Ein Kinderzimmer, wie es uns gefällt
Experten-Interview

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Anna Pfeiffer ist eigentlich Architektin und jettete bis zur Geburt ihrer Töchter zwischen zwei Jobs und Städten hin und her, bis sie nach Kind Nummer zwei feststellen musste, das geht so nicht weiter! Kurzum gründete sie 2002 das Label Hase Weiss, dass die wohl schönsten Puppenhäuser und Kinderküchen entwirft – ganz nach Bauhaus Prinzip.

Wir haben Anna Pfeiffer für unser Experten-Steckbrief im Mummy Mag Paper Issue 4 interviewt und möchten Euch die vielen Einzelheiten, die uns Anna da preisgab hier nicht vorenthalten. Denn ihre vielen tolle Tipps haben unseren Steckbrief gesprengt. Ein Glück kennt Onlinelektüre keine Grenzen…

Liebe Anna, das Zeitmagazin schrieb einmal über Deine Kinderküche: “Es gibt kein Gesetz, das besagt, dass Spielzeug und Möbel für KINDER hässlich sein müssen. Die wenigsten Eltern ahnen das. Die, die es wissen, kaufen die Küche von Hase Weiss.” Und ich muss zugeben, dass auch ich ihr schon verfallen bin. Ist das Küchenmodul Dein Verkaufsschlager?

Die Küche war eines der ersten Produkte, die ich für Kinder entwickelt habe, weshalb sie mir besonders am Herzen liegt. Meine Töchter haben wirklich lange und ausdauernd damit gespielt. Gebaut werden die Küchen von einem ganz tollen Tischler in Berlin. Der baut die Kinderküche, als sei es ein Möbel für die Ewigkeit. Die Qualität ist hervorragend, aber leider der Preis dadurch auch nicht ganz billig. Das Gute ist, dass man die Küche, wenn die Kinder groß geworden sind und nicht mehr damit spielen, ganz leicht umbauen kann zu einem kleinen Schrankturm. Meine 14-jährige Tochter hat die umgebaute Küche jetzt neben ihrem Bett stehen und verstaut Bücher und Taschentücher darin.

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Du bist eigentlich Architektin, wie kam es dazu, dass Du Dich so intensiv mit Kinderzimmern beschäftigst?

Ich hatte ein kleines Architekturbüro in Berlin und eine Assistentenstelle an der Kunstakademie in Hamburg.
Nachdem 2002 meine zweite Tochter zur Welt kam, wurde mir klar, dass ich es neben den Kindern nicht schaffen werde, jede Woche nach Hamburg zu pendeln und weiter Aufträge für mein Büro zu akquirieren und auszuführen. Das Leben musste irgendwie einfacher werden. Dazu hatte ich große Lust, mich mit Dingen für Kinder zu beschäftigen – Möbel und Spielzeuge…

…und 2005 Hase Weiss gegründet hast?
Mein großes Vorbild war immer das Ehepaar Eames. Die hatten selbst keine Kinder, aber haben sich so viele schöne und lustige Dinge für Kinder einfallen lassen. Dabei sieht es auf den Fotos immer so aus, als hätten sie dabei einen Riesenspaß gehabt. So begann ich einige kleine Serien für Kinder zu entwerfen. Möbel, Puppenhäuser, Spieluhren – einfach alles, was ich für meine beiden Töchter brauchte.

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Was ist das besondere an Hase Weiss?

Hase Weiss ist klein und sehr persönlich. Es geht nicht darum, einen bestimmten Markt zu bedienen oder Bedürfnisse einer Käuferschicht zu erfüllen, sondern darum, meine ganz persönliche Sicht auf das Leben mit Kindern zu verwirklichen. Das, was mir wichtig ist.
Das bedeutet, dass die Möbel und Spielzeuge schön sein müssen, fair und nachhaltig produziert, aber vor allem auch, dass die Kinder wirklich vielfältig damit spielen und ihrer Phantasie freien Lauf lassen können. Ich mag gerne Dinge, die vieles sein können, die man vielfältig einsetzen und bespielen kann, die nicht von Erwachsenen schon fertig gedacht sind, sondern den Kindern noch “Spiel”-Raum lassen.

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Das Möbelsystem, das von einem kleinen Hocker zum Nachttisch, zum Regal und zum Sideboard wächst, ist (wie Du selbst sagst) ein Anti-Wegwerf-Statement. Wie übersetzt Du das System, wenn Du für Kitas die Raumplanung übernimmst?

Bei Kitas ist wichtig, dass die Möbel zum einen viel aushalten und lange halten und zum anderen immer wieder umgebaut und neu erscheinen können.
So kann zum Beispiel aus den Hockern ein Kriechgang werden. Die Kinder werden begeistert sein, wenn an einem grauen Wintermorgen das ganze Zimmer umgeräumt und zu einem Geschicklichkeits-Parcours verwandelt wird.

Was ist Dein ultimativer Tipp bei der Einrichtung eines privaten Kinderzimmers?

Ich mag gerne Sideboards oder Podeste, um Spielzeuge darauf zu stellen. Die Kinder können sich davor knien und sehen auf Augenhöhe ihre selbst geschaffenen kleinen Welten vor sich. Dadurch können sie ganz leicht dort hineintauchen.

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Wenn man nicht so viel Geld zur Verfügung hat, was ist der einfachste Trick, um einen Raum für ein Kind attraktiv zu machen?

Kinder sind ja keine Perfektionisten. Ihre Phantasie ist so stark, dass sie nur Möglichkeiten brauchen, Dinge umzubauen und sich zu eigen zu machen. Das kann man mit ganz einfachen Mitteln erreichen. Wichtig ist, Dinge zur Verfügung zu stellen, die flexibel sind und die Fantasie anregen.
Zum Beispiel, wenn man einen Teil der Wand mit Tafelfarbe bemalt und eine Bank davor stellt. Die Kinder können dort malen oder Schule spielen. Am nächsten Tag ist dort der Kaufladen und wieder später kann man die Kulisse eines Theaterstückes auf die Tafel malen. Dazu ein paar Holzkisten und eine große Rolle Papier. Das genügt eigentlich schon.

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Was kann man sich bei der Gestaltung eines Kinderzimmers sparen oder welches Möbelstück für Kinder wird völlig überschätzt?

Ich glaube nicht, dass Kinder “Themen-Möbel” brauchen, also ein Bett, das aussieht wie ein Piratenschiff. Jedes Kind hat genug Phantasie, aus dem Bett ein Piratenschiff zu machen und am nächsten Tag einen fliegenden Teppich.

Was braucht jedes Baby zu Hause?

Babys brauchen etwas zu gucken. Das kann ein schönes Mobile sein, das sich in der Luft bewegt oder die Blätter im Baum vor dem Fenster. Dazu eine bequeme Decke oder ein Schaffell.

Du bist selbst Mutter von zwei Töchtern. Hat sich Dein Stil oder Dein Blickwinkel in Sachen Interior seitdem verändert?

Bevor ich Kinder hatte, war das Design eines Möbelstücks entscheidend. Ich habe mehrere Stühle, die ich ganz toll finde, obwohl sie furchtbar unbequem sind.
Für meine Kinder ist mir wichtiger, dass die Dinge auch funktionieren. Die Möbel müssen nicht nur gut aussehen, sondern auch richtig benutzt und bespielt werden.
Daneben ist Stauraum ein ganz wichtiges Thema geworden. Wie schaffe ich es, dass diese 1000 Kleinigkeiten nicht in der ganzen Wohnung herumfliegen und irgendwo einen Ort haben, wo man sie hinräumen kann, wenn man mal aufräumt.

Vielen lieben Dank für das Interview und viel Erfolg weiterhin mit Hase Weiss, liebe Anna!

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Alle Bilder via Hase Weiss

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