und habe mich sehr auf das natürliche und freie Atmen während der Geburt gefreut. Wir riefen die Hebamme, damit sie mal gucken soll und sie band mir die beiden Sensoren für den Herzschlag und die Bewegungen vom Kind um den Bauch. So lief ich dann von 00.40 Uhr bis 04.20 umher und die Gedanken kreisten immer mehr um das Kind, aber vor allem war ich auf das Atmen konzentriert. Der Samson-Tanz (ja, den Samson aus der Sesamstrasse meine ich) nannte ich meinen Walk rauf und runter im Zimmer. Die Arme immer schön schwingend und dabei schön atmen. Zwischendurch auf dem Waschbecken im Bad abstützen und den Rücken entlasten und schön weiter Atmen.

Alles lief gut – ich hatte viel Durst und die Wehen liefen gut. Der Muttermund öffnete sich nur langsam und die Fruchtblase war auch noch nicht geplatzt. Mir ging es super.

Nachdem Frühstück, das um 7.34 Uhr auf mein Zimmer kam, fragten wir die Hebamme, ob wir nicht hinter in den Gebärsaal (so nennt man den Kreissaal in der Schweiz) kommen sollen. Sie nahm uns mit und schaute nach dem Muttermund – noch nicht mal 4 cm. Naja, dann halt nicht.

Sie fragte, wie es mir ging – super! Ich bin aufgeregt, sagte ich ihr, und freue mich auf die Geburt! „Dann machen wir doch mal einen Einlauf, dann rutscht das Baby vielleicht noch mehr runter und vielleicht platzt dann auch die Fruchtblase.“ schlug die Hebamme vor. Okay wieso nicht. Ich fand den Einlauf sogar ganz angenehm und schön warm. Ich sollte das Wasser so lange wie möglich drin lassen und erst rauslassen, wenn ich es nicht mehr halten kann. Sicher behielt ich es 8 Minuten drin, vielleicht war es sogar länger? Die Zeit hatte ich völlig vergessen und obwohl es Uhren gab, waren diese mir fremd und auch total egal.

Gegen circa 10 Uhr empfohl die Hebamme (es war mittlerweile eine neue Schicht und somit auch wieder eine neue Hebamme) ein warmes Bad im Gebärbecken. Klar, wieso nicht, dachte ich, ich bade schließlich gerne. Das Bad war so warm und entspannend für mich und mein kleines Powerfüsschen, dass ich sogar für gute 45 Minuten eingeschlafen bin. Mein Partner streichelte mir den Kopf und ich schlief in der Wanne ein. Irgendwann wurde es allerdings ungemütlich und die Wehen nahmen auch wieder zu. Ich wollte raus aus der Wanne und wir blieben im Gebärsaal neben dem Gebärbecken. Ich lief anschließend nur noch nackt rum – generell hatte ich noch nie ein Problem mit meinem Körper und während der Geburt erst recht nicht. Meine Wehen wurden immer heftiger und meine Frauenärztin kam vorbei, um nach dem Muttermund zu schauen. Der war noch nicht viel weiter und die Fruchtblase war noch immer nicht geplatzt. Sie meinte, dass wir nach dem Mittagessen die Fruchtblase sprengen werden. Das hört sich viel drastischer an als es im Grunde ist. Man piekst nur in die Fruchtblase und das Wasser läuft ab. Ihr müsst wissen, ich hatte recht viel Wasser, selbst bis zum Schluss meiner Schwangerschaft.

Meine Wehen waren schon so stark, dass ich kaum noch klar denken konnte und essen erst recht nicht. Die Hebamme forderte mich zwar immer auf, aber ich bekam keinen Bissen runter. Ich trank nur Wasser und Gatorade (vielleicht wird’s ja ein Sportlerbaby dachte ich). Die Hebamme sagte mir noch, dass die Wehen mit der Sprengung heftiger werden, da die Gebärmutter dann ziemlich schnell an Druck verliert. Noch heftiger? Klar, das geht schon, dachte ich.

Um halb zwei war es dann soweit und die Frauenärztin sprenge die Fruchtlose mit einer langen Nadel, die mich stark an eine Stricknadel erinnerte. Sie piekste rein und es passierte nix, dann nochmal – mmh!? Wir warteten also. Am Ende der Stricknadel war ein kleiner Wiederhaken, aber auch der schaffte es nicht. Krass, so fest ist die Fruchtblase? Ich fand es irgendwie spannend. Bein dritten Versuch klappte es dann und das Fruchtwasser floss raus. Mein kleines Powerfüsschen bewegt sich auf einmal auch heftig. Mit dem Finger ging die Hebamme vaginal zur Gebärmutter und öffnete den Muttermund ein wenig insgesamt waren es sicher 4 bis 5 Liter Fruchtwasser und alles war patschnass.

Die richtigen Wehen kamen schlagartig und waren verdammt heftig. Denken konnte ich schon lange nicht mehr. Mein Körper war nur noch auf Grundfunktion reduziert: Atmen, Laufen, Trinken. Ich lief schon seit knapp vier Stunden nackt rum und war dennoch total verschwitzt. Naja, schweissgebadet trifft es besser. Mein Partner trocknete mich regelmässig ab. Die Wehen kamen nicht mehr in Wellen, sie waren einfach nur noch da.

Irgendwann stand ich in der Toilette im Gebärsaal an die Wand gelehnt und konnte nicht mehr. Die Hebamme und mein Partner beruhigten mich. Ich wollte ja keine PDA – ich wollte natürlich gebären und es lief doch alles so gut bisher, oder? Die Hebamme erklärte mir, dass eine PDA für mich gut wäre, damit ich mich erst einmal etwas erholen könne. Ich hatte bis dahin schon 13 Stunden heftige Wehen und eine kurze Pause sei notwendig, damit ich wieder Kraft für die Pressewehen hätte. Damit überzeugte sie mich.

Der Anästhesist kam und fragte: sie wollen also eine PDA ? An die Frage kann ich mich ehrlich gesagt nicht mal mehr erinnern. Ich sollte den Rücken ganz rund machen, also versuchte ich mich in eine Kugel zu verwandeln, damit es so rund wie möglich ist. Kurz darauf der kalte Stich und die PDA war gesetzt. Nach schon 2 Minuten war ich wie high. Die ganze Schwangerschaft gesund gegessen, getrunken und nie Alkohol oder sonstige Drogen und dann das. Diese PDA war wirklich etwas. Ich musste mich jedoch setzen, da mein linkes Bein eingeschlafen war. So verging die Zeit bis ca. sechs Uhr am frühen Abend und als ich nun die dritte Hebamme bekam, begannen auch endlich die Presswehen. Mit einem Wehenverstärker ging es dann los. 

Jaaa, jaaa – ein freudiges Ja stöhnend sassen mein Partner und ich da und veratmeten die Presswehen. Wir wollten das Baby ja positiv empfangen. Valium auf Speed sagten mein Partner und ich immer. Dabei schauten wir immer auf den Wehenmesser und ich musste schmunzeln, dass die krassesten Wehen mit PDA überhaupt nicht spürbar waren. Wirklich voran ging es allerdings nicht. Irgendwann war wieder meine Frauenärztin im Zimmer und besprach etwas mit der Hebamme. Ich erinnere mich nur noch an einen Satz von der Hebamme: die Messer sind gewetzt. Okay, Powerfüsschen, sowas tun wir uns nicht an, wir haben es bis hierhin geschafft, jetzt kommst Du auch natürlich und nicht per Kaiserschnitt. Etwa 40 Minuten später war die Frauenärztin wieder da und meinte nur ironisch: man muss Ihnen beiden also immer erst drohen… 

Gegen sieben Uhr folgte die Saugglocke. Erst kam eine kleine mit Saugnapf, wie man ihn aus dem Bad kennt. Der ging nach einem Mal Ziehen aber ab. Daraufhin kam die richtige Saugglocke mit Metallsauger und einem Apparat an dem der Unterdruck aufgebaut wurde. Mein Partner meinte, dass es krass aussah: die Frauenärztin stemmte sich im Squat mit der Saugglocke vor mich, es war eine Art Metallkette, die ihren Griff mit dem Saugnapf verband und sie zog bei jeder Wehe.

Schon nach der ersten Wehe mit Saugglocke fragte ich: „Wie lange noch???“ Sagen wir mal so, es dauerte noch. Es war nur noch anstrengend. Um 22.54 Uhr war es dann so weit: Der Kopf war draussen und wie ein Stück Lappen flutschte der Rest auch noch raus. Man legte mir das Kind mit einem Mützchen bedeckt auf die nackte Brust. Erleichterung oder Glücksgefühle – sowas liest man immer wieder. Ich habe keine Ahnung, wie sich das anfühlt, denn ich war einfach nur erschöpft. Ich fühlte mich jedoch auch komplett. Es war ein Junge – alles dran, alles gesund. Er lag auf mir und ich wollte sofort einschlafen. Zufrieden – ja, so zufrieden wie man sich fühlt, wenn man den ganzen Tag im Herbst draussen war und man dann abends erledigt einschläft. 

Auf unseren Happy Family Moment mussten wir noch warten, denn die Plazenta kam auch noch raus. Und ich musste genäht werden, da ich komplett bis zum After und in den Enddarm rein aufgerissen war. Schlussendlich war ich um 1 Uhr in der Nacht im Familienzimmer und durfte schlafen.

Schon am nächsten Morgen sagte ich zu meinem Partner: „Auf jeden Fall will ich noch ein Kind!“

Die Geburt war für mich sehr intensiv. Ich hatte wirklich das Gefühl ich könne mit dem Baby im Bauch ohne Worte zu kommunizieren. Wir waren auf einer Wellenlänge und er roch so wunderbar – so etwas Schönes habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gerochen.

Während ich die letzten Zeilen schreibe, kommen mir die Tränen. Vor Stolz und vor allem wegen des unglaublichen Glücks. Ich habe ein Kind in mir wachsen lassen und es liebevoll mit meinem Partner auf die Welt gebracht.

Will ich wieder eine PDA? Ganz ehrlich, keine Ahnung. Habe ich Angst vor der nächsten Geburt? Nö, ich habe es auch gar nicht wirklich als schmerzhaft in Erinnerung. Für die nächste Geburt nehme ich mir einfach gar nichts vor. Nur, dass mein Partner wieder dabei sein kann und dass das Baby hoffentlich auch so gesund rauskommt…

GastMummySabine  

Vielen Dank liebe Sabine, für Deine Geschichte!!! 

 

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Für unsere Serie “The Day that…” freuen wir uns über jede Mummy unter Euch, die einen Gastbeitrag schreiben und ihre Erlebnisse mit uns teilen möchte – Bei Interesse schreibt uns eine Nachricht an: info@mummy-mag.de

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