Selten habe ich mich so sehr wieder auf mein zu Hause gefreut, als nach dieser Woche Urlaub. Während Izzy noch vor unserer Reise jeden Tag und jede Nacht bis zum Abflug an den Fingern abzählte und wir uns warme Gedanken machten, bis wir endlich aus dem eisig kalten Winter hier in Berlin für ein paar Tage entkommen konnten, schlug die gute Stimmung am Urlaubsort dann bereits an Tag 1 ins Gegenteil um…  

Eigentlich ging die ganze Reise ganz gut an. Sprich, wir hatten frühzeitig Flüge gebucht und wir waren noch beschwingt, aus unseren Tagen in Kopenhagen, die gemeinsam großen Spaß machten und uns allen gut gefallen hatten. Wir tauschten mittlerweile täglich den Wetterbericht in unserer WhatsApp-Gruppe aus und ich ging geistig nochmal meine Learnings aus den letzten Urlauben durch: Nicht zu viel Gepäck, Wasser fürs Baby ist erlaubt, in den Kinderrucksack gehört abwechslungsreiches Spielzeug, rechtzeitig einchecken und die Flugtickets sicherheitshalber ausdrucken (sorry, Umwelt), die Reisepässe für jetzt DREI!! nicht vergessen und unbedingt etwas Bargeld für die Taxis einstecken.

E wie Ernüchterung

Die erste Ernüchterung war die Grippe-Erkrankung meines Mannes. Die Influenza war so heftig, dass er schon einige Tage nur noch im Bett lag und Sonntagabend, wenige Stunden vor Abflug klar machte „Ich kann nicht fliegen“. Wir einigten uns darauf, dass er sofort nachkommen würde, sobald er wieder fit war, aber am liebsten hätte ich da schon die Reise abgeblasen und wäre bei ihm zu Hause geblieben.

Wenige Stunden später, genau 04:15 Uhr, klingelte mein Wecker. Ich zog rasch mich und die Kinder an, schleppte den Koffer und Kinderwagen nach unten und dann ging es mit dem Taxi durch die Nacht zum Flughafen. Ich wollte auf gar keinen Fall nochmal den Flieger verpassen und war so pünktlich am Flughafen, dass wir noch nicht zum CheckIn zugelassen wurden. Ich moserte anständig durch den frühen Morgen und schwor, dass ich mich diesmal nicht mit guten Worten abspeisen ließe, würden wir erneut den Flieger verpassen, weil wir aus Mangel an Zeit nicht durch die Sicherheitskontrolle gelangen. Aber wir wurden dieses Mal mit den Babys überall durchgewunken und schafften pünktlich unseren Flieger. Auch der Flug selber klappte gut und wurde dank des leeren Platzes meines Mannes, zu einer Babyliege umfunktioniert. So weit, so gut.

P wie Pittoresk

Am Vortag schon schrieb ich mit unserem Airbnb-Host Ana und kündigte unser Kommen an. In Barcelona gelandet, schrieben wir erneut und sie wartete schon in der Wohnung im Stadtteil El Born auf uns. Mit den Kids und dem Gepäck verzichteten wir auf eine Anschlussfahrt mit dem Bus, obwohl es vom Hauptplatz, dem Placa Catalunya, gar nicht so weit war und nahmen anstelle dessen zur Feier des Urlaubs nochmal Taxen.

Unsere Wohnung lag in einem gutbürgerlichen Wohnhaus direkt an der Ronda Sant Pere und beim Eintreten in die Wohnung wähnten wir uns direkt im Interieur Design Himmel. Die riesige Wohnung mit 5 Schlafzimmern, 2 Küchen, 3 Bädern und 2 Wohnzimmern war gesäumt mit spanische Fließen der Jahrhundertwende des letzten Jahrtausends und puristischen Designer-Möbeln. Ständig erwischten wir uns gegenseitig dabei, wie wir die Fließen fotografierten, einfach weil sie so schön zum anzusehen waren und es nicht mal Bilder an den Wänden brauchte. Aber die Wohnung war nicht nur etwas für’s Auge, auch die Ausstattung war ideal, um sich dort mit Kindern aufzuhalten. In der Küche gab es sogar (und wie so oft von mir vermisst) Salz und Pfeffer, Wasser, Kaffee und Tee, Honig, Olivenöl und eben Dinge, die jeder Urlauber immer wieder kauft und mitbringt, die man dann aber am Urlaubsort zurücklässt. Die Wohnung verfügte darüber hinaus über Waschmaschine und Trockner, die wir auch später in der Woche ordentlich für die Handtücher benutzten.

Ana erzählte mir, dass sie die Wohnung vor 4 Jahren von einer alten Dame übernommen hatten, die vorher 80 Jahre alleine auf den mehr als 150 qm lebte. Manchmal quietschten Nachts die Türen im hinteren Teil der Wohnung und ich dachte dann jedesmal an den Geist der alten Dame. Ana und ihr Mann sanierten die große Wohnung aufwendig, erhielten dabei die Böden, Holzfenster und -türen im Original und besorgten sich für die Wohnung extra eine Lizenz zur Vermietung über Airbnb. Was in Berlin nicht mehr geht, ist in Barcelona noch möglich. Wie lange ist fraglich, denn laut Ana steigt der Druck auf die Regierung dort genauso wie bei uns, weil bezahlbarer Wohnraum im Stadtzentrum fehlt.

Nach dem kurzen Plausch mit Ana beschlossen wir im Barre Gotic Empanadas essen zu gehen…

D wie Drama

Dort angekommen nahm das Drama seinen Lauf. Meine Freunde besorgten Empanadas im Laden, die Kids und ich warteten vor dem Laden aufs Essen. Während Lola im Kinderwagen lag, blödelten die zwei Vierjährigen herum. Ich dachte an nix böses und ermahnte die Kids, es nicht zu wild zu treiben. Als ich mich fünf Sekunden später zum Kinderwagen zurückdrehte war meine Handtasche verschwunden. Ich tastete noch meinen Körper ab und die Kids und schaute in den Wagen, aber nein, es war eigentlich klar, ich war gerade beklaut worden. Meine liebste Tasche, mit meinem Portmonaie und allen Karten darin waren weg. Ich rief die Banken an und sperrte nacheinander meine Karten, dann telefonierte ich mit meinem Mann und dann musste ich auch meiner Mum schreiben, einfach um mich zu beruhigen.

Danach machten wir uns auf den Weg zur Polizei. Die Wache an der Placa Catalunya war mittlerweile geschlossen, sodass ich mich mit Lola alleine weiter Richtung Nou de Ramblas aufmachte, in eine Wache speziell für Diebstahl-Opfer. Izzy fütterte solange Tauben und sollte unter meiner Doofheit nicht auch noch leiden müssen. In der Wache, trotz vollem Warteraum mit vielen traurigen Gesichtern, bin ich relativ zügig rangenommen worden (Stichwort: Babybonus) und hatte einen sehr hilfsbereiten und freundlichen Polizisten gegenüber, der mir zwar keine Hoffnung machen konnte, meine Tasche jemals wiederzusehen, aber die Realität schönzureden hätte mir letztlich auch nix gebracht und so war ich froh, dass nicht mehr passiert war.

Diese Freude währte aber leider nur kurz, denn nachdem der nächste Tag mit einem leckeren Frühstück in einem hübschen Café mit Organic Food startete und wir den gesamten Nachmittag am Strand von Barceloneta verbrachten, verdunkelte sich am Abend die Stimmung erneut weil Lolas Temperatur permanent anstieg. Gegen 22 Uhr hatte mein Baby 39,7°C Fieber und ich gab ihr Fieberzäpfchen und machten Wadenwickel. Sie schlief und trank ausreichend, sodass ich hoffte am nächsten Morgen ginge es ihr vielleucht besser, aber das Fieber sank kein Stück und ab dem Morgen wimmerte Lola nur noch vor sich hin. Sie hatte Schmerzen, das spürte ich und ich war unsicher was am besten zu tun war. Nach telefonischer Abstimmung mit meinem Mann und unserem Kinderarzt in Berlin, vereinbarte ich einen Termin bei einem deutschen Kinderarzt in Barcelona. Um 12 Uhr sollte ich da sein und deswegen machte ich mich ohne Frühstück direkt auf den Weg, mit der U-Bahn hinauf zum Tibidabo.

Der Kinderarzt war toll. Er nahm sich eine Stunde lang Zeit für uns, obwohl ich mich weder ausweisen konnte und auch keine Krankenkarte mehr bei mir hatte. Er war allein um Lola besorgt und der Rest lief entspannt über Rechnung. Lola wurde gründlich untersucht und dann beschlossen wir, sie mit Antibiotika zu medikamentieren. Ihre Erkältung war zunächst nur viral, aber Husten und Schnupfen waren so stark, dass die Gefahr einer Bronchitis oder gar Lungenentzündung zu hoch schien. Lola bekam sofort oral Paracetamol verabreicht, und zum Antibiotika auch noch Lactobacillus zur Pflege der Darmflora. Außerdem gab es die harte Ansage, wenn bis 18 Uhr kein Sinken des Fiebers einsetzen würde, müsste Lola ins Krankenhaus. Ich wollte gerne schreien, aber habe es mir natürlich verkniffen. Ich glaubte an Lola, sie war ein starkes, kleines Mädchen und mit Pflege und ganz viel Liebe würden wir das hinbekommen.

Abends sank das Fieber tatsächlich ein kleines Stückchen und in der Nacht weiter. Am nächsten Morgen lächelte sie wieder und das schlimmste war überstanden. Bis auf die Tatsache, dass ich jetzt 39°C Fieber hatte. Glücklicherweise kam mein Mann in der Nacht noch nach Barcelona, um mich mit den Kids in der Situation nicht alleine zu lassen. Wir wollten unseren Freunden nicht zumuten, die komplette Zeit unser großes Kind zu versorgen. Den Donnerstag habe ich dann tatsächlich auch nur geschlafen, was Lola und mir aber zum Genesen ganz gut tat. Ich stopfte mir Zwiebelsäckchen in die Ohren und rührte mir einen Drink aus gehackten Zwiebeln mit Honig an, den ich ohne Umschweife trank und von dem mir dann stundenlang schlecht war. Bäh. Zwischendurch kuschelte uns immer wieder Izzy und beim Kuscheln fiel mir auf, dass sie sich auch ständig am Kopf kratzte. Einen kurzen Check später war klar: Mein Kind hat Läuse. Na klar, warum auch nicht?! Ging ja eh schon alles drunter und drüber hier.

Freitag, als es mir dann wieder besser ging, marschierten wir schnurstracks in die Apotheke und kauften Läusemittel. „In die Schule dürfte sie mit Läusen nicht gehen!“ hieß es da, nur gut dass sie kein spanisches Schulkind war. Sie ging lieber auf den Spieli und wurde vorher von uns entlaust. Anschließend kauften wir noch 3 Packungen auf Vorrat um uns daheim auch zu entlausen. Wir teilen ein Familienbett und stecken ständig die Köpfe zusammen, deswegen machte das Familienentlausen mehr als Sinn. Am Nachmittag waren wir wieder am Strand und von den 18°C angekündigten Grad war überhaupt nix zu spüren. Gar nix. Es war so eisig kalt in dem Windzug am Strand, dass ich mir im einzig geöffneten Bekleidungsgeschäft auch sofort eine Jogginghose kaufen musste. Mein Mini-Bargeld-Budget war somit wie gewonnen, so auch zerronnen.

Blieb noch der Samstag, der letzte Tag unserer Reise. Nachdem wir beklaut wurden, fast alle krank oder verlaust waren und wir kaum Geld hatten, weil alles in die Kompensation meines schlecht gepackten Koffers gesteckt werden musste, landeten wir schließlich in der Casa Bonay, einem Designhotel welches ich mir die ganzen Tage schon anschauen wollte. Dort angekommen wollten wir gar nicht mehr gehen, so schön eingerichtet, mit tollem Service und einem leckeren Frühstücksbüffet (klein, aber fein) war es dort. Der Sonne sei Dank und dem Tipp unseres Hosts Ana folgend, machten wir uns dann als letzte Urlaubsstation auf, in den Park de la Ciutadella, wo die Kids eine romantische Tour mit dem Ruderboot machten und wir uns zwischen Palmen auf die Wiese zum sonnen legten. Um 18 Uhr ging unser Flieger zurück nach Berlin und ich wünschte jeder Tag wäre so schön gewesen, wie unser letzter Tag in Barcelona.

Mein „Glück im Unglück“-Top 5 Fazit

  • die Airbnb-Wohnung mit ausreichend Platz für Krankenlager, Spielwiese und Urlaubs-Flair
  • der deutsche Kinderarzt mit seinem exzellenten Service inkl. WhatsApp-Kontakt
  • dass mein Mann gesund genug war, um noch nachzukommen: geteiltes Leid ist eben doch irgendwie halbes Leid
  • dass die Kids sich hatten und Izzy die Tage, in denen ich auf der Polizeiwache oder beim Arzt war, trotzdem gut versorgt war
  • dass ich vermutlich viel Geld gespart habe, weil ohne Bargeld und Bankkarten kein Geld auszugeben ging (die Erstattung meiner Tasche und ihres Inhalts wird ja noch teuer genug)

Außerdem habe ich diesmal wirklich (bis auf die Sache mit der Jogginghose) von der Wenig-Gepäck-Regel profitiert. Ich hatte mir vorgenommen mit nur einem Koffer zu reisen und das hat geklappt. Die Kleidung und Schuhe der Kids und für mich haben da locker reingepasst, plus Windeln, plus große Vorlesebücher, plus Laptop. Klar, ein Ausgabegepäckstück kostet auch mehr bei EasyJet, aber es hat sich wirklich gelohnt. Mit meinem leichten und wendigen Kinderwagen, dem Bugaboo Fox, und dem einen großen Koffer, hatte ich genug an den Händen. Mein Handgepäck bestand aus einem Rucksack von Izzy, einer Handtasche von mir und einer Wickeltasche mit Babyutensilien, die ich am Flughafen im großen Kinderwagen-Korb verstauen konnte. Als Kinderwagen und Koffer aufgegeben waren, transportierte ich Lola in der Trage und Izzy trug ihren Rucksack schon alleine. Das hat also wirklich super geklappt und war gut überlegt.

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Alle Fotos sind von privat.
Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Airbnb, von denen ich seit Jahren ein großer Fan bin.