The day that…
Alma was born

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Eine Hausgeburt ist das „magische Einhorn auf der Pferdekoppel“ – das zumindest sagt unsere heutige Gast-Mummy Romy, die ihr drittes Kind zuhause bekommen hat. Und wenn man ihre Geschichte liest und die Bilder anschaut, ist man sofort von dieser Magie gefesselt. So wunderschön kann eine Geburt sein…

Wo fängt man an, wenn man einen der bewegendsten Momente seines Lebens zu {digitalem} Papier bringen möchte? Ich weiß es nicht. Denn seit dem Bericht über meine eigene Hochzeit ist mir kein Text so schwer gefallen. Gedanken zu ordnen ist leicht. Gefühle zu ordnen fast unmöglich. Und es gibt wohl nichts emotionaleres als eine Geburt!  Also beginnen wir einfach mittendrin…

Plötzlich war ich schwanger. Zugegeben so plötzlich kam das gar nicht. Das dritte Kind war zur Überraschung einiger Mitmenschen genau wie die beiden großen Geschwister ein Wunschkind. Vorsatz! Trotzdem war dieses Mal alles anders. Anfängliche Blutungen, ein nervenaufreibender Hauskauf- und umbau, ein hochgradiger Nierenstau, akuter Eisenmangel und die Kondition eines altersschwachen Faultiers haben die Schwangerschaft für uns alle zu einem Abenteuer mit Höhen und Tiefen gemacht.  

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Die Entscheidung für eine Hausgeburt & Hypnobirthing
Von Anfang an sehnte ich mich nach einer entspannten, besonnenen und vor allem natürlichen, selbstbestimmten Geburt. Einer Hausgeburt. Nach zwei Klinikgeburten {wovon eine ziemlich rasant war} wollte ich das dritte kleine Wunder {planmäßig und nicht überraschend ausversehen} zu Hause im Beisein ausgewählter Menschen bekommen. Ganz in Ruhe, ohne Zeitdruck, ohne unnötige Fremdeinwirkung.  Ich verzichte an dieser Stelle auf weitere Gründe für eine Hausgeburt da schlussendlich jeder Gegner argumentativ gewinnen kann, wenn er nur das große ABER oder den Worst Case aufführt. Wir hatten Vertrauen in mich, das Baby, unsere Hebamme und selbstverständlich hatten wir auch eine Reißleine, einen Plan B {für den Notfall}. Für uns hat es sich richtig angefühlt und tatsächlich war da ausschließlich Vorfreude. Im Zuge der Entscheidung für eine selbstbestimmte, behütete Hausgeburt trat ich {dem imaginären) #teamhypnobirthing bei. Ich las Bücher und versuchte trotz der turbulenten Zeit immer wieder kleine Ruheinseln zu schaffen, übte meine Atmung und malte mir in Gedanken meinen eigenen Kraftort aus {der lag übrigens in Schweden auf einer Seebrücke bei Sonnenuntergang}. Der Plan beinhaltete außerdem eine Menge Yoga zur körperlichen und mentalen Geburtsvorbereitung. Der Plan war gut. Mein Zeitmanagement mies. Und so blieb es bei dem guten Vorsatz: kein Yoga für mich. Dafür aber Akupunktur. Immerhin. An dieser Stelle sei nur so viel gesagt: Angst ist der falsche Geburtsbegleiter. Sie lähmt dich, verstärkt deine Schmerzen, hält deine innere Stärke zurück und bremst so auf tückische und hinterhältige Weise den ‚Flow‘ deiner Geburt.   {Wie man zum ‚Flow‘ findet verrät euch unter anderem die inspirierende Nina von Geburt und Mama sein auf ihrem Blog und in ihren Videos.}

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Die Geburt
Meine ersten beiden Kinder waren Sonntagskinder. Und obgleich ich mir der statistischen {Un}Wahrscheinlichkeit bewusst war, war da die leise Hoffnung wieder an einem Sonntag zu entbinden. Das ist der Monk in mir. Aber zum Glück steht der auch auf Alliterationen und so wurde der Geburtstag ein Monk Mittwoch…  Ich gebe zu, ich hatte keine Lust mehr {obwohl ich furchtbar gern schwanger war}. So viele Wochen haben wir gehofft, dass unser kleines Menschlein sich noch geduldet, damit wir die heimische Baustelle in einen würdigen Geburtsort verwandeln können. Aber als wir dann endlich so weit waren und all die Anspannung von mir abfiel  – da wollte ich nicht mehr warten. Ich fühlte mich wie ein Pinguin im Baunbärenkostüm mit der Blase eines Hamsters. Also begann ich am Dienstag, dem 23. Mai {dem errechneten Termin} den Garten umzugraben, putzte Fenster und nahm ein heißes Bad am Abend. Ich glaubte nicht mal an den Erfolg dieser Maßnahmen, da unser zweites Kind eine Woche über den Termin ging ABER wenn du als trächtiger Braunbärpinguin am Südpol lebst, darfst du die Hoffnung nicht aufgeben. Und tatsächlich wurden zumindest die Vorwehen immer stärker. Erschöpft aber gespannt ging ich an diesem Abend ins Bett.  

Gegen 02.30 Uhr weckte mich {mal wieder} die Hamsterblase und sie hatte eine Überraschung im Gepäck. Nicht hübsch aber verheißungsvoll, hinsichtlich meiner Pläne bald zu entbinden: der Schleimpfropf hatte sich gelöst. Fein.  Ich ging zurück ins Bett, wollte noch ein wenig schlafen aber die Kontraktionen und die Aufregung ließen mich nicht mehr zur Ruhe kommen. Da waren Wehen. Nicht schmerzhaft aber unangenehm: zum Schlafen zu stark, zum Kinderkriegen zu schwach.  

Ich zog aus – ins Wohnzimmer, um meinen Mann nicht zu wecken und tauschte das Braunbärkostüm gegen das Verhalten eines lauernden Tigers {…ja, ich mag Tiere}. Irgendwann schlief ich nochmal auf der Couch ein aber zarte Wellen weckten mich immer wieder. Sollte es heute wirklich passieren?   In der Früh weckte ich unseren großen Sohn und frühstückte mit ihm. Als mein Mann ihn zur Schule fuhr, rief ich meine Hebamme Dagmar an. Wir hatten uns darauf geeinigt nicht erst Bescheid zu geben, wenn es sicher los geht – sondern uns schon beim Verdacht zu melden. Und so verkündete ich gegen 7 Uhr selbst noch leicht ungläubig, dass das Baby eventuell heute kommt.  »Ok, meldet euch wenn du alle 10 Minuten Wehen hast« sagte meine Hebamme optimistisch… {Bestimmt nur falscher Alarm, sagte der Pessimist in mir aber der Optimist wollte das nicht hören. Die beiden stritten sich eine Weile und so begann der Monk Babysachen zu sortieren}…  

WHOOP WHOOP – ES GEHT WIRKLICH LOS
Keine halbe Stunde später gewann der Optimist. Wehen. Echte Wehen. Alle 7 Minuten. Ich rief meinen Mann an und bat ihn wieder nach Hause zu kommen. Zwar war der Geburtspool in dem das kleine Menschlein zur Welt kommen sollte bereits aufgebaut aber mir war klar, dass es laaaaaange dauern würde, bis genug Wasser drin ist. Ich bereitet alles für das erste Date mit unserem Baby vor. Stilecht wie es sich für ein erstes Kennenlernen gehört, zündeten wir Kerzen und den Kamin an. {Klar wirkt das mitten in der Früh ein bisschen albern aber was spielt das schon für eine Rolle, kurz bevor  du möglicherweise die Kontrolle über deinen Darm verlierst?} Der Duft von Lavendel- und Zitronenöl lag in der Luft, Phillip Poisel lief im Hintegrund und gegen 9 Uhr vervollständigte das Eintreffen meiner Hebamme das Setting des Geburtsortes.  

Jetzt wurde mir bewusst, dass ich im Moment angekommen bin und nichts weiter tun muss, als loszulassen. Ich würde nicht ins Auto steigen und ins Krankenhaus fahren müssen. Ich konnte aufhören die Wehenabstände zu stoppen, um eine Entscheidung zu treffen. Ich kann einfach hier bleiben. Zu Hause.   

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Die Stimmung war ganz ruhig und besonnen. Ich lag im Pool und fand Kraft in meiner Atmung und dem warmen Wasser. Ich allein entschied was mir gut tat und wann. Dagmar war schützend an meiner Seite, genau wie mein Mann und trotzdem ließen sie mir meinen Raum. Ein Raum in dem ich ganz allein war. Mein Kraftort. Schon bald hatte ich die Eröffnungsphase verhältnismäßig entspannt aber keineswegs schmerzfrei bewältigt. Ich blieb die meiste Zeit im Wasser. Nur ab und zu ging ich ins Bad oder rollte einige Wehen auf dem Petziball weg.  

Als die Wehen heftiger wurden und die Übergangsphase nahte, platzte meine Fruchtblase mit einem lauten Plopp. Dagmar bereitet mich darauf vor, dass nun eine Welle heftiger Kontraktionen bevor stehen würde, bevor die eigentliche Geburt beginnt. Während der gesamten Zeit wurde ich nicht untersucht. Anfangs befürchtete ich, dass mir der fehlende Statusquo des Muttermundes fehlen würde aber das Gegenteil war der Fall. Ich habe zu keiner Zeit Ungewissheit empfunden.Stattdessen hatte ich zu jeder Zeit das Gefühl genau zu wissen, wo ich bin. Jede Wehe fühlte sich richtig und wichtig an. Und kraftvoll. Ganz bewusst habe ich versucht mich dem Schmerz hinzugeben, ohne ihn als solchen zu empfinden. Selbstverständlich hat das nur bedingt funktioniert. Die letzten Wehen der Übergangsphase waren heftig und ich brauchte meine ganze Kraft. Aber mir war bewusst, dass der Zeitpunkt an dem man nicht mehr kann, das Ende der Geburt und den Anfang von etwas magischem einleiten würde. 

Als Dagmar sich die Ärmel hochkrempelte und an den Geburtspool trat, wurde mir bewusst, dass ich bald einen kleinen Menschen im Arm halten würde. Mein Mann stand direkt hinter mir und gab mir Sicherheit. Da dies unsere dritte gemeinsame Geburt war, wusste er genau wie viel Nähe mir gut tat. Die Techniken des Hypnobirthing die mich bis dahin so sanft durch die Geburt getragen hatten, fanden ab jetzt keine Anwendung mehr. Hier übernahm mein Körper, mein Kopf fügte sich. 

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Nach einigen anstrengenden Presswehen wurde 11.22 Uhr der Kopf unseres Babys geboren. Keine Haare. So wie der Bruder. Ein Junge?  Bestimmt! {Auch wenn wir es nicht wissen wollten, war das einfach unser Gefühl…}  

Ich entspannte mich schlagartig und verließ mich auf meine Erfahrung, dass das schwerste Stück Arbeit hinter mir liegt, sobald das Köpfchen da ist. Pustekuchen. Es dauerte weitere 4 Minuten und mindestens genauso viele Presswehen bis unter wirklich ziemlich großer Anstrengung {Kamel durchs Nadelöhr} unser Menschlein da war.  Aber dann war es da. Und das ist dieser unbeschreibliche, wunderschöne, stille Moment in dem du vergisst, was in den letzten 4 Stunden passiert ist.   

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Dagmar legte mir mein Baby auf den Bauch, während der stolze Papa mir einen Kuss gab und die typischen leisen ‚Awwww‘ Geräusche machte, die eine Geburt erst vollkommen machen.  Endlich war er da. Moment! Er?  Nur zur Sicherheit und vielleicht auch weil ich vor Neugier fast platzte, schaute ich nach… und musste lachen: ein Mädchen. 

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Hallo Alma
10 Finger, zwei Ohren, eine Nase, eine Mauz und ausreichend Speck. Alles war dran. Sie war perfekt. Ist sie noch immer.  Wir blieben noch eine ganze Weile im Pool, lauschten dem knisternden Kamin, ließen die Nabelschnur auspulsieren und warteten auf die Nachgeburt. {Die sich so viel Zeit ließ, dass sogar meine Mama vor ihr eintraf…}   Die Geburt war anstrengend: Ja!  Aber sie war auch wunderschön, kraftvoll und selbstbestimmt. Sie war sanft und gab mir Selbstvertrauen und Sicherheit. Und sie machte diesen Ort {unser Haus} zu etwas ganz Besonderem. Ein Ort voller Erinnerungen, voller Liebe. Hier ist unsere Tochter geboren. Hier werden ihr Wurzeln und Flügel wachsen…   

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Pro Hausgeburt?
Absolut. Und trotzdem: es gibt nicht die eine Wahrheit für alle. Für uns war sie nach zwei vorangegangenen unkomplizierten Geburten die richtige Entscheidung. Wir zweifelten zu keiner Zeit. Wer allerdings Angst hat und sich in der Nähe von Ärzten wohler fühlt, entbindet besser in einem Krankenhaus.

 Aber ich kann versprechen, die Magie einer Hausgeburt ist unersetzlich. Sie ist das Einhorn auf der Pferdekoppel…

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Der Bericht erschien zuerst auf dem Blog von Romy. Wer noch mehr von ihr lesen möchte, der sollte unbedingt einen Blick drauf werfen, wo die 3-fach Mummy von ihrem wunderbaren Leben mit Kids erzählt… Vielen Dank liebe Romy!

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