Schwanger mit Hadnet Tesfai

Berlin tut immer so kosmopolitisch, ist aber in Wirklichkeit auch nur ein Dorf. So kommt es, dass ich Moderatorin Hadnet Tesfai neulich an einem der letzten Sommertage mit runder Schwangerschaftskugel – ihre Tochter ist 1,5 Jahre – im Bikini am Pool begegnet bin, feststellend, dass wir neben der Leidenschaft fürs Laufen, auch die Hebamme, Bioresonanztherapie und den Osteopathen teilen. Nur den Kinderarzt, den teilt Hadnet mit Camilla – hahaha.

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Wir hatten also mehr als einen Grund, uns zu einem Pre-Birth-Lunch zu verabreden. Die Wahl fiel auf die neu eröffnete Kitchen Factory an der Eberswalder Straße. Und weil Saskia nicht nur seit unserem Fashiontalk verzaubert von Hadnet ist, sondern uns beiden bisherigen Mamas von nur einem Kind, noch ihre Erfahrung im Alltags-Handling mit mehreren Kids vermitteln kann, kam die Dreifachmama einfach spontan dazu. Mit dem Rad aus Wilmersdorf nach Prenzelberg! Ich sag ja, Berlin ist ein Dorf.

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Liebe Hadnet, wir haben während Deiner ersten Schwangerschaft mit dir gesprochen, viel über Wohlbefinden und Sport. Wie fühlt sich das bei Baby Nummer 2 an? Was hat sich verändert? 

Auf jeden Fall- So eine erste Schwangerschaft ganz ohne Verpflichtungen und Aufgaben ist schon was Besonderes. Wenn es bei der zweiten plötzlich jemanden gibt, der deine Aufmerksamkeit will und braucht, dann ist das eine andere Nummer. Es fehlt einem ein bisschen die Ruhe. Hinzu kommt, dass ich jetzt viel mehr körperliche Wehwehchen habe, die bei der ersten Runde kein Thema waren. Ich bin viel müder, hatte auch mit Übelkeit zu kämpfen, entdecke plötzlich Besenreiser in den Kniekehlen, habe Sodbrennen usw. Alles nicht sonderlich heftig, aber da ich bei meiner ersten Schwangerschaft so gar keine Beschwerden hatte, hat mich das doch ein bisschen gewundert und überrascht. Ich habe auch viel weniger Lust auf Sport, muss mich mehr überreden, was zu machen. Dabei habe ich aber gerade jetzt das Gefühl, dass ich mich bewusst stärken muss. Die fünf Stockwerke in unserem Altbau laufen sich nicht von selbst und wenn ich mich mit meiner kleinen Tochter auf dem Arm hoch kämpfe, spreche ich regelmäßig Flüche aus, freue mich aber, dass es noch verhältnismäßig gut geht. Mir bleibt also gar nicht so viel anderes übrig, als Sport zu machen. Aber jetzt reicht’s mir dann auch, ich habe jetzt keinen Bock mehr auf Gewichte. Da es nicht mehr lange zur Geburt ist, reicht mir Yoga voll und ganz.  

Wir haben bei deiner ersten Schwangerschaft auf einen Jungen getippt. Haha. Deine Kleine ist mittlerweile 1,5 Jahre. Was ist die größte Herausforderung in einer Schwangerschaft mit einem Kleinkind als Geschwisterkind? 

Ich muss ihr gerecht werden und darf nicht vergessen, dass sie immer noch wirklich klein ist, auch wenn sie schon bald als die Große gilt. Da ist zum Beispiel die Sache mit den Treppen: natürlich fällt es mir schwer sie fünf Stockwerke hochzutragen, dafür dass sie zwei davon schon selber laufen kann, bin ich unendlich dankbar. Aber wenn sie nachmittags, dann mal keine Lust hat und einfach nur auf den Arm will, muss ich da ächzend durch, auch wenn ich manchmal schon in der dritten Etage am liebsten kriechen will. Und das sind eigentlich die größten Herausforderungen: einzuschätzen, wann die eigenen körperlichen Einschränkungen schwerwiegend genug sind, dass sie Abstriche machen muss. Wann ist es unfair ihr gegenüber und wann kann auch ich sagen, „Nee, jetzt kann ich nicht mehr.“ 

Und was glaubst Du wird die größte Herausforderung sein, wenn das Geschwisterchen auf der Welt ist? Gibt es das Leben zu viert schon in Deiner Vorstellung?  

Puh. Keine Ahnung. Wir machen uns natürlich Gedanken über Eifersucht. Wie akzeptiert sie das neue Geschwisterchen? Wie schaffen wir das alles logistisch? Wir haben keine Großeltern in Berlin und müssen das irgendwie mit Brüdern, Freunden und Babysittern kompensieren. Und dann machen wir uns natürlich auch Gedanken um unseren verrückten kleinen Hund, der schon Probleme mit der veränderten Rangordnung im Rudel nach dem ersten Kind hatte. So ein zweites Baby, das noch mehr „Unruhe“ bringt, wird nicht einfach für sie. 

Respekt vor der Geburt. Ist er jetzt größer oder kleiner, weil du weißt, was dich ungefähr erwarten könnte?

Geht so. Ich fand ja meine erste Geburt ziemlich unproblematisch und überhaupt nicht traumatisierend, aber ich weiss eben auch, dass es da diese Phase gibt, die unglaublich schmerzhaft ist. Ich denke gerade über eine Playlist nach. Welche Musik im Kreissaal laufen soll. Das hat bei meiner ersten Geburt auf jeden Fall einen Unterschied gemacht. Den Rest werde ich einfach wegatmen. Habe ich mir vorgenommen. 

Du bist als Journalistin, Moderatorin und DJane selbstständig. Der Daddy ist festangestellt. Wie hast du den Alltag mit einem Kind organisiert? Und was glaubst du, wie du deinem Job erst mit zwei Minis gerecht wirst?

Menschen mit mehreren Kindern sagen ja, dass ein Kind kein Kind ist. Tatschlich ging das bisher ganz gut, auch wenn wir wie bereits erwähnt ohne Großeltern, dafür aber mit einem immer upgedateten gemeinsamen Kalender operieren müssen. Da werden ohne Ende Absprachen getroffen, Kompromisse gefunden und Übergaben geplant. Das ist oft sehr anstrengend und mühsam, aber dringend nötig. Bei uns ist durch die Konstellation, die ihr schon angesprochen habt, die Gemengelage eindeutiger als bei Eltern, bei denen beide Parteien einen Bürojob haben. Ich bin flexibler, kann mir vieles so legen, dass es zu den Bürozeiten meines Mannes und den Kita Öffnungszeiten passt. Wenn aber eine Produktion ansteht und ich keinen Einfluss auf das Wann und Wo oder was auch immer habe, muss er sich freinehmen. Das ist dann so. Wie das mit zwei Kindern wird, wie gerecht sich so was dann noch aufteilen lässt, das müssen wir sehen. Ich will nicht in die „Du-bist-doch-eh-zuhause-Falle“ tappen. Dafür müssen aber beide sensibilisiert sein, beide müssen das bewusst unterstützen und beide müssen das eigene Ego zurückstellen. Ich hoffe, wir kriegen das hin, bin aber ganz zuversichtlich. 

Erinnerst du dich an deine SSW Tipps von damals? (Bequeme Unterwäsche, gutes Öl, Sport, Stillkissen und Späti. Was würdest du heute noch ergänzen? Stützstrümpfe vielleicht? 

Hahahaha… Jaaaa. Kompressionsstrümpfe. Ich muss die ja jetzt tragen wegen der Besenreißer, finde die aber megagut. Die Beine sind einfach nicht so schwer und müde. Schwangerschaftsmassagen! Wenn man eine gute erwischt, dann verbringt man den Rest des Tages wie auf Wolken. Ich trage auch einen Stützgurt für den Rücken. Wer darauf verzichten kann, sollte das auch tun. Da ich aber oft länger mit dem Hund unterwegs bin oder bei der Arbeit stehe, entlastet das einfach den Rücken richtig gut. Wer die Zeit und die Kohle in einen guten Osteopath stecken kann, sollte sich das auch noch gönnen. Das ist zwar während der Behandlung manchmal recht intensiv, aber in den Tagen danach Gold wert. Die Sache mit der Unterwäsche halte ich immer noch für sehr wichtig. Guter Schlüpper, bequemer BH – Knaller! Insgesamt würde ich jeder Schwangeren dazu raten, es sich wirklich gutgehen zu lassen. Man ist nicht krank und muss nicht wie ein rohes Ei behandelt werden, aber der Körper baut gerade einen anderen Menschen in dir. Das ist schon besonders und manchmal auch besonders anstrengend. Da kann man sich auch öfter mal was Schönes und Entspannendes gönnen.

Danke, liebe Haddi, dass du wiedermal kein Blatt vor den Mund nimmst. Wir wünschen euch von Herzen alles Liebe und sagen: bis bald!

Hadnet Tesfai Babybauch MUMMY MAG