Die neue Generation der MÜTTER!

IMG_7616  “Sind wir eigentlich die perfekten modernen Frauen?” – diese Frage hat Barbara Schöneberger auf dem Conference & Coaching Tag von for me & Victoria gleich zu Beginn in den Raum gestellt. Und genau diese Frage, lässt mich seit einer Woche nicht mehr los. Denn wir, die zwischen Muttersein, Selbstverwirklichung und Erfüllung von Ansprüchen scheinbar nur scheitern können, sind doch alle gar nicht perfekt, oder?

Der Conference & Coaching Tag war eine Veranstaltung der beiden Plattformen “for me” und “Victoria” und an Frauen gerichtet, die sich für dieses Event bewerben konnten. Mehr als 5.000 Einsendungen gab es und insgesamt wurden 100 Frauen eingeladen. Und worum es ging: Natürlich um uns großartige Frauen! 

Muetter

Das Bild der modernen Frau, die arbeitet, Zeit für sich und ihren Partner hat und gleichzeitig die perfekte Mutter ist, wird uns regelmäßig von medialer Seite, aber insbesondere über diverse Social Media Kanäle suggeriert. Sie haben alle kaum geschlafen, sehen aber wieder hinreißend am frühen Morgen aus. Klar, die Kids sind bereits in der Schule/Kita und natürlich gab es auch mindestens zwei katastrophale Wutausbrüche am Morgen, aber der Supermom, die alles im Griff hat, vergeht auch da das Lachen nicht. Schließlich geht es jetzt ins Büro, an den perfekt aufgeräumten Schreibtisch, um die riesige To Do-Liste abzuarbeiten, die wie üblich auf einen wartet. Anstrengend? Ja klar, aber auch das schafft die moderne Frau von heute ganz ohne große Nervenzusammenbrüche. Und ganz nebenbei werden noch Arzt- und Freizeittermine der Kinder delegiert, der Einkauf erledigt und irgendwie scheint das Zuhause all dieser perfekten Frauen immer durchgestylt und aufgeräumt zu sein. (Auf all den Instagrambildern liegt schließlich nie was rum!) Und ständig haben die frische Blumen auf dem Tisch stehen. Achso, am Wochenende schaffen sie natürlich auch immer ihren Yoga-Kurs, und schaffen es außerdem jeden Sonntag einen fantastischen Kuchen zu backen, der noch schnell auf dem Blog geposted wird…

Ok, dass so die echte Welt nicht funktioniert, haben wir längst begriffen. Schließlich sind wir es, die diese Anforderungen jeden Tag versuchen zu erfüllen – und aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich nur sagen, dass IMMER etwa die Hälfte meiner To Do-Liste unbearbeitet bleibt. Und selbst wenn ich denke, alles geschafft zu haben, fällt mir immer wieder irgendwas auf die Füße. Immerhin habe ich es bisher noch nicht versäumt meine Tochter rechtzeitig abzuholen – aber wie sagt man so schön: “Was nicht ist, kann ja noch werden, schließlich muss ich bald zwei Kinder organisieren…”. Doch würde uns da nicht viel mehr Eingeständnis gut tun, dass wir das alles einfach nicht schaffen können? Es ist tatsächlich nicht machbar, auf ALLES die perfekte Antwort zu wissen. Wenn man in sich selbst horcht, dann weiß man das ja auch, aber es scheint irgendwie in der Natur der Frauen zu liegen, ALLEM gerecht werden zu wollen. Wir scheinen uns da irgendwie selbst den Druck zu machen, obwohl das offensichtlich totaler Unsinn ist.

Ein beliebter Satz von Müttern ist “Mama beeilt sich und kommt ganz schnell wieder nach Hause!” – ganz ehrlich, welcher Mann würde das zu seinen Kindern sagen, wenn er sich mit seinen Jungs auf ein Bier trifft? Wir sind doch total bescheuert, wenn wir uns immer diesen Stress machen, oder? Da können wir uns definitiv noch was von der Entspannung unserer Männer abschauen! Wir sind natürlich mit weitestgehend anderen Rollenbildern groß geworden, als wir selbst abgeben, bzw. auch abgeben wollen. Doch was genau wollen wir eigentlich unseren Kindern vorleben? Dass moderne Frauen ALLES schaffen? Und da sich ja nicht nur die Frauenrolle verändert hat, sondern zugleich auch die der Männer – müssen wir alle heutzutage wirklich alle Superhelden sein? Nein! Wir setzen uns alle einem so hohen Druck aus, da können wir doch nur verlieren, oder?

Im Auftrag von der Plattform for me wurde uns eine Frauenstudie von Rheingold vorgestellt, die nicht nur wahnsinnig spannend war, sie spiegelte genau das wieder, was ich oben beschrieben habe. Die Frau von heute (natürlich in unserer westlichen Kultur) verfällt heute einem regelrechtem “Machbarkeitswahn”, denn es ist immer und zu jeder Zeit alles machbar. Diese Illusion, dass wir alles können, eröffnet zwar wahnsinnig viele Möglichkeiten, aber dadurch setzen wir uns auch einem enormen Druck aus. Und dadurch landen wir in dem klassischen Hamsterrad, die in der Studie liebevoll “Besinnungslose Betriebsamkeit” genannt wurde. Denn mehr als zwei Drittel der Frauen (68%) geben immer 120% und 72% der Befragten haben den Anspruch an sich selbst, immer alles perfekt machen zu müssen. Und verdammt, ich selbst stecke da irgendwie ganz tief drin. Ich schaffe es fast nie, mir mal einen entspannten Abend zu gönnen, mal in Ruhe einen Film zu schauen, mir Musik anzumachen oder tatsächlich mal gar nix zu tun. Nur noch ganz schnell mal über den Artikel lesen, schnell noch mal eine eMail beantworten oder einen kurzen Text schreiben – und schwups, schon wurde der komplette Abend wieder durchgearbeitet. Und selbst der Gang auf die Toilette ist ohne Handy kaum denkbar, schließlich kann man ja auch auf dem stillen Örtchen noch die Zeit nutzen und mal eben Instagram checken oder was in den WhatsApp Chat schreiben. Dass mir dabei letzte Woche mein iPhone in die Toilette gefallen ist, davon möchte ich hier gar nicht erst anfangen… 

Ich selbst habe natürlich das Glück, einen Mann zuhause zu haben, der mir wahnsinnig viel abnimmt. Er gehört (wie aber mein eigener Vater es vor 30 Jahren schon war!) zu der “neuen Generation Männer”, die mehr als nur der Ernährer sein wollen. Es ist gleichberechtigt, was die Kindererziehung angeht, er übernimmt die gleichen Aufgaben und hat auch den Anspruch an sich, seine Kinder im Alltag und nicht nur an den Wochenenden zu begleiten. Zudem ist er die viel bessere Hausfrau und ist der Chef über die Küche. Genug Lob, denn trotzdem hängen natürlich mehr Aufgaben in Sachen Kinder an mir. Das ist irgendwie so, obwohl ich doch auch die Hälfte der monatlichen Fixkosten trage. Aber ich will es nun mal auch so. Wenn mein Freund mal zu viele Nachmittage übernimmt, dann stört mich das, schließlich sehe ich mich in der Rolle als Mutter schon gerne als die ultimative Bezugsperson – das würde ich natürlich nie laut aussprechen. Wenn das aber nicht wenigstens ein bisschen so wäre, dann hätte ich ein wenig das Gefühl als Mutter zu versagen. Dämlich? Kann sein, aber ehrlich. Auch da habe ich mich erschreckender Weise in der Studie wiedergefunden, denn was heute einfach sehr stark unter Frauen vertreten ist, ist die ausgezeichnete Fähigkeit die Familie komplett zu managen. Das gibt einem das Gefühl von Macht, von einem “die brauchen mich!” und “Mama weiß es halt am besten!”. So sehr mich dieser Ton eigentlich stört, wenn ich mich in meinem Freundeskreis umschaue, so ist das doch Gang und Gäbe. Jetzt muss ich natürlich noch einmal eine Lanze für mich selbst brechen – ich bin schon eine Frau, die auch sehr viel Engagement des Mannes einfordert. Das tun nicht viele Frauen um mich herum und beschweren sich häufig, dass sie die meiste Arbeit alleine stemmen müssen, lassen den Mann aber auch nicht wirklich machen. Was hier oft fehlt, ist die offene Kommunikation, in die wir viel stärker gehen müssen. Und wir müssen lernen, besser abzugeben. Wir müssen endlich weg von dem Prinzip “Leisten für Anerkennung”, denn das setzt uns alle unter enormen Druck. Ich denke, wir alle (Frauen und Männer), haben jetzt alle Möglichkeiten, die Gesellschaft nach unseren Regeln zu gestalten. Wir müssen es nur auch selbst in die Hand nehmen. Wir müssen einfordern, dass die Politik sich noch mehr für die Gleichberechtigung einsetzt, dass Frauen nicht mehr weniger Gehalt (aktuell sind es noch 7 %) als Männer bekommen und auch, dass Männer die gleichen Ansprüche und Rechte haben wie Frauen (Stichwort: Elternzeit, Elterngeld und Karriere-Bremse etc.). Die Unternehmen sollten endlich erkennen, wie wichtig es ist, dass wir viel flexiblere Modelle brauchen, dass Mütter UND Väter mehr Unterstützung benötigen und wie wichtig sie als Mitarbeiter in den Unternehmen sind. Und dabei denken wir nicht nur an uns, sondern insbesondere an unsere Kinder, denn was wir jetzt schaffen, wird maßgeblich für unsere Kinder sein. Wir sind also wieder in einer Doppel-Verantwortung. 

Ich für meinen Teil arbeite gerade stark an mir selbst, viel mehr abzugeben, viel häufiger “Nein!” zu sagen und loszulassen. Ganz ehrlich, das ist überhaupt nicht leicht, denn ich liebe all die Dinge, die ich tue. Nur schaffe ich es nicht, wirklich allem gerecht zu werden, zumindest nicht 100-prozentig. Also machen ich immer mehr Abstriche und frage mich immer häufiger, was ich eigentlich will, nicht was ich alles kann oder könnte. Gar nicht so leicht, aber sehr wohltuend. Am Ende können halt nur wir selbst Dinge ändern – das übernimmt leider keiner für uns. Obwohl, ich könnte doch mal meine Mama fragen… hihihi…

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Übrigens, mit der Online-Plattform „for me“ möchte P&G für Frauen in allen Lebenslagen in ihrem Alltag mit Rat und Inspiration zu verschiedensten Themen unterstützen – egal, wie sie ihr tägliches Leben gestalten möchten. Und für Frauen über 50 findet man auf der Plattform „Victoria“ die passenden Themen. 

[Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit  mit den beiden Plattformen www.for-me-online.de/ und www.victoria-lebenslust.de – Vielen Dank, für den spannenden Tag!]

 

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