Halima Liter ist 34 und Mutter von zwei Töchtern (12 und 8 Jahre). Sie weiß was es heisst Patchwork zu leben, denn seit der Geburt der ersten Tochter ist sie vom damaligen Partner getrennt. Inzwischen sind weitere Hürden dazu gekommen, aber Halima trifft ihre Entscheidungen aus dem Herzen und denkt dabei vor allem immer an das Wohl ihrer Töchter. In unserem allerersten Paper waren sie in einer Shootingstrecke zu sehen und ich habe sie für den Blog damals interviewt. Inzwischen ist sie eine erfolgreiche Schauspielerin, wofür sie hart gearbeitet hat. Ich bin sehr dankbar, dass Halima in meinem Leben ist und ich sie eine sehr gute Freundin nennen kann. In unserem aktuellen Mummy Mag Paper mit dem Thema „It’s a Family“ ist sie auch dabei und das ist wichtig. Denn Halima lebt einen ganz anderen Wohnsituations-Ansatz im Gegensatz zu vielen getrennten Eltern. Der ist nicht einfach, aber erweist sich als sehr kindgerecht…

Liebe Halima, Du bist Mama von zwei Töchtern von zwei unterschiedlichen Männern und bist inzwischen wieder Single, wie geht es Dir?

Wie soll es einem gehen nach der zweiten Trennung? Ich wünschte anders…- bzw. besser. Irgendwie ist man erleichtert, aber leider trägt man das Gefühl von “versagt haben” in sich. Ich weiß, dass ich super Daddies für meine Mädchen ausgesucht habe, aber für mich war am Ende nichts drin.

War die Trennung vom zweiten Vater besonders schwer, weil Du stärker versucht hast am Familienmodell festzuhalten? Wie lange habt Ihr gekämpft und was waren Deine größten Bedenken in dem Zusammenhang?

Mein Traum war und ist es immer noch eine Familie zu haben, die zusammenhält und deshalb hab ich gute acht Jahre gekämpft, um diese Beziehung aufrechtzuerhalten. Aber wenn man unterschiedliche Charaktere hat, dann gibt es immer Reibung. Und jeder ist auf seine Weise ein unglaublich toller Mensch, aber zusammen haben wir wenig harmoniert und diese Harmonie hat mir gefehlt.

Wie lebt Ihr jetzt bzw. wie teilst Du Dir die Betreuung der Kinder mit den beiden Vätern auf?

Mir ist es wichtig, dass es meinen Kindern gut geht und da muss man Abstriche machen. Wenn man seine Kinder liebt, dann hat dein Ego wenig bzw. keinen Platz in solch einer kindgerechten Entscheidung. Also, meine Kinder sollen immer und am besten zu jeder Situation Kontakt zu ihren Vätern haben. Bei meiner großen Tochter haben wir uns sehr früh getrennt und bei ihr hatten wir von Anfang an das Modell 50:50 d.h. sie ist entweder von Samstag bis Mittwoch bei mir oder von Sonntag bis Mittwoch bei mir und an den anderen Tagen bei ihrem Vater. Das ging bisher sehr gut, da es meine Große nicht anders kennt. Meine kleine Tochter ist etwas härter dran. Da sie uns nur zusammen kennt, habe ich die Idee gehabt, dass wir unsere jetzige Wohnung behalten d.h. beide Kinder behalten ihre gewohnte Umgebung und ihre Zimmer. Aber dafür pendeln wir Eltern in unsere eigenen Wohnungen. Das geht nur, wenn man Kompromisse eingeht, wie z.B. die Zweitwohnung mit einem Untermieter teilt, wenn man nicht gerade mega-liquide ist.

Und wie kann man sich die Aufteilung räumlich vorstellen bzw. wie ist die Wohnsituation dazu?

Hier habe ich das Modell 50:50 weitergeführt. In der Zeit von Samstag bis Mittwoch bin ich in der großen Wohnung mit den Kids und die restliche Zeit sind die Kids verteilt bei ihren Vätern. Die Wochenenden wechseln wir uns ab, damit jeder mal am Wochenende auch für sich Zeit hat.

Wieso macht ihr das so und was meinst Du, wie sieht die ideale Lösung für die Kinder aus?

Für mich ist das die ideale Lösung für die Kids, wenn man als Paar nicht mehr funktioniert. Wir alle haben uns für die Kids entschieden und am Ende sollten diese auch gut bei der Sache davon kommen. Für die Kinder ist es immer schöner, wenn die Eltern zusammen bleiben, aber bei diesem Modell sind beide Eltern da, nur sie teilen sich kein Bett mehr zusammen.

Was hat Eure Lösung für Nachteile (finanzielle?) bzw. was für Folgen ergeben sich daraus?

Ich bin leider etwas im Nachteil manchmal, da ich mit den Vätern auch alles 50:50 teile.  Nur am Ende zahle ich wieder ein Kind ganz und da müssen wir noch eine Lösung für mich finden. Ich könnte alles gut händeln, wenn ich mehr als 25 Drehtage im Jahr hätte – dann würde ich die Väter gar nicht nach Geld fragen. Da bin ich mir sicher 😉 So arbeite ich noch in anderen Jobs sehr viel nebenher.

Denkst Du, dass es in Deutschland bei Trennungssituationen zu sehr nach den Präferenzen der Eltern geht?

Leider schon. Klar, niemand muss auf so vieles verzichten wie ich am Ende, aber vielleicht sollte man vor Augen halten, dass man sich und den Kindern schadet, wenn man auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist und nicht den der Kinder. Man spart sich enorm viel Arbeit und Stress, wenn die Kinder sich gut fühlen. Kein Schulstress, keine Rebellion zu Hause, weil die Kinder die Situation nicht gut finden, aber es nicht in Worte fassen und aggressiv oder introvertiert werden können. Weil sie das nicht verstehen können, warum ihre Mutter und ihr Vater nur noch selten bei ihnen sein können. Kinder verstehen es ganz gut, wenn man ihnen erklärt, warum es nicht klappt zwischen Mama und Papa, aber dass sich an der Situation als Eltern für sie dazusein nichts ändern wird. Dann kann es ziemlich schmerzlos verkraftet werden von den “Kleinen-Großen” ;). Bei meinem Modell müssen aber beide Elternteile mitarbeiten.

Liebe Halima, vielen Dank für das offene Interview.
Hier könnt Ihr außerdem mehr über die Schauspielerin Halima erfahren:

Ilter Halima