The day that… Gretl was born!

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Unsere heutige Gast-Mummy Helene hat eine Knaller-Geschichte für uns. Warum? Naja, eine völlig verängstigte Hebamme, eine sehr herrische Chefärztin, ein Kaiserschnitt nach einer PDA – wieder mit dieser unsensiblen Chefärztin und zum Dank kackt die kleine Gretl ihrer Mama direkt auf den Bauch… Eine unfassbar schaurige, lustige und gnadenlos ehrliche Geschichte mit sehr vielen Facetten!

„Danke fürs Kochen, aber mir ist schlecht!“
„Schatz, bring mir bitte ein Glas Wasser! Nein, bitte stilles und acht Grad kalt!“ „Ich brauche das Stillkissen!“ „Der Weichspüler stinkt und deine Haare riechen nach Rauch!“ „Danke fürs Kochen, aber mir ist schlecht!“ „Du hast mir das alles eingebrockt!“ „Ich versuche gerade,  einen Mini-Van aus einer Parklücke für einen Smart auszuparken!“ „Atmen hilft mir nicht, hau ab!“

Na? Kommt euch das bekannt vor? Alle Mütter unter uns haben einen der Sätze schon mal gesagt oder wenigstens gedacht. Und ja, manchmal ist es wichtig, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen und die Männer anzugehen. Und das, was ich jetzt schreibe, werden viele nicht hören oder lesen wollen: Seid nett zu euren Männern!

Um diesen Satz zu erklären, muss ich sechs Jahre (oh Wahnsinn, wenn man es so schreibt, fühlt es sich seeehr lang an) zurückgehen. Ich wurde mit unserer ersten Tochter Greta im November 2009 schwanger. Mir ging es nach kürzester Zeit ziemlich beschissen. Ich nenne das nicht Übelkeit, sondern das dringende Bedürfnis, seine Eingeweide inklusive dem haselnussgroßen Fötus rauswürgen zu wollen, und das ungefähr 15-mal am Tag. Und nein, es wurde nicht nach der 20. Woche besser. Und nein, dagegen half auch nichts. Nein, gar nichts.

Und die Sprüche die man von seinen Familienmitgliedern wie Mutter oder Schwester hörte: „Könnte es nicht auch Einstellungssache sein?“ 15-mal Kotzen an einem Tag ist keine Einstellungssache!

Zum Geburtstermin passierte: nichts
Der errechnete Geburtstermin näherte sich, Gretl allerdings nicht. So kamen wir – ich sieben Tage überfällig und Boris mit bereits etwas strapazierten Nerven – mal wieder in den Kreißsaal. Wir waren in den letzten Tagen häufiger zur Kontrolle und am Tag davor bereits zum Einleiten dagewesen. Der Wehentropf hatte allerdings gar nichts bewirkt, und so hatte man uns mit unserem Köfferchen mit Babysachen, dem Nabelschnurblut-Equipment-Paket und von Boris geschmierten Stullen, wieder nach Hause geschickt. „Entweder gehen sie noch mal nach Hause und nehmen ein Wehenbad oder wir müssen einen Kaiserschnitt machen!“, hieß es. Das war so frustrierend.

Mit schlechter Laune saß ich also in der häuslichen Wanne und versuchte mit geballter Willenskraft das Kind herauszubrüllen. Frei nach Rachel Green bei „Friends“: „HINAUS-HINAUS!“ (wer die Serie gesehen hat, erinnert sich mit Freuden an ihr bauchfreies Top zur schlecht gelaunten Miene). Wieder kam Boris und versuchte, mich mit sanfter Stimme zu beruhigen. „Soll ich dir was kochen? Möchtest du einen Tee?!“ Unzufrieden schnaubend bestellte ich Bolognese und „Aber keinen Tee! Ein Glas Rotwein, der soll ja wehenfördernd wirken!“

Am nächsten Morgen standen wir wieder im Kreißsaal, selbe Stelle, selbe Welle. Ich bekam eine SMS von meinem Lieblingsonkel Alfred – Arzt, Vater und ein sehr kluger, witziger Kopf – aber die SMS mit dem Inhalt „Sei nett zu Boris“ fand ich dann doch etwas anmaßend. Wer hat denn zehn Monate einen Fremdkörper in sich getragen, hat sich ständig übergeben und darf jetzt einen sieben Pfund schweren Lindwurm aus sich rauspressen?

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Wehentropf, Akkupunktur und der Hebammenturban
Wir begannen wieder mit einem Tropf, ein paar Akupunkturnadeln- doch nichts tat sich. Gretl im Bauch sehr munter, aber nicht munter genug, um sich auf den Weg zu machen. Die Hebamme brachte mir Tees, setzte mich in die Wanne, ich durfte spazieren und Kuchen essen gehen. Nach drei Stunden kam die Chefärztin, die wir auf Boris´ Anraten wegen meiner Rückenprobleme „dazugebucht“ hatten. Sie verabreichte mir ein Gel direkt zwischen die Beine und nach 20 Minuten war die Luzi los! (Vielleicht hätten wir Gretl so nennen sollen?) Ich bog und wand mich vor Schmerzen. Die nette Hebamme mit Turban auf dem Kopf kam in regelmäßigen Abständen, um den Sitz meiner Akupunkturnadeln zu kontrollieren. „Sie müssen still halten – die Nadel auf dem Kopf fällt sonst runter!“ 

Kurz darauf brüllte ich nach einer PDA
Ich ehre den Beruf der Hebamme sehr und habe alle Petitionen zur Unterstützung ihres Berufsstandes unterschrieben, aber in diesem Moment wollte ich sie nur erwürgen. Kurz darauf brüllte ich nach einer PDA (das hatte ich glücklicherweise vorher bereits alles abgesprochen und in Unterlagen bereits unterzeichnet, und das war seeehr klug gewesen). Diese kam nach kurzer Zeit, im Schlepptau den braungebrannten, mit pinkem Lacoste-Shirt bekleideten Anästhesisten mit dem Spruch „Hab schon gehört, dass es losgeht!“ auf den Lippen.

Es war nun mittlerweile Schichtwechsel, und die Hebamme mit Turban hatte den Platz für die Hebamme mit Lesebrille an einer Kette geräumt. Diese, mit fränkischem Akzent, eher eine von der hektischen Sorte, schmiss erstmal den Koffer mit den Utensilien für die Nabelschnurblutspende (auf dem fett geschrieben stand „Achtung zebrechlich“) durch den Raum. Dann ließ sie beim Setzen der PDA-Spritze eine wichtige Kanüle fallen. Mir fiel nur kurz ein: „Ihr seid an meinem Rückenmark – aber macht ja nix!“ Boris tigerte konzentriert durch den großen, fast leeren Raum. Er beobachtete mich und das Treiben genau, verhielt sich aber still und zeigte sein bestes Pokerface. Im Nachhinein würde ich sagen, es ging ihm nicht gut.

Jemanden wie diese völlig überforderte Hebamme, die immer wieder mit ängstlicher Miene auf das Thermopapier des CTGs starrte, hätte Boris im „echten Leben“ sofort zur Rede gestellt oder gar zusammengefaltet. Doch hier war Vorsicht geboten, man war ja schließlich abhängig von ihr und musste die Kommunikation höflich und geduldig gestalten. Ich selber bekam nur die Hälfte mit, die PDA hatte bereits ihre volle Wirkung entfaltet und ich konnte nur noch anhand der Kurve erkennen, wann eine Wehe kam. Diese Erfindung ist der Hammer und ich würde es immer, immer, immer wieder empfehlen. Ich verstehe den Ansatz und das Bedürfnis nach einer „natürlichen“ Geburt, ich komme nur nicht umhin, mich zu fragen: Ist es unbedingt nötig, diese höllischen Schmerzen – und nein, ich habe die nie vergessen – Stunden über Stunden über Stunden über Stunden zu ertragen, wenn man sich Abhilfe schaffen kann?

Plötzlich kam Unruhe auf
Ich war wie auf Drogen und bekam die Sorge der Hebamme und dann auch von Boris nur am Rande mit. Plötzlich hieß es am Telefon: „Frau Doktor sie müssen sofort kommen!“, und nach knapp fünf Minuten stand wieder Frau Dr. Chefärztin vor uns. Sie erklärte mir, dass die Herztöne unseres Kindes beunruhigend in den Keller gesunken seien, und dass sie hier nur noch zu einem Kaiserschnitt raten würde, da es jetzt schnell gehen müsse und mein Muttermund erst bei mickrigen vier Zentimetern war. Ich rief noch meinen Vater (ebenfalls Arzt) an, spürte aber schon, dass Boris diese Art des Diskutierens über einen ärztlichen Rat nicht für gut befand. Also willigte ich ein.

Männer im Kreißsaal? Männer im OP?
„Kommt ihr Mann denn mit in den OP?“, fragte mich die Chefärztin schmallippig. Ich antwortete ihr nur kurz in all der Unruhe „Das müssen Sie meinen Mann fragen!“, sie entgegnete prompt: „Nein, das entscheiden Sie!“. Ich werde den Rest der Unterhaltung nicht schildern, weil a) unwichtig im Wortlaut und b) erinnere ich mich dank PDA nur noch vage. Was mir aber nach wie vor sehr präsent im Gedächtnis ist, dass der guten Chefärztin die Meinung meines Mannes völlig egal war. In ihren Augen war das meine alleinige Entscheidung und ich habe ihm eine Ansage zu machen. Letztlich wand sich Frau Chefärztin dann doch an Boris mit der Ansage: „Sie kommen als Letzter rein, sie fassen ihre Frau und alles andere nicht an, sie reden, wenn sie gefragt werden und sollten sie ohnmächtig werden, können wir uns nicht um sie kümmern!“

Wie charmant und umso erstaunlicher, dass Boris in diesem Moment nicht völlig ausrastete und diesem Männer hassenden Monster nicht ordentlich den Marsch geblasen hat. Soweit so gut, es ging mit ordentlich Schwung und einer Menge netter Witze des Anästhesisten in den OP. Was nun folgte, war ein „Routine-Kaiserschnitt“, aber als Info für alle noch-nicht-Mütter: Es könnte euch vielleicht etwas vorwegnehmen. Ich persönlich hätte mir nach alledem gewünscht, dass mir mal jemand vorher von solchen Möglichkeiten oder Komplikationen erzählt hätte. Ich war immer naiv davon ausgegangen, dass ich fröhlich auf natürlichem Weg entbinden würde.

Der OP: ein schauriger Ort
Schon für mich, komplett high und auf Adrenalin, war dieser OP-Saal ein schauriger Ort; es ist kalt, es ist grell und alle laufen mit verhüllten Gesichtern geschäftig durch den Raum. Wie muss es dann für Boris gewesen sein? Er, nur in Sorge um mich und den Wurm, behandelt wie ein Aussätziger und dann auch noch in komplett pinkfarbener OP-Montur. Ich wurde auf den OP-Tisch geschnallt und spürte, wie meine Beine wärmer und dann taub wurden. Sie pinselten meinen Bauch ein und begannen mit dem Schnitt. „Wir machen einen kleinen Schnitt und dann reißen wir – das verheilt hinterher besser!“, hörte ich die Assistenzärztin sagen, die sich später noch als ehemalige Mitschülerin von mir entpuppte.

Boris saß auf einem Hocker links neben meinem Kopf, ich konnte seine angsterfüllten Augen sehen. Gretl, sieben Tage überfällig, machte es den Fachleuten nicht leicht. Ich spürte, wie die Arme der freundlichen Chefärztin in mir drin steckten und am Würmchen zogen. Ich spürte, dass Gretl festhing, bis der hilfsbereite Anästhesist mit seinem Unterarm auf meinen Oberbauch drückte wie auf eine Zahnpastatube. Schmerzen hatte ich dabei nicht – es war sehr unangenehm,  ausgenommen zu werden wie eine Weihnachtsgans, aber weh tat es nicht. Immer wieder neben mir – wie ein Fels in der Brandung – Boris mit OP-Haube und Mundschutz.

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Ein properes brüllendes Bündel aus einer Zauberkiste
Man zerrte noch mal und da – leider nicht wie von Zauberhand- kam der Spruch: „Herzlichen Glückwunsch zu ihrer properen Tochter!“ Da bekam ich noch ein mulmigeres Gefühl; proper? Oh Gott, was heißt das denn? Riesig? Klops? Hilfe!

Aber als ich aufsah, hielt man uns ein verschmiertes und zum Glück brüllendes kleines Bündel entgegen. Sie schrie, wurde eingewickelt und mir einmal ans Gesicht gehalten. Ich konnte ihren warmen, verschmierten Kopf an meiner Wange spüren. Ich heulte ein wenig,  aber eher vor Erschöpfung. Und das soll er nun gewesen sein,  dieser magische Moment, von dem immer alle erzählt und so geschwärmt hatten? „Wundervoll, wenn man die Kleinen dann schreien hört!“ oder „Es ist ein Geschenk, diesen Augenblick miterleben zu dürfen!“

Ich kann das nicht bestätigen. Boris und ich schauten uns an und ich konnte erkennen, dass er dasselbe dachte. Lieber hätte ich eine Vollnarkose gehabt und diese Qualen im kalten OP nicht erleben müssen, mein offenes Fleisch nicht riechen müssen und die Gespräche über meiner geöffneten Bauchhöhle nicht hören müssen.  Woher sollte ich wissen, dass das da mein Baby ist und nicht irgendein Stuntbaby aus einer Zauberkiste, die sie unter dem OP-Tisch versteckten? Was passiert jetzt als nächstes? Wie lang dauert die ganze Chose jetzt noch? Wohin kann ich mich übergeben?  Das waren meine Gedanken. Boris sah ich die Nervosität ebenso an. Der Anästhesist hielt wieder seine Hand auf meine Stirn und sprach einen beruhigenden Satz. Ich konnte ihn nicht hören, da in diesem Moment die Chefärztin irgendetwas fragte. Ich versuchte, mich zu konzentrieren und bat um Wiederholung der Frage. „Wir haben hier an ihrem linken Eierstock eine Anomalie entdeckt, wir nehmen eine Probe und schicken das ins Labor. Ob ihnen das Recht ist?“ Ich stammelte irgendetwas und bejahte. 

In weniger als 30 Minuten zunähen – Rekord!
„Nun habe ich auch noch Krebs, das Kind hat bald keine Mutter mehr, Boris muss sie allein großziehen… Lasst mich doch einfach offen, ich machs ja eh nicht mehr lang.“ Diese Gedanken schossen mir durch den Kopf und aus den Augen ein paar Tränen. Wieder kam der Anästhesist zum Einsatz, er redete wieder in beruhigend sonorer Stimme und tupfte mir sanft mit einem Taschentuch den Schweiß und Tränen aus dem Gesicht.

„Ab jetzt noch 30 Minuten!” rief die Assistenzärztin. „Wir schaffen es drunter – ich breche hier meinen Rekord – unter 30 Minuten zunähen!“ rief die Chefärztin und lächelte mir gönnerhaft zu. Ich dachte nur: Bitte einfach sorgfältig!

Dann entstand eine neue Geschäftigkeit im Raum. Die Hebamme, immer noch dieselbe Nervensäge, übernahm das Kommando und befahl Boris mitkommen. Boris stand in einem Nebenraum des OP und sah der Hebamme dabei zu, wie sie Gretl wog, säuberte und in eine Mullbinde wickelte. Dann drückte sie ihm das Bündel in die Hand begann ihren – ihr bekannten und Boris völlig unbekannten – Weg durch das riesige Krankenhaus anzutreten. Boris treppauf, treppab, die ganze Zeit mit ferngesteuerter Unterhose hinterher.

Im Kreißsaal angekommen, wies ihn die Hebamme an, das Baby auf einen Wickeltisch mit Wärmelampe zu legen. Der Rest der Zeit sind Nebelschwaden. Boris berichtete nur, dass die Zeit kaum verging. Als ich nun zugenäht und ja, unter (!) 30 Minuten, mit betäubtem Unterkörper im Bett zurück in den Kreißsaal geschoben wurde, stand Boris, nachdenklich auf seine Tochter blickend, neben dem Wickeltisch. Sichtlich angeschlagen überreichte er mir stolz und wahnsinnig vorsichtig das kleine weinende Bündel. Er küsste mich. An den genauen Wortlaut erinnere ich mich nicht, aber es war etwas wie: „Geschafft!“

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Die Tür ging ruckartig auf und die Hebamme stürmte herein: „Trinkt sie?“ Wir beide starrten diese ulkige Frau mit großen Augen an. Trinken? Was denn? Sie sprach wohl vom Stillen. Ich war leicht nervös und schilderte dieses Gefühl ganz zaghaft. Schwups, saß die Hebamme auf dem Bett und fing laut lachend an, meine Brüste zu packen, zu massieren und fragte Boris dann: „Welche ist die Größere?“ Dieser blickte entsetzt auf meinen nackten Oberkörper und suchte meinen Blick. Ich zog die linke vor. Also packte diese lustige Hebamme Mini-Gretl und schob sie in Richtung der blanken Brust. „Da liegen sie hier schon seit ner Viertelstunde und geben dir nix zu trinken?“, schrie sie das Kind förmlich an. (Alles im fränkischen Dialekt.) Das Stillen funktionierte nicht, Gretl drehte und wand sich unter lautem Gebrüll. „Wir brauchen ein Hütchen!“ befahl die Hebamme und blickte zu Boris. Dieser blickte erstaunt zurück. Sie lachte, stand auf und verließ das Zimmer.

„Wer ist die und was will die?“, fragte Boris und grinste mir irre zu. Kurz darauf stellte Boris mit Entsetzen fest, dass Gretl mir fröhlich auf den Bauch gekackt hatte. Ich selbst hatte es, vor lauter Betäubung, nicht gemerkt. Beim Eintreten der Hebamme versäumte Boris es nicht, sie auf die Scheiß-Gewalt unserer Tochter hinzuweisen. „Ach Gott, ach Gott, die hat ja gar keine Windel an!“. Boris drehte sich genervt zu mir um. Es war deutlich zu erkennen, dass Boris sich nicht für die Windel zuständig gefühlt hatte. Und zwar nicht aus männlicher Eitelkeit oder Machismus. Niemand hatte ihn angeleitet, niemand hatte ihm gesagt, was zu tun sei, als er allein im Kreißsaal mit seiner neugeborenen Tochter stand und auf mich wartete. Nirgends gab es eine Anleitung à la How-to-manage-a-newborn oder wie-schaffe-ich-es-halbwegs-idiotensicher-mein-Baby-nicht-zu-töten-in-den-ersten-zehn-Minuten?

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Der Geburtsvorbereitungskurs war für den Arsch
Auf all das war Boris und auch ich nicht vorbereitet. Denn auch wenn ich niemandem in seinen Plan reinquatschen möchte, ich will auch nicht abstreiten, dass ein Geburtsvorbereitungskurs seine Berechtigung hat und wenn er nur als Kontaktbörse dient, andere Eltern kennenzulernen. Aber unterm Strich: Wir waren komplett ahnungslos. Nichts von alledem, was uns passierte, hat irgendwann irgendwer erwähnt. Bei Fragen nach Kaiserschnitt oder Komplikationen bekamen wir im Geburtsvorbereitungskurs immer zu hören: „Darüber sprechen wir hier nicht, das bringt negative Energien und macht nur unnötig Angst.“

Klar, das passt nicht ins Image eines Geburtshauses, wo Edelsteine im Wasser und an jedem Fenster eine Ikea-Blumenvase mit roten Gerbera steht. Und gerade die Väter, für die die ganze Schwangerschaft ein noch größeres Mysterium ist als für uns Frauen, werden mit alldem ziemlich allein und im Stich gelassen. Und ja, ich weiß, es gibt mittlerweile Väter-Kurse, Regale voller Handbücher und auch im Internet genug aufgeklärte Väter, die über ihre Erfahrungen sprechen. Doch vor nunmehr sechs Jahren hätte ich mir für meinen tapferen Boris mehr ehrliche Vorbereitung gewünscht.

Deshalb kann ich den Spruch „Seid nett zu euren Männern!“ nur noch mal wiederholen. Denn das, was für uns Frauen ganz früh durch Unwohlsein, Kopfschmerzen, unfassbare Müdigkeit und neuartige Gelüste langsam greifbar wird und trotz alledem immer noch abstrakt und auch ein bisschen spooky bleibt, ist für die Männer ein völlig abstrakter und kaum nachvollziehbarer Zustand, der erst realisierbar wird, wenn das Kind dann da ist. Habt Verständnis, dass nicht alle Väter beim Handauflegen auf den noch sehr mickrigen Bauch und einer winzigen Kindsbewegung – die genauso gut ein quersitzender Pups sein könnte- in jubelnden Applaus ausbrechen. Habt Verständnis, dass nicht alle bei Themen wie: welche Folgemilch oder Stoffwindeln oder nicht als adäquater Gesprächspartner dienen oder es nicht freudig begrüßen, dass der zukünftige Mitbewohner eventuell seinen Platz im Ehebett einnehmen wird, ohne diesen Mitbewohner überhaupt zu kennen.

Lasst das Baby kommen und damit das Vater sein. Gebt den Papas die Chance, die ihr knappe zehn Monate hattet, sich auf diesen Zustand einzulassen. Die meisten sind ab Sekunde zehn ziemlich brauchbare Väter…

Lieben Dank liebe Helene, für Deine Geschichte. Keine rosarot Brille, aber eben auch eine Erfahrung, mit der Du sicherlich nicht alleine bist! Wer noch mehr von Helene lesen möchte, der kann das übrigens auf ihrem Blog tun!

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Für unsere Serie “The Day that…” freuen wir uns über jede Mummy unter Euch, die einen Gastbeitrag schreiben und ihre Erlebnisse mit uns teilen möchte – Bei Interesse schreibt uns eine Nachricht an: info@mummy-mag.de

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