Wochenbett
Wenn man mal dringend Hilfe braucht

Kolumne_Haushalt

In den meisten Fällen ist der frisch gebackene Vater ein paar Tage, wenn er Glück hat ein paar Wochen, nach der Geburt zuhause und kann sich um Haushalt, Frau und Baby kümmern. Doch was dann? Und was, wenn nicht mal das möglich ist, die Frau ohne Partner ist oder bereits andere Kinder hat, die ebenfalls versorgt werden müssen? Dann wird aus der Ruhe im Wochenbett schnell Alltag – und aus der Erholung schnell ein Kampf. Nur was kann da helfen?

Ich selbst bin ja quasi gerade raus aus dem Wochenbett. Nun ja, ein wirkliches Wochenbett hatte ich diesmal allerdings nicht, die Umstände haben es nicht erlaubt. Bereits drei Tage nach dem Kaiserschnitt musste ich in den fünften Stock hochsteigen, fünf Tage nach dem Kaiserschnitt hatte ich meine erste Telefonkonferenz. Gut eine Woche nach dem Kaiserschnitt musste ich Helene gemeinsam mit Newborn von der Kita holen, weil mein Freund sich kaum bewegen konnte und mit allen Mitteln versuchte, ohne Rückenschmerzen auch nur aufstehen zu können. Zwei Wochen später war bereits fast alles wie vorher. Hier muss ich sagen, dass ich mir das natürlich nicht ganz so ausgesucht habe und mir wünsche, dass die Frauen das Wochenbett grundsätzlich in vollen Zügen „genießen“ können. Doch tatsächlich entspricht das leider nicht immer der Realität. Nicht jede Wöchnerin hat ausreichend Unterstützung von dem Partner oder der Familie – und eine zu große Belastung in der ersten Zeit nach der Geburt – oder auch schon in der Schwangerschaft – können zu diversen Komplikationen führen: Von frühzeitigen Wehen, über Wochenbettdepressionen über Brustentzündungen oder Problemen bei der Wundheilung, wenn es beispielsweise einen Kaiserschnitt gab. 

Aus diesem Grund haben Familien (in der Schwangerschaft oder mit Kindern) die Möglichkeit, eine Haushaltshilfe auf Kosten der gesetzlichen Krankenkasse zu beantragen. Meine Nachbarin hatte bei ihrem dritten Kind für zwei Monate eine Haushaltshilfe für vier Stunden pro Tag bekommen. Diese wurde sogar noch einmal um weitere zwei Monate verlängert, weil ihr Mann für zwei Monate im Ausland war. Das war auch ehrlich gesagt überhaupt das erste Mal, dass ich davon gehört habe. Das zweite Mal, als Saskia über die wellcome-Initative geschrieben hatte, die Hilfe im Alltag mit Kindern vermittelt. Erst bei einem Workshop der Siemens Betrieskrankenkasse letzte Woche habe ich erfahren, dass eine Haushaltshilfe bei medizinischer Indikation (kann von der Hebamme oder vom Arzt bescheinigt werden) von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird. Den Antrag dazu kann man bei der SBK ganz einfach im Netz runterladen und ausfüllen. Im Zweifel hilt einem auch der persönliche Kundenbetreuer dabei – der ganze Papierkram rund ums Elterngeld und Co ist ja schon ausreichend Bürokratie-Überforderung. Im Fall der SBZ kann auch die Haushaltshilfe vermittelt werden, da sie mit vielen entsprechenden Organisationen zusammenarbeiten. Ihr könnt Euch aber auch selbst um eine Haushaltshilfe kümmern – das kann eine Freundin, ein Bekannter oder ein Nachbar sein. Die SBK erstattet hier Kosten in Höhe von 9,25 Euro pro Stunde, bzw. maximal 74 Euro pro Tag. Bei einem direkten Verwandten ersten oder zweiten Grades (Eltern, Großeltern, Geschwister etc.) werden die Kosten nicht übernommen, aber es können ein nachgewiesener Verdienstausfall und entsprechende Fahrtkosten bis insgesamt höchstens 101,50 Euro erstattet werden. Natürlich sind das die aktuellen Sätze der SBK – es kann also sein, dass hier die Beträge bei einer anderen Krankenkasse variieren.

Ich für meinen Teil finde es sehr beruhigend, dass wir recht einfach Hilfe bekommen können, wenn wir sie einmal brauchen sollten. Ich hatte das Glück, wirklich wahnsinnig tolle und gute Unterstützung zu haben – und insbesondere, dass es mir bereits kurz nach dem Kaiserschnitt mit Oskar so schnell so gut ging. Doch ich habe auch Alleinerziehende Freundinnen, die keine Familie in der Stadt haben – für die wäre eben eine solche Haushaltshilfe eine echte Rettung gewesen. Ich bin jetzt schlauer – und ihr hoffentlich auch. Von der SBK gibt es dazu noch mal einen kleinen Leitfaden zum Runterladen. Und wer weiß, vielleicht braucht eine von Euch ja gerade dringend Unterstützung oder hat eine Freundin, für die diese Info eine Rettung ist!

SBK_Infografik_Haushaltshilfe

Übrigens, die SBK hatte noch mehr Tipps rund um Leistungen in der Schwangerschaft und mit Kindern für uns. Da ich aber mit Baby Oskar da war und mich die Stilldemenz voll im Griff hat, konnte ich mich lediglich auf ein Thema konzentrieren. Die liebe Jette hat aber alles zusammengefasst – sicherlich auch für einige von Euch von Interesse! Also klickt Euch mal rüber in geballte Ladung Beratungsleistung. 

4 Gedanken zu „Wochenbett
Wenn man mal dringend Hilfe braucht

  1. Leider bekommt man als Privatversicherte gar keine Unterstützung! Auch bei Mutter- Kind- Kuren guckt man hier in die Röhre. Ich bin Lehrerin und muss mich deswegen privat versichern.

    1. Liebe Miriam, das finde ich ehrlich gesagt ein Unding. Wir hatten nur über die gesetzlichen Krankenversicherungen gesprochen und da gibt es eine ganze Menge an Leistungen, die viele Frauen nicht kennen. Ist das generell bei privaten Versicherungen so? Weißt Du das?

      1. Anscheinend ja. Hab damals mit einem Therapeuten und der Caritas und meiner pkv gesprochen. Echt richtig blöd.

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