Erziehungs-Ansichten
Wenn Eltern nicht immer einer Meinung sind!

Erziehungsansichten_Kolumne  Meine Tochter durfte letztens am Morgen “Paula” frühstücken. Kein Witz! Ob ich ihr das erlaubt habe? Nein, natürlich nicht. Aber ihr Papa hat es ihr erlaubt. Warum? Keine Ahnung. “Das ist heute eine große Ausnahme!” Ach ja? Warum? Meine Halsschlagader pulsiert. “Weil heute einfach ein besonderer Tag ist!” Whaaaaat? Ich sehe rot, werde wütend. Ein Streit am frühen Morgen, der Tag kann also nur besser werden…

Es ist verrückt, was so ein kleines Mädchen mit ihrem Papa machen kann. Die wickelt den mit einem niedlichen Grinsen und einem herzzerreißenden Augenaufschlag einfach um den Finger. War das bei mir auch so? Ich kann mich nicht erinnern. Obwohl, wahrscheinlich schon. Trotzdem, das ärgert mich. Es geht mir nicht um den Schokopudding an sich, sondern darum, dass so etwas bei uns wirklich etwas besonderes sein soll. Vor Allem nicht am Morgen, sondern eher nach dem Motto “Wenn Du anständig isst, gibt es noch einen Nachtisch!”. Aber mit einer Süßigkeit in den Tag starten, das geht nicht. Das Lustige dabei ist, dass mein Freund eigentlich derjenige war, der immer gesagt hatte, wir müssen so etwas streng regulieren. “Nutella gibt es nur im Urlaub!” hat er immer gesagt. So ein Unsinn, meinte ich. Wenn Du Dinge zu streng, zu dogmatisch handhabst, dann schlägt es am Ende eh ins Gegenteil um. Und dann fängt er an als Ritual einen morgendlichen Kakao einzuführen. “Ist doch nur Ovomaltine!” sagt er, als sei das ein gesunder grüner Saft am Morgen. 

Es ist absolut nicht so, dass ich süße Dinge verteufele. Wirklich, ich bin da relativ locker. Aber was mich tierisch aufregt, sind die Momente in denen ich das Gefühl habe, Helenes Papa überlässt mir die doofen Aufgaben und pickt sich als Super-Daddy die schönen Dinge raus, damit sie ihren Papa auch ganz besonders toll findet. Jaja, jetzt klinge ich wie so ne Helikopter-Mutti, die alles kontrollieren möchte. Das tue ich nicht. Aber ich finde es ganz schrecklich, wenn der Papa Sonntags-Daddy spielt und man selbst die Kämpfe austragen muss. Ok, hier muss ich natürlich fair sein und klarstellen, dass mein Freund sich absolut nicht vor seiner Erziehungsaufgabe drückt und ganz klar viele der elterlichen Aufgaben genauso übernimmt, wie ich es tue. Da ich aber anteilig mehr Zeit mit Helene verbringe ist es natürlich klar, dass ich da mehr zu erziehen habe. Rein quantitativ. Und daher ist es mir wichtig, dass mache “Belohnungen” eben auch von der Mama kommen, ohne dass man in einen Wettbewerb gerät.

Die Fotografin und Mummy Lina Grün hat auf eine meiner älteren Kolumnen mal ganz treffend geantwortet “Pick your Fights” und dem folgen wir auch. Das Problem ist: Wir haben manchmal ganz verschiedene Ansichten, welche Themen jetzt genau die sind, die wir auskämpfen wollen und haben uns schneller als wir gucken können, miteinander in der Wolle. “Verdammt, wir nehmen die Schnuller JETZT weg!” – “Nein. Wir haben besprochen, dass wir das zum dritten Geburtstag machen!” – “Das ist mir egal, das geht so nicht mehr. Wir müssen jetzt handeln.” – “Nein, das machst Du auf keinen Fall. Das Kind macht jetzt gerade so viel durch, da müssen wir noch etwas warten” und so geht es weiter und weiter. Unter dem Strich haben wir das wirklich große Glück, dass wir größenteils und vor allem (bisher) bei allen wichtigen Entscheidungen in etwa die gleichen Ansichten haben. Lediglich bei Kleinigkeiten, wie dem Schokopudding-Vorfall zum Frühstück, streiten wir uns schon mal. Und natürlich wissen wir drum, dass wir im Grunde sehr glücklich sein müssen, dass wir so ähnlich ticken. Auch wenn man ab und zu dem anderen einfach nur den Hals umdrehen möchte, weil er einfach nicht versteht, dass Erziehung in machen Fällen anders geht. Das beruht natürlich absolut auf Gegenseitigkeit. 

Aber um Euch hier mal ins Boot zu holen: Wo gehen denn Eure Meinungen in Sachen Erziehung stark auseinander? Wie löst Ihr das? Braucht man irgendwann Familienregeln oder einfach nur klare Absprachen? Aber wie ist das, wenn es um wirklich elementare Dinge geht: Um die Religion, um das Essen (vegetarisch oder nicht), um Impfungen (ja oder nein?), um den Kindergarten, die Schule, Multimedia oder um einfache Grundsatzregeln. Wir streiten höchstens um Kleinigkeiten, aber wenn man in elementaren Fragen der Erziehung komplett auseinander driftet, was ist denn dann der richtige Weg, ohne dass sich einer immer beugen muss? Schließlich geben wir das ja auch unseren Kindern mit ins Leben und es ist ja nicht unbedingt eine gutes Learning, wenn ein Elternteil sich immer fügt, ohne seine Meinung zu vertreten. Doch immer Diskutieren zehrt an den Nerven. Also, wie findet man hier die richtige Lösung?

Unser Weg ist im Grunde ganz einfach – wir machen es so, wie mit der Nachnamens-Entscheidung von Helene. Wir sagen ehrlich, wie wichtig uns das Thema auf einer Skala von 1 bis 10 ist. Bisher hatten wir immer Glück, dass wir nie beim gleichen Thema bei einer 10 landeten und so geben wir dann im Wechsel mehr oder weniger fair nach. Aber wie gesagt, bei uns ging es bisher auch nur um Pudding zum Frühstück oder andere Kleinigkeiten. Trotzdem möchte ich sehr gerne wissen, wie das so bei Euch abläuft und was ja vielleicht noch auf uns zukommt!?

In meiner Kolumne über Alleinerziehende Mütter hatte ich übrigens einen Artikel von Katja verlinkt, in dem sie über die Vorteile schreibt, eine Single Mummy zu sein. Zumindest muss man sich da keinen Erziehungs-Diskussionen aussetzen, sondern entscheidet nach eigenem Empfinden. Sofern man das alleinige Sorgerecht hat und der andere Elternteil nicht mitsprechen darf oder möchte. Und wie regelt man das dann am besten, wenn man vielleicht getrennt ist und alle Entscheidungen gemeinsam trifft? Wenn man zusammen ist, ist man ja (meistens) ein Team, aber getrennte Eltern arbeiten doch auch sehr oft gegeneinander. Schickt mir hier gerne Eure Erfahrungsberichte an camilla@mummy-mag.de – wir möchten darüber sprechen und verschiedene Perspektiven aufzeigen, denn es gibt nie den einen richtigen Weg. Aber je mehr Modelle oder Tricks wir von anderen kennen, desto besser! <3

Übrigens, meinem Freund habe ich natürlich nach entladener Wut (ja, vor dem Kind,die soll schließlich lernen, dass Eltern mal streiten und sich wieder vertragen) auch verziehen – die Sache mit dem Schokopudding. Aber er musste mir versprechen, dass solche “Ausnahmen” für wirklich Notfälle ein Ass im Ärmel bleiben. Denn seit diesem Morgen, wenn Helene gerne irgendetwas unbedingt haben möchte, sagt sie jetzt “Eine Ausnahme Mama!”….

 

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Teaser_Camilla_2

 

Camilla ist Gründerin und Herz von MUMMY MAG. Sie ist Bloggerin der ersten Stunde, doch  während ihrer Schwangerschaft 2013 fehlte ihr ein Online-Magazin, dass sie mit all ihren Interessen abholt. Und weil sie dafür Verstärkung brauchte, hat sie sich die tollsten Frauen ins Team geholt. Sie selbst schreibt natürlich immer noch, ständig und über alles – aber am Liebsten natürlich Kolumnen! Und HIER könnt Ihr noch mehr von Camilla lesen!

 

2 Gedanken zu „Erziehungs-Ansichten
Wenn Eltern nicht immer einer Meinung sind!

  1. Jetzt, da du über das “Problem” schreibst, muss ich sagen, dass mein Mann und ich sehr gut in Sachen Erziehung miteinander klarkommen. Wir haben keine Grundsatzdiskussionen. Es geht wirklich nur um Kleinigkeiten, die wir schnell klären können. Da er Hauptverdiener ist, verbringe ich natürlich mehr Zeit mit den Kindern und es ist klar, dass manche Ausnahmen oder Regelungen aus den vorherigen Stunden resultieren können. Wenn er dann zuhause ist, nimmt er das dann erst einmal an und wir besprechen später die Gründe.
    Gleichfalls weiß ich, dass auch seine Entscheidungen aus der Situation heraus getroffen werden: die eine Geschichte mehr, das Hörspiel, das zusätzliche Kuscheln. Wenn er sie ins Bett bringt und den Tag über nicht gesehen hat, stehen ihm diese Ausnahmen zu. Klar, muss ich beim nächsten Mal wieder meinen “Kurs” finden, aber das finde ich nicht schlimm. Kinder können das sehr gut unterscheiden und ich finde, dass ist auch ein Weg, um ihnen zu zeigen: wir sind nicht eins, sondern bestehen aus zwei Individuen. Mama ist so, Papa ist so und mal ist es genau andersherum. ich habe nie den Eindruck, das sein Verhalten gegenüber den Kindern mit mir zu tun hat.

  2. Ein sehr toller und ehrlicher Artikel. Danke dafür!

    Mein Freund und ich haben zum Glück auch nur ganz wenige Meinungsverschiedenheiten, vor allen Dingen bei großen, grundsätzlichen Themen. Und die, die wir haben, haben mir beigebracht total gelassen damit umzugehen. Und Gelassenheit war sicher niemals eine Stärke von mir. Dieses Skala-Problem-Lösung-Ding hat mir übrigens ein wenig die Augen geöffnet und auch wenn wir das bisher noch nicht in unsere Beziehung eingebracht haben, funktioniert das für mich perfekt im Job! Zumindest hat es bei einem Vorstellungsgespräch Eindruck geschindet. Doppelt und dreifaches Danke dafür!

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