Liebe Grüße aus dem „Wochenbett“!

IMG_0017  Das Wochenbett – Janine hat es ja bereits verlassen – dauert im Allgemeinen sechs bis acht Wochen, wenn es nach meiner Hebamme geht, sollte man (insbesondere nach einem Kaiserschnitt) auch die ersten vier Wochen ziemlich ruhig machen, sich von den Strapazen der Geburt und der körperlichen Extrembelastung erholen und auf die neue Situation einstellen. Ohne Druck, ohne Belastung – und insbesondere ohne Arbeit. Doch ich wäre nicht ich, würde ich mich tatsächlich vier Wochen zurücklehnen können…

Natürlich ist es nicht so, dass ich die Zeit nicht genießen würde und wir es hier zuhause nicht wunderbar finden würden, unser neues Familienmitglied kennenzulernen, doch ein Tag hat nunmal 24 Stunden und die können sich ziemlich in die Länge ziehen, wenn man Nichts tut. Wobei, das „Nichts“ ist natürlich nicht nichts, denn man macht eine ganze Menge: Von Dauerstillen, zig Windeln wechseln, das Baby baden, waschen, einölen, massieren, anschauen, kuscheln und genießen. Außerdem ständiges Rumtragen, Wiegen und gefühlt einhundert Bäuerchen am Tag machen. Zwischendurch will Mummy natürlich auch mal Duschen, sich um ihre Baustellen kümmern, muss mal auf Toilette, möchte etwas Essen oder Trinken – oder auch telefonieren. Also, von Langeweile kann man wirklich nicht sprechen. Und ich scheine auch völlig vergessen zu haben, wie viel Zeit man tatsächlich mit Stillen und Wickeln beschäftigt ist. Dennoch kann ich es nicht lassen. Ich bin irgendwie entspannt und gleichzeitig rastlos, denn obwohl ich mir fest vorgenommen habe, das Wochenbett und die Elternzeit mit mehr Ruhe anzugehen und wirklich zu zelebrieren, scheitere ich wieder einmal an mir selbst…

  Wochenbett, Kolumne, Camilla

Die erste Woche – Milcheinschuss & Hormone

Wir sind nach der Geburt genau drei Tage im Krankenhaus geblieben. Nach dem zweiten Kaiserschnitt wollen sie einen zwar gerne noch ein, zwei Nächte länger da behalten, doch uns drängte es. Das war wohl auch ein sehr großer Punkt für meinen Wunsch, eine Spontangeburt zu erleben – in meinen Träumen konnten wir ein, zwei Stunden nach der Geburt nach Hause spazieren. Doch wie ihr wisst, kam alles anders. Glücklicherweise hatten wir ein Familienzimmer, sodass wir trotzdem ganz für uns waren. Die erste Nacht war unglaublich entspannt, wobei der kleine Oskar sich bereits in der zweiten Nacht zu einem kleinen Blutsauger entwickelt hatte. Sissi hatte mich schon vorgewarnt, dass so ein großer, schwerer Jungs sicherlich ordentlich Milch braucht – doch was dann in den darauffolgenden Tagen erwartete, hat mich ehrlich gesagt völlig umgehauen. Ich hatte das von Helene fast völlig vergessen, konnte mich nur noch dunkel dran erinnern, welche grausamen Schmerzen einen erwarten. Und ich spreche hier nicht von dem Kaiserschnitt, denn diese Schmerzen habe ich ziemlich gut weggesteckt (wie gesagt, drei Tage nach dem Kaiserschnitt bin ich bereits ohne Hilfe in den 5. Stock gelaufen). Ich meine den MILCHEINSCHUSS. Denn nach zwei Nächten Daueranlegen war dieser regelrecht explosiv. Und ich bilde mir ein, dass er auch wesentlich schlimmer war als bei Helene. Viele Freundinnen hatten mit berichtet, dass es bei ihnen weniger schmerzhaft war, doch meine Erfahrung war anders. Ich habe geheult vor Schmerzen, meine Brustwarzen waren blutig und ich war zwischen dem Stillen hauptsächlich damit beschäftigt A) die Brust zu kühlen oder B) direkt vor und nach dem Stillen mit Wärme (Rotlicht, warme Wickel und warme Duschen mit Ausstreichen der Brust) vor- und nachzubereiten. Wirklich, die Schmerzen waren etwa drei Tage lang kaum auszuhalten. Hinzu kamen dann noch die Hormone – wobei ich das ja so gar nicht wahrgenommen haben – und, das kannte ich wirklich überhaupt gar nicht, die Nachwehen. Ernsthaft, die häufigste Frage die ich mir in der ersten Woche gestellt habe war „Wer zum Teufel ist auf diese dämliche Idee gekommen, noch ein Kind zu bekommen???“. Wenn ich sie laut ausgesprochen habe, war die Antwort meines Freundes natürlich immer: „DU!“. Argh… 

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Und dann plötzlich, nach drei Tagen ist der Spuk vorbei. Während man in der einen Stunde noch jammernd und heulend mit blanken Brüsten und kalten Wickeln auf der Couch sitzt (puh, ich hoffe die Nachbarn gegenüber haben das nicht dokumentiert…) ist wenige Stunden später plötzlich alles „normal“. Klar, die Brustwarzen brauchen ein wenig, um sich zu erholen und das Andocken ist noch etwas schmerzhaft – aber keinesfalls so, das man es nicht aushalten könnte. Und auf einmal versteht man nicht mehr, warum man die Tage vorher so am Ende war. Der Körper vergisst den Schmerz so unsagbar schnell, wenn er erst vorüber ist. Das ist ein wahrer Segen. Denn wer würde sonst jemals noch ein Kind bekommen?!?

Die zweite Woche – Gefangen im Turm

Wir wohnen im 5. Stock eines Berliner Altbaus. Wir sind nur hier oben eingezogen, weil der Fahrstuhl bereits zum Einzug fertiggestellt sein sollte. Bis heute (!!!) ist der Fahrstuhl leider noch nicht in Betrieb genommen. Und genau das hat mich quasi zu einer Gefangenen hier oben gemacht. Wie Sissi meinte, sei es wohl ein wahrer Segen, weil ich sonst noch viel früher viel mehr getan hätte. Doch der beschwerliche Auf- und Abstieg haben mich ziemlich gut davon abgehalten. 

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Den ersten „Ausflug“ haben wir tatsächlich unternommen, als Oskar 8 Tage alt war – und zwar musste ich zu meiner Ärztin für einen Ultraschall. Natürlich haben wir das auch zum Anlass genommen, uns eine Stunde gemütlich in die Sonne zu setzen und einen Kaffee zu trinken. Den zweiten Ausflug haben wir am Tag danach gemacht, weil wir beim Standesamt meine Geburtsurkunde abholen mussten. Das haben wir direkt mit einer kleinen Shopping-Tour verbunden um doch noch einen Heizstrahler und eine Isofix-Station für Oskar zu besorgen. Tja, da denkt man, man hätte alles und wüsste was man nicht braucht – und dann ist beim nächsten Kind doch wieder alles anders…

Und als wäre das nicht genug für die zweite Woche (im WochenBETT), stieg der Bilirubin-Wert von Oskar ziemlich stark an. Sprich, der kleine Mann hatte Gelbsucht. Das wiederum hatte zur Folge, dass wir mehrere Tage in Folge in die Charité nach Mitte mussten, um den kleinen Mann in der Bilirubin-Ambulanz auf der Neonatologie untersuchen zu lassen. Selbstverständlich übers Wochenende und selbstverständlich mit einiger Wartezeit verbunden. Ein kleiner Exkurs: Regulär steigt der Bilirubin-Wert bis zum fünften Tag nach der Geburt an, bis er wieder sinkt. Im Regelfall darf dieser nicht den Wert 20 übersteigen. Gemessen wird dieser über die Haut, doch sollte er bei etwa 15 liegen, muss noch einmal etwas Blut abgenommen und untersucht werden. Bei Oskar lag der Wert zehn Tage nach der Geburt bei 18. Also hieß es extrem viel Stillen (immer und immer wieder an die Brust legen, dafür auch mal aufwecken) und möglichst viel Tageslicht abbekommen. Wäre der Wert gestiegen, hätten wir für 24-48 Stunden für eine Phototherapie im Krankenhaus bleiben müssen. Das ist an sich wirklich eine völlig schmerzfreie Behandlung für die Kleinen, doch wünscht sich natürlich niemand wieder im Krankenhaus zu landen. Insgesamt mussten wir viermal in die Ambulanz, denn neben dem Wert war auch die Gewichtszunahme von Oskar entscheidend. Wie gesagt, das alles insgesamt nicht wirklich schlimm, aber doch ziemlich kräftezehrend. Teilweise sind wir mit Helene ins Krankenhaus – und haben dann immer Abendessen mitgenommen und Picknick im Wartebereich der Neonatologie gemacht– an zwei Terminen konnten meine Eltern einspringen und uns unterstützen. Wirklich, wenn die beiden nicht wären, wäre unser Leben weitaus weniger leicht! (Danke Mama & Papa!)

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Die dritte Woche – und los geht’s…

Die dritte Woche habe ich meinen Freund bereits wieder ins Büro geschickt. Er war eh ständig unterwegs, weil er Einkaufen, beim Arzt, beim Osteopathen, der Physiotherapie oder mit Helene unterwegs war. Ich war also eh die meiste Zeit alleine mit Oskar zuhause. Also war der Mann im Büro und hat anschließend Helene von der Kita abgeholt. Und ich?

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Naja, ich nutzte jede Gelegenheit am Rechner und wagte jeden Tag zumindest einen Abstieg – was doch schon eine ziemliche körperliche Belastung ist mit Kind und Kegel. Doch ich konnte einfach nicht ständig zuhause sein. Ich weiß, wirklich vernünftig ist das nicht und hätten wir einen Balkon, wäre ich vielleicht auch ein wenig vernünftiger gewesen, doch den haben wir nun mal nicht. Was also tun? Klar, die ersten Ausflüge mit dem kleinen Oskar – und zwar alleine. Und weil das so gut ging, konnte ich direkt auch schon die 1,5 km zur Kita, anschließend zur Eisdiele und wieder nach Hause laufen.

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Als ich dann nach dieser Tour mit den beiden Kids in unserem Turm oben ankam war ich natürlich völlig platt. Doch habe ich draus gelernt? Nicht wirklich. Seit dem war jeder Tag in etwa so. Mindestens einen Programmpunkt für’s MUMMY MAG am Tag und anschließend mit mindestens einem Kind draußen unterwegs. Ok, an den meisten Tagen mit Oskar – schließlich werden wir noch eine ganze Weile nicht wirklich voneinander getrennt sein – zumindest nicht, solange die Abstände zwischen dem Stillen nicht viel größer als 1,5 Stunden sind. Und natürlich bekomme ich regelmäßig Ärger von Sissi – aber auch sie hat mittlerweile akzeptiert, dass ich nicht so leicht zu bremsen bin. Das bilde ich mir zumindest ein. Und weil meine Mädels mich auch ein wenig vor mir selbst beschützen wollen, haben wir einmal pro Woche das MUMMY MAG Office für unsere Redaktionssitzung zu mir nach Hause verlegt. Wer uns auch auf Insta-Stories verfolgt, der hat es bestimmt schon gesehen. 

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Die vierte Woche – Zurück im Alltag!

Es ist verrückt, wie schnell beim zweiten Kind der Alltag einkehrt – oder auch wunderbar. Es ist nach drei Wochen schon fast so, als wäre es nie anders gewesen. Bis auf die Tatsache, dass ich einfach noch nicht so ganz im Babymodus bin. Ständig vergesse ich irgendwas, muss noch mal hochlaufen, weil ich die Wickeltasche, das Spucktuch oder auch das Mützchen vergessen habe. Und das bringt mich – zumindest körperlich – teilweise noch ziemlich an meine Grenzen. Ich habe auch schon beide Kinder ins Bett gebracht – viele Mütter werden mich wahrscheinlich belächeln, weil es von Beginn an ihr Alltag ist, doch für mich ist das ehrlich gesagt die größte Angst gewesen. Doch was soll ich sagen – das ging viel besser als gedacht. Im Grunde geht fast alles irgendwie einfacher als ich es mir vorgestellt hatte. Insbesondere im Vergleich zu Helene damals. Aber das liegt vielleicht auch an meiner neu gewonnenen inneren Ruhe – das sagt zumindest Janine. Ihrer Aussage nach, habe ich mich wohl noch nie so entspannt angehört wie jetzt. Und das, obwohl die Gesamtsituation doch schon ziemlich herausfordern ist. Aber es stimmt schon, ich fühle mich tatsächlich besser, ruhiger und sicherer als zuvor. Ich nehme alles mit einer unglaublichen Gelassenheit und erwarte nicht mehr so viel – weder von mir, noch von anderen. Der kleine Mann scheint mir wirklich ziemlich gut zu tun. Die Frage ist natürlich, ob das jetzt die Hormone sind, oder ob das so bleibt!? Aber wisst ihr was? Das werden wir noch früh genug herausfinden!

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Wie war euer Wochenbett?
Was hat euch geholfen/gut getan?
Und wovon konntet ihr nicht die Finger lassen?

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