Vor ein Paar Tagen, als ich mich des nächtens zwischen zwei Stillpausen zum einschlafen bringen wollte, indem ich noch etwas auf dem Handy las, machte ich eine sensationelle Entdeckung. Sensationell nicht im Sinne von Erfindung der Elektrizität, aber sensationell im Sinne von „klügere Mutter, weil komische Dinge mit einem selber vor sich gehen“. Eine Schwangerschaft, die Wochen danach, das Stillen und die Hormone, all diese Dinge können komische, unbekannte Dinge bei dem eigenen Körper hervorrufen. Nun hatte ich just Erkenntnis über etwas erlangt, dass mir seit Lolas Geburt sehr merkwürdig an mir vorkam.

 

Gib dem Kind einen Namen

Seitdem Lola auf der Welt ist, entspreche ich selber immer mehr und mehr einer Unterart des Beuteltiers. Lola ist, genau wie auch schon ihre Schwester zuvor, ein absolutes Tragebaby. Egal ob im Wickeltuch oder der Babytrage, ich habe das Kind die ersten Wochen fast den kompletten Tag am Körper und an einigen wenigen Tagen auch während der Nacht. Dabei habe ich mir ganz bestimmte Bewegungsabläufe antrainiert, wie ich schon während des anwickelns auf und ab wippe, dabei meine Füße abrolle und in die Knie gehe. Ich bilde mir ein, dass das genauso sein muss und das es keiner so gut kann wie ich. Was dafür aber auch keiner davon hat: so starke Schmerzen in Knien und Füßen. Die Schmerzen äußern sich am stärksten am Morgen, wenn ich meine Fußsohle beim Aufstehen fast nicht gerade auf den Boden stellen kann, ohne zu krampfen. Ich springe also jeden Morgen mit einem Satz aus dem Bett, auf beide Füße und spurte los, sodass der Schmerz zwar heftig ist, aber nach kurzer Zeit nachlässt. Ohne überhaupt auf die Idee zu kommen, welche Ursache die krampfartigen Auswirkungen haben, schob ich es bisher darauf, dass ich „alt“ bin und dass ich Muskelkater vom vielen Lola-tragen habe. Als ich dann zufällig in einem Chat-Forum über ähnlich beschriebene Schmerzen anderer Mamas las, hatte ich den wahren Übeltäter identifiziert: ich habe Stillrheuma.

Was soll denn bitteschön Stillrheuma sein?
Und gibt es das wirklich?

Eine Minute Wikipedia später lerne ich, “Stillrheuma” gibt es so nicht.
Auf Google gibt es – Achtung Schnapszahl – “ungefähr 444 Ergebnisse” dazu. Diese setzen sich aber, genau wie meine Quelle, aus reinen Elternforen zusammen und aus diesen habe ich die unterschiedlich beschriebenen Symptome herausgepickt, um festzustellen, dass es sich hier nicht um „die eine Krankheit“ handelt. Vielmehr verbergen sich hinter dem Begriff “Stillrheuma” eine Vielzahl temporärer, nach der Geburt und während der Stillzeit auftretender Schmerzen der Gelenke. 

„… mich plagen Knie-/Gelenkschmerzen. Kannte ich weder vor noch während der Schwangerschaft. Kann das mit dem Stillen zusammenhängen (zB zusätzliche Einnahme von Calcium, Magnesium, Vitamin XYZ nötig)? Oder hat das gar nichts mit dem Stillen zu tun und ich werde einfach nur alt? …“

„… ich hab das auch seit kurzer Zeit, hab aber gar nicht gestillt! Handgelenke, Fußgelenke und Knie sind ganz schlimm …“

„… bei mir waren es die Handgelenke und Füße. Man nennt das Still-Rheuma! Und es geht nach dem Abstillen wieder weg, haben mir zumindest Ärzte und andere Mütter gesagt und es stimmte …“

„… ich hatte Fußgelenkschmerzen und konnte kaum laufen. Mir wurde von Hebammen und anderen gesagt das sei nicht unüblich wegen Calcium etc. Bin allerdings doch zum Arzt und es kam raus, dass ich an beiden Füßen einen Fersensporn habe …“

„… oh ja, Knieschmerzen seit Ende der Schwangerschaft und während der Stillzeit (so lange ich voll gestillt habe). Meine Hebamme sagte, dass es von den Still-Hormonen kommt. Die wirken wohl ziemlich auf die Gelenke. Es ging dann von alleine weg und kam bisher nicht wieder …“

„… ich hatte es 12 Monate lang ganz schlimm und bin humpelnd wie ne Oma ins Bad. Dachte, ich wäre einfach zu alt fürs Baby tragen …“

„… ich hatte das auch, vor allem in den Knien. Calcium und Magnesium hilft, denn nach 2 Monaten war es wieder weg. Kam bei mir erst mach dem Abstillen …“

„… ich hatte es ganz schlimm in den Füßen und Händen und habe es leider nach eineinhalb Jahren immer noch. Meine Orthopäden und meine Frauenärztin konnten mir nicht helfen. Ich nehme Vitamin D, weil das mein Arzt empfohlen hatte, aber es hilft nicht. Ich fühle mich so alt …“

„… das Bindegewebe wird durch den veränderten Hormonhaushalt weicher, dadurch werden die Gelenke mehr beansprucht und so kommen die Schmerzen zustande. Das einzige was mir geholfen hat war Sport und Bewegung …“

Liest man sich allerdings in das Krankheitsbild des echten Rheumas ein, wird dort auch von einer Unterscheidung nach 200 bis 400 einzelner Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes gesprochen. Bei so vielen Differenzierungen wird mir auch plötzlich klar, warum sich Beschwerdebild, Verlauf und dessen Behandlung sehr unterscheiden. Man spricht deswegen zwar von Rheuma, korrekter wäre aber, es eine Erkrankung des rheumatischen Firmenkreises zu nennen.

Laut medizinischem Beirat der La Leche Liga (einer Non-Profit Organisation, die das Stillen fördert) gibt es aber kein Still-Rheuma in dem Sinne, dass die Erkrankung durch das Stillen ausgelöst würde. Was es bei einigen wenigen Frauen wie bei mir gibt, ist der Zusammenhang zwischen Gelenkschmerzen und Stillen. Manche Ärzte nehmen an, dass es sich um eine genetisch beeinflusste Autoimmunreaktion handelt, die sich bereits in der Schwangerschaft zeigen kann und nach der Geburt wieder zurückgeht. Betroffene Frauen, die ihr erstes Kind stillen, spüren diese Symptome, insbesondere an Händen und Fingern. Für die Mütter ist es hilfreich, sich so oft wie möglich auszuruhen, mehr im Liegen zu stillen, und die Hände und Arme mit Kissen während des Stillens zu stützen.
In diesem Fall können bestimmte gymnastische Übungen, regelmäßig ausgeführt, lindernd wirken. Eventuell ist auch eine Behandlung mit einem Antirheumatikum anzuraten, allerdings nur in Abstimmung mit einem Arzt.

Eine andere mögliche Ursache für die Beschwerden, die gehäuft bei (stillenden) Müttern auftreten, wenn man öfters mit seinem Baby zusammen im Bett schläft oder viel im liegen stillt, liegt man oft nicht optimal, was ebenfalls zu Gelenkschmerzen führen kann. Genauso kann das häufige Tragen (meine Theorie!!) zu Schmerzen in den Gelenken führen. Es kann sein das man sich aus den o.g. Gründen „wie gerädert“ fühlt und Symptome einer Morgensteifigkeit (hier, ich!!) verspürt.

Gibt es denn etwas das dagegen hilft?

Jein! Bzw. ja, es gibt einiges, aber was genau bei welchem Symptom hilft, das ist nicht ganz klar. Zitierten Müttern aus den Foren haben zum Beispiel diese Dinge hier geholfen:

  • Ernährungsumstellung
  • mehr/bessere Bewegung, und am besten mit der Rückbildung starten
  • Osteopathie
  • Kinesio Taping
  • für Homöopathie-Fans: Schüßler-Salze (Nummer 7 Magnesium phosphoricum für Nerven und Muskeln oder Nummer 10 Natrium sulfuricum für die Ausscheidung, und manche schwören auch auf die Nummer 8 Natrium chloratum für den Flüssigkeitshaushalt)
  • Weleda Aufbaukalk
  • Nährstoffe wie die beiden wichtigen Mineralien Kalzium und Magnesium plus Vitamin D (z.B. als Kombi-Präparat für Knochen, Gelenke & Muskeln)
  • MSM („Methysulfonylmethan”) oder Organischer Schwefel als Mineralstoff in Tablettenform

Mit einem sogenannten Oligoscan können Mineralstoffe und toxische (giftige) Metalle im Körper analysiert werden. Heilpraktiker oder ganzheitlich orientierte Ärzte könnten damit ermitteln, welche Stoffe dem Körper von außen zugeführt werden sollten, um das physiologische Gleichgewicht wieder herzustellen. Die Messung erfolgt spektroskopisch, mit einem feinen Lichtstrahl direkt durch die Haut.

Zu guter Letzt kann man auch einfach darauf vertrauen, dass es nach dem abstillen wieder mit dem Spuk vorbei ist. Ich persönlich starte gerade mit Cantienica und werde euch berichten, ob auch dieses Powerprogramm dagegen hilft.