Karolin Langfeldt & Luise Müller-Hofstede sind enge Freundinnen und habe sich schon vor Jahren geschäftlich mit From-Berlin-To zusammengetan. Vor gut zwei Jahren sind sie dann gemeinsam schwanger geworden und sind vor Kurzem mit neuer Energie und sprudelnd vor Ideen zurück in den Job: Mit fbt-creative haben sie nun eine Agentur für Digitale Kommunikation gegründet. Nachdem sie jahrelang als Reisejournalistinnen und dann als Content Producer im Corporate Bereich gearbeitet haben, widmen sie sich jetzt einer weiteren Leidenschaft: der Kunst. Mit ihrer Agentur bieten sie Kreativen Content Creation, Curation und Management an. Zu ihren Kunden zählen u.a. die Künstler Jorinde Voigt und Christian Jankowski sowie der Theaterregisseur Milo Rau. Camilla und ich sprachen mit ihnen bei Kaffee und Maoam vor allem über das Thema Freundschaft, gemeinsames Kinderkriegen und was sich so verändert im Leben.

 

Als Luise und Karo gleichzeitig schwanger wurden, haben wir den Moment für unser Titelshooting des aktuellen Mummy Mag Papers genutzt. Denn, dass es eine „Friends“ Ausgabe geben wird, stand schon lange fest 😉

Saskia: Ihr seid lange befreundet und arbeitet zusammen, auch jetzt nach euren Babypausen wieder. Was hat sich für euch verändert?

Luise: Ja, wir sind jetzt deutlich effizienter. Die Zeit ist knapper, aber vor allem auch wertvoller, darum nutzt man sie auch besser.

Camilla: Kamen Geburt und erstes Babyjahr wie erwartet oder wurde beides vielleicht sogar noch übertroffen?

Karo: Ich hatte ehrlich gesagt keine wirklichen Erwartungen, weder an die Geburt noch an das Babyjahr. Beide Ereignisse lassen sich mit nichts vergleichen, was man jemals erlebt hat.

Saskia: Hat sich eure Freundschaft seit den Babys verändert?

 

Karo: Sie hat eine weitere Ebene bekommen: Wir sind jetzt nicht nur Freundinnen, Partner in Crime und Business-Partner, sondern erleben jetzt auch das Mama-Sein gemeinsam und mit allem, was dazugehört.

Camilla: Wie läuft fbt-creative?

Luise: Super. Wir haben letztes Jahr im Sommer mit der Social Media-Kampagne für Milo Raus Dokumentarfilm „Das Kongo Tribunal“ begonnen – das war ein grandioser Einstieg. Seitdem sind weitere Künstler dazugekommen, wie z.B. Jorinde Voigt, Gregor Hildebrandt und Christian Jankowski.

Karo: Wir arbeiten nicht ausschließlich für Künstler. In den letzten Monaten haben wir auch vermehrt Unternehmen an der Schnittstelle von Kultur/ Kunst, Industrie und neuen Technologien beraten.

Camilla: Wie schafft ihr das alles? Wir seid ihr organisiert?

Karo: Wir haben ja zum Glück zwei Männer, die sich die Kinderbetreuung mit uns teilen, außerdem wird auch die ganze Großfamilie mit einbezogen: Omas, Schwestern, Freunde… Das letzte Jahr war ein Bootcamp, was Relevanz, Priorität und Effizienz betrifft.

Saskia: Gibt es mal Probleme untereinander, weil das Muttersein vielleicht mehr Verständnis auf allen Seiten erfordert?

Luise: Im Gegenteil. Wir wissen ja genau, was der andere erlebt, wie er sich fühlt etc. Jeder hat mal eine schlechte Nacht, ein krankes Kind, das Bedürfnis nach Me-Time – da ist es gut, wenn man zu zweit ist und der andere übernehmen kann.

Camilla: Was macht eigentlich eine gute Freundschaft aus?

Karo: Ich glaube, was eine gute Freundschaft ausmacht ist, dass man sich nicht nur liebt für die guten Seiten, die man hat, sondern dass man auch die schlechten tolerieren kann.

Luise: Was uns sehr wichtig ist in unserer Freundschaft, ist die Freiheit, die man einander lässt. Dass es keine Erwartungen gibt, die erfüllt werden müssen oder Besitzansprüche untereinander herrschen. In der Zeit, in der wir viel gereist sind, war es auch immer völlig ok, dass wir uns privat oder danach in Berlin nicht so viel gesehen haben.
Ich frage mich auch manchmal, was eigentlich der Unterschied zwischen einem Rezept für eine gute Partnerschaft/Beziehung oder eine Freundschaft ist. Also nicht, dass ich eine Antwort darauf hätte. Aber es sind, glaube ich, sehr ähnliche Formen. In einer Beziehung muss vielleicht mehr geredet werden, wir haben nicht so einen Klärungsbedarf untereinander und sind weniger schnell verletzt oder so. Aber vielleicht sagt ihr auch mal wie es bei euch ist?

Saskia: Ich glaube, du hast es gerade auch schon erwähnt, die Antwort darauf ist eigentlich die Liebe. Weil man gute Freunde eben auch liebt. Und das bringt ganz viel Toleranz, Respekt und Verständnis mit sich, also ähnlich wie beim Partner. Und deswegen ist auch der Vergleich gut. Du hast auch nach dem Unterschied gefragt – ich glaube, den gibt es irgendwie gar nicht. Weil es eben das ist, was es ausmacht, dass du das Gegenüber so annimmst und liebst, wie es ist.

Camilla: Das ist es auch, was mich schon bei unserem letzten Gespräch so beeindruckt hat Dass ihr auch sagt: “Nö, wenn wir in Berlin sind, machen wir gar nicht so viel zusammen. Und nö, Stress gibt es bei uns gar nicht.” Denn dieses Entspannte ist es ja auch, was nicht jeder hat oder so kann. Die große Herausforderung ist ja auch die Frage: Was kann ich von dem anderen erwarten?

Luise: Gleichzeitig sind wir uns aber eben auch so sicher. Wenn du Vertrauen hast, kannst du einen eben auch so gehen lassen, weil du ja weißt, er kommt zurück.

Saskia: Das hat sicher auch mit Reife zu tun, mit der Freundschaft und damit, dass man sich liebt, aber eben auch damit, dass man im Leben gelernt hat zu vertrauen. Und auch loslassen zu können.

Karo: Ja!

Luise: Das stimmt. Aber ich denke auch, dass bei uns zwei Charaktere, die sich sehr respektvoll behandeln, aufeinander getroffen sind. Gleichzeitig muss ich aber auch sagen, dass bei uns auch so externe Faktoren wie Einkünfte, Partner, Kinder, Familie, Wohnung immer sehr gleich waren. Man hatte immer per se die gleiche Situation. Also nicht so einen Fall wie, dass Karo sechs Jahre Single war und ich hatte die eingestaubte Beziehung oder irgendwie sowas, und man hatte kein Verständnis füreinander.

Karo: Ja, wir haben uns immer sehr parallel entwickelt. Jetzt ist die Frage, weil wir uns auch am Anfang auf einer sehr parallelen Ebene getroffen, ob das alles Zufall war oder…

Luise: …ob man sich auch gemeinsam so ein Nest gebaut hat.

Saskia: Na ja gut, aber wenn du gedacht hättest, du musst deinen Mann verlassen, wärst du ja nicht mit ihm zusammen geblieben, wenn Karo sich nicht auch von ihrem Mann getrennt hätte.

(Großes Gelächter!)

Karo: Ja, das stimmt. Aber man stiftet sich ja trotzdem so ein bisschen an.

Luise: Natürlich!

Caro: Also nicht bei ernsthaften Geschichten. Aber wenn du jetzt so zwei, drei gute Freundinnen hast, die Single sind und nur um die Häuser ziehen und du bist irgendwie in so einer richtig gediegenen Beziehung…

Camilla: Na kommt darauf an, wie glücklich du in deiner Beziehung bist, oder?

Karo: Ja, aber ich glaube schon, dass du dich da so ein bisschen anpasst.

Luise: Also auch so mutige Schritte im Leben, wie z.B. ein Kind bekommen. Für mich war das ein wahnsinnig mutiger Schritt. Und zu wissen und diese Sicherheit zu haben, dass jetzt hier mit mir mitgezogen wird, das war eine enorme Unterstützung. Wenn jetzt Caro gesagt hätte, oh nein, du machst dir das Leben jetzt hier kaputt, dann weiß ich auch nicht…

Saskia: Wie alt wart ihr, als ihr schwanger geworden sein?

Karo: Also ich war 34.

Luise: Ich war 31.

Camilla: Ich habe gerade mal so meine Vergangenheit gescannt, da kamen mir gerade so kleine Geistesblitze. Ich bin ja wahnsinnig schnell dabei, ihr kennt mich… Das Thema Trennung ist wie so ein kleines Strohfeuer im Umfeld zum Beispiel. Ist schon so ein bisschen ansteckend.

Karo: Ja, also wenn du dann hörst, das und das sind die Gründe für eine Trennung, dann frag ich mich ja auch selbst, wie läuft es denn bei uns? Ist das vielleicht auch so?

Camilla: Also ich kenne das auch aus meinen 20ern mit Freunden, die zehn Jahre älter waren und da lief das genauso, auch alles so in Wellen. Also auch Trennungs- und Scheidungsrunden. Das kommt ja auch alles immer wieder. Außer du hast eine gut funktionierende Beziehung, dann passiert das nicht.

Karo: Aber im besten Fall nimmst du eben diese Unzufriedenheit, die du bei anderen siehst, und arbeitest an den Problemen bei dir schon vorher.

Camilla: Wir sind eben auch alle sehr klug und dann können wir das auch so aufschreiben. Aber habt ihr vielleicht auch schon die Erfahrung gemacht, dass Freundschaften wirklich krass auseinander gegangen sind?

Karo: Ja, also ich hatte das schon, auch schon mit besten Freundinnen, mit denen ich jetzt nichts mehr zu tun habe.

Camilla: Und war das dann ein großer Krach, oder was?

Karo: Also ich hatte eine Freundin, mit der ich sehr eng war, und da ist es damals auseinander gegangen, weil wir uns einfach so verschiedenen Männer ausgesucht haben. Da clashten auf einmal so krasse Welten aufeinandern.

Camilla: War das vielleicht auch so ein bisschen die Zeit? Oder war man vielleicht einfach noch nicht so reif? Also es geht ja auch nicht so um die Quantität oder Qualtät.

Karo: Ja, wahrscheinlich auch. Aber es waren wirklich komplett unterscheidliche Richtungen, in die wir uns entwickelt haben. Wir sind inzwischen auch wieder befreundet – nicht eng, aber es ist immer sehr nett, wenn wir uns treffen.

Luise: Ich habe auch eine sehr sichere lange Freundschaft, bei der die Lebenswege sehr unterschiedlich waren. Das ist eben eine ganz andere Art von Freundschaft, da kann es auch locker mal zwei Monate keinen Kontakt geben.

Camilla: Ich zähle eine Freundin zu meinen engsten Freundinnen, die ich ein Jahr nicht gesehen und gesprochen habe. Aber ich nehme sie so, wie sie ist, und wie oft wir uns sehen ist egal.

Karo: Man braucht bei Freundschaften sowie bei Partnerschaften eine intensive Zeit, auf die man bauen kann. Sodass man sich,  wenn man sich mal länger nicht sieht oder viel zu tun hat, auf diese Basis verlassen kann.

Saskia: Das, was du sagst, ist auch etwas, was auf langjährige Freundschaften zutrifft. Also auch, wenn man nicht eine spezielle intensive Zeit hatte, aber dafür auf 20 Jahre zurückblicken kann, in denen man immer befreundet war, ist das auch etwas, was stark verbinden kann. Wie lange seid ihr denn befreundet?

Karo und Luise (müssen rechnen): Zwölf Jahre.

Saskia: Und spielt das bei euch eine Rolle? Nicht nur auf eure Freundschaft bezogen, sondern auch auf andere, dass sich lange Freundschaften unterscheiden von jüngeren?

Karo: Ja, würde ich schon sagen.

Luise: Ja, und auch mit der Zeit zeigt sich ja erst so eine Vielschichtigkeit vom Charakter, besonders in Krisensituationen.

Camilla: Also ich habe einige langjährige Freunde, aber würde ich die heute kennenlernen, würden wir wohl eher nicht zueinander finden. Da verbindet einen auf gewisse Weise die gemeinsame Vergangenheit. Und genau das bereichert dein Leben, dass du auch Freunde hast, die ein komplett anderes Leben führen und dir vielleicht auch eine ganz andere Welt vor Augen halten.

Luise: Für mich ist das wahnsinnig wichtig, mit jemandem befreundet zu sein, der auch mal so ganz anders ist.

Saskia: Das Thema kann man auch ausweiten, finde ich, auf die Vielschichtigkeit von Freunden. Also gerade in dem Business, in dem wir sind und ihr ja im Grunde auch, lernen viele Leute sich beruflich kennen. Bei einigen geht das, wie auch schon bei mir, alles so ineinander über, aber ich habe auch einen ganz festen Kreis von Freunden von früher. Und da sind sehr unterschiedliche Lebensentwürfe und -läufe drin, was ich super spannend finde. Und ich mag es auch vertrauen zu können, also Leute sehr gut zu kennen, gleichzeitig liebe ich es auch, neue Leute und ihre Geschichten kennenzulernen. Einfach weil es interessant ist zu sehen, wo die Leute herkommen und wo sie hinwollen.

Seid ihr so, dass berufliche Bekanntschaften Freunde werden oder seid ihr da eher zurückhaltend?

Luise: Ich glaube, aus dem beruflichen Umfeld heraus gibt es bei mir nur einen Fall.

Karo: Ich habe auch nur eine.

(Es wird gemeinsam überlegt und Namen werden ausgetauscht).

Luise: Also was Karo und ich viel haben, sind Personen, die wir auf Reisen kennengelernt haben und dann irgendwie wieder getroffen haben, weil sie sich auch viel bewegen in der Welt. Aber die wir nicht viel sehen, sondern das ist immer nett und man tauscht sich aus, aber es ist nicht immer eine Freundschaft, eher eine Bekanntschaft.

Karo: Und wir haben einfach wahnsinnig viele gute Bekannte.

Luise: Und Freunde.

Camilla: Das ist halt auch schwierig. Es gibt Freunde und Freunde. Bekannte trifft es eben manchmal auch nicht, es degradiert manchmal eher. Besser unterscheidet man wohl zwischen engen Freunde und lockeren Freunde. Bekannte sind für mich weiter entfernt.

Luise: Aber da sind wir eben auch bei einem ganz guten Thema: Das Kategorisieren ist nicht besonders dienlich für Freundschaften, auch bei den höchsten Kategorien. Wir haben nie gesagt, dass wir hier “exclusive best friends” sind oder so. Ich glaube, es ist auch ganz gut dem ganzen keinen Namen geben zu müssen.

Karo: Absolut. Genau da versteckt sich immer die Gefahr von Hochzeiten. Wen lädst du ein?

(allgemeine lachende Zustimmung)

Camilla: Anderes Thema: Habt ihr eigentlich neue Mamafreundschaften entwickelt?

Karo: Nein. Also, ich habe so zwei, drei Versuche gemacht und das war auch total nett, ich habe aber gemerkt, dass ich da auch irgendwie Kapazitätsprobleme bekomme.

Luise: Ja, aber eben immer wieder aus der privilegierten Situation, dass die engsten Freunde eh auch Kinder haben. Aber wenn ich dann nach Neuzugängen in meinem Leben gesucht hätte, dann hätte ich lieber welche, die ausgehen oder so. Weil diese Homogenität im Freundeskreis eher langweilig ist. Ich würde mich ja auch nicht, wenn ich mal kinderfrei bin, mit Karo und ihrem Kind treffen.

(aktuell verläuft das gesamte Gespräch mal wieder mit sehr viel Lachen)

Camilla: Absolut, wenn ich frei habe, treffe ich mich nie mit Mutter mit Kind!

Karo: Und mich nervt es auch teilweise schon so, immer über Kinder reden zu müssen.

Luise: Das haben wir beide z.B. auch gar nicht.

Saskia: Ich empfinde das auch überhaupt nicht so, dass das so ist. Ich habe Freunde mit Kindern und ohne Kindern, und ich unterscheide auch gar nicht thematisch in den Unterhaltungen.

Karo: Es gibt halt Mütter, die das können, und Mütter, die das nicht können. Und solche, die das nicht können, die muss man dann meiden. (lacht)

Camilla: Also ich bin halt auch in einer guten Situation gewesen. Jede Mutter braucht eine oder zwei Mütter, die im Idealfall ein Kind im selben Alter haben, damit es Austausch gibt. Ich bin z.B. hochschwanger nach Moabit gezogen und hatte das große Glück, dass im Haus eine Mama war, die auch gerade ein Baby bekommen hatte. Aber es kommt hinzu, dass es auch einfach zwischen uns gefunkt hat. Auch unabhängig von unserer Lebenssituation.

Karo: Wir hatten natürlich auch diesen Luxus, dass wir zu dritt alle im Umkreis von 1,5 km gewohnt haben und alle in derselben Zeit Babys bekommen haben. Da  hatten wir natürlich auch diese ganz intensive Zeit, in der wir nur übers Stillen und über Windeln geredet haben. Aber das war die ganz krasse Anfangszeit!

Saskia: Das ist der Tunnel, sage ich immer!

Luise: Ja total, das sind die ersten vier, fünf Monate, oder?

Saskia: Ich glaube, der Tunnel ist von Frau-zu-Frau und auch von Kind-zu-Kind immer unterschiedlich lang. Das ist zumindest meine persönliche Erfahrung bei meinen Kindern und auch ein bisschen Beobachtung…

Karo: Bei uns dreien (Anmerkung der Red. es gibt eine dritte Freundin im Bunde, die auch gleichzeitig ein Baby bekommen hat) war das einfach, weil wir alle im gleichen Stadium waren.

Saskia: Wie viele Leute habt ihr denn wirklich, die ihr eure Freunde nennt? Das hat ja auch eine Grenze durch dein angesprochene Kapazitätsproblem. Auch wenn ich glaube, dass es keiner regelmäßigen Betreuung bedarf.

Luise: Also enge Freunde, glaube ich, habe ich zwölf. Das liegt aber auch daran, dass ich Berlinerin bin, und nicht weggegangen sind. Aber vielleicht sind es auch weniger. Ist eine zu schwere Frage.

Camilla: Ja, bei mir ist das auch schwierig zu beantworten.

Luise: Also, ich glaube Freunde decken ja auch Lebensbereiche ab. Auch wenn du in der exakt gleichen Situation mit denselben externen Faktoren bist, kann es sein, dass man diese nicht gleich empfindet und du eine andere Auffassung von den Dingen hast.

Camilla: Am Ende sind Freundschaften auch nichts anderes als Beziehungen.

Luise: Ich finde halt grundsätzlich, egal worüber man sich unterhält, ob über Freundschaften, Beziehungen, Kinder, dass es mir immer schwerer fällt, darüber zu sprechen. Es ist nie etwas vergleichbar. Es ist so vielschichtig und unterschiedlich und energetisch.

Karo: Keine zwei Beziehungen sind gleich und keine zwei Freundschaften sind gleich. Es kommt immer darauf an wie dein Gegenüber drauf ist. Wenn man so auf seine Beziehungen zurück guckt, und so ist es auch mit Freundschaften und so stelle ich es mir auch mit Kindern vor – es ist immer unterschiedlich Also ich habe jetzt erst ein Kind, aber so sehe ich es auch bei meinen Eltern. Wir Geschwister haben alle eine unterschiedliche Beziehung zu unseren Eltern.

Camilla: Ihr seid in vielen Dingen so ähnlich – deswegen glaube ich, dass ihr sicher auch in Erziehungsfragen sehr gleich denkt, oder?

Luise: Also es ist jetzt auch nicht komplett gleich.

Camilla: Aber so eine gemeinsame Grundlebenseinstellung ist ja schon da, oder?

Luise: Schon. Aber ich muss, um ehrlich zu sein, sagen, dass ich mir am Anfang auch andere angeguckt habe, wie die Sachen handhaben. Mittlerweile habe ich soviel über mich gelernt und darüber, wie sich beim Mutter-werden Grenzen und Toleranzbereiche verschieben. Ich mache mittlerweile Sachen, von denen ich nie dachte, dass ich sie machen würde. I don’t judge anymore.

Saskia: Ich glaube ja auch, dass Kinder einen reifen lassen und einen auch so viel über einen selbst lehren.

Luise: Ja!

Saskia: Es gibt aber leider dieses Klischee, ich sage jetzt Klischee, obwohl vielleicht auch ihr jetzt der Meinung seid, dass Mütter so krass sind untereinander…

Luise: …Welches Klischee meinst du?

Saskia: …dass Mütter so krass urteilen untereinander. Aber ich glaube, dass jeder Mensch, der ein Kind bekommt (das gilt für andere Erfahrungen natürlich genauso), seinen Horizont erweitert. Und dass es durch diese Erfahrung dazu kommt, dass man sagt: “Ich urteile nicht über sie, denn ich kenne die Vorgeschichte und Zusammenhänge nicht.” Weil man vielschichtiger und toleranter geworden ist.

Luise: Ja, und sich z.B. auch selbst auf die Schippe nehmen kann.

Saskia: Ja. Und was du sagtest, wenn man z.B. noch kinderlos oder schwanger anfängt, Mutter-Kind-Situationen zu beobachten, und ein Jahr später sieht man die Situation durch die eigene Erfahrung mit anderen Augen.

Luise: Ja, z.B. früher, wenn Eltern ihre Kinder angeschrien haben, dachte ich “Was machen die?” und jetzt, auch wenn ich mein Kind noch nicht angeschrien habe, sehe ich mich mein Kind anschreien und zwar auch in der Öffentlichkeit. Wenn du eine schlechte Nacht hinter dir hattest oder länger allein bist mit dem Kind – also es ist wirklich ein krasser Unterschied!

Camilla: Ich versuche es heute tunlichst zu vermeiden, über andere zu urteilen, wenn ich mitbekomme, wie andere Eltern mit ihren Kindern umgehen. Ich bin der Meinung, man darf sich nicht einmischen.

Luise: Also ich hasse Menschen, die sich einmischen und ich würde mich auch nie einmischen.

Camilla: Ja, darfst du auch nicht, außer du wirst um Rat gefragt.

Luise: Oder wenn du Gewalt siehst!

tbc.

 

Fotocredit ©Oliver Müller

Coverfotocredit: Denise Bodden