„Nein verdammt, mein Kind schläft nicht durch! Na und?“

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Helene ist jetzt 2,5 Jahre alt und nein, sie schläft noch nicht durch. Die Sache mit dem Schlaf ist nun einfach unser Thema. Und wir haben alles probiert, von stundenlangem neben ihrem Bett sitzen bleiben, bis zu das Kind einfach komplett in unserem Bett schlafen lassen. Wir hatten sogar Schlaftraining ausprobiert – sagen wir mal so: mit mäßigem Erfolg. Also nein, unser Kind schläft nicht durch und das ist auch ok!

Dass ich jemals so eine Schlussfolgerung für mich ziehen würde, hätte ich noch vor zwei Jahren niemals gedacht. Dafür ist mir Schlaf immer viel zu wichtig gewesen. Ohne ausreichend Schlaf war ich einfach nicht zumutbar. Ich musste früher mindestens auf eine Schlummerkapazität von acht Stunden kommen. Schlief ich schlecht, war ich am nächsten Tag total groggy und brauchte Anlaufzeit, um fit zu werden. Wenn ich mir heute einen Euro für jedes „Ich bin ja so müde!“ geben würde, dann wäre unser Sparschwein prall gefüllt! Und ich kann trotzdem damit leben. Worauf ich hinaus will: Weniger Schlafen ist gar nicht mal so schlimm…

Der letzte Stand vor einem Jahr!
Im Mai 2015 hatte ich meine letzte Schlafkolumne geschrieben (wenn man mal von unserer Matratzen-Suche absieht). Wir waren gerade aus unserem Traumurlaub Malediven und Sri Lanka zurück und Helene, die vorher immer in ihrem Zimmer geschlafen hatte (mit kleinen und großen Dramen), wollte nur noch bei uns schlafen. Und was haben wir getan? Wir haben sie einfach gelassen. Das erste Mal, seitdem sie auf der Welt war, haben wir sie jede Nacht in unserem Bett schlafen lassen – zwischen uns. Dieses kleine Wesen schaffte es eher, uns aus unserem Bett zu verdrängen, als anders herum. Verrückt oder? 

„Irgendwann erledigt sich das ganz von selbst!“
Natürlich gab es bei uns einige Diskussion, weil es dich als Paar schon erheblich einschränkt, wenn Du das Bett so überhaupt nicht mehr alleine hast und jedes Mal, wenn Du ins Bett gehst, bereits ein Kind quer drin liegt. Doch am Ende habe ich mich durchgesetzt, weil ich fest davon überzeugt war, dass Helene genau diese Nähe und die Sicherheit jetzt brauche und sich das irgendwann von selbst erledigen würde. Natürlich wusste ich nicht mit Sicherheit, ob das stimmt, oder ob wir nun die nächsten zehn Jahre eine zusätzlichen Schlafgast im Elternschlafzimmer haben werden. Und Danilo war auch nicht so ganz überzeugt. Aber in dieser Grundsatzdiskussion zog er einfach den Kürzeren, bzw. in ganz unruhigen Nächten zog er einfach aus. Und das Ende vom Lied: Ich habe tatsächlich Recht behalten, denn nach einigen Monaten entschied Helene von alleine, dass sie nun abends in ihrem Zimmer einschlafen wolle. Und das hat sie bis jetzt so durchgezogen!

Jede Nacht kommt Helene zu uns!
Ja, Helene schlummert abends in ihrem Zimmer ein. Das dauert mal fünf Minuten, mal eine Stunde. Wenn es länger dauert, dann nicken wir meistens vor ihr ein und kommen dann irgendwann wieder völlig verpennt aus ihrem Zimmer. In den meisten Fällen ist das ihr Vater, denn der bringt Helene in neun von zehn Fällen ins Bett, damit Mummy bereits wieder am Rechner sitzen und arbeiten kann. Doch irgendwann wird Helene wach und schläft dann nur noch bei uns weiter. Sie kommt nicht zu uns, sondern weint, bis wir sie holen. Sie hat auch einige Mal versucht zu uns zu kommen, aber ist jedes Mal schlaftrunken über eine der vielen Holzschwellen unserer Altbauwohnung gestolpert. Das hatte dann einen großen Schrecken und noch größeres Geschrei zur Folge, dass wir uns angewöhnt haben, sie einfach kurz zu uns zu holen. Sobald sie zwischen uns liegt ruft sie noch einmal „Papa, Du musst mich kuscheln!“, steckt mir ihre Füße entgegen und schlummert schon wieder selig ein. Und wir auch!

Ich genieße jede Minute!
Ich kenne viele Freunde, die mich etwas entsetzt anschauen, wenn ich ihnen davon erzähle. Auch viele Freundinnen, die noch keine Kinder haben und die Vorstellung als Horror-Szenario empfinden, jede Nacht aufstehen zu müssen. Das Schlimmste ist, wenn ich ihnen erzähle, wir oft ich in der Nacht wieder von einem Tritt gegen den Kopf geweckt werde. Hahaha. Aber auch wenn mich das manchmal wirklich wütend macht, schiebe ich Helene zurecht, drehe mich um und schlafe weiter. Und ganz ehrlich, von einer Person, für die Schlaf früher mehr als heilig war, das stört mich im Grunde nicht wirklich. Doch also klar, ich hasse die Nächste, an denen ich wachgetreten werden, aber davon gibt es (zum Glück) nicht mehr so viele. Und die Momente in denen man morgens wach wird, weil einen dieses zuckersüße kleine Wesen im Gesicht streichelt oder einem eine Geschichte erzählt, sind das Beste, was einem passieren kann. Einer dieser Momente schafft es tatsächlich hundert schlimme Nächte aufzuwiegen. Verrückt oder? Und ganz schön cheezy, aber es entspricht nun mal der Wahrheit. Und es entspricht auch der Wahrheit, dass ich morgens nicht so glücklich wach werde, wenn sie nicht bei mir liegt. Auch wenn ich immer noch verdammt gerne meinen Freund sehe, wenn ich die Augen aufmache. Aber der ist nun mal nicht mehr so klein, lustig, süß und drollig… 

Warum etwas weniger Schlaf sogar gut tut?
Ich erinnere mich einen Schlüsselmoment, den ich mit meiner Freundin Annika hatte. Wir waren in London, ein Mädelswochenende. Das erste Wochenende ohne Helene und mit ganz viel Schlaf – so dachte ich zumindest. Denn es hatten sich zwei Dinge eingeschlichen. Zum einen: Ich war bereits Mutter! Das bedeutete, dass ich nicht an Durchschlafen, Ausschlafen oder lange Schlafen gewöhnt war. Und da der Mensch ja ein Gewöhnungstier ist, war mein Schlaf auch nicht wirklich anders, als zuhause mit Baby. Zum anderen habe ich gemerkt, dass man mit etwas mehr Disziplin zu einem erholsameren Schlaf kommt. Häh? Disziplin? Erholsam? Ja genau, Annika wusste genau, wann ihre übliche natürliche Aufstehzeit ist (Natürlich ist sie auch Mutter!). Und anstelle sich noch drei mal umzudrehen und immer wieder kurz tief einzuschlummern, stand sie einfach auf und startet den Tag mit sehr viel mehr Energie, als ich es getan habe… 

Den eigenen Schlaf mal überwachen!
Es gibt ja unzählige Möglichkeiten den eigenen Schlaf zu tracken und sich anzuschauen. Ich habe das beispielsweise mit dem Jawbone-Armband und zugehöriger App gemacht. Jeden morgen konnte ich also sehen, wie ruhig mein Schlaf wirklich war, wie viele Tiefschlafphasen ich hatte und wie lange diese gingen. Was ich für mich dabei erkannt hatte? Wenn ich weniger Stunden schlafe, habe ich weniger, dafür sehr viel längere und erholsamere Tiefschlafphasen. Sprich: Ich bin trotz nächtlichem Aufstehen sehr viel erholter am Morgen, als wenn ich um zehn ins Bett gehe und bis sieben penne. Gut, das mit dem frühen ins Bett gehen passiert eh nicht häufig, da ich ja nahezu jeden Abend noch lange arbeite, aber mich hatte diese überhaupt nicht wissenschaftliche Schlafüberwachung dennoch überrascht. 

Mein Fazit? Wir nehmen es wie es kommt!
Es ist tatsächlich so – wir nehmen es wie es kommt. Zumindest in Sachen Schlaf. Ich habe völlig aufgehört mir diesbezüglich etwas vorzunehmen oder genaue Vorstellungen zu haben. Ich weiß, dass wenn irgendwann noch ein Baby kommt, die Karten eh komplett neu gemischt werden. Ich kenne so viele Schlafmodelle von Eltern mit mehreren Kindern, so viele Eltern, bei denen Vorstellung und Realität unglaublich weit voneinander abweichen, dass wir gesagt haben, wir werden einen Teufel tun uns da irgendetwas aufzuerlegen. Vielleicht erledigt sich das ja bis dahin ganz von alleine, vielleicht auch nicht. Vielleicht wird es kurzzeitig viel schlimmer oder wir wir machen die ersten Monate ein Matratzenlager. Ich habe absolut keine Ahnung – und das ist auch gut so. Ich weiß nur, dass wir bis jetzt nur ein Kind haben und einfach die Zeit mit Helene in vollen Zügen genießen. Und wenn sie irgendwann Mama und Papa aus ihrem Zimmer schmeißt, weil sie ja groß ist und alleine einschlafen kann, dann wird bei mir mit Sicherheit die eine oder andere Träne kullern…

Also, liebe Mummys und Daddys da draußen, es ist super, wenn ihre eine klare Vorstellung vom Thema Schlaf habt und diese auch reibungslos klappt. Wenn aber nicht, dann kann ich Euch nur folgenden Tipp geben: Entspannt Euch, nehmt es einfach wie es kommt! Es wird nicht ewig so sein und bessere Zeiten kommen ganz von alleine. Und eigentlich ist es doch auch sooooo schön, wenn die Kinder noch ganz viel Nähe brauchen oder? 

Kolumne_Familienbett Bild via Pinterest/Brigitte

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Camilla ist Gründerin und Herz von MUMMY MAG. Sie ist Bloggerin der ersten Stunde, doch  während ihrer Schwangerschaft 2013 fehlte ihr ein Online-Magazin, dass sie mit all ihren Interessen abholt. Und weil sie dafür Verstärkung brauchte, hat sie sich die tollsten Frauen ins Team geholt. Sie selbst schreibt natürlich immer noch, ständig und über alles – aber am Liebsten natürlich Kolumnen! Und HIER könnt Ihr noch mehr von Camilla lesen!

11 Gedanken zu „„Nein verdammt, mein Kind schläft nicht durch! Na und?“

  1. Uff, also, ich bin jetzt nicht disziplinierter. Früher konnte ich problemlos aufstehen, aber seit ich Mutter bin, denke ich doch sehr oft morgens: „Ist duschen wirklich notwendig oder kann ich nicht doch noch ein klitzekleines bisschen schlafen?“ Im Grunde hast du ja recht: Es ist schon schön, wenn die Kinder unsere Nähe brauchen. Aber ein biiiiiisschen Schlaf würde ich mir doch mal wieder wünschen… 😉

  2. Liebe camilla, dass ist dein bester post überhaupt 😉 denn um ehrlich zu sein, höre ich jetzt richtig die Mutti in dir raus und finde es herrlich. Kinder brauchen die Nähe ihrer Eltern keine Trainings. Man trainiert seinen Partner ja auch nicht irgend ein Verhalten an weil man der Meinung ist das müsse jetzt so sein. Ebenso muss man das Verhalten des Kindes akzeptieren, auch wenn es heißt zu dritt im Bett zu liegen. Meine Meinung. Ich wünsche euch noch ganz viele bezaubernde Nächte

  3. Ein wunderschöner Post.
    Meine 16-monatige Tochter hält es wohl ähnlich wie deine und mir graut es schon davor, wenn sie in zwei Monaten große Schwester wird. Wahrscheinlich geben sich die beiden sich dann nachts die Klinke in die Hand.

    Kinder haben das angeborene Bedürfnis von Nähe insbesondere in der Nacht. Manche Kinder mehr, manche Kinder weniger. Weit weg von Mama und Papa im eigenen Bett da habe ich mich auch nie wohl gefühlt.

    Gibt es etwas schöneres als mit einem kleinem Menschlein kuschelnd in der Achselhöhle aufzuwachen? Ich sage NEIN und kneife deswegen solange meine beiden Augen zu und werde wohl bald ein größeree Bett kaufen. 🙂

  4. bei uns ist es sehr unterschiedlich mit dem Schlafen. Mal kommt der Große (6) jede Nacht und dann wieder eine Woche gar nicht. oder der Kleine (4) kommt gegen 5 für die letzte Stunden zum kuscheln oder doch schon um 3 Uhr. oder sie schlafen ganz durch. Was wir als große Entlastung empfinden ist, dass sie selber kommen. Kein Rufen, kein Aufstehen: tap, tap, tap, und schon kommen sie in unser Bett gekrabbelt, so dass wir es manchmal gar nicht merken. für uns ist das die optimale Lösung, keine Kämpfe, kein nächtliches Trösten, sondern gemeinsames Schlafen.
    Eingeschlafen wird jedoch im eigenen Bett, es sei denn einer von uns Eltern ist gar nicht da, da kann es auch schon mal zu früher Stunde gemeinsam ins „große Bett“ gehen. dieses könnte jedoch inzwischen gerne noch größer sein. hier würde ich mir mehr Einfallsreichtum von Bettendesignern wünschen.

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