The day that… Matilda was born!

Gast-Mummy Lilian mit Tochter Matilda bei The Day That auf Mummy Mag Von Gast-Mummy Lilian und ihrer Freundin Anneke sind wir schon viele schöne Geschichten gewöhnt. Zusammen schreiben sie das Blog MyTwoDots und geben Einblicke in das Leben mit ihren beiden kleinen Töchtern. Jetzt, wo Lilian mit Baby Nummer zwei schwanger ist, lässt sie die Schwangerschaft und Geburt von Tochter Matilda nochmal Revue passieren und hat die Geschichte um die Frühgeburt für uns alle aufgeschrieben … 

UNSER EARLY BIRD
Gestartet bin ich in meine Schwangerschaft mit vielen Fragezeichen aber auch einer extremen Portion Entspanntheit und Lockerheit. Ich war kerngesund, hatte einen super, ziemlich arbeitsintensiven Job, einen tollen Mann und Matilda war ein absolutes Wunschkind. Ich kannte kaum Geschichten von Schwangerschaftskomplikationen, bin auch kein Typ der sich überliest, überinformiert ist oder zu Hysterie neigt und mein Umfeld bestand und besteht auch zum größten Teil aus entspannten Müttern oder kinderlosen Menschen. Vielleicht alles zu perfekt um wahr zu sein?

Rückblickend kann man sagen, dass eine Schwangerschaft eben doch ein einschneidendes Erlebnis ist. Ich meine das nicht negativ, sondern es verändert vieles und man kann nicht unbedingt immer seinen Stiefel so weiterfahren wie vorher. Das hat aber auch viel Gutes.

Aber einen Schritt zurück:
Da verlief also diese Wunsch-Schwangerschaft unkompliziert, wir waren ein paar Tage vorher sogar noch für eine Woche in Marrakesch, als ich (vergessen werde ich es niemals) am Samstag, des 4. Januars 2014 morgens mit sehr starken Blutungen aufwachte und sofort in die Klinik musste. Schangerschaftswoche 26. Mein erster Impuls: die schlimmsten Befürchtungen und komplette Leere gepaart mit Panik. Komischerweise bin ich in Grenzsituationen ganz gut. Ich stelle alle Mechanismen auf „Funktionieren“ um. So auch damals. Wir sind sogar mit dem eigenen Auto gefahren, im Nachhinhein komplett absurd. Nach einigen Untersuchungen war schnell klar, es ist ernst, aber dem Baby geht es gut. Gott sei Dank. Der Stein, der mir in diesem Moment vom Herzen gefallen ist war mindestens so groß wie der von Obelix – tonnenschwer. Wie ernst es tatsächlich sein sollte, wurde schnell klar: Ich hatte eine Insuffizienz der Plazenta, dazu eine Präeklampsie entwickelt und zu allem Übel noch eine Plazenta Praevia. (Letzteres ist selten, es war aber nicht der gefährlichste Faktor). Die Anweisung der Ärzte, ich müsse bis auf weiteres in der Klinik bleiben war zwar schockierend, aber in einer solchen Situation nimmst du es, wie es eben kommt und stellst deine eigenen Bedürfnisse komplett zurück. Insgesamt sollte ich 6,5 Wochen dort liegen. Das klingt grauenvoll, aber jeder einzelne Tag war ein riesengroßes Geschenk für die gute Entwicklung der kleinen Dame im Bauch. Ich hatte zig Untersuchungen, mehrmals CTG am Tag, Ultraschall, Dopplerkontrollen, Lungenreife wurde gespritzt, Wehenhemmer waren zwischenzeitlich auch nötig. Sprich, das volle Programm. Mein größter Halt: Mein Mann und all jene Menschen, die in der ganzen Zeit für uns da waren; mich besucht, beschickt, bekocht oder einfach nur an uns gedacht haben. Wie es Dominik erging kann ich nur erahnen, für ihn muss das alles furchtbar schwer gewesen sein, du kannst nichts tun, bist hilflos und der Alltag in Job und Co. muss irgendwie weiterlaufen. Er war jeden einzelnen Tag da und hat mich liebevoll umsorgt. Burger geholt, wenn das grauenvolle Essen gar nicht mehr ging…

Gast-Mummy Lilian mit Tochter Matilda bei The Day That auf Mummy Mag Extrem geholfen hat es uns, die Intensivstation vorher zu sehen. So schlimm es klingt, aber zu wissen, was auf einen zukommt, zu sehen, dass alle ihr bestes geben und man nicht alleine ist, hilft ungemein. Das kann ich im Nachhinein auch nur allen Eltern in einer ähnlichen Situation empfehlen. Gut war sicherlich auch, dass ich erst als Matilda geboren war, tatsächlich erfahren habe, dass die Ärzte jeden einzelnen Tag ab Woche 1 in der Klinik mit einer Entbindung gerechnet haben. Meine Akte habe ich Gott sei Dank nicht zu Gesicht bekommen, in der es auch Schwarz auf Weiß vermerkt war. Mit den 6 Wochen Zeitaufschub hatte keiner so richtig gerechnet.

Matildas Geburtstag – heute kann man es auch freudig und glücklich sagen – war dann der 14. Februar. Sie ist ein Valentinsbaby. Nachdem sich meine Werte extrem verschlechtert hatten und auch Matilda immer wieder schlechte CTG-Ergebnisse zeigte, wurde nach einer Horrornacht meinerseits (12 h im Kreissaal mit Übelkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen etc.) um 11.00 Uhr an einem Freitag der Entschluss gefasst Matilda um 13.00 Uhr per Kaiserschnitt zu holen. Man hätte es vielleicht noch 1-3 Tage hinauszögern können, aber es wäre ein Tanz auf rohen Eiern gewesen und ich bin im Nachhinein unendlich froh, wie alles gelaufen ist. Es war kein klassischer Notkaiserschnitt, denn das Team war vorbereitet, mein Mann konnte noch rechtzeitig kommen und alles lief koordiniert und routiniert ab. Extrem positiv am ganzen Prozess war, dass sie meine Meinung und mein Bauchgefühl hören wollten und ich konnte einfach nicht mehr.

Matilda kam dann mit 1210g in der 32 Schwangerschaftswoche gesund aber viel zu klein auf die Welt. Ich durfte sie kurz sehen und sie hat sogar kurz geschrien (ganz leise), dann wurde sie direkt im Nebenzimmer von den Kinderärzten versorgt und auf die Intensivstation gebracht. Ein schreckliches Gefühl, nicht zu wissen, wie es ihr geht, aber man hat einfach keine Wahl. Mir selbst ging es den Umständen entsprechend gut. Die OP ist gut verlaufen und ich war zwar aufgewühlt aber irgendwie auch erleichtert zu wissen, dass sie fürs Erste ok war. Mein Mann durfte sie dann vor mir besuchen. Ich habe es erst am nächsten Tag aus dem Bett geschafft, das war fürchterlich. Dieses Gefühl, sie nicht sehen zu können, hat mich fast zerrissen, aber mein gesamter körperlicher Zustand war alles andere als gut, on top hatte ich starke Nachwehen (das wünsche ich niemandem und wusste auch vorher nicht, dass es das gibt). Am Tag danach habe ich all meine Kräfte mobilisiert, um sie endlich zu sehen.

Gast-Mummy Lilian mit Tochter Matilda bei The Day That auf Mummy Mag Der erste Anblick zerreißt einem das Herz und wir haben uns bewusst dafür entschieden, weder hier noch auf unserem eigenen Blog Bilder zu veröffentlichen. Sie soll das irgendwann selbst entscheiden. Überall Schläuche, Atemhilfe, Zugänge und das winzige Menschlein, kaum größer als eine Packung Milch.

Die Zeit auf der Intensivstation und dann in den letzten 2-3 Wochen auf der Päppelstation waren für uns zwar schwer aber auch eine große Erleichterung. Zu sehen, dass sie jeden Tag einen Fortschritt macht, sie umsorgt und liebevoll behandelt wird. Nach ungefähr 2 Tagen konnten wir das erste Mal Känguruhen, das ist anfangs die einzige Art, wie man direkte Nähe zu seinem Kind herstellen kann. Es wird einem mitsamt allen Gerätschaften auf die Brust gelegt. Das schönste Gefühl überhaupt! Ich war jeden Tag so lange ich eben konnte bei ihr. Habe vorgelesen, gesungen, sie im Arm gehalten usw. Am Ende habe ich mich gefühlt, als würde ich selbst in der Klinik arbeiten.

Die ersten Wochen zu Hause mit einem gerade einmal 2 kg Baby waren geprägt von Desinfektion aller potenziellen Gefahrenquellen und viel Angst, dass es ihr gut geht. Sie atmet, genügend isst/trinkt, sie gesund und munter ist. Besuch wurde vorab stoisch nach Krankheiten befragt und unterwegs bin ich aus Geschäften geflohen, wenn rücksichtslose Menschen in den Kinderwagen gehustet haben. Man kann sagen, man ist sehr viel vorsichtiger, aber das ist auch gut so. Wir sind anfangs mit ihr viel beim Arzt gewesen, hatten mehr Routinekontrollen und auch Krankengymnastik stand auf dem Programm. Das “Turnen” hat Matilda geholfen eine kleine Seitenvorliebe los zu werden und lustigerweise scheint sie heute beidseitig komplett gleich fit zu sein. Isst mit beiden Händen und hat keine erkennbare Vorliebe. Kurzum: alles ist gut. Einige Narben auf ihren Händen zeugen von ihrer Geschichte und wir werden auch sehen, wie es auf ihrem weiteren Weg alles so geht. Aber bis dahin sind wir einfach froh und stolz.

Aktuell bin ich schwanger mit Baby Nummer 2. Ein kleiner Junge. So schnell war das alles nicht geplant und der erste Moment war durchaus ein Schock! Über die 26. Schwangerschaftswoche bin ich hinaus. Mental war das ein riesiger Schritt. Der kleine Kerl ist gesund und munter und auch sonst scheint alles gut zu laufen. Ich muss sehr viel häufiger zu Kontrolluntersuchungen und bin sicherlich selbst auch viel achtsamer. Das ist aber auch gut so. Trotz der Geschichte vom letzten Mal, habe ich mich entschieden wieder zu arbeiten und bereue das auch nicht. Ich achte aber sicherlich auch besser auf meine Grenzen und nehme alles weniger selbstverständlich als vorher. Diese ganze Geschichte hat uns sicherlich verändert, mich ganz bestimmt. Soweit ich es aber sagen kann eigentlich nur positiv.

Gast-Mummy Lilian mit Tochter Matilda bei The Day That auf Mummy Mag Welcome Torte für Matilda
Liebste Lilian, deine Geschichte hinterlässt erstmal einen Kloss im Hals. Und dann ein Lächeln auf den Lippen, weil ihr das alles so gut überstanden habt. Wir Eltern verstecken doch irgendwo Superkräfte: grenzenlose Hoffnung und die Energie für unsere Kinder bis an Ende der Welt zu laufen. Wir wünschen Matilda, dass sie weiter ohne Einschränkungen heranwachsen und auch mal eine so glückliche, starke Mummy werden kann, wie du es bist. Und natürlich alles Liebe für Matildas Bruder. Wie sagst du so schön, es kommt wie es kommt…

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Für unsere Serie “The Day that…” freuen wir uns über jede Mummy unter Euch, die einen Gastbeitrag schreiben und ihre Erlebnisse mit uns teilen möchte – Bei Interesse schreibt uns eine Nachricht an: info@mummy-mag.de

2 Gedanken zu „The day that… Matilda was born!

  1. Liebe Lilian! 🙂

    Danke, dass du deine Geschichte mit uns teilst. Mich würde interessieren, ob die geringe Größe deiner Matilda mit den Komplikationen zusammenhängt bzw. inwiefern sie das tut. Für die SSW 32 ist so ein geringes Gewicht eher untypisch, oder? Falls das eine zu persönliche Frage ist, entschuldige ich mich schon einmal. Besonders schön finde ich das Foto, wo ihr gemeinsam die Straße entlang geht 🙂 so berührend .. Mama und Tochter – das ist etwas ganz Besonderes <3

    viele liebe Grüße!

    Kathi

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