6 Dinge, die ich auch gesagt habe, bevor ich Mutter wurde…

Kolumne_6_Dinge

Oh man, kennt ihr sie auch, die nervigen Sprüche von machen kinderlosen Freunden? Natürlich sind nicht alle Freunde ohne Kinder auch Meister der gut gemeinten Ratschläge, aber manchmal steh ich kurz davor jemanden anzubrüllen, weil mir wieder mal jemand sagen möchte, wie ich mein Kind richtig zu erziehen habe. Und das schlimmste an der ganzen Sache: Es gibt ein paar selten dämlich Ratschläge, die habe ich auch zum Besten gegeben, als ich selbst noch nicht Mutter war. Oh weh, oh weh…

Es ist beispielsweise gar nicht lange her, dass ich in einer Diskussion mit alten Freundinnen fest saß, über die Ernährung von Kindern. Ok, ich habe gar nicht viel dazu gesagt, denn alle waren sich einig, dass ihre noch nicht vorhandenen Kinder mal nur bio, nur gesund, ohne Fleisch und natürlich auch ohne Zucker erzogen werden. Und alle waren sie furchtbar entsetzt, weil für Helene die Fleischwurst in unserem Kühlschrank lag. Wurst, die sie so gerne isst. Dass das eine Bio-Wurst vom Metzger unseres Vertrauen war, ist da völlig egal. Denn keiner hat das Recht mir zu sagen, dass ich mein Kind deshalb falsch ernähre. Vor Allem nicht Freunde, die noch keine Kinder haben, oder? (Anmerkung: ich liebe diese besagten Freundinnen trotzdem noch von ganzem Herzen!)

Und weil ich ja selbst erst aus meinen Fehlern lernen musste – und mich nachträglich noch einmal bei allen Eltern, die solche Klugscheißer-Diskussionen mal über sich ergehen lassen mussten, entschuldigen möchte – hier meine aktuelle TOP 6 Favoriten der Sprüche, die sich bitte jeder ohne Kinder sparen sollte!

1. „Wenn das Kind immer bei Euch im Bett schläft, belastet das aber die Beziehung!“
Oh verdammt, den Satz kann ich nicht mehr hören. Gut, ich habe ihn in meiner grenzenlosen Naivität bevor ich selbst Mutter wurde, auch mehrfach gesagt (hach, wie sehr ich mich heute dafür schäme) und in den ersten 1,5 Jahren von Helene auch wirklich dran geglaubt. Und erst seit einem halben Jahr schläft Helene bei uns im Bett und ist da auch nicht so schnell wieder rauszukriegen. Aber ganz ehrlich: NEIN, es belastet die Beziehung definitiv nicht mehr als Streit, Kampf und Weinen. Und JA, wir genießen es sehr. Und NEIN, wir fühlen uns nicht weniger als Paar, weil wir nicht mehr jede Nacht Arm in Arm einschlafen. Wir genießen einfach, dass wir mehr sind, als nur ein Paar. Und für alles andere muss man halt kreativ sein.
2. „Du musst da schon konsequent bleiben!“
Jaaaaa, auch einer dieser Sätze, die ich früher so gerne selbst vom Stapel gelassen habe. Ich sage sie auch immer noch, doch oft knicke ich schon ein, während ich es noch nicht komplett ausgesprochen habe. Verdammt, ohne Kinder kann man es sich nicht mal ansatzweise vorstellen, wie schwer es wirklich ist, jeden Tag konsequent zu sein. Ich gehe sogar soweit, dass man im Grunde keine Ahnung hat. Warum? Weil man ohne Kinder nicht wirklich konsequent sein muss. So ist es einfach. Und die wirklich zehrenden Nebenwirkungen spürt man nun mal erst, wenn man Kinder hat… Wir unterscheiden mittlerweile ganz klar nach Priorität. Es gibt ein paar Regeln, da bleiben wir auch konsequent. Bei anderen Dingen lassen wir die Zügel eher locker und gehen viele Kompromisse ein. Das Wort „Konsequenz“ hat also eine neue Bedeutung bekommen. Darüber habe ich übrigens schon lang und breit in meiner letzten Kolumne geschrieben – Terrible Two und so… Oder aber auch einer unserer Klassiker: „10 Dinge, die ich als Mutter über mich gelernt habe„!
3. „Wir haben ja einen Hund. Wir wissen wie es ist, ein Kind zu erziehen.“
Ok, den Satz habe ich selbst nie gesagt. Aber den haben einige Freundinnen von mir von sich gegeben, bevor sie Mutter wurden. Und den höre ich noch so verdammt häufig, dass er einfach in meine Liste gehört! Und ja, ich gebe zu, einen Hund zu haben heißt, dass man sich bereits schon mal nach einem anderen Lebewesen richten musste – und sicherlich ist es dadurch einfacher, viele Freiheiten aufzugeben. Das kennt man ja im Grunde schon. Aber nein, einen Hund haben und ein Kind haben sind in der Verantwortung und im Alltag zwei völlig unterschiedliche Dinge. Das ist, als würde man Birnen mit Äpfeln vergleichen…
4. „Also mein Kind wird später NUR vegan/vegetarisch/gesund ernährt.“ 
Meine persönliche Abwandlung war „Mein Kind soll später mal alles essen!“. Das ich nicht lache. Es ist eine so absurde Vorstellung, dass Du deinem Kind das Essen beibringen kannst, denn entweder Du hast ein Kind das anständig isst, oder ein Kind, dass nur Mist essen möchte. Das ist einfach so. Das beruhigende: irgendwann essen sie alle auch Gemüse und Obst. Auch wenn es einige Jahre dauert… Und an all meine liebe Freundinnen, mit denen ich kürzlich die Diskussion hatte, weil mein Kind Wurst essen darf: Wir sprechen uns wieder, wenn ihr total daran verzweifelt, weil eure Kids jedes Gemüse verweigern… Wobei ich hier auch erwähnen möchte, dass Kinder natürlich von den Eltern das Essen an sich lernen. Also bitte immer schön gemeinsam mit den Kindern essen, denn wenn Kinder nicht sehen, dass Mama und Papa auch Gemüse und Co essen, dann braucht man sich nicht wundern, wenn Kinder keinen gesunden Bezug zu Lebensmitteln entwickeln! Trotzdem, Kinder haben ihren eigenen Geschmack und ihren eigenen Willen. Also bitte keine Klugscheißer-Sprüche, wenn das Kind einer Freundin nicht nur super gesund ernährt wird.
5. „Also wenn wir Kinder haben, dann sollen die sich unserem Rhythmus anpassen.“
Den Satz habe ich tatsächlich noch in der Schwangerschaft rausgehauen. Natürlich kurz nachdem ich das Buch „Warum französische Kinder keine Nervensägen sind“ gelesen habe. Nun ja, heute weiß ich, dass in einer jungen Familie ganz klar nur einer den Ton angibt: das Baby. Und das ändert sich mit steigende Alter oder der Kinderzahl auch nicht mehr. Zumindest nicht, wenn man Kinder als eigenständige Persönlichkeiten erzieht. Das soll aber nicht heißen, dass einem die Minis komplett auf der Nase herumtanzen dürfen. Also gilt auch hier wieder: Kompromisse sind der Schlüssel zur Glückseligkeit.
 
6. „Warum schreit sie denn jetzt? Was hat sie denn?“
Ja warum denn nur? Muss ich wirklich erklären weshalb diese Frage so absolut überflüssig ist? Ich denke nicht. Aber nur kurz: Viele Eltern wissen selbst nämlich oft nicht, warum das Baby gerade jetzt schreit. Das kann verdammt viele Gründe haben: Es hat Hunger, Bauchweh, es ist zu kalt, zu warm, es hat schlechte Laune, macht einen Wachstums- oder einen Entwicklungsschub oder es sitzt einfach nur ein Pups quer. Junge Eltern wissen es meisten selbst nicht so genau. Also am besten nicht immer nachfragen, denn Fragen stellen wir uns eh schon genug
Übrigens, das tolle Titelbild hat die liebe Lisa geschossen für unsere Kooperation mit Visual Statements. Und die Bodys gibt es natürlich immer noch zu kaufen! Aber am liebsten verschenken wir sie an Herzensmenschen…

4 Gedanken zu „6 Dinge, die ich auch gesagt habe, bevor ich Mutter wurde…

  1. Hehe, ich bin schon in der ersten Nacht mit meiner ersten Regel eingebrochen: Das Kind schläft niemals in meinem Bett. Wie lange habe ich also durchgehalten? Sechs Stunden?
    Auch etwas, das ich gesagt habe: Ich kann auch mit Kind abends Freunde besuchen. Und jetzt gehe ich meistens spätestens um halb zehn ins Bett, damit ich überhaupt Schlaf bekomme. Auf abends rausgehen habe ich wirklich gar keine Lust.
    Mit tut es auch von Herzen leid, dass ich früher so klare Meinungen hatte. Ohne Kinder hat man wirklich gar keine Ahnung.

  2. Ich habe das letzte Mal auf die „Warum schreit sie denn?“-Frage fies reagiert, so genervt bin ich davon.“Sie findet dich einfach unsympathisch“ ist keine Antwort, über die der andere lacht.

    Wenn ich mich bei meinen besten kinderlosen Freundinnen über solche Fragen beschwere und erzähle, wie unglaublich nervig das ist, bekomme ich aber tatsächlich ein Augenrollen und Sätze wie „Die Menschen sind doch einfach nur interessiert, das ist etwas Gutes.“ Das fing in der Schwangerschaft schon an. Von mir wurde verlangt super rücksichtsvoll mit den dämlichsten und selbst rücksichtslosesten Fragen à la „Ach krass. So weit schon. Wieso sieht man denn noch nichts?“ umzugehen. Schlagfertige Antworten? Tz, wie undankbar.

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