Kolumne
Die ersten Sommerferien mit einem Schulkind

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Das erste Schuljahr ist rum. Unfassbar. Gestern noch mit Schultüte und tränenüberströmt vor Glück im Schulhof gestanden und jetzt schon die ersten Ferien. 6 Wochen! Hört sich großartig an, wenn man auch 6 Wochen Urlaub hat. 6 Wochen Ferien, wenn man die meiste Zeit davon arbeiten muss, erfordern eine militärische, generalstabsmäßige und minutiöses Planung. Dagegen ist ein Großeinsatz des THW ein Klacks.

In den ersten 3 Tagen habe ich den fatalen Fehler gemacht zu denken, dass man Jungs im Alter von 7 Jahren doch auch ganz gut einfach zuhause „spielen“ lassen kann, während man im Nebenzimmer arbeitet. Ja, lustig, ne? Ich weiß auch nicht, wie ich auf diese Idee kommen konnte. Ich hatte vollmundig zwei anderen Müttern angeboten, ihre Jungs zu nehmen und  hatte diese Bild vor Augen, dass ich am Schreibtisch sitze und die Jungs 3- 5 Stunden lang ruhig und harmonisch Lego bauen. Dass ich später Spaghetti in 12 Minuten zaubere, die Jungs die Küche toll aufräumen und mich hinterher anbetteln, noch weitere 3 Stunden leise Lego spielen zu dürfen.

In der Realität musste ich nach 30 Minuten den ersten Streit schlichten, versuchte danach – natürlich vollkommen erfolglos – auf dem Spielplatz mit Laptop auf dem Schoss zu arbeiten, bis ich feststellte, dass mein Akku fast leer war und es idiotischerweise auf dem Spielplatz keine Steckdose gibt. Auch über Eis und die richtigen Streusel kann man sich in die Haare kriegen und am Abend stehe ich in der Küche zwischen haushohen Tellerbergen und dreckigen Töpfen, die Sofakissen liegen im Flur, Gummibärchen kleben an der Wand, mein Ladekabel ist die Leine vom Kuschelhund und mein Sohn schläft tief und fest. 1,5 Stunden später als sonst, weil: „Es sind ja Ferien! Yeah!“ Da kann man ja auch mal alle Fünfe gerade sein lassen. Oder so.

Für mich heißt das, dass ich nach dem Abwasch und dem Abkratzen der Gummibärchen aber auch zu müde bin, um jetzt endlich zu arbeiten. Lustig, wenn ich mich jetzt daran erinnere, wie mich damals die 2 Wochen Kita-Schließzeit in Panik versetzten. Das war ja wie sanftes Vorglühen.

Wieso sind meine Kindheitserinnerungen so anders? Ich erinnere mich an 6 Wochen Strand. Das Einzige, was ich dabei hatte, waren 3 Bikinis und 2 Kleider. Der Sand zwischen meinen Zehen war mein ständiger Begleiter und nach 6 Wochen waren mein Bruder und ich dunkelbraun gebrannt, ausgeschlafen und hatten sogar Lust auf Schule. Und auch meine Mutter hatte sich tatsächlich erholt. Diese Sommer haben eine unglaubliche Ruhe mit sich gebracht. „Zum Glück ist nächste Woche Waldcamp und dann Oma und dann Ostsee“, denke ich, während ich die kalten Spaghetti aus dem Topf esse und nächstes Jahr, nächstes Jahr organisiere ich uns ein paar Wochen Strand. Mit Sand zwischen den Zehen, Prosecco ab 15 Uhr und Sonnenuntergängen, bis wir uns langweilen. „Und jetzt spiele ich noch schnell Lotto und dann gehe ich ins Bett!“, nehme ich mir vor, während ich beim Zähneputzen die letzten Emails checke.

***Happy summer***

 

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Tanya_Abbinder

Tanya Neufeldt schreibt seit 2012 ihren Blog Lucie Marshall rund um den Familienwahnsinn. Wer noch mehr lesen will, kann ihre 2 Bücher zu Lucie bei Goldmann bestellen. Wer zu faul ist zu lesen, der kann sich ihre Webserie anschauen. Mit Camilla hat sie zusammen #mummytalks produziert. Und für Mummy Mag schreibt sie einmal im Monat Anekdoten aus dem Alltag, den jede Mutter kennt.

 

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