„Wie war das eigentlich mit der Kitaeingewöhnung?“

Kitaeingewoehnung1  Einige von Euch haben es direkt vor sich und andere längst hinter sich: die Kita-Eingewöhnung. Und ständig werden wir gefragt, wie das eigentlich so bei uns lief. Und wie war es so? Auf jeden Fall ganz unterschiedlich und anders als gedacht…

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Die Eingewöhnung von Helene

Helene und Izzy wurde zeitgleich eingewöhnt, Philo wenige Wochen später. Doch wir alle haben uns für ein Jahr Elternzeit entschieden und für Kindergarten-Eingewöhnungen mit knapp 13 Monaten. Und so unterschiedlich unsere Kinder sind, so unterschiedlich sind auch die Kitas, die wir für unsere Kinder ausgewählt (und auch bekommen) haben. Die Eingewöhnung von Helene übernahm ihr Vater. Das geschah aus zwei Gründen: zum einen war ich bereits einen Monat zuvor schon wieder in meinem neuen Job als Redaktionsleiterin, zum anderen wurde uns von unserer Kita empfohlen, das die Väter die Eingewöhnung übernehmen sollten, da das aus Erfahrung wesentlich einfacher und besser laufen würde. Warum? Klar, die Kids haben in der Regel eine intensivere Zeit mit ihrer Mutter verbracht, aber vor allem fällt die Trennung den meisten Müttern sehr viel schwerer, als den Vätern. Und natürlich überträgt sich das auch sofort auf das Kind. 

Nun hat also Helenes Papa die Eingewöhnung übernommen und sie lief fantastisch. Wirklich! Mein Freund durfte bereits sehr schnell für immer längere Abstände den Raum, bzw. die Kita verlassen und nach drei Wochen war die sanfte Eingewöhnung ohne viel Herzschmerz vorüber. Wir waren happy, ich bin nach der Arbeit quasi zu ihr gerannt und jeden Tag war die Freude riesig. Und dann machten wir einen großen Fehler…

Es mag daran liegen, dass Helene sehr sensibel ist, oder aber einfach nur nicht durchdacht (nette Formulierung für total blöd) von uns. Wir sind mit meinen Eltern nach sechs glücklichen Wochen in der Kita in den Urlaub gefahren – zwei Wochen Mallorca. Es war ein lang geplanter, wunderschöner Urlaub, der aber einen verdammt hohen Preis hatte. Denn nach dem Urlaub fing ein wochenlanges Drama an. Helene klammerte sich jeden Morgen verzweifelt an uns, als ich nach dem Mittagsschlaf in die Kita kam, um sie abzuholen, fing sie jedes Mal vor Erleichterung an zu weinen. Es zerriss mir das Herz. Es war nicht so, dass sie in der Zeit, in der wir nicht da waren, unglücklich war. Sie hat unglaublich tolle Erzieherinnen, liebt ihre Sementha über alles, doch die Trennung von uns fiel ihr wochenlang unglaublich schwer. Mein schlechtes Gewissen wurde von Tag zu Tag schlimmer, auch wenn ihr Papa sie hinbrachte oder abholte, war das ganze Drama nicht geringer. Und gerade, als ich mich wieder fragte, was ich da meinem Kind antue, ob wir Helene doch zu früh weggegeben hatten und sie doch noch zuhause behalten sollten, fing sie an, sich auf die Kita zu freuen. Na gut, am Morgen hatten wir noch lange Tränen, aber wenn ich die Kita kam, wollte sie gar nicht mehr mit mir nach Hause gehen…

Was ich daraus gelernt habe? Eine Kita-Eingewöhnung mit einem Jahr ist schon ok, aber ich weiß nicht, ob ICH das so ohne diese tolle Kita, in die ich so ein großes Vertrauen habe, geschafft hätte. Und: Nie wieder Urlaub in den ersten Monaten des Kindergartens planen!

Und heute? Im Sommer steht uns die Umgewöhnung von der Krippe in den Bereich der großen bevor. Helene sagt jetzt schon immer wieder „Ich will nicht nach oben Mama!“. Ich glaube uns steht noch einmal eine nicht ganz leichte Zeit bevor. Aber wisst Ihr was, das schaffen wir schon! 

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Die Eingewöhnung von Philo

Er war 14 Monate alt, konnte weder sitzen noch krabbeln. Philo robbte sich also durch unseren ersten Kita-Besuch. Aber von vorne. Alles begann mit unserem Umzug. Philo war sechs Monate als ich in unserem neuen Kiez auf Kitasuche machte. Das sah folgendermaßen aus: Ich schaute auf Google Maps nach den nächsten 10 Kitas im Umkreis – nah sollte sie sein, der beste Tipp, den ich bei der Kitasuche bekommen habe! Ich schob also regelmäßig mit dem Kinderwagen an den nähesten Zehn vorbei. „Huhu“, „Hallo“, winkte ich den Erziehern zu, die mich bald kannten. Dann schickte ich noch jeweils ne Mail mit mega Schleimer Foto von uns und Wunscheintrittstermin hinterher und lehnte mich zurück. Was geschah? Nichts. 

Im Juli 2014 – das ist ganz normal so kurz vorher – dann der ersehnte Anruf. Wir haben einen Platz ab August. Es war die Kita mit dem kleinen Garten bei der Kirche. Ich schluckte. Denn Philo war zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich fit und ich konnte mir nicht vorstellen, den Kleinen schon in wenigen Tagen bei Fremden zu lassen. Trotz sanftem Berliner Modell. Also verhandelte ich – ziemlich gewagt, denn wir hatten keinen Ersatz, zumindest keinen passablen.

September sollte es nun also sein. Von Camilla, Danilo und Madeleine hatte ich bereits gehört, wie sie sich fühlten, die ersten Minuten, Stunden ohne Baby… ich war auf alles gefasst. Dann kam er: Rolf. T-Shirt, lange Haare, Ohrring, das wahr gewordene Klischee eines Erziehers. „Na, wen hamwer denn da?“ berlinerte er zur Begrüßung und nahm uns mit in die „gute Stube“, in der schon etwa 10 Minis (1-6 Jahre, unsere Kita ist altersgemischt und ich liebe es, weil sich die Kids einander helfen) fleißig vor sich hinwurschtelten. Wir ließen uns auf dem Linoliumboden nieder, es fühlte sich an als hätte ich in einer Zeitmaschine Platz genommen. Mir schossen Bilder aus meinem Kindergarten durch den Kopf: Ich sah wie meine Schwester und ich literweise Bananenmilch tranken, andere ärgerten, ausbüchsten und wie Rolf, uns wieder einfangen musste.

Dieser hatte in der Zwischenzeit angefangen, Philo „Spielangebote“ zu unterbreiten – sprich, er nahm Klötzchen und reichte sie ihm –  und erklärte mir dabei die Abläufe: Morgenkreis, spielzeugfreie Zeit, Speiseplan, Schlafraum, Vesper bli bla blubb.
Die erste Trennung nach 3 Tagen dauerte 10 Minuten, in denen ich um die Ecke von der Kita stand und nicht so recht wußte wohin mit mir. Also ab ans Telefon, meine Schwester (heute selbst Erzieherin) angerufen und mich betreuen lassen. Es wurde von Tag zu Tag besser mit mir. Ich habe die Trennungsphasen peu à peu besser weggesteckt und bin heute dankbar für meine freie Zeit, die mittlerweile bis 16Uhr reicht. Den jungen Mann muss ich dann regelrecht aus der Kita schleifen – die Spieleangebote von Rolf haben voll eingeschlagen…

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Die Eingewöhnung von Izzy

Meine Elternzeit mit Izzy zählt zu den schönsten Zeiten meines Lebens. Izzy war Ende Juli geboren und ich nahm mir vor, nach einem Jahr mit ihr daheim wieder in den Job einzusteigen. Ich machte es wie Janine, www.kita.de, Umkreissuche auf 1 km gestellt (Ergebnis 90 Kitas!!!) und nach den beliebtesten sortiert, per Email beworben, einen Bekannten mit 3 Kindern dort gebeten ein gutes Wort für uns einzulegen und pünktlich vor Weihnachten noch, flatterte die Postkarte mit der Zusage ins Haus. So leicht war das also. Chapeau.

Dann vergingen die Monate in denen mein Kind sitzen, krabbeln, laufen und sprechen lernte und zum Ende des ersten Lebensjahres dachte ich, wie soll ich sie jemals alleine lassen? Wie soll das gehen, nicht mehr bei ihr zu sein? Die Eingewöhnung startete dann Mitte August und war nur einen Katzensprung von unserem zu Hause entfernt. Wir hatten geschafft, dass wir am Vormittag kommen durften, sodass wir uns Stück für Stück vom „neue Umgebung und Erzieher kennenlernen“ bis zum „dort essen“ und „dort Mittagsschlaf“ machen hangelten. Ich gab mir jede Mühe entspannt und fröhlich zu sein. Izzy aber, war tatsächlich viel cooler als ich. Die mochte sofort ihren Bezugserzieher – den nenn ich mal Christian – und traute sich jeden Tag ein Stück weiter weg von mir.

Die erste Woche war ich noch komplett in der Kita, verließ ich den Raum, weinte sie. In Woche zwei ging ich mal in den Nachbarraum und rief rüber, dass ich nur nebenan sei oder ich ging auf die Treppe und lauschte gespannt. Manchmal wollte ich dass sie ruft, aber natürlich war ich so stolz, dass sie es nicht tat. Sie vertraute mir und sie vertraute der Umgebung, in die ich sie brachte. Als ich dann länger fortdurfte ging ich auch nicht nach Hause, sondern stakste vor der Kita oder im nahegelegenen Drogeriemarkt rum, man hätte mich ja anrufen können… hat man mich aber nicht. Und in Woche drei war es dann echt nur noch essen und schlafen üben. Essen war okay, Mittagsschlaf machen hat erst am allerletzten Tag der drei Wochen geklappt. Und als ich dann Montags darauf, das erste Mal nach 18 Monaten wieder arbeiten war, habe ich dort deutlich artikuliert, dass mein Kind Vorrang hat. Sprich, ruft die Kita an, fahre ich los – sofort. Mein Arbeitgeber zeigte größtes Verständnis und sicherlich auch, weil ich so bestimmt eingefordert habe, was zu dem Zeitpunkt wichtig war. Die Kita hat lange nicht angerufen und Izzy, die ich zu Beginne immer schon bis 15 Uhr abgeholt habe, bleibt heute wie Philo am liebsten bis 16 Uhr dort und muss anschließend fast rausgefleht oder gelockt werden.

Anders als bei Helene, wechseln bei uns die Kinder jedes Jahr die Räume und dürfen diese dann auch altersgerecht gestalten. In den Gruppen sind die Kids altershomogen, aber die ganze Kita fasst ca. 150 Kinder von 0 bis 6 Jahre und diese spielen auch alle zusammen draußen im Garten. Ich glaube, Izzy war mit 13 Monaten nicht zu jung für die Kita und ich bin jeden Tag froh, dass sie sich so wohl dort fühlt. Wir hatten aber auch schon Situationen, bei denen wir uns nicht mehr so sicher waren und ich denke, es ist wichtig regelmäßige „reality checks“ durchzuführen, ob Kind und Eltern sich mit der Situation wohl fühlen. Wäre das nicht so, wäre ich definitiv noch etwas längere Zeit zu Hause geblieben oder hätte es mit einer kleineren Einrichtung versucht.

Und ich glaube, dass der Arbeitgeber mit ins Boot geholt werden sollte. Am Anfange einer Eingewöhnung kann man einfach nur schwer bis gar nicht sagen, wann man wieder voll im Job verfügbar ist, deswegen sollte man sich gut überlegen was man anbieten kann. Zu Beispiel steigen Langzeitkranke mit dem sog. Hamburger Modell ein, ähnliches wäre aus meiner Sicht auch für Mamas und Papas denkbar – man sollte nur von sich aus, den Vorschlag unterbreiten.

 

Wer sich übrigens wundert, warum Saskia hier nicht von ihrer Erfahrung schreibt – das wird ein komplett eigener Erfahrungsbericht, denn Familie Hilgenberg sind echte Profis in Sachen Kitasuche, Kitawechsel und Eingewöhnung… Seit letztem Jahr ist Leo ja sogar schon ein SCHULKIND! Und wer wissen möchte, was für schräge Erfahrungen wir bereits mit der Kita hatten – HIER haben wir kürzlich schon mal einen kleinen Einblick gegeben!

 

2 Gedanken zu „„Wie war das eigentlich mit der Kitaeingewöhnung?“

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