Es ist gar nicht lange her, dass wir unsere heutige Gast-Mummy Monika kennengelernt haben. Genau genommen war das im #stokkesummerhouse bei unserem Stylingevent. Da war sie noch hochschwanger und hatte nur noch wenige Wochen vor sich. Am 30. Juli (das ist auch der Geburtstag von Camilla!) kam sie dann zur Welt, die kleine Lea. Und weil Monika die Geburtsgeschichten bei uns so geholfen haben, hat sie uns direkt ihre Geschichte aufgeschrieben!

Woche 41+1 – der Entbindungstermin war längst verstrichen, aber das störte mich wenig. Auch nicht die 27 Kilo mehr, die ich mit mir rumschleppte, und das Wasser, das sich seit dem 8. Monat in meinen Händen und Füßen eingelagert hatte. Ich war gerne schwanger, sehr gerne sogar. Während viele Tag X sehnsuchtsvoll und ungeduldig entgegenfiebern, genoss ich die enge Zweisamkeit mit Lea in vollen Zügen. Von mir aus konnte sie sich Zeit lassen. Wäre es möglich gewesen, wahrscheinlich hätte ich sie noch bis zur Einschulung in meinem Bauch herumgetragen. Es sollte zwar meine erste Geburt werden, doch stundenlange Gespräche mit meiner Mutter hatten mir jede Angst davor genommen. Zudem hatte die Hebamme im Geburtsvorbereitungskurs empfohlen, bei jeder Wehe daran zu denken „Die Wehe ist mein Freund. Die Wehe hilft mir, mein Kind auf die Welt zu bringen.“ Meine beste Freundin erzählte aus ihrem Kurs, man solle jede Wehe wie „eine neue Etappe beim Besteigen eines Berges“ betrachten. Meine Geburt würde also wie eine Auszugsparty für Lea aus meinem Bauch, zu der viele Freunde zum Helfen kommen bzw. wie eine Bergtour werden. So stellte ich mir das zumindest vor. Auszugsparties hatte ich veranstaltet, Berge bereits erklommen. – Ich war die Ruhe selbst.

 

Nichts kann mir die Ruhe nehmen, dachte ich mir bereits Wochen vorher, und wurde bei der Anmeldung in der Entbindungsklinik bei uns um die Ecke eines Besseren belehrt. Ich traute meinen Augen kaum, aber auf der Fotoleinwand des Kollegiums der Geburtsmedizin hatte ich tatsächlich einen ehemaligen Schüler entdeckt. Dazu muss ich sagen, dass er einer meiner ersten Schüler überhaupt war, den ich während meines Schulpraktikums an einer deutschen Schule in wohlgemerkt China (!) unterrichtet hatte. Nun war er Frauenarzt in dem Berliner Krankenhaus, in dem ich entbinden würde. So nett ich ihn auch in Erinnerung hatte und so sehr man sich eigentlich freut, ehemalige Schüler wiederzusehen, die Vorstellung, ihm möglicherweise im Kreißsaal zu begegnen, toppte sogar noch das „Bitte-alles-nur-nicht das-“ Szenario eines jeden Lehrers, seine Schülerschaft in der Sauna anzutreffen. In der Hoffnung, dass er einfach keinen Dienst haben würde wenn es so weit sein sollte oder wenn, sich nicht mehr an mich erinnern würde, entschied ich, diese Entdeckung zunächst stillschweigend zu verdrängen.

Nun war ich also bei Woche 41+1 und die leichten Wehen fühlten sich nicht so an als ob es bald losgehen würde. Zu wenige Freunde also zum Helfen bei Leas Auszug aus meinem Bauch bzw. nicht kräftig genug, um was zu bewegen. Als das Fruchtwasser schließlich knapp wurde, entschied man bei einer der Kontrolluntersuchungen, dass ich im Krankenhaus zur Einleitung dableiben sollte. Nach einem Kaiserschnitt war eine Einleitung das, was ich mir am wenigsten gewünscht hatte. Zum ersten Mal während der Schwangerschaft war mir zum Heulen zumute, vor allem weil ich so einige Geburtsberichte gelesen hatte, bei denen die Geburt nach einer Einleitung und stundenlangen, besonders schmerzhaften Wehen dann doch in einem Kaiserschnitt geendet hatte. Aufgrund eines unreifen Befundes des Muttermunds wurde samstags um 14.30 Uhr mit Gel eingeleitet. Laut Hebamme war die Wirkung schwer vorherzusagen und so stellte ich mich mental auf eine Geburt zwischen drei Stunden und drei Tagen ein. Eine Stunde später waren die Wehen jedoch schon da, ziemlich heftig sogar. Aber sie fühlten sich alles andere als hilfsbereite Freunde an. Eher wie muskelbepackte Idioten, die nur zum Umzug kommen, um das Bier zu trinken und mit ihren Fitnessstudiomuskeln zu prahlen ohne mitanzupacken. Und so war es dann auch: Nach sieben Stunden Wehen, bei denen ich nach zwei Stunden nicht mehr sprechen konnte und mein Mann versuchte, mir meine Wünsche von den Augen abzulesen, war der Muttermund immer noch unverändert bei einem Zentimeter. Ich bekam ein Schmerzmittel gespritzt und driftete in einen seltsamen Trancezustand ab, bei dem der Schmerz der Wehen gerade soweit gedämpft wurde, dass ich in den Wehenpausen in einen Sekundenschlaf wegdöste. Hätte man mir einen Kaiserschnitt angeboten, ich hätte sofort zugestimmt. Nach ein paar Stunden absurder zynischer Grübelei, ob ich möglicherweise die erste Frau werden würde, die einfach nicht entbindet und der man dann sagt: „Entschuldigung, kommen Sie einfach in zwei Jahren wieder, dann versuchen wir es nochmal“, war der Muttermund plötzlich bei sieben Zentimeter, juchu!

Nun durften wir auch endlich in den Kreißsaal, denn bis dahin hatten wir in einem Aufnahmezimmer gelegen. Mit sieben Zentimetern waren mein Mann und ich wieder hochmotiviert und voller Hoffnung und tatsächlich: Nach weiteren zwei Stunden waren es zehn Zentimeter. Unsere Euphorie wurde dann jedoch mit den Worten der Hebamme gedämpft: „Das Kind liegt sehr weit oben, es muss noch durchs komplette Becken.“ So folgte eine Presswehe der anderen, ohne dass sich was bewegte. Nun war ich nicht mehr die Ruhe selbst, sondern schrie mir die Seele aus dem Leib. Ich biss sogar in meinen Arm, so dass mich ein blauer Fleck noch tagelang an die Dramatik der Situation erinnerte. Irgendwie hatte ich das Bedürfnis, so laut und so viel zu brüllen, dass ich noch am nächsten Tag heiser war. Tatsächlich aber nicht, weil es so schlimm war, sondern weil es sich in dem Moment einfach gut anfühlte. Doch auch mein akustisches Spektakel verfehlte seinen Erfolg: Lea wollte nicht durchs Becken. Sollte bei der nächsten Wehe der Kopf nicht draußen sein, müsse die Saugglocke zum Einsatz kommen, meinte die Hebamme. Mir war mittlerweile alles recht. Ich presste, doch nichts geschah. So ging die Tür auf und herein kam… zum Glück nicht mein ehemaliger Schüler, sondern zwei nette Ärztinnen. Die Saugglocke war innerhalb weniger Sekunden angesetzt und mit ordentlich Druck der Hebamme auf meinen Bauch war Leas Kopf nach der nächsten Wehe draußen. Mit einer weiteren Wehe lag sie bereits auf meiner Brust und quäkte vor sich hin. Es war ein heißer Sonntag Ende Juli und die Sonne schien ihr durchs Fenster aufs Gesicht. Ich blickte auf dieses kleine wundervolle Wesen und die Strapazen waren augenblicklich vergessen. Ich fühlte nur noch pures Glück, unendliche Freude und Dankbarkeit. Obwohl 17 Stunden Wehen anstrengender als jede Bergtour waren und eine Saugglockengeburt als Komplikation gilt, waren weder Lea noch ich traumatisiert. Dafür jedoch mein Mann ein bisschen, denn der hatte seine Frau bis dahin ja immer als die Ruhe selbst erlebt. Gerne hätte ich ihm ein bisschen von meinen Schwangerschaftshormonen abgegeben. Mich in diesem Ausnahmezustand zu sehen hat ihm ziemlich zugesetzt, so dass ihn die Hebamme für die letzten Minuten der Geburt vorsorglich aus dem Zimmer geführt hatte. Er kam nun tränenüberströmt zurück, um seine beiden Frauen überglücklich in die Arme zu schließen.

 

Alles was nach der Geburt kam, Nähen des Dammrisses, Milcheinschuss und Wochenfluss, erschien mir im Vergleich wie ein Klacks. Das Stillen klappte sofort und innerhalb weniger Tage war mein Bauch fast völlig verschwunden. Auch heute, sieben Wochen nach der Geburt, bin ich immer noch fasziniert über das, was der weibliche Körper während der Schwangerschaft und danach alles leistet. Da ich Lea nun nicht mehr im Bauch herumtragen kann, genieße ich es umso mehr, sie auf meinem Bauch in der Babytrage Berlin und die Welt entdecken zu lassen.

 

Vielen Dank liebe Monika, dass Du uns Deine Geschichte aufgeschrieben hast! Genießt das Glück eurer kleinen Familie und vielleicht dürfen wir ja auch irgendwann noch eine Geschichte von Dir lesen… hihihi

 

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Für unsere Serie “The Day that…” freuen wir uns über jede Mummy unter Euch, die einen Gastbeitrag schreiben und ihre Erlebnisse mit uns teilen möchte – Bei Interesse schreibt uns eine Nachricht an: info@mummy-mag.de