Es gibt Geschichten, die plätschern so vor sich hin und dann, genau dann, wenn man es nicht mehr erwartet, geht’s rund! Nicht so bei Romy, die uns heute hier von der Geburt ihrer Tochter Marlene erzählt. Bereits nach den ersten Satz brennt es einem unter den Nägeln zu erfahren, wie es weiter geht. Denn Romy wurde trotz Spirale schwanger. Und beim Thema Verhütung scheint ja so einiges nicht das Gelbe vom Ei…

„Ich hab doch eigentlich die Spirale…“ – so fing alles an. Nach mehreren Wochen „Magenproblemen“ und drei positiven Test vor mir, rief ich meinen Frauenarzt an und bat um einen Schwangerschaftstest. „Na, sie waren doch erst zur Kontrolle hier und haben die Kupferspirale – aber dann kommen sie mal.“ – tja, und was soll ich sagen: ich war in der 8 SSW. Das war erst mal ein kleiner Schock aber es war uns sofort klar, dass wir das kleine Wunder behalten werden. Die Spirale übrigens auch – sie blieb die gesamte Schwangerschaft einfach liegen. Für meinen Frauenarzt war ich die erste Patientin, die mit Spirale schwanger geworden ist – das zeigte sich vor allen in den Vorsorgeuntersuchungen, in denen mein Mann ihn gerne etwas foppte mit: „Na, die Spirale liegt noch perfekt *Pause* am Rand?“ Ich musste schmunzeln, mein Arzt nicht. Hehe…

Ich habe dann erst mal weiter wie gewohnt als Projektleitung in der Agentur weitergearbeitet – und als der Bauch immer größer wurde, haben mich meine Kollegen auch bestmöglich entlastet. Nach einer wunderbaren Schwangerschaft freute ich mich richtig auf die 6 Wochen Mutterschutz – alles in Ruhe vorbereiten und nochmal den ganzen Tag machen, was ich will. So gingen mein Mann und ich am Abend entspannt in einen Geburtsatmungskurs in Berlin Schöneberg bei Frauke Stadali.

Dort habe ich die Schwangerschaft über auch das Schwangerenyoga besucht, was ich nur empfehlen kann. Der Geburtsatmungskurs sollte dem Partner und uns helfen, während der Wehen gut zu atmen, damit das Kind genügend Sauerstoff bekommt und man selbst gelassener bleibt. Rückblickend war er unsere absolute Rettung. Am Wochenende stand dann der Vorbereitungskurs an.

Der Atmungskurs fing an und ich holte mir erstmal ein paar Kissen „irgendwie habe ich heute ganz schön Rückenschmerzen“, sagte ich noch flapsig zu meiner Kursleitung. Nach der Stunde Kurs gingen mein Mann und ich langsam – sehr langsam – nach Hause. Ich musste mehrere Pausen machen, da mir der untere Rücken so schmerzte. Sind das etwa diese Senkwehen? Ist ja ätzend. Zu Hause angekommen machte ich mir dann eine Wärmflasche nach der anderen und lag wach im Bett, durchforstete das Internet nach Senkwehen oder richtigen Wehen – wobei die zig tausend verschiedenen Forenbeiträge und Freund Google auch nicht wirklich hilfreich waren, schrieb meiner Hebamme und stoppte die Zeit. Mein Mann schlief friedlich neben mir – das war auch gut so, damit er gestärkt war für die kommenden Tage. Um 03:30 Uhr lies ich mir dann eine Badewanne ein. Ich legte mich gerade rein, da stand mein Mann verschlafen in der Tür und fragte, was ich denn da machen würde. Ich schickte ihn, noch die Ruhe selbst, ins Bett zurück.

Als ich in der Wanne lag, dachte ich: Komisch, wirklich besser wird es nicht. So langsam wurde ich etwas unruhig. Ich war schließlich erst in der 33+6 SSW.

Nach der Badewanne ging ich erstmal wieder ab ins Bett. Ich durchstöberte noch weiter das Internet bis circa 06:30 Uhr. Ich entschied dann, dass wir um 08:00 Uhr beim Frauenarzt vorbeischauen und er checken soll, was da los ist. So standen wir kurz vor Acht vor der Praxis. Ich mit dem Oberkörper aufgelehnt an einem Tresen und atmete die Schmerzen weg, mein Partner seelenruhig daneben. Ich dachte immer noch, dass es sich nur um Senkwehen handelt.

Endlich öffnete die Praxis – ich stand immer wieder schnaufend am Tresen, an dem die Arzthelferin leicht panisch die Ärztin konsultierte, um mich als erste dran zu nehmen. Eine kurze vaginale Untersuchung später, hing ich schon am Wehenschreiber. Nach zwei Minuten in diesem sehr gemütlichen Sessel mit dem ungemütlichen Band um den riesigen Bauch kam der Arzt und meinte – wir überweisen sie jetzt in ein Krankenhaus. Das sieht so aus als ob es los geht. Wir hatten das St. Joseph Krankenhaus zur Auswahl oder nach Neukölln ins Vivantes Klinikum aufgrund des frühen Zeitpunktes der Geburtswehen. Für mich war das der erste Moment, in dem ich dachte: Nein – ich wollte entspannt und wunderschön in den Havelhöhen entbinden. Ich wollte doch gemütlich zu Hause die Schwangerschaft in den letzten Wochen genießen…

Da das St. Joseph direkt bei uns um die Ecke liegt, fiel die Entscheidung dann aber auf dieses Krankenhaus. Nachdem wir dort ankamen, wurde ich wieder ausführlich untersucht. Mein Standardsatz in den nächsten Stunden lautete: „Ach übrigens, ich habe die Kupferspirale noch liegen.“. Nun war das große Problem, dass ich mit 33+6 SSW eingewiesen wurde. Ab der 34. SSW wird eine Geburt nicht mehr aufgehalten und obwohl dass bei mir mit der Spirale alles eher eine Pi-mal-Daumen-Rechnung war, was ich immer wieder betonte, galt das Datum, dass im Mutterpass stand. Die Ärzte setzten daher alles daran, dass unsere kleine Maus erst mal dort bleibt, wo sie war. Was für mich hieß – vorsichtshalber eine Lungenreifungsspritze (oh backe tat die weh) und die Wehen veratmen, da ich parallel etwas bekam, dass die Geburt aufhalten sollte. Naja – so richtig funktionierte das nicht. Ich lag daher den ganzen Freitag in Wehen, die mich schon die ganzen Kräfte für die anstehende Geburt kosteten und es tat sich aber nichts am Muttermund. Meiner kleinen Marlene ging es laut Überwachung bestens. Anfangs konnte ich mich noch etwas bewegen aber ziemlich schnell bewegte ich mich nur noch vom Bett auf Toilette und wieder zurück. Die Hebammen brachten ein Kirschkernkissen nach dem anderen, mein Mann gab mir immer wieder ein Stückchen Birne (seit der Geburt liebe ich Birnen hehe) und etwas zu trinken. Stunde um Stunde vergingen, die Geburt ging aufgrund des wehenhemmenden Tropfes nicht weiter, aber die Wehen waren trotzdem nach wie vor stark.

Endlich Mitternacht – endlich in der 34. SSW. „So, jetzt kann’s ja los gehen“, witzelte die Hebamme und eine Hebamme nach der anderen waren sich sicher, dass die Kleine in ihrer Schicht jetzt dann kommt. Wir haben etliche Schichtwechsel mitbekommen – die Hebammen waren immer hilfsbereit und freundlich, aber die meiste Zeit war mein Mann dann doch mit mir alleine. Mir, dem Häufchen Elend, dass keine Kraft mehr für Witze hatte und zeitweise unter Tränen einfach wollte, dass es endlich vorbei sein soll. Die aus anderen Kreissälen immer wieder neue Babys den ersten Schrei machen hörte und dachte, wieso gehts hier nicht weiter?

So kämpften wir uns durch die Nacht. Mein Mann saß neben mir auf einem kleinen unbequemen Sitzsack auf dem Boden und erzählte mir, wie wunderbar es mit unserer kleinen Maus werden wird, was wir tolles gemeinsam unternehmen werden und wie sehr wir die Kleine lieben werden.

Er musste ganz schön was einstecken während der Geburt: von der liebevollen Frau zur Furie. Eben wollte ich noch das Wärmekissen, zwei Sekunden später schleuderte ich seine Hand mit dem Kissen weg. Gerade noch lachend, dann nur noch schreiend und danach in Tränen aufgelöst.

Parallel sendete er meinen Eltern, die 6 Stunden Fahrt vor sich hatten, eine Nachricht, ob sie bitte kommen könnten. Die sind sofort losgefahren und meine Mama, Krankenschwester, sendete ihm immer wieder Informationen, die man in Geburtsvorbereitungskursen so erfährt, damit er eine Ahnung bekommt, was da eigentlich gerade so passiert.

Es war Samstag morgen, 07:00 Uhr. Das Thema Kaiserschnitt stand mehrfach und immer wieder im Raum – da die Ärzte bezweifelten, dass ich noch die Kraft für eine natürliche Geburt hätte. Ich erinnere mich daran nicht. Ich lag einfach nur noch im Bett, versuchte die Atemtechniken anzuwenden und dachte immer wieder an meine Mama, die sagte: Schrei den Schmerz raus, das hilft Dir. Und ich habe geschrien so laut ich konnte, um den Schmerz loszuwerden. Meine Kräfte schwanden und ich konnte mich nicht mal mehr selbst drehen oder ein Bein heben. Aus einem „Legen Sie sich mal auf die Seite“, entgegnete ich nur, dass man mich bitte drehen müsse, ich schaffe es nicht mehr. Wir probierten Lachgas, aber davon wurde ich nur im Kopf benebelt. Irgendwann bekam mein Mann einen Anruf, wo wir denn bleiben würden? Wie wo? Die Dame vom Vorbereitungskurs wartete auf uns. „Danke, wir sind schon mitten in der Geburt“.

Dann entschieden wir uns schließlich für eine PDA. Da der Anästhesist aber noch beschäftigt war, dauerte es weitere 2 Stunden bis er endlich zu mir kam. Ich war erschöpft und als die PDA endlich wirkte (gegen 11 Uhr), schlief ich sofort ein. Nicht lange. Vielleicht ein Stündchen. Marlene ging es immer noch wunderbar und sie zeigte keinerlei Stresssymptome. Die Hebammen vom Vortrag traten zur nächsten Schicht an und begrüßten uns mit: Ach Mensch, immer noch da. Aber jetzt kommt die Kleine!

Durch die PDA musste dann ein Wehentropf ran, da sich am Muttermund einfach nichts tat. Freunde brachten uns Verpflegung. Eine randvolle blaue IKEA Tasche. Die Hebammen mussten alle lachen. Dazu noch eine Tasche mit Kleidung, da wir nichts dabei hatten und unsere Kliniktasche auch noch nicht mal ansatzweise gepackt war. Gegen Nachmittag tat sich dann endlich etwas am Muttermund, doch die Fruchtblase wollte nicht platzen. Es war zum Mäuse melken. Irgendwann löste eine Ärztin meine Fruchtblase und ich hatte grünliches Fruchtwasser, d.h. der Arzt der Neo war ab diesem Zeitpunkt mit im Raum, damit er sich direkt der Kleinen annehmen konnte. Das alles, wann wie viele Ärzte anwesend waren, bekam ich gar nicht mehr richtig mit und ich erinnere mich auch nicht mehr wirklich daran.

Weitere Wehen vergingen und endlich bekam ich gesagt, dass ich nun pressen dürfte. Ich konnte immer einmal Zwischenatmen pro Wehe und nochmal pressen. Und nach einer weiteren Presswehe dachte ich – ich mag nicht mehr und presste einfach weiter. Die Ärzte waren zu dem Zeitpunkt schon wieder einander zugewandt, da sie ja meinen Rhythmus mittlerweile kannten und mussten sich dann doch schnell wieder zurückdrehen, um unsere Kleine in Empfang zu nehmen – denn da kam sie!

Mein Mann und ich wurden gefragt, ob wir die Nabelschnur durchtrennen wollten, doch der Neo-Arzt sagte nur, dafür ist jetzt keine Zeit, nachdem wir beide völlig zeitverzögernd verneinten. Ich konnte einen kurzen Blick auf sie werfen, während die Ärzte die Nabelschnur trennten und der Neo-Arzt sie zu sich nahm. Dann war er weg und mit ihm – meine Kleine. Jetzt bin ich Mama? Das war nicht real. Ich lag im Bett und war einfach nur müde. Für die Nachgeburt musste ich nochmal an den Tropf, da die Wehen zu schwach waren. „Ich hab übrigens die Spirale“ – sagte ich danach wieder. Als die Nachgeburt da war, wurde diese untersucht und siehe da, keine Spirale. Der Ultraschall gab Auskunft: die Spirale lag noch immer in der Gebärmutter. Die Oberärztin holte diese dann noch händisch aus mir raus und danach wurde noch genäht. Ich lag einfach da, dachte mir, dass die mich doch alle veräppeln wollen. Ich weiß noch, dass ich zu meinem Mann gesagt habe: Schatz, ich kann mich noch gar nicht richtig freuen. Ich bin so unendlich müde und hab sie gar nicht richtig gesehen. Mein Mann durfte sie in der Zwischenzeit schon auf der Neo besuchen. Der Kinderarzt dort war laut Aussage meines Mannes ein Segen und hat ihm alles erklärt. Unsere Maus wurde erst mal an ein Beatmungsgerät angeschlossen und ich wurde zwei Stunden später mit dem Bett auf die Neo gefahren. Da lag sie nun in ihrem Brutkasten, mit so vielen Schläuchen. Ich wurde aufgerichtet und dann war es soweit, ich bekam meine kleine Maus das erste Mal in die Arme. Stunden später nach all den Schmerzen, an die ich mich schon noch ein paar Wochen nicht mehr richtig erinnern konnte. Knappe 2500g hatte sie und diverse Schläuche und Kabel an sich, aber sie war perfekt. Mein Mann machte ein Foto von uns – ich sah aus wie ein Geist, aber ein Geist, der über beide Backen strahlte und der glücklichste Mensch auf dieser Welt war. Heute ist sie schon ein Jahr alt und entwickelt sich einfach prächtig. Obwohl die Geburt alles andere als schön war, bin ich so unsagbar stolz und so voller Vertrauen in uns Frauen und in das, was wir während einer Geburt alles leisten können. Ich freue mich schon sehr, wenn wir uns für ein Geschwisterchen entscheiden und dann wird es bestimmt eine entspannte und herrliche Geburt und wenn nicht – dann schaffen wir auch das. Ich danke meinem Mann von Herzen, für den die Geburt auch alles andere als entspannt war und der definitiv auch an seine Grenzen kam – ich weiß nicht, ob ich das ohne ihn so gemeistert hätte.

Achso, ob ich wieder eine Kupferspirale nehmen würde? Wollte ich, aber mein Frauenarzt weigerte sich (er dachte erst ich mache einen Witz aber mal ehrlich, wie hoch wäre denn Diese Wahrscheinlichkeit). So habe ich jetzt die Kupferkette – mal sehen, wann die nächste Überraschung ansteht oder werden wir das nächste Kind tatsächlich planen dürfen?!

Liebe Romy, uns hat deine Geschichte von Anfang bis Ende fasziniert. Vielen Dank, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst! Und so schön, dass du deinen Humor einbringst – denn Humor hilft einem durch die vielen kleinen und großen Uuupsies im Leben als Eltern!

GEWINNSPIEL

Die Marlybag gibt es ab Anfang September offiziell zu kaufen. Ihr könnt heute hier schon eine Mutlifunktionsbag eurer Wahl im Wert von 69 Euro gewinnen.
Lasst uns hier unter dem Beitrag bis 1.9. um 0:00 einfach wissen, warum ihr genau so eine solche Tasche braucht!
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Der/die Gewinner*in wird im Laufe des 3.9. schriftlich per E-Mail benachrichtigt.

Fingers crossed!

Es gibt Babies, die schlafen einfach, komme was wolle. Und dann gibt es auch wiederum solche, die wachen sofort auf, sobald man Hand anlegt und sich die Umgebung verändert. Im letzteren Fall ist es besonders doof, wenn der Minimensch gerade eingeschlafen ist, man ihn aber umbetten muss oder möchte.

Da es Romy und ihrem Mann mit Baby Marlene genau so erging haben die beiden Füchse etwas erfunden: Eine Baby-Hebedecke, die auch als multifunktionale Tragetasche dient! Das Kind trägt den Namen marlybag. Und es gibt sie in verschiedenen Mustern und Farben. Und auf der Website findet ihr auch ein Video wie genau das Teil funktioniert.

Für unsere Serie “The Day that…” freuen wir uns über jede Mummy unter Euch, die einen Gastbeitrag schreiben und ihre Erlebnisse mit uns teilen möchte.
Bei Interesse schreibt uns eine Nachricht an: info@mummy-mag.de