Es ist irgendwie eine der häufigsten Fragen, die sich Eltern stellen, wenn Kind Nummer 2 auf dem Weg ist: Lastenrad oder Anhänger? Und hier spalten sich bekanntlich die Meinungen. Denn klar, es hat alles seine Vor- und Nachteile – und außerdem ist die Investition hier nicht gerade unerheblich. Ob Anhänger oder Lastenrad – man muss schon mit einem Budget zwischen 300 bis 2.000 Euro rechnen. Und selbst wenn man einen guten Gebrauchten findet, geht es hier nicht um ein paar Euro. Was spricht also für eine solche Anschaffung?

In welchem Alter sind die Kinder?

Bei der Frage, ob man sich ein Lastenrad oder Anhänger anschafft spielt natürlich erst einmal das Alter des ersten Kindes eine ganz wichtige Rolle. Sprich, ist das Kind bereits geübter Radfahrer und kann sämtliche Strecken selbst zurücklegen? Wenn ja, dann stellt sich in den meisten Fällen die Frage gar nicht mehr. Ist das Kind jedoch jünger und muss eh per Kinderwagen, Fahrradsitz oder Buggy transportiert werden, dann wird die zukünftige Mobilität eben doch mit einem großen Fragezeichen versehen.

Was ist denn jetzt eigentlich besser?

Und braucht man unbedingt eine Möglichkeit für beide Kids?

Fährt man überhaupt so viel und gerne Rad, dass man auch mit zwei Kids auch unbedingt mit dem Fahrrad fahren möchte?

Reichen nicht Fuß, Bus und/oder Auto?

Und was für Kaufargumente gibt es vielleicht noch zusätzlich?

Die erste Fragen, die sich jeder also stellen sollte:
Wie sind wir am besten unterwegs?

Seitdem ich mit Oskar schwanger war, machte ich mir extrem viele Gedanken, wie wir zukünftig mobil sein würden. Da es noch recht kühl war zu Beginn, bin ich tatsächlich viel zu häufig ins Auto gestiegen. Klar, schön bequem, beide Kinder haben Platz und ich musste mir nicht so viele Gedanken machen. Nicht gut für die Umwelt und unterm Strich – denkt man mal über den Berufsverkehr und die Parkplatzsuche nach – auch ziemlich belastend für meine Nerven. Da ich aber auch bereits seit Oskars Geburt ein Buggyboard an unserem Bugaboo hatte, bin ich letzten Sommer auch öfters zu Fuß unterwegs gewesen. Das ging dann so lange gut, bis Oskar im Sportsitz saß und es kaum aushielt, weiterhin angeschnallt im Kinderwagen zu sitzen, während Helene auf dem Bord stehen oder gar auf- und abspringen konnte.

Es änderte sich ein wenig, als Oskar gut genug sitzen konnte, so dass ich ihn letztes Frühjahr dann auf meinen Fahrradsitz schnallen konnte. Endlich wieder aufs Rad steigen! Es hatte mir so sehr gefehlt. Ich hatte mich bisher einfach nicht zu einem Kauf eines Lastenrades oder eines Anhängers durchringen können. Erst war es das buchstäbliche „Nicht-entscheiden-können“, dann wurde es zu kalt, danach überwinterten wir in Kapstadt und anschließend überlegten wir, ob Helene nicht eh schon alles mit dem Rad fahren sollte. Und genau da lag dann unser großen Problem: Es setzte voraus, dass Helene die Strecken wirklich selbst mit dem Rad zurücklegen würde. Für kurze Strecken passte das, aber längere waren einfach noch nicht drin. Und selbst die kurzen Wege hatten öfters mal das Potential, dass Helene sich nach der Hälfte weigerte weiterzufahren, weil ihre Füße so schwer waren… Da wir beide einen Kindersitz auf dem Rad haben, war es an den Wochenenden nicht so herausfordernd, Danilo schnallte sich in dem Fall einfach das Rad vorne auf den Korb und nahm Helene zu sich auf das Rad. Aber alleine mit den Kids war das dann alles halt doch nicht so einfach…

Beide Varianten im direkten Vergleich:

ZULADUNG

Lastenrad
bis zu 200 kg Zuladung möglich

Anhänger
bis zu 50 kg Zuladung möglich

ALTERSGRENZE

Lastenrad
keine Altersbeschränkung

Anhänger
bis ca. 7 Jahre (laut Straßenverkehrsordnung)

KAPAZITÄT

Lastenrad
Mitnahme von bis zu 4 Kindern möglich

Anhänger
Transport von bis zu 2 Kindern möglich

FAHRGEFÜHL

Lastenrad
Hängt stark vom Modell ab, aber ähnlich wie zuvor.

Anhänger
Im Grunde wie vorher, nur größerer Wendekreis.

BABYTRANSPORT

Lastenrad
Babyschalenträger für Kasten und manche Lastenräder verfügen über Isofix-Haltebügel

Anhänger
Hängematte mit Federung

PREIS

Lastenrad
1.000 bis ça. 3.000 Euro

Anhänger
300 bis ça. 1.500 Euro

PASSAGIERE IM BLICK

Lastenrad
bei einem Long John und Dreirad hat man die Kinder immer im Blick

Anhänger
Kinder während der Fahrt außerhalb der Sichtweite

Lastenrad vs. Fahrradanhänger

Im Grunde überlegte ich nur zu Beginn, ob wir auf ein Lastenrad oder einen Anhänger setzen sollten. Für beides gab es  Argumente – für das Lastenrad insbesondere der geplante Elektroantrieb. Wir hatten nämlich bereits vor meiner Schwangerschaft mit Oskar ein Lastenrad für eine Woche bei uns im Kiez getestet. Daher wusste ich, dass ich ohne das „e“ vor dem „Bike“ nix gehen würde. Zu viele Brücken und Anstiege mit großem Gewicht.

Außerdem war mir relativ schnell klar, dass mir meine und unsere Flexibilität sehr wichtig war. Und da liegt die Wahl des Anhängers auf der Hand: Mit den Kids im Anhänger zur Kita, Kids raus, Anhänger abgehangen und in der Kita geparkt, alleine auf dem Rad weiter, dann wieder zur Kita, Anhänger ans Rad und Kids einladen. Alternativ auch einfach ohne Rad, aber mit beiden Kids im Anhänger, umfunktioniert als Doppel-Buggy unterwegs sein. Mega. Was will man mehr? Und trotzdem hatten wir erst mal probiert ohne auszukommen. Das ging natürlich, aber irgendwann entschieden wir uns, dass wir doch einen Anhänger brauchen…

Me and my Thule

Als wir uns (relativ spät) entschieden, dass ein Anhänger doch keine so schlechte Entscheidung sein würde, ging alles sehr schnell. Wir brauchten eh gerade eine Dachbox und eine Kraxe für den geplanten Südtirol-Urlaub, da lag es Nahe, auch direkt einen Thule-Anhänger zu nehmen. Unsere Wahl fiel dann auf den Rolls Royce unter den Anhängern, den Thule Carriot Sport 2. Die einfachere Variante ist der Thule Coaster für knapp 400 Euro, aber der ist auch super. Mein Freund hatte dann aber super Argumente bezüglich Geländetauglichkeit, Jogging (falls wirklich mal jemand mit beiden Kids Joggen gehen möchte…), aber auch der Praktikabilität (ganz einfach zusammenfaltbar) auf Reisen und der Liegemöglichkeiten für die Kids. (Alle Produkteigenschaften des Anhängers findet ihr auf der Seite von Thule)

Viele machen sich allerdings besonders viele Gedanken darüber, dass die Kids nichts im direkten Blickfeld sind. Ein sehr verständlicher Grund, denn schließlich ist das einer der beiden großen Vorteile eines Lastenrades – die Kinder sind direkt vor einem. Doch ehrlich gesagt, fühle ich mich auch mit Anhänger ziemlich sicher. Oder zumindest so sicher, wie man sich als Radfahrer im Stadtverkehr überhaupt fühlen kann. Ich fahre mit den Kids hinten niemals auf der Straße, sondern auf Radwegen oder auf dem Bürgersteig. Ich habe immer die Fahne am Anhänger, dass er besser gesehen wird. Ich fahre grundsätzlich nach dem Motto „lieber Vorsicht als Nachsicht“, schließlich sind wir als Radfahrer immer am kürzeren Hebel. Und wenn ich dann so unterwegs bin, habe ich nicht das Gefühl, nicht die Kontrolle zu haben, oder meine Kinder nicht im Blick. Ich höre sie ja eh die ganze Zeit schnattern oder streiten…

„Für wen lohnt sich ein Anhänger?“

Diese Frage wird mir häufig gestellt. Meine Antwort lautet: für fast jeden, denn selbst, wenn man nicht lange zwei Kinder hat, die im Anhänger sitzen, so ist er der perfekte Stauraum für Familienausflüge. Letztes Wochenende beispielsweise haben wir einen Fahrradausflug gemacht – zum Park am Gleisdreieck. Helene ist zum ersten Mal die lange Strecke durchgefahren. Und Oskar schlummerte gemütlich mit Picknick, Bällen und Wechselsachen im Anhänger. Außerdem waren wir noch bewaffnet mit Skateboard, Buddelzeug, Picknickdecke und Regensachen für alle Fälle (die brauchten wir aber bei strahlend blauem Himmel und Sonne pur nicht im Geringsten). Weil aber Helene auf dem Rückweg nicht mehr selbst fahren wollte, schnallte sich Danilo ihr Rad auf den Korb und Helene konnte auch im Anhänger Platz nehmen. Das Gepäck kam dann einfach zu mir. Ohne den Anhänger, hätten wir das nicht so easy machen können. Er wird uns also noch eine ganze lange Zeit begleiten, selbst wenn Helene auch die langen Strecken problemlos selbst fährt. Bald muss schließlich auch das Laufrad von Oskar mit – dann muss er die nicht immer den anderen Kindern auf dem Spielplatz klauen.

Übrigens, Joggen waren wir mit den beiden Kids noch nie, aber das liegt viellicht auch mit daran, dass wir in den letzten Monaten einfach gar nicht Joggen waren…

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Was für eine Welt wollen wir unseren Kindern hinterlassen?
Uns was genau hat das mit Radfahren zu tun? Saskia hat sich HIER Gedanken dazu gemacht!

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Das macht Camilla und hat hier erzählt mit welchem Sitz!

Dieser Beitrag entstand in freundlicher Kooperation mit Thule.