Das Camperleben liegt mir quasi im Blut, denn ich bin damit groß geworden. Die Urlaube meiner Kindheit und Jugend verbrachte ich also auf diversen Campingplätzen überall in Europa oder eben irgendwo, an einem See, am Strand, in den Dünen, im Wald. Es war unser Ausgleich zum Leben in der Großstadt Berlin. Meine Eltern brauchten das – die Natur, die Freiheit, das Entdecken. Und ich heute, als Mutter von zwei Kindern, kann das so sehr nachvollziehen…

Wir hatten insgesamt zwei Wohnmobile, nachdem ich alt genug war, durfte ich alleine im Zelt schlafen. Ok, ich war nie alleine, denn wir hatten eigentlich immer einen Freund oder eine Freundin von mir dabei – das war sozusagen mein Geschwisterersatz. Und ganz ehrlich, ich habe jeden einzelnen Urlaub geliebt. Auch wenn ich das Herumreisen nicht ganz so spannend fand wie meine Eltern. Ich liebte es, jeden Sommer auf dem gleichen Campingplatz vier oder fünf Wochen zu sein, jedes Jahr meine Camping-Freunde dort zu treffen und neue Freunde kennenzulernen. Ich glaube ja, dass Camping wohl der Urlaub ist, der dich mit den meisten Menschen verbindet – auch auf längere Zeit. Wahrscheinlich war das auch der Grund, weshalb ich diesen Wunsch immer in mir hatte: einen Campingurlaub mit der Familie. Und was ich schon einmal vorweg sagen kann: es war sogar noch besser, als gedacht!

Campingurlaub ist  für die Kids so, als würdet ihr Urlaub auf einem riesigen Spielplatz machen!

Camilla

Wie geht Camping eigentlich?

Tja, oftmals haben wir ein ziemlich klischeehaftes und altes Bild vom Camper im Kopf. Dabei erlebt Camping gerade eine echte Renaissance, denn sobald man Kids hat, ändern sich nun mal auch die Ansprüche an den Urlaub. Während man mit Baby oder Kleinkind zwar einen größeren Bedarf an Ausstattung hat, wächst bei älteren Kids vor allem die Frage nach Beschäftigung. Klar, auch mit Hotel oder Ferienwohnung kann man den ganzen Tag an den Strand gehen, wo die Kids sich austoben können. Doch ich erkläre das gerade gerne so: macht man Campingurlaub ist das für die Kids so, als würdet ihr Urlaub auf einem riesigen Spielplatz machen – nur etwas entspannter. Denn sind die Kinder happy, sind es die Eltern automatisch ebenso. Klar, ein wenig Gezanke gibt es immer, aber so geht es ja jedem. Das tolle am Camping ist: es stört wirklich niemanden!

Ansonsten gilt: Camping geht! Immer! Irgendwie! Die Kunst ist, dass man sich wohlfühlt und entspannt – und da hat jeder seine eigenen Regeln. Klar denken wir häufig an die klassischen Rentner-Dauercamper mit ihren Wohnwagen, die Teppiche auslegen, den kleinen Gartenzaun aufstellen und nie ohne Fernseher und anständige Satellitenschüssel unterwegs sind. Ganz ehrlich: ja die gibt es, aber in unserem Urlaub waren das eindeutig die Ausnahmen. Viel mehr hatten wir viele Aktivurlauber mit und ohne Kinder um uns herum und einige davon lebten sogar meinen Defender-Roadtrip-Traum – aber das ist schon wieder ein anderer Punkt auf meiner Bucketlist…

Was brauche ich?

Und jetzt geht es ans Eingemachte, denn klar, ein bissl Ausstattung braucht man schon. Bei Outdoorkid gibt es eine ziemlich ausführliche Liste, für jede Art des Camping, ob mit Kind oder Hund, mit Zelt oder Wohnmobil. Wir hatten ja den Campervan von Carado im Allgäu abgeholt und uns von Movera.com noch die wichtigsten Sachen gemietet. Das waren konkret ein Tisch, vier Stühle und Töpfe. Alles andere (Bettsachen und Bezüge, Besteck, Gläser, Teller und Co) hatten wir einfach in zwei riesigen Kisten in unsere Dachbox von Thule gepackt. Die hatten wir uns übrigens extra für den Urlaub besorgt, denn ohne hätten wir es nicht geschafft die Kinder und das gesamte Gepäck für den Urlaub bis ins Allgäu zu bekommen.

Welcher Camper ist der richtige für mich?

Tja, hier geht es im Prinzip schon los, denn nicht nur die Anzahl der Familienmitglieder, sondern auch die eigenen Ansprüche sind hier relevant. Carado unterscheidet hier erst einmal grundsätzlich zwischen drei Modellen: Integrierte, Teilintegrierte und Alkoven. Für Familien sind alle Modelle geeignet, doch nicht jedes ist gleich praktisch. Wir waren mit einem Teilintegrierten Camper (Modell T477) unterwegs und hatten wirklich mehr als genug Platz. Meine Eltern hatten immer Camper mit Alkoven, d.h. einem fest integrierten Bett über der Fahrerkabine. Das bedeutet etwas weniger umbauen für die Nacht – wobei, wir hatten so viel Platz, dass wir das Alkoven-Hubbett gar nicht gebraucht haben, sondern direkt einfach alle zusammen geschlafen haben. Trotzdem ist zumindest die Möglichkeit ein zusätzliches Bett zu haben schon wichtig, schließlich werden die Kids ja auch größer und wer will schon mit stinkigen Teenagern in einem Bett schlafen? (Ok, ehrlicherweise wollen die vor allem nicht mehr mit ihren Eltern in einem Bett schlafen…)

Grundsätzliche Fragen
für einen Camper:

  • Wieviele Personen sind wir/werden wir?
  • Wie wollen wir schlafen?
  • Wir sind wir unterwegs? Möchten wir maximal flexibel auf der Straße sein, oder ist uns möglichst großer Raum im Camper wichtiger?
  • Was habe ich sonst noch dabei? (Surfbrett, Bike/s, Kajak oder einfach nur easy peasy Strandspielzeug?)

Wo darf ich stehen?

Grundsätzlich darf man eine Nacht überall stehen – solange man nicht vor dem Camper Tisch und Stühle aufbaut. Möchte man länger dort bleiben, muss man auf einen Stellplatz oder einen Campingplatz fahren.

Wie finde ich die richtigen Campingplätze?

Das ist natürlich DIE Frage, die man sich als Camper stellen muss. Denn Campingplätze entscheiden oftmals darüber, ob der Urlaub ein Knaller oder eine Niete sein wird. Wir hatten dieses Mal das Glück, dass uns tolle Plätze vorgeschlagen wurden, wir also nicht lange suchen mussten. Lediglich zwei hatten wir spontan auf dem Weg gesucht – zum Glück beide Male echte Glücksgriffe. Weil euch das jetzt nicht wirklich weiterhilft, hier eine Campingplatzsuche, die bisher ziemlich gut funktioniert hat:

  1. Suchen
    Im ersten Schritt suche ich immer auf Google Maps nach der jeweiligen Region, in der wir gerne stehen möchten, nach Campingplätzen. Dann werden euch direkt viele Campingplätze angezeigt, die ihr einzelnen anklicken und anschauen könnt. Auch die Google-Bewertungen findet ihr da. Erst wenn ich da meine Favoriten habe, gehe ich auf die jeweiligen Webseiten und schau sie mir genauer an.
  2. Auswählen
    Wenn ich dann eine Liste mit meiner Auswahl habe, schaue ich entweder noch einmal per Google-Bildersuche, dann habe ich immer einen ganz guten Eindruck, oder ich checke noch mal auf Camping.info was andere schreiben und wie der Platz bewertet wurde.

So bin ich bei meinen beiden Glücksgriffen in Südtirol (war dann wohl doch weniger Glück, sondern einfach gute und schnelle Recherche) vorgegangen und auch schon in der Vergangenheit.

Ich habe außerdem bei der Recherche gerade noch bei “Outdoorkid” eine Seite gefunden, mit besonders schönen Campingplatz-Empfehlungen mit Kindern.

Wie teuer ist Camping eigentlich?

Wer denkt, Campingurlaub ist richtig günstiger Urlaub, der täuscht sich leider. Natürlich hängt es absolut davon ab, wie man Campingurlaub macht: Mit dem Zelt ist es natürlich günstiger, als mit einem Wohnmobil, aber es läppert sich gerne zusammen. Wer einen Camper, bzw. das Equipment hat und die Anschaffungskosten nicht auf die Urlaube umlegt, der kann natürlich günstiger Urlaub machen, als beispielsweise in einem Hotel oder einer Ferienwohnung. Doch ich mag es nicht, wenn alles nur so theoretisch ist, daher habe ich mal eine kleine Rechnung für euch erstellt…

Beispielrechnung für Camping:

(2 Wochen Urlaub in der Hauptsaison, 4-köpfige Familie, kein Hund)

Wohnmobil pro Tag Miete = 100 €
Camping-Stellplatz pro Tag im Durchschnitt = 50 Euro
Benzinkosten für ca. 1.000 km = 250 Euro
(grob kalkuliert, hängt natürlich vom jeweiligen Verbrauch und den Benzin- und Dieselpreisen ab)
Selbstversorgung pro Tag = 50 Euro

Insgesamt liegen die Kosten bei etwa 3.000 Euro für einen 2-wöchigen Urlaub.
Da kann man alternativ natürlich auch zwei Wochen am Mittelmeer Urlaub machen.

 

Camping ist also definitiv kein Schnäppchenurlaub. Deshalb kommen wir zu meiner nächsten und letzten Frage:

Lohnt sich Campingurlaub wirklich?

Ich kann auf diese Frage eine ganz eindeutige Antwort geben: ABSOLUT! Es war ein unbeschreiblich toller Urlaub für die Familie. Wir alle wissen, ein gemeinsamer “Roadtrip” verbindet, es verbindet auch eine Familie. Es ist ein gemeinsamer Urlaub, der wahnsinnig intensiv ist, euch enger zusammenschweißt und gleichzeitig wahnsinnig entspannt. Wenn ich es ganz genau nehme, war selten ein Urlaub mit Kindern wirklich so entspannend – und auch selten war ein Urlaub so kindgerecht. Natürlich muss man je nach Alter der Kinder und den jeweiligen Gemütern ganz individuell planen, aber genau diese Freiheit bietet einem das Camping. Jederzeit. Wir haben beispielsweise darauf geachtet, nicht so lange Strecken am Stück zu fahren und grundsätzlich nicht so viel auf der Straße zu verbringen. Oskar hat nicht so viel Geduld beim Autofahren, im Gegensatz zu seiner großen Schwester. Also haben wir nur Ziele anvisiert, die alle recht nah beieinander liegen. Wir sind auch einmal länger auf einem Platz geblieben – das war besonders toll, weil sich so auch die kleinen Kids recht schnell auskannten und sich freier bewegen konnten. Außerdem sind auf allen Campingplätzen viele Familien unterwegs, also finden die Kids auch immer wieder andere Kinder, mit denen sie spielen können.

Ich wurde ja nach dem Urlaub von dem einen oder anderen gefragt, ob man dann auch mit den Eltern der anderen Kinder zusammen sitzen muss? Nein, natürlich nicht. Man muss überhaupt nix, man muss sich vor allem zu nichts verpflichtet fühlen. Grundsätzlich sind Menschen, die Campingurlaub machen, meistens sehr offen und herzlich, aber man kann auch ganz wunderbar für sich sein. Wir haben beispielsweise so sehr genossen einfach zusammen zu sein, die Abende zu genießen und auch mal wieder in Ruhe zu sprechen, ohne dass einem die Arbeit im Nacken sitzt oder man vor dem Fernseher hängt. Hier und da war mal ein kleiner Plausch drin, aber es hat einem auch keiner übel genommen, wenn man nicht auf mehr Kontakt aus war. Also, alles super easy.

Da mich auch sehr viele Eltern fragen, ob Camping nicht auch etwas für die Elternzeit mit Baby sein könnte, ist auch hier wieder meine Antwort: ABSOLUT! Es ist perfekt für alle Familien. Ob mit Baby, kleinen oder großen Kids. Dieser Urlaub wird wirklich allen gerecht. Und es stört auch wirklich niemanden, ob da ein Baby schreit, oder irgendein Kind einen Bockanfall hat. In kürzester Zeit nimmt man all das nur als sanften Geräuschpegel wahr. Viel lauter sind eh die Geräusche der Natur: der Wind, der durch die Bäume bläst, das Regenprasseln auf dem Dach, die spielenden Kinder überall, bis die Sonne verschwunden ist. Camping sorgt automatisch für einen fließenderen Tagesablauf, denn man lebt viel mehr in und mit der Natur.  

Übrigens, das klassische Rentner-Camping-Klischee haben wir natürlich hier und da auch erlebt, aber mindestens genauso viele wirklich coole Leute. Also, wen habe ich noch nicht überzeugt? Oder habt ihr noch Fragen? Dann her damit!

Meinen Südtirol-Trip gibt es in Kürze mit jeder Station ausführlich zu lesen. Aber aktuell überlegen wir schon, ob wir nicht den nächsten Trip mit dem Zelt machen sollen. Irgendwie haben wir auch auf dieses Abenteuer gerade sehr große Lust…

Der Camper von Carado wurde uns für den gesamten Urlaub freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.

Vielen Dank.