The days that… Karla and Greta were born!

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Bei der Headline könnte man, wenn man nicht ganz genau hinschaut, annehmen, dass unsere heutige Gast-Mummy Verena Zwillinge bekommen hat. Das ist aber nicht so, denn sie erzählt uns heute von den beiden Geburten ihrer Töchter, die kaum unterschiedliche hätten sein können. Während das erste Töchterchen Klara mit dem vollen Programm (Schmerzmitteln, PDA und Lachgas) zur Welt kam, wurde Töchterchen Greta fast eine Hausgeburt. Schließlich musste Mummy ja erst noch auf den Babysitter für das große Kind warten… Aber lest am besten selbst!

Eine Geburt ist nichts romantisches oder schönes als solches. Keine rosaroten Wolken, Schmetterlinge oder bunte Luft. Das einzige Mal, dass ich die bunte Luft um mich herum fühlte, war vollgepumpt mit Schmerzmitteln und der PDA und als die letztlich auch nicht mehr wirken wollte, das Lachgas zum Einsatz kam. Da, ja da war alles herrlich bunt um mich herum…

Ich habe nun zwei Geburten erlebt, bei vollem Bewusstsein (naja fast) und kann sagen, dass es ein absolutes Wunder ist, was der Körper vollbringt.
Karla kam vier Tage nach dem errechneten Termin zur Welt. Ich war relativ entspannt. Was soll ich mich verrückt machen. Es wird schon irgendwann losgehen, ein zurück gibt es nicht mehr und es erwartet mich ja etwas Großes. Etwas ganz Großes. Na klar war ich aufgeregt, aber ich hatte keine Angst. Eher Respekt vor dem, was mich erwartet.

Wir fuhren an einem Sonntag, drei Tage über dem Termin zur Vorsorge in die Klinik. Zusammen mit unserer Hebamme. Während der Untersuchung in der Klinik sagte meine Hebamme, dass es am selbigen Tag, definitiv am nächsten soweit sein wird. Sie sollte recht behalten, denn prompt begannen die Wehen. Es war Sonntag Nachmittag und so aßen wir zusammen Kuchen und am Abend bestellten wir Essen beim Chinesen.
Die Wehen wurden stärker und stärker. Die eigentlich entspannende Badewanne war für mich nicht mehr so wohltuend. Mein Mann meinte später zu mir, ob es denn so richtig, richtig losgehe. Oh ja! Da gab es keinen Zweifel mehr. Er hat sich sehr gefreut (gelacht hat er – in den Wehenpausen war das in Ordnung für mich) und war startklar.

Der Moment, als ich vor Schmerzen in die Knie ging, gab den Startschuss in die Klinik zu fahren. Meine Hebamme, die gleichzeitig auch unsere Nachbarin war und perfekterweise im selben Haus wohnte, fuhr vor und kündigte uns an. In der Klinik bekam ich Schmerzmittel, die ans Betrunkensein erinnerten. Irgendwann kam der Anästhesist und ich bekam die PDA. Meine Güte, die Schmerzen waren plötzlich weg und mir ging es wieder prima. Allerdings kamen sie früher wieder, als gedacht. Schlussendlich kam das Lachgas. Halleluja. Ein Hoch auf das Lachgas. Meine Hebamme fragte mich allen Ernstes: „Vanille, Erdbeere oder Schoko?“ (Es geht immer noch um das Lachgas und nicht um Eiscreme!)
Es wurde Erdbeere und es war so, so gut. Ich entschied nun selbst, wann ich das Lachgas brauche und „mitarbeiten“ kann . Die aufkommenden Wehen ließen mich immer falsch atmen, was die Herztöne verschlechterte und mich blockierte. Mit dem Lachgas konnte ich wieder tief in den Bauch atmen und ganz ohne Schmerzen mithelfen.

Um halb fünf nachts, sollte mein Mann das Telefon betätigen, um die Ärztin dazuzuholen. Etwa 15 Minuten später war Karla Sofie geboren. In diesen fünfzehn Minuten half die Ärztin mit, in dem sie sich auf meinen Bauch legte und drückte. Karla entpuppte sich als Sternenguckerin. Wir kamen um halb elf abends in die Klinik und um 4:46 Uhr war sie geboren. Mein Mann schnitt die Nabelschnur durch und war stolz. Tränen kullerten.
„Es ist ein Mädchen, es ist ein Mädchen“. Voller Euphorie und unter Tränen waren das meine Worte. Die kleine Karla❤️. Wir haben uns beim Geschlecht überraschen lassen.
Der Moment als sie mir auf den Bauch gelegt wurde, war einfach wunderbar. Alles an Schmerzen war verschwunden und es gibt absolut nichts vergleichbares. Plötzlich waren wir zu dritt. Diese Glücksgefühle… Absoluter Wahnsinn und ein echtes Wunder.

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Ein paar Risse, die genäht wurden und einen mega Muskelkater, am gesamten Körper, plagten mich. Ich konnte mich kaum bewegen. Ich dachte ich hätte Sport getrieben und sämtliche Muskeln angespannt von denen ich keinen blassen Schimmer hatte, dass diese überhaupt existierten. Ich war fix und fertig, aber voller Glücksgefühle. Ich erholte mich sehr schnell und war glückselig nach einigen Tagen das Krankenhaus als Mutter verlassen zu dürfen.

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Zwei Jahre und etwas über einen Monat später, durfte ich dieses Erlebnis erneut erleben.
Dieses Mal waren es vier Tage vor dem ET. Einen Abend zuvor bekam ich von meiner Hebamme (dieselbe wie bei Karla damals) Akupunktur. Dieses schien über Nacht bewirkt zu haben, dass es sich ab dann nicht mehr nur um Übungswehen handelte. In dieser
Nacht war ich häufiger wach als sonst. Nun ja, morgens aufgewacht, ahnte ich, dass es wohl nicht mehr lange dauern wird. Ich hielt Rücksprache mit meiner Hebamme. Und was macht Frau? Nein, beim Friseur war ich bereits zwei Wochen vorher, die Nägel waren auch lackiert. Es wurden die letzten Bauchbilder gemacht.

Mittags machten mein Mann und ich uns auf den Weg in den Kindergarten, um unsere Tochter abzuholen. Ich hatte immer wieder leichte Wehen. Zu meinem Mann sagte ich ständig: „Da ist was im Busch, ich glaube wir müssen heut noch los.“ Ich sagte meiner Schwester Bescheid, denn die sollte auf Karla aufpassen, während wir in der Klinik waren. Wohlgemerkt: Sie wohnt knapp 2h entfernt. Wir hatten bereits Monate vorher abgemacht, dass sie kommt.
Ich versuchte noch einen Mittagsschlaf zu machen, um mich auf das was kommt wenigstens mit etwas Ruhe vorbereiten zu können. Der Versuch scheiterte kläglich.
Ich sagte meiner Hebamme Bescheid, ob sie nicht früher kommen kann. Bis zum nächsten Morgen wäre es zu spät.

Sie untersuchte mich am Nachmittag und bestätigte, was ich mir schon dachte: 3cm geöffneter Muttermund und es geht auf jedenfall los! Dass die „Gefahr“eines Blasensprungs besteht, sagte sie mir auch. Das würde bedeuten wir müssten sofort los (also keine 2h auf meine Schwester warten). Zack, rief ich unsere Nachbarin an – für den Fall der Fälle.  Es musste jemand für Karla da sein. Dies war irgendwie meine einzige Sorge. Hört sich blöd an, war wohl aber der Grund warum ich noch so lang zu Haus geblieben bin. Unsere Nachbarin hielt die Uhr um Auge und stellte den Abstand der Wehen fest. Ich trottete mit immer stärker werdenden und sehr schmerzenden Wehen durch die Wohnung. Um kurz nach 19:00 Uhr kam meine Hebamme nochmal. Nach dieser Untersuchung riet sie mir nun doch mal loszufahren. Der Muttermund war nun 4cm geöffnet. Zu Beginn der Untersuchung sagte sie im Scherz wir können die Geburt auch hier im Schlafzimmer machen. Wir lachten und meine Antwort war: „Handtücher haben wir genug“.

Die Wehen wurden immer gemeiner. Wehen während einer Untersuchung sind wirklich übel, um es noch nett auszudrücken. Ich fragte sie, ob ich in der Klinik eine PDA bekommen würde. Irgendwann hörte ich mal es könnte auch zu spät sein. Nein, bei mir mit Sicherheit nicht. Das wird schon noch klappen. Meine Hebamme  beruhigte mich und ließ mich im Glauben. War wohl auch besser so…

Kurz darauf kam meine Schwester. Juhu!! Fliegender Wechsel mit zweimaligem Zwischenstopp auf der Toilette, was allerdings nichts brachte. Ich konnte die letzten Stunden einfach nichts mehr essen. Ab zum Auto, jedoch ging es nicht sofort los. Zu sehr hatten mich die Wehen im Griff. Jeder noch so kleine Hügel und Kurven waren unerträglich. Der Ton meinem Mann gegenüber er solle doch „vernünftig“ fahren, wurde immer schärfer. Um 19:45 Uhr waren wir im Kreißsaal und die Schmerzen wurden so, so heftig. Ich dachte mir werden die Eingeweide nach unten hin rausgerissen. Ich wusste nicht wohin mit mir. Zu meiner Hebamme sagte ich, dass ich alles an Schmerzmitteln, PDA was auch immer nehmen würde. Ich bin offen für alles und nichts gegenüber abgeneigt. Im Nachhinein ist mir ihr Verhalten klar geworden. Sie hat es einfach mal ruhig ignoriert 🙂
Für die PDA war es mal so was von zu spät. Was habe ich stattdessen bekommen? Auf Grund der nicht so guten Herztöne bekam ich Wasser, irgendwann Buscopan. Es war Hopfen und Malz verloren und das Kind war bereits in den Brunnen gefallen. Was ich damit sagen will: Es hat mir natürlich nicht geholfen. Jetzt lache ich darüber, vor 11 Wochen dachte ich, ich muss sterben. Ohne Witz!!! Ich dachte das schaffe ich im Leben nicht. Meine Hebamme sagte ruhig und gelassen „noch zwei, drei Wehen und du hast dein Baby auf dem Bauch“. Ich dachte nur :“ja ja. Das geht doch nicht so schnell“. Innerhalb kürzester Zeit war der Muttermund komplett geöffnet und die Presswehen begannen. Ich war so mit den Schmerzen beschäftigt, dass ich sie mehr aus dem Hintergrund wahr nahm. Als sie sagte ich solle meine Beine anwinkeln, den Kopf auf die Brust legen und pressen, habe ich mich gefragt, wie ich das überhaupt schaffen soll. Ich hatte Schmerzen, die mich umhauten. Wie zum Teufel soll ich da  die Beine anwinkeln?!?!? Verdammt nochmal!

Ich hatte es dann doch irgendwie geschafft und unter Stöhnen und Schreien wurde der Kopf geboren. Die Schulter hing etwas fest und die Nabelschnur war um den Kopf gewickelt, aber nach etwas ruckeln und einer weiteren Wehe wurde um 20:42 Uhr Greta geboren. Totaler Wahnsinn! Sie wurde mir auf den Bauch gelegt und zeigte auch gleich was für eine lautes Organ sie besitzt. Meine Augen ließ ich geschlossen. Ich fühlte wie zart sie war. Ganz anders als Karla damals. Ich dachte, sie wäre ein zarter, kleiner Junge, bis mein Mann sagte: „Es ist eine kleine Greta Marie❤️“. Unsere zweite Tochter war geboren. Es war toll und dass es so schnell ging, ließ mich immer noch etwas verwundert zurück. Auch hier schnitt mein Mann stolz die Nabelschnur durch.

Bis auf ein paar Blessuren und ein kleiner Riss, der genäht wurde, war alles wunderbar verlaufen. Wir riefen nach einer Stunde unsere Familie an und berichteten. Meine Schwester dachte wir würden sie auf’s Korn nehmen. Wie kann das sein? Sind wir doch grad erst los… Im Nachhinein sagte meine Hebamme, wäre die Fruchtblase zu Haus geplatzt, hätten wir es nicht mehr rechtzeitig in die Uni geschafft. Es wäre eine Hausgeburt geworden. Letztendlich ist alles gut gelaufen und ich bin froh, dass es so kam. Mir ging es bereits Tage nach der Geburt schnell wieder super und der Alltag mit zwei Kindern konnte starten. Beide Geburten waren so unterschiedlich. Ich spreche gern darüber und blicke mit Stolz darauf zurück. Es ist ein Wunder und ich bin sehr dankbar dies bereits zweimal erlebt zu haben. Ich habe mit all meiner Kraft zwei gesunde und vollkommene Mädchen zur Welt gebracht.

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Nun begann also das Leben zu viert. Dass dies nicht immer leicht ist, wissen wir alle – aber das ist ein andere Geschichte…

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Vielen Dank liebe Verena, dass Du uns beide Geschichten aufgeschrieben hast. Es ist immer wieder verrückt und faszinierend, was der weibliche Körper schafft! Und wie unterschiedlich Geburten sein können… 

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Für unsere Serie “The Day that…” freuen wir uns über jede Mummy unter Euch, die einen Gastbeitrag schreiben und ihre Erlebnisse mit uns teilen möchte – Bei Interesse schreibt uns eine Nachricht an: info@mummy-mag.de

2 Gedanken zu „The days that… Karla and Greta were born!

  1. Ein sehr trauriger Bericht, der bestimmt keine Frau (vor allem Erstgebärende) honfnungsvoll in Richtung Geburtsereignis blicken lässt. Mit den Worten „eine Geburt ist nichts romantisches oder schönes“ einzuleiten, empfinde ich als sehr niederschmetternd. Vor allem weil es (ausreichend) Beispiele dafür gibt, dass eine Geburt etwas sehr friedliches (ja auch durchaus schmerzvolles) harmonisches und intensiv Intimes sein kann. Ich weiß nicht woran es hier lag, dass es nicht so war und will mir auch nicht anmaßen darüber zu urteilen, will aber darauf hinweisen, dass Frau gebären kann und zwar nicht nur unter Höllenqualen und, dass sie das Vertrauen in diese Fähigkeit nicht verlieren darf.

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