Braucht es Projekte wie “Swedish Dads” als Rolemodel?

Johan Bävman mit Sohn Viggo vom Photobuch Swedish Dads

Schon vor einigen Tagen sind wir auf das Photo-Projekt “Swedish Dads” des schwedischen Fotografen Johan Bävman gestoßen und haben sein Video bei Facebook geshared. Die Resonanz war bombastisch und neben etlichen Likes gab es auch viele Kommentare, die uns angehalten haben, mehr über Initiator Johan und seine Beweggründe für das Projekt in Erfahrung zu bringen. 

Irgendwie logisch
Ich habe Johan blitzschnell um ein Interview gebeten und ihm auch schon unsere wichtigsten Fragen zugeschickt, seine Antwort war allerdings anders als ich mir erhofft hatte, dafür aber definitiv konsequent: “no time while joining parental leave.”

Sprich, Johan hat keine Zeit für ein Interview, denn er ist gerade selber 9 Monate in Elternzeit und kümmert sich in dieser auch tatsächlich nur exklusiv um sein Kind, Sohn Viggo. Ziemlich cool, wie ich finde. Aber warum eigentlich so besonders?

In meinem Freundes-, Bekannten- und Kollegenkreis gibt es eine Vielzahl von Daddys die Elternzeit genommen haben. Die meisten davon haben die 2 Monate parallel zu den 12 Monaten Elternzeit der Mamas genommen. Viele davon sogar gesplittet, zunächst einen Monat direkt nach der Geburt und zum Ende des ersten Lebensjahres dann den zweiten Monat, um am Anfang und bei der Kita-Eingewöhnung zu helfen. 
Ich kenne aber mindestens eine Hand voll Daddys die sechs oder mehr Monate Elternzeit genommen haben und je länger ich überlege, je mehr fallen mir ein. Klar, das ist absolute Seltenheit und bei der Mehrheit waren finanzielle Gründe ausschlaggebend, aber jeder von ihnen glaubt, dass Projekte wie das von Johan dabei helfen werden, die Gesellschaft zu verändern.

Unser Swedish Dads Post auf Facebook über Johan Bävmans Foto Projekt

 

Richtig, die Gesellschaft
Hört man sich nämlich bei Daddys um, die ihre gesetzlich vom Staat unterstützten zwei Monate Elterngeld nicht nehmen, bringen die neben dem finanziellen Aspekt auch den Punkt aufs Tableau, dass Arbeitgeber noch viel zu oft signalisieren, dass es “nicht gerne gesehen” wird, wenn man(n) zwei Monate der Arbeit fern bleibt. Sogar von Drohungen hinsichtlich “Karriereknick” habe ich schon gehört und ich kann absolut nicht nachvollziehen warum das so ein Problem ist. Ihr?

Ich meine, was sind zwei Monate, in Zeiten von Fernreisen (“ja, das auf Insta war unser 4-Wochen-Trip nach Südostasien”) oder Sabbaticals  oder Fachkräftemangel (in den ersten Branchen), die unter ausbleibendem Nachwuchs leiden. Damit meine ich nicht, fehlendem Nachwuchs im Sinne von zu wenig Kids bei Angestellten, sondern ich meine uns! Unsere Generation von den in den 1970er, 80er und 90er Jahren Geborenen, die sich Jobs bald aussuchen werden können, weil einfach so viele offene Stellen angeboten werden. Alle die danach geboren wurden merken das schon seit 1-2 Jahren, wenn die Statistiken der noch freien Ausbildungsplätze im September die Nachrichten fluten und 10tausende Stellen unbesetzt bleiben, schlicht weil es nicht genügend Bewerber dafür gibt.

Sollte man als Unternehmen nicht genau unter diesen Bedingungen nochmal genauer darüber nachdenken, welche Werte und Leistungen Arbeitnehmern – weiblich wie männlich – wirklich wichtig sind? Und gibt es nicht kaum ein wichtigeres und dabei gleichzeitig einschneidenderes Ereignis im Leben von Menschen als  Eltern zu werden. Damit meine ich die Menschen die Eltern sind und keinesfalls, dass es das wichtigste überhaupt ist, denn es ist genauso okay keine Kinder zu wollen. Bei denen die welche haben, werden sich Arbeitgeber besonders dann profilieren, wenn sie Flexibilität für Kinderbetreuung einräumen. Ich spreche hier aus Erfahrung, ich arbeite in einer Agentur mit 140 Kollegen, von denen heute ca. 50 ein Kind oder mehrere Kinder haben, morgen sind es noch mehr und wir feiern jedesmal, wenn wieder jemand ein neues Baby ankündigt.

So können Arbeitgeber auch sein!
Neulich als in Berlin alle Kitas gestreikt haben, durfte ich in der Firma eine Lieblingsnanny organisieren und wir haben mit Janna kurzerhand unseren Kunden-Konfi in ein Kinder-Chaos-Paradies umfunktioniert. Wenn unsere Kids krank sind, dürfen wir – sofern das der Krankheit wegen geht – aus dem Homeoffice arbeiten. Wir sind mit Laptops und Cloud-Services ausgestattet, sodass das problemlos allen möglich ist. Und wenn aufgrund von Notstand daheim, spontan die Arbeitszeit reduziert werden muss, ist das auch kein Thema. Niemand muss Angst davor haben, in die sogenannte “Teilzeitfalle” zu tappen und nicht mehr auf 40 Stunden regulär anpassen zu können. Ich bin nach der Elternzeit direkt wieder vollzeit eingestiegen, habe aber nur 6-7 Stunden Anwesenheitspflicht im Büro, den Rest mache ich von zu Hause. Sprich, ich komme um halb neun und gehe um halb vier, abends hänge ich noch etwas Arbeitszeit dran. Oder am Wochenende, so wie es für mich passt. 

Und wenn DU jetzt Arbeitgeber bist und denkst, das glaube ich nicht, dann hast du wohl eher ein Vertrauensproblem, denn jeder der mit mir von dieser Arbeitsweise profitiert ist verdammt dankbar und nicht auf Arbeitszeitunterschlagung aus.

Elternzeit – ja bitte!
Nehmt sie, denn Arbeitgeber werden schneller lernen müssen als sie heute glauben, dass wir uns alle in einem sich wandelnden Arbeitsmarkt befinden. Nehmt sie, wenn ihr das wollt, denn es ist nicht nur gut für eure/n Partner/in sondern auch toll für eure Kids. Nehmt sie, denn die Zeit kommt nie mehr zurück. Und, dass Zeit wirklich verdammt schnell rennen kann, weiß jeder spätestens dann, wenn der Kinderwagen noch im Hausflur steht, aber das Kind schon auf dem Fahrrad davon fährt…

Und wer gerne das Buch von Johan Bävman kaufen möchte, kann es HIER bestellen.

Swedish Dads von Johan Bävman

 

 Übrigens, Camilla hat kürzlich in ihrem Artikel zur neuen Generation der Mütter auch über die sich verändernde Rolle der Daddys geschrieben und an uns alle plädiert, dass wir JETZT etwas ändern müssen und die Gegebenheiten nach UNSEREN Vorstellungen anpassen müssen. Von nichts kommt schließlich nichts. Und bereits vor drei Jahren hat sie  über die “neuen Daddys” geschrieben, die durch tolle Projekte wie dem von Johan Bävman so langsam auch in den Köpfen ankommen. Sehr lesenswert ist übrigens auch das Interview mit einem alten Schulfreund von Saskia aus dem letzten Jahr, der sich bewusst dafür entscheiden hat, zuhause zu bleiben! 

Photo Credits: Johan Bävman und Facebook

2 Gedanken zu „Braucht es Projekte wie “Swedish Dads” als Rolemodel?

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