The day that… Filip was born!

Gast_Mummy_Sandy

 Unsere heutige Gast-Mummy Sandy kommt aus Berlin, ist DJane und schreibt auf ihrem ziemlich coolen Blog hauptsächlich über Food & Music. Als sie schwanger war, besuchte sie einen Geburtsvorbereitungskurs und las all unsere Geburtsgeschichten – und dachte eigentlich, sie sei ziemlich gut vorbereitet… Doch wie immer kommt alles anders als man denkt!

Sandy_schwanger

Es fing damit an, dass ich mich für die Geburt unseres Sohnes in einem herkömmlich klassischen Krankenhaus in nächster Nähe anmeldete. Bei meinem ersten Kind hielt ich das für sinnvoll. War es auch, wie sich letztendlich herausstellte. Als alternatives Kontrastprogramm dazu, besuchte ich die Geburtsvorbereitung in einem Geburtshaus. Hier bekam ich alle notwendigen Informationen: zum Beispiel, dass ich mich auf meine inneren, natürlichen Kräfte als Frau, die auch ohne moderne Medizin und vor allem ohne Schmerzmittel in der Lage ist, ein Kind auf die Welt zu bringen, besinnen sollte. Meine Intuition und die Beziehung zu meinem Körper und dem Baby wurden geschult und gestärkt. Ich schaute mir zig Geburtsvideos auf Youtube an, las hier auf Mummy-Mag sämtliche Geburtsstories, fühlte mich gut vorbereitet und freute mich tierisch auf den Startschuss. 

Am errechneten Termin war der kleine Mann immer noch nicht da, obwohl ich mich schon Wochen zuvor mit der ganzen Palette an Symptomen herumschlagen musste, die darauf hindeuten sollen, dass es wirklich…ganz bald…in den nächsten Tagen losgehen kann. Also ab ins Krankenhaus zur Kontrolle. Nach einem Ultraschall im fancy VIP Untersuchungszimmer vom Oberarzt persönlich, wurde uns schließlich angeraten, aufgrund des geschätzten überdurchschnittlichen Gewichts von über vier Kilo, die Geburt einzuleiten: ‚Was haben Sie heute noch vor? Wir haben Zeit und könnten heute Abend loslegen!’ Das wiederum ging uns eindeutig zu schnell und legte meine Euphorie erst mal flach, denn ich wollte ja, dass sich der Kleine selbständig auf den Weg macht. Ich hatte mich besonders auf den einen Moment gefreut…wenn man spürt, dass es losgeht! Durch eine Einleitung würde mir dieser geraubt werden. Ich war zunächst überfordert und den Tränen nahe, rief meine Hebamme an und fragte sie um Rat. Ein Glück bestärkte sie mich darin, weiterhin auf mich und meinen Körper zu hören, schließlich war keine unmittelbare Gefahr gegeben…dem Baby ging es laut Untersuchung top, es war noch ausreichend Fruchtwasser vorhanden. Also gab ich uns noch fünf Tage –  sich endlos lange anfühlende Tage, in denen ich alle Vorkehrungen unternahm, damit endlich die Wehen von alleine kamen – sprich: Rotwein, Ingwer, scharfes Essen, ausgedehnte Spaziergänge, Sex!

Und siehe da! Drei Tage später war es dann soweit. Ich wachte gegen halb 3 Uhr nachts mit einem leichteren Unterleibsziehen auf, wir waren erst um ein Uhr zu Bett gegangen. Dieses Ziehen kannte ich bereits, aber es war bisher immer nach spätestens einer Stunde wieder vergangen und kam eher in unregelmäßigen Abständen. Ich schaute auf die Uhr. Sieben Minuten später spürte ich es wieder, dann wieder und eine Stunde später war ich mir sicher: Es ging los! Ich weckte meinen Freund nicht, die Schmerzen waren noch im Rahmen. Stattdessen ließ ich mir ein Bad ein und schaute dabei die Talkshow von Jimmy Fallon. Um halb 5 schlurfte mein Freund verschlafen ins Bad, setzte sich auf Toilette und fragte teilnahmslos, warum ich denn in der Badewanne läge. Ich grinste: ‚Es geht los.’ Und er: ‚Verarscht du mich jetzt?’ Ich: ‚Warum sollte ich denn sonst mitten in der Nacht baden…!?’ Dann kam wieder eine Wehe und diesen ängstlich, erstaunten Gesichtsausdruck mit den hochgezogenen Augenbrauen bei meinem Freund werde ich nie vergessen. Er bereitete für uns Frühstück vor, legte entspannte Musik auf und während die Wehen allmählich heftiger wurden, führte ich das gesamte Repertoire durch – Atmen, Tönen, Liegen, Bewegen, Wippen und auch Schreien. Die Wehen wurden heftiger, die Abstände immer kürzer. Ich wollte diese Zeit so lange wie möglich zu Hause verbringen. Ich legte mich sogar nochmal ins Bett, schlief tranceartig 5 Minuten ein bevor wieder eine Wehe kam, schlief dann erneut paar Minütchen. Die Schmerzen waren schon kaum mehr aushaltbar, ich fühlte mich überrollt von ihnen, versuchte weiterhin mit ihnen wie auf einer Welle zu surfen, mit jeder Wehe meinem Baby näher zu kommen, aber es tat verdammt nochmal höllisch weh. Um halb 10 rief mein Freund das Taxi. Alle sagten mir, die Fahrt war das Schlimmste während der Geburt, da ich es nicht weit hatte, ging es noch, war aber garantiert kein tolles Erlebnis: ‚Der arme Taxifahrer’, dachte ich nur, dabei hätte ich ja allen Grund gehabt, mich selbst zu bemitleiden. Btw.: Das Schlimmste war für mich, vom Kreißsaal ständig zur Toilette zu laufen – mein Freund versorgte mich während der Geburt rundum mit Trinken. 

Filip

Im Krankenhaus angekommen, bekamen wir sofort einen Kreißsaal mit Badewanne zugewiesen, man sah mir wohl meine Schmerzen an. Dort legte ich mich direkt rein und hoffte auf etwas Milderung. Ich sei völlig weggetreten gewesen, wurde mir später erzählt. Währenddessen fühlte die Hebamme nach dem Muttermund, der zu diesem Zeitpunkt (ca. 11 Uhr) leider nur EINEN erbärmlichen Zentimeter geöffnet war. Das war die Hiobsbotschaft für mich, denn ich dachte daran wie lange ich schon in den Wehen lag und wie lange ich bei dieser minimalen Öffnungsbewegung wohl noch durchhalten müsste. Der ursprüngliche Plan, die Geburt ohne Schmerzmittel durchzuziehen, kam mir wie die reinste Folter vor. Die Hebamme ermutigte mich, es noch 1 bis 2 Stunden auszuhalten, um dann noch einmal zu schauen, wie es voranging. OH NEIN…OK! Ich hasste die Hebamme für diesen Vorschlag, ich wollte die erlösende PDA, wollte aber kein Weichei sein und mir beweisen, dass ich es noch immer schaffen könnte. Fehlanzeige! Gegen 14 Uhr wurde meine Hebamme durch die nächste Schicht abgelöst, meine Erlöser-Hebamme quasi, die mich mit dem besten Satz an diesem Tag begrüßte: ‚Hallo Frau Bartsch! Wie wäre es mit einer PDA?’ Ich liebte sie vom ersten Moment an, meine Ersatzmutter an diesem Tag! Nachdem die PDA gesetzt wurde, war ich endlich wieder Frau über meine Sinne und meinen Körper, ich war wieder zurück auf der Erde. Innerhalb der nächsten 5 Stunden öffnete sich schließlich mein Muttermund komplett. Aufgrund der starken Schmerzen, war ich verkrampft gewesen, sodass sich nichts hätte tun können. Es war der richtige Schritt gewesen. Ich war erleichtert, mein Freund auch. Jetzt warteten wir auf die Presswehen, die nun auf sich warten ließen, weil meine PDA so gut wirkte. Selbst der Wehentropf konnte nichts bis 23 Uhr und zum nächsten Hebammenschichtwechsel anrichten. Eine Schülerin im 3. Lehrjahr sollte nun meine Geburt begleiten. Das war der Jackpot, denn sie brachte jeden Elan, die beste Motivation und die innovativsten Strategien mit, damit der Kleine baldmöglichst natürlich auf die Welt kam. Sie massierte mich, sprach mir gut zu, feuerte mich an, ermutigte mich, Positionen zu wechseln. Zwischendurch kam die anleitende Hebamme vorbei, ich hörte beide miteinander reden: ‚Presst sie denn ordentlich?’ ‚Ja schon, aber nicht volle 100 Prozent.’ Ich sollte das vielleicht hören, denn ich wurde wütend und dachte: ‚Wie nicht 100 Prozent!? Wollt ihr mich verarschen? Das fühlt sich ungefähr so an, als müsste ich einen mega Ziegelstein auskacken…wie kann ich da große Lust verspüren, dieses Ding mit voller Wucht rauszupressen.’ Und dann presste ich wie eine Pressweltmeisterin. Eineinhalbstunden später war Filip Luis auf der Welt und sah so gar nicht wie ein Ziegelstein aus, sondern eher wie das Schönste, was ich je gesehen hatte. Trotzdem war dieser Moment nicht so überwältigend mit Gefühlen beladen wie ich ihn mir ausgemalt hatte. Ich war einfach zu erschöpft, wusste aber, dass ich alle Zeit der Welt haben würde, diesen kleinen, wunderschönen Mann für immer und ewig in mein Herz zu schließen.

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Abschließend und 2 Monate später kann ich rückblickend sagen:

Ich verliebe mich von Tag zu Tag immer mehr und neu in meinen Sonnenschein. Man wächst mit den Aufgaben als Mutter zu einer vorher noch unbekannten Person heran, für die das Leben schon alleine lebenswert ist, wenn Söhnchen zufrieden und gestillt mit seinem Mobilé spielt, wenn mindestens ein Mal Kacka am Tag in der Windel ist oder wenn Papa abends Heim kommt und ein zuckersüßes Lächeln im Gesicht erscheint. Das Ereignis Geburt ist in den Hintergrund getreten, dennoch denke ich mit einem weinenden und lachenden Auge daran zurück. Es war das intensivste und zugleich schwierigste, was ich bisher im Leben durchmachen musste. Traumatisch aufgrund der enormen und langwierigen Schmerzen auf der einen, einmalig und besonders auf der anderen Seite. Das Leben ist um mehrere Facetten an Farben und Gefühlen reicher geworden. Ich will nicht das Wort ‚Lücke’ nennen, aber auf eine sonderbare Weise, fühle ich mich kompletter als vor der Geburt meines Kindes. Er ist so dazugekommen, als wäre sein Platz schon vorher bestimmt gewesen. Ich danke meinem Freund für die unglaubliche Liebe, Zuneigung und Aufmerksamkeit, für alles was er für uns tut. 

Vielen Dank liebe Sandy, für Deine Geschichte. Wir geben Dir absolut recht, das Mutter-sein verändert einen unglaublich, lässt einen wachsen und zu einer völlig neuen Person reifen. Und trotzdem bleiben wir dabei noch die Person, die wir vorher schon waren. Nur halt irgendwie mehr…

Und DANKE, für das wohl coolste Bild aus dem Kreissaal!!!

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