Titel_Roadtrip_Urlaub mit Kindern in Deutschland_Deutsche Märchenstraße

Sie ist traumhaft schön: Die Deutsche Märchenstraße führt über eine der lieblichsten Regionen Deutschlands und ist eine ideale Reiseroute für einen Roadtrip mit Kindern und Familie – doch nur wenige kennen sie. Autorin Verena Schulemann und Sohn Bruno nehmen uns mit in ihren Urlaub…

Märchenstraße? Ja, die gibt’s tatsächlich. Sie führt entlang der Schauplätzen der berühmten Märchen und durch die im wesentlichen hessische Heimatregion der schlauen Gebrüder Grimm, die in Hanau aufwuchsen und in Kassel studierten und später niederschrieben, was ihnen ihre Geschichtensammler aus eben dieser Ecke so zutrugen und viele von ihnen haben einen wahren Hintergrund… 

Schneewittchen zum Beispiel gab es tatsächlich und auch die Sieben Zwerge …  Nur: Nicht immer enden die Geschichten so glücklich wie im Märchen! Eine Reise auf der Deutschen Märchenstraße ist ein bisschen wie im Krimi: Ihr begebt Euch auf Spurensuche deutscher Kulturgeschichte.

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Über 600 Kilometer ist die Märchenstraße lang, sie führt von Hanau (der Geburtstadt der Grimms) bis nach Bremerhaven, vorbei an genau den Burgen, Schlössern, Wäldern, Städten, die in den berühmten Märchen vorkommen. Entlang der Route werden die Märchen an Dutzenden Orten für Euch und Eure Kinder erlebbar gemacht! Hunderte Veranstalter, Dutzende Gasthöfe, Museen, Hotels, Denkmäler, Stadtrundgänge haben sich dem Programm angeschlossen. 

Die Märchen der Gebrüder Grimm! Neben der Luther-Bibel das erfolgreichste deutsche Buch der Welt. Übersetzt in über 160 Sprachen, die Original-Handschrift steht unter UNESCO-Schutz! 

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Die Grimmschen Märchen sind eines der wichtigsten Kulturgüter, die wir haben! In der Waldorf-Pädagogik ist man überzeugt: Es gibt nichts, was kleine Kinder schlauer macht, als ihnen Märchen zu erzählen … 

Dazu kommt dieses wunderbar verbindende: Nicht nur wir und unsere Kinder sind mit den Märchen, die von den schlauen Gebrüdern Jacob (1785-1863) und Wilhelm Grimm (1786-1859) Anfang des 19. Jahrhunderts aus alten, deutschen Erzählungen niedergeschrieben wurden, aufgewachsen oder tun es noch, sondern auch unsere Eltern, unsere Großeltern, ja schon unsere Ur-ur-ur-ur-Großeltern haben sie als Kinder erzählt bekommen … 

Kommt mit auf meine Reise. Ich verrate Euch, was wir Märchenhaftes erlebt haben … 

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Wie es sich für eine ordentliche Familienreise gehört, habe ich neben meinem Sohn auch noch meine Eltern  eingepackt. Zusammen reisen wir eine Woche. 

Die Deutschen Märchenstraße ist eine ideale Reise mit Großeltern. Die Märchen sind ein schöner Aufhänger, um sich innerhalb der Familie über die eigene Kindheit und den Wandel der Zeiten auszutauschen … 

Als erstes geben wir uns Märchennamen – das verrät so einiges … Meine Mutter wählt „Frau Holle“, mein Vater „Rumpelstielzchen“, mein Sohn „Hänsel“ und ich bin „Rapunzel“. Super-Kombi. Märchen wir kommen! 

Natürlich braucht man ein Auto. Thelma und Louise war gestern – jetzt ist Roadtrip à la Family angesagt. Wir sind mit der bequemen und sicheren Familienkutsche, im VW Touran unterwegs. Viel Platz auch hinten, außerdem gibt es einen großen Kofferraum und Tische zum Runterklappen. Das macht die Fahrzeit entspannt. Mama fährt und unterhält sich mit Oma, die nach dem Weg schaut. Hinten spielt Opa mit Sohn Memory … 

Der Rattenfänger von Hameln: 1284 verschwanden die Kinder aus der Stadt. Und das ist tatsächlich historisch belegt. Doch warum ist bis heute ein Rätsel, aber es gibt Theorien … 

Wir machen eine aufregende, 60 Minuten dauernde Stadtführung mit dem Flöte spielenden „Rattenfänger“ durch die wunderbare Altstadt – zu buchen über das Tourismusbüro Hameln – und erfahren viel über die Verhältnisse im Mittelalter, zu der Zeit, in der die Kinder verschwanden und über die vielen Theorien: Alkohol soll im Spiel gewesen sein, der Rattenfänger sowas wie heute ein Rockstar, ein Guru, dem die Kids blind folgten …?

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Ich schlafe wie Dornröschen. In einem Himmelbett unter Leuchtsternen im Turmzimmer auf der Sababurg. Hier könnte sich das Märchen mit der berühmten Rosenhecke zugetragen haben, denn die Burg ist eine Ruine und lag tatsächlich lange im Schlaf, umgeben von einem „Märchenwald“, dem Reinhardswald oder auch Sabawald, einem der wenigen noch echten Urwälder Deutschlands … 

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Mein Tipp: Gleich neben der Burg liegt der Tierpark Sababurg – der älteste Zoo Europas, 1571 vom Landgrafen Wilhelm IV. Eingerichtet, 130 Hektar groß, 900 Tiere, u.a. Wisente, Rentiere und Wölfe!

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Die Bremer Stadtmusikanten: Sie stehen ganz lieb neben dem Rathaus, wer sie berührt (aber Vorsicht: Es gibt nur EINE richtige Art und Weise, lasst sie Euch vorher erklären!), darf sich etwas wünschen. 

Unterhaltsam, lehrreich und nachdenklich stimmend sind die Stadtführung durch die historische City mit dem berühmten Bremer Rathaus und dem „Roland“ davor, dem ehemals jüdischen Viertel und dem verwinkelten von unzähligen mini-kleinen Gassen durchzogenen Schnoorviertel

In Bremen könnt ihr viel über den langen und blutigen Weg zu unserem freien, demokratischen Europa erfahren – und was die Stadtmusikanten damit zu tun haben … 

Übernachtungstipp: Die Alexander von Humboldt. Der Zweieinhalbmaster ist heute Hotel. Titel_Roadtrip_Urlaub mit Kindern in Deutschland_Deutsche Märchenstraße

Schneewittchen und die Sieben Zwerge: Wir erkunden das ehemalige Bergwerk in Bergfreiheit. Heimatforscher Eckhard Sander, der selbst ein wenig an einen Zwerg erinnert, führt uns durch die Katakomben und erzählt: „Hier mussten Kinder arbeiten. Durch die harte, dauerhafte Arbeit, oft stundenlang im Liegen, ohne Sonnenlicht, bei schlechter Ernährung blieben die kleinen Arbeiter im Wachstum zurück und vergreisten frühzeitig.“

Übrigens: Sie trugen lange Zipfelmützen aus Filz, die sie vor herabfallenden Steinen schützen sollten. Sander ist sich sicher: Diese Kinder, die sich im Bergwerk schunden mussten: Sie sind die literarischen Vorbilder der „Sieben Zwerge! 

Wir erkunden das ehemalige Bergwerk in Bergfreiheit. Heimatforscher Eckhard Sander, der selbst ein wenig an einen Zwerg erinnert, führt uns durch die Katakomben und erzählt: „Hier mussten Kinder arbeiten. Durch die harte, dauerhafte Arbeit, oft stundenlang im Liegen, ohne Sonnenlicht, bei schlechter Ernährung blieben die kleinen Arbeiter im Wachstum zurück und vergreisten frühzeitig.“

Übrigens: Sie trugen lange Zipfelmützen aus Filz, die sie vor herabfallenden Steinen schützen sollten. Sander ist sich sicher: Diese Kinder, die sich im Bergwerk schunden mussten: Sie sind die literarischen Vorbilder der „Sieben Zwerge! 

In Bergfreiheit liegt auch das „Schneewittchenhaus“. Eine alte Bergmannshütte, typisch für die Gegend und einzigartig, denn diese Häuser hatten nur einen Raum, in dem die Bergleute gemeinsam schliefen und aßen.

Sander schrieb ein Buch über seine Forschungen („Das Leben der Margarethe von Waldeck“) und ist sich sicher: Schneewittchen wurde 1533 als Margarethe von Waldeck auf Schloss Friedrichstein geboren und verliebte sich später am Brüsseler Hof in den spanischen Kronprinzen. Dort soll sie einer Intrige zum Opfer gefallen und vergiftet worden. Sander ist sicher: Sie ist das echte Schneewittchen. Margarethe, deren Mutter wie im Märchen früh verstarb, galt als wunderschön. Übrigens: Zwischen Brüssel und Friedrichstein liegt das Sieben(!)gebirge …

Und es gibt noch mehr Parallelen. Sander vermutet: Das brisante Verhältnis könnte Folgen gehabt haben, Margarethe kehrte kurz vor ihrem Tod noch einmal nach Hause zurück, wollte sich mit dem Vater aussprechen. War Schneewittchen schwanger und musste untertauchen? Wurde sie vielleicht in einer der Bergmannshütten versteckt? Sander forscht weiter …

Interessant: Margarethe von Waldeck war blond. Und tatsächlich: In der Original-Handschrift der Grimms ist von „gelbem Haar“ die Rede, später wurde Schneewittchens Haar dann „schwarz wie Ebenholz“ …

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Der „Rapunzelturm“ steht auf der Trendelburg. Dort gibt es nicht nur eine herrliche Aussicht, sondern auch ein gediegenes Hotel mit Rittersaal und so richtig, echtes, grusel Schloss-Feeling, aber auch Sauna und ein Panorama-Restaurant. 

Wer etwas lernen möchte, dem empfehle ich die spannende Führung: Warum wurden im Mittelalter Frauen in Türme gesperrt? Was war der „Hexenturm“? Das gibt eine ganz neue Sicht auf die Geschichte mit dem Mädchen und dem langen Haar.

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Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen: Ein wunderbarer Abschlusspunkt des „märchenhaften Roadtrips“ ist Schloss Waldeck, eine Burg – heute Schlosshotel – mit wunderbaren Blick über den anliegenden Stausee und die wundervollen Wälder. 

 Mit Kindern könnt Ihr hier wunderbar wandern, im See baden oder eine Schiffstour machen, das Stauwerk besichtigen, mit der Seilbahn fahren – und viele, viele Dinge mehr. Die Region ist perfekt für einen Familienurlaub (Pfingstsonntag sind auf dem Schloss „Märchentage“ mit Theater, Spielen, Marktständen, Streichelzoo, Ponyreiten…). 

Sehenswert: Die Burg diente lange Jahre als Gefängnis. Noch immer zeugt ein Museum und die Ausstellung „Hinter Schloss und Riegel“ von den düsteren Zeiten. Die alten, kargen Zellen und Massenverließe sind heute zu besichtigen, aber auch Folterkeller und eine Reihe von Folterinstrumenten. Es ist ziemlich gruselig, schockierend, aber auch unglaublich erhellend – zum Glück liegen diese Zeiten hinter uns … 

Die Gebrüder Grimm: Wenn Ihr Euch für das Leben der berühmten Brüder interessiert, dann gibt es zwei gute Orte, wo Ihr richtig eintauchen könnt und die auch für Familien grandios sind.  

  • Die Gebrüder Grimm Stadt Steinau, hier verbrachten die Brüder ihre behütete Jugend. Zu besichtigen ist das Gebrüder Grimm Haus, Schloss und Kirche.
  • Wunderbar, sinnlich, erlebnisreich und erhellend ist die multimediale, nach neuesten Museumstandards entwickelte GrimmWelt in Kassel, die im Herbst 2015 eröffnete. 

Übrigens die Deutschen Sagen, das neben den Märchen bekannteste Buch der Grimms, erschien 1816 zum ersten Mal – also in diesem Jahr vor genau 200 Jahren … 

Danke VW und Danke, Deutsche Märchenstraße, für diese schöne Reise!