Kolumne
Reisen mit Kindern

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Reisen mit Kinder? Auf jeden Fall eine logistische und oft auch nervenaufreibende Herausforderung, findet Lucie Marshall. Ob Hungerattacken oder der Streit um die Mini-Bouletten – auf einer knapp zweistündigen Fahrt kann so allerhand passieren! Eimal pro Monat amüsiert uns ab sofort die wunderbare Lucie Marshall mit einer Kolumne und passend zu den bald startenden großen Ferien dreht sich alles um das Reisen…

“Letzte Woche hatte ich das große Glück, zusammen mit  meinem Bruder, meinem 7-Jährigen Sohn Sam und seiner 2-Jährigen Cousine eine Zugfahrt zu unternehmen. Die Zugfahrt sollte nur 2 Stunden dauern, aber mit kleinen Kindern kann sich so was ja auch gerne zu gefühlten 8 Stunden ausdehnen.  

Vorsorglich hatten mein Bruder und ich Proviant eingepackt, als ob wir einen Trip durch die Sahara vorhätten: Sandwiches, Obst, kleine Bouletten und Pasta. Eigentlich dürften keine Wünsche offen bleiben. Denkt man ja gerne mal- so naiv wie man ist. Natürlich hatten wir keinen Platz im Zug reserviert, aber zum Glück noch welche in einem Abteil ergattert. Eine Frau mittleren Alters sitzt mit uns und ist sich nicht ganz sicher, wie sie das alles so findet. Wir sitzen noch nicht, da sagt mein Sohn: „Mama, ich will sofort in den Speisewagen! Ich habe Hunger und ich habe dieses Kinderticket! Da gibt es Geschenke!“

Nicht gleich ausrasten, beschwöre ich mich, atme ein und aus und sage: „Sam, wir haben genug zu essen dabei und wir müssen gleich mal schauen, ob hier überhaupt ein Speisewagen ist. Das ist ein RE, kein ICE!“ 

„Doch!“, quietscht er zurück, „ich habe ein Schild mit Messer und Gabel gesehen!“

Okay. Wir machen uns auf den Weg. Leider ist es ein tschechischer Zug, der nichts mit der Deutschen Bahn zutun hat und darum gibt es auch keine DB Geschenke. Aber es gibt Flugzeuge aus Styropor zum zusammenstecken. Sam ist glücklich und nimmt noch einen für seine Cousine Clementine mit. 

„Das sind ja Kriegsflugzeuge!“, schmunzelt mein Bruder, „na, ob das so political correct ist?“ Egal, die Kinder sind beschäftigt. Für 25 Sekunden. Dann fällt Sam auf, dass das Flugzeug von Clementine schöner ist, als seins. In dem Alter lassen sich Cousinen ja noch gut über den Tisch ziehen und sie tauscht ohne Widerstand und ist ganz glücklich. Zunächst. Dann will sie den Handel rückgängig machen, aber Sam bleibt eisenhart. „Nee, das geht nicht, Clementine! Das hättest du dir vorher überlegen müssen!“ Clementine versteht nur Bahnhof, mein Bruder und ich versuchen, diplomatisch einzugreifen – mit mäßigem Erfolg.

Wir sind noch keine 15 Minuten im Zug, es gibt schon Geplärre und unsere Abteil – Genossin schaut uns mit großen Augen an. 

„Ich habe Hunger“, fällt Sam jetzt auf. Wir packen aus: Himbeeren, Blaubeeren, Brote mit Käse und Salami und die Bouletten. Extra klein, damit die Kinder sie sich gut in den Mund stecken können. Clementine fängt mit Heißhunger an, sie zu verschlingen, als ob sie seit Tagen nichts zu essen bekommen hat. Sam, der Gierhals, wird futterneidisch und fängt an zu zählen, wie viele sie und wie viele er gegessen hat. Mein Bruder nimmt kurzerhand die Tupperdose an sich und stellt sie nach oben zu den Koffern. Jetzt aber bricht sich Clementines Ehrgeiz Bahn! Die 2-Jährige versucht, sich über den Kopf ihres Vaters nach oben zu den Bouletten zu hangeln. Während Sam die Gunst der Stunde nutzt und Clementine alle Himbeeren wegisst. 

Ich komme aus dem Staunen nicht mehr raus. Wir haben noch weit über eine Stunde vor uns und haben es schon geschafft, das Abteil mit Blaubeeren und Himbeeren zu verschmieren und unsere Mitfahrerin zu verschrecken. Unsere Eltern sind mit uns manchmal 10 Stunden mit dem Auto nach Südfrankreich gefahren. Wie haben die das überlebt? Ohne Smartphone und Aircondition! Es ist mir ein absolutes Rätsel. Als wir alle völlig fertig nach 2 Stunden ankommen, denke ich nur: Was freue ich mich auf die Fahrt in den Sommerurlaub! Ich kann es kaum erwarten! 

Und wer sich für Reise oder Urlaub auf Balkonien interessiert, der ist bei mir auf dem Blog in den nächsten drei Monaten richtig! Da gibt es Kolumnen wie diese, Tipps wo man hinfahren kann oder wie man sich den Sommer auch zuhause schön macht! In diesem Sinne, Happy Summer wo auch immer ihr ihn verbringt!”

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Tanya_Abbinder

Tanya Neufeldt schreibt seit 2012 ihren Blog Lucie Marshall rund um den Familienwahnsinn. Wer noch mehr lesen will, kann ihre 2 Bücher zu Lucie bei Goldmann bestellen. Wer zu faul ist zu lesen, der kann sich ihre Webserie anschauen. Mit Camilla hat sie zusammen #mummytalks produziert. Und für Mummy Mag schreibt sie einmal im Monat Anekdoten aus dem Alltag, den jede Mutter kennt.

 

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