“Wir wollten nie bauen! Dann haben wir es doch getan. Durch einen Zufall haben wir uns zuerst für eine Baufirma entschieden. Beim Besuch des Musterhauses waren wir einfach angetan vom Duft des Hauses. Deshalb haben wir dann sehr sehr lange nach einem bauträgerfreien Grundstück gesucht…” mit diesen Worten meldete sich Elena bei uns. Und wir fanden, dass nach all den Sanierungen der vergangenen Baugeschichten ein gemütliches Schwedenhaus eine willkommene Abwechslung sei…

 

Wir sind eine Patchworkfamilie mit 2 + 2 Kindern im Alter von 10 bis 19 Jahren und bauen ein Schwedenhaus kurz vor Strausberg. Alle Kinder gehen in Berlin zur Schule und wir arbeiten jeweils in Mitte und Charlottenburg. Die Infrastruktur ist hier vor Ort generell gut, gleichzeitig hoffen wir, dass sich Berlin in den nächsten 5 Jahren noch ein wenig ausdehnt … Fehlende Bioläden umgehen wir mit einer Biokiste. Wir bekommen Glasfaser-Internet, was insbesondere die Kinder glücklich stimmt. Ein gemeinsames Familienfoto mit unseren Teenagern ist uns einfach nicht gelungen. Der eine fand seine Haare zu kurz, der andere zu lang, die Dritte war die ganzen Ferien verreist, der Vierte …

Liebe Elena, wenn man ganz am Anfang steht uns eigentlich nur weiß, wir möchten etwas eigenes. Wo findet man jemanden, der einen umfassend – und optimalerweise unabhängig – in Sachen Immobilie berät? Von was kann ich mir überhaupt leisten, besser Neu- oder Altbau, selber drin wohnen oder vermieten bis hin zu Finanzierung.

Wir hatten leider keine Beratung; haben die wichtigsten Fragen für uns selbst beantworten müssen und können: Wir wollten eigentlich nie bauen. Als wir dann aber als Patchworkfamilie mit 4 Kindern im Wechselmodell in eine Wohnung mit 4 Kinderzimmern gezogen sind, schmerzte uns die hohe monatliche Miete zunehmend. So formte sich sehr langsam die Idee, ein Haus zu kaufen oder selbst zu bauen, um dieses Geld nicht zu verpulvern. Daraufhin haben wir das komplette noch über die S-Bahn zu erreichende Umland nach Bestandshäusern abgeklappert und erkannt, dass Bestandshäuser plus Sanierung vielleicht relativ teuer werden können und Kosten mit sich bringen, die wir als Laien nicht gut genug einschätzen können. Zudem waren wir durch unsere 4 Kinder auf einen S-Bahn-Anschluss nach Berlin angewiesen. So kamen wir dann in logischer Konsequenz zur Recherche von Hausbaufirmen und Grundstücken. Die Suche und das Treffen von Entscheidungen kosten wahnsinnig viel Zeit & Energie – das sollte man wissen. Wir hatten diese Zeit, da unsere Kinder eben schon älter sind. Der ganze Prozess des Suchens und Findens bringt zudem immer wieder Enttäuschungen mit sich: Man nimmt lange Wege auf sich, steht im Schneeregen auf irgendeinem Acker herum, und soll blitzschnell entscheiden, ob man sich dort ein Leben mit der Patchworkfamilie vorstellen kann … Meistens lautete unsere Antwort nein und wir hatten Wege und Zeit umsonst investiert. Um den Überblick zu behalten, haben wir eine Liste geführt mit den wichtigsten Kriterien (Größe, Lage, Nähe zur S-Bahn, Preis) und jeweils Punkte dafür verteilt. Auch die Kinder konnten, wenn sie uns begleitet haben, voten.

Ihr habt euer Grundstück über die Bundesanstalt für Immobilienverwaltung gefunden. Was macht die BImA genau?

Die BImA verwaltet Immobilien des Bundes. Grundstücke der BImA findet man auf deren Internetseite, teilweise auch in den einschlägigen Portalen: https://www.bundesimmobilien.de/

Wie läuft so ein Bieterverfahren ab? Wie viele Teilnehmer gibt es und wie setzt man sich gegen die Profis durch?

Beim Bieterverfahren gab es unbegrenzt viele Teilnehmer, allerdings die Auflage, das Grundstück eine gewisse Zeit lang nicht verkaufen zu dürfen – als Schutz vor Spekulanten. Wir haben uns eine kleine Strategie ausgedacht und riesiges Glück gehabt, dass wir uns damit durchgesetzt haben: Auf den durchschnittlichen Bodenrichtwert unserer Gemeinde haben wir 10% geschlagen, weil das im letzten Jahr ungefähr dem leicht überteuerten Verkehrswert entsprach. Diese Summe haben wir dann nach Gefühl und oberster Schmerzgrenze aufgerundet. Und es hat funktioniert. Am Ende haben wir einen Glücksgriff getan und ein Grundstück der BImA im Rahmen eines Bieterverfahrens ersteigern können. Zu zwei Seiten hin an einem Naturschutzgebiet gelegen.

Wir waren allerdings auch in anderen Verfahren beteiligt, in welchen es kein Ende nach oben gab. Unfassbar, mit was für einem Druck diese auch von privat geführt werden. Da muss man echt klar und diszipliniert bleiben, um sich nicht hinreißen zu lassen … Generell sollte man seine finanziellen Schmerzgrenzen und Bedürfnisse sehr gut kennen. Nicht alles, was toll klingt, muss Sinn machen oder passt zur eigenen Familienkonstellation. Das gilt auch für die Planung des Bauvorhabens selbst: so haben wir beispielsweise nur im EG Fußbodenheizung, im OG haben wir darauf verzichtet – unsere Kinder sind eben nur die Hälfte der Zeit bei uns und auch keine Kleinkinder mehr, die auf dem Boden mit Lego spielen, sondern Jugendliche, die lieber auf ihren Betten rumhängen – Kostenersparnis mehrere 10.000€.

Stein auf Stein versus Fertighaus, was waren die entscheidenden Kriterien?

Wir haben 3 bis 4 Baufirmen besucht, deren Häuser alle nach Plastik und Chemie rochen, und uns dann spontan für ein Fertighaus, ein Schwedenhaus, entschieden. Die Kriterien dafür waren zuerst das Klima im Musterhaus, aber auch der herzliche und entspannte Umgang mit der Baufirma. Überzeugt hat uns dann vor allem das besonders energiebewusste und relativ wohngesunde Bauen – das Holz wird kammergetrocknet, sodass es frei von Chemikalien ist. Die Gefahr von Schimmelpilzbildung durch Neubaufeuchte ist im Vergleich zu Häusern, die Stein auf Stein gebaut werden, signifikant geringer (hoffen wir es!). Auch die kurze Bauzeit fanden wir attraktiv. Nachdem wir eine junge Familie in Hohen Neuendorf, die mit derselben Baufirma ein Schwedenhaus gebaut hat, besuchen konnten, stand unsere Entscheidung fest.

 

Du sagst „sollte uns das Leben einen Strich durch unsere Rechnung machen (Trennung, Krankheit), sind wir optimistisch, eine tragbare Lösung zu finden.“ Was für Lösungen gibt es bei laufendem Kredit?

Für den Notfall haben wir die Optionen Wiederverkauf oder Vermietung parat. Wir gehen davon aus, dass ein Schwedenhaus sehr wertbeständig ist und daher über einen guten Wiederverkaufswert verfügt. Zudem haben wir – so hoffen wir – eine gute Lage getroffen, die in der Zukunft durch die Ausdehnung Berlins an seinen Rändern weiter an Attraktivität gewinnt, da sie an die S-Bahn angebunden ist. Aufgrund seiner niedrigen Nebenkosten lässt sich ein Schwedenhaus bestenfalls auch gut vermieten. Diese Optionen macht uns die manchmal ambivalenten Gefühle für das Bauen viel aushaltbarer. Denn natürlich sind wir manchmal auch unsicher, wie es uns und unseren Kindern da draußen ergehen wird.

Inwiefern haben eure Kinder mitentschieden? Bzw. ist das Alter und eure Familienkonstellation eurer Kinder in die Bauplanung eingeflossen. Euer ältester ist 19, denkt man da schon übers Ausziehen nach und plant auch dementsprechend? Wie oft sind die Kids bei den anderen Elternteilen? Wo wohnen diese? Wie bewegt ihr euch und sich eure Kids in die Stadt? Warum kein Schulwechsel?

Ja, das Alter unserer Kinder hat bei der Entscheidung in verschiedenen Hinsichten eine wichtige Rolle gespielt. Hätten wir ausschließlich gemeinsame Kinder, wären wir vermutlich in ein hübsches Dorf im Umland gezogen und hätten sie dort in die Schule geschickt. So sind wir durch die Konstellation, dass die Kinder im Wechselmodell bei uns und jeweils in Kreuzberg und Karlshorst leben, auf einen Kompromiss angewiesen. Da die Kinder inzwischen selbstständiger und die gemeinsamen Jahre bei uns im Haushalt absehbar sind, haben wir diesen Schritt überhaupt erst wagen können. Für den Ältesten haben wir gar kein Zimmer mehr geplant, er ist inzwischen ausgezogen. Das Wechselmodell ist auch der entscheidende Grund dafür, dass kein Kind die Schule wechselt. Was die Schulwege nach Berlin betrifft, so bewegen sich die Großen mit den Öffentlichen, Fahrrädern und/oder Leihrädern. Für den Jüngsten synchronisiert mein Mann seine Arbeitswege mit dessen Schulwegen, da er geschäftlich meistens sowieso mit dem Auto unterwegs ist. Generell versuchen wir, es den Kindern so unkompliziert wie möglich zu machen. Mit viel gutem Willen und Optimismus kann man die fahrtzeiten bereits als Qualitytime nutzen: Dinge besprechen, planen oder lernen. OK, zugegeben, es sind Jungs, sie antworten meistens nur mit „gut“ oder „nice“. Gespräche Fehlanzeige.

Wir versuchen, die Bedürfnisse der Kinder so gut  wie möglich zu berücksichtigen. Wenn sie morgens mal später los müssen oder eine Klausur schreiben, dann bringen wir sie am Vorabend schon nach Berlin. Das geht na klar auch nur, wenn man mit dem Ex-Partner einen gemeinsamen Blick auf die Kinder hat, sich gut strukturieren und abstimmen kann.

Es kommt ja selten genau so wie man denkt. Worauf musstet ihr euch während der Kauf- und Bauprozesses einlassen?

Wer glaubt, er kauft ein Grundstück und könne dieses dann nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten, der irrt sich. Ursprünglich hatten wir eine wunderschöne, russisch anmutende Datsche auf dem Grundstück, in die wir uns sofort total verknallt hatten. Unsere Vision war, sie als Gästehaus umzubauen. Das Wohnhaus selbst wollten wir auf dem hinteren Grundstücksteil platzieren. Bis wir dann kapiert haben, dass wir einem Bebauungsplan unterliegen und das Haus nur genau dort stehen darf, wo sich die schöne Laube befindet. Dieses Herzstück mussten wir dann für mehrere Tausend Euro abreißen lassen. Auch Bäume dürfen nicht einfach gefällt werden. Jede Fällung muss beantragt werden und kostet natürlich. Für jede Fällung wird dann eine Ersatzpflanzung oder eine Gebühr fällig. Für die Planung unserer Grundstückszufahrt haben wir beispielsweise die Fällgenehmigung für zwei Bäume nicht bekommen, sodass die Gemeinde uns im ersten Durchlauf auch die Baugenehmigung insgesamt verweigert hat. Wir mussten die Zufahrt dann leider auf der schöneren Seite des Grundstücks planen. Insofern sollte man sich, ähnlich wie beim Kinderkriegen, kein allzu festes Bild von seinem Vorhaben machen. Es ist immer gut, offen für Überraschungen und kompromissbereit zu bleiben.

Wenngleich es viele Unwägbarkeiten gibt, sind wir bis hierher ganz ganz glücklich, diesen Schritt gegangen zu sein. Sobald wir auf unserer provisorischen Terrasse sitzen und der Blick auf das angrenzende Naturschutzgebiet fällt, lassen wir die Berliner Großstadthektik los und fühlen uns sehr sehr wohl. Auch unsere Kinder mögen es (OK, weil wir gutes W-Lan bekommen, hahaha) Wir sind für den Moment guten Mutes, dass es die richtige Entscheidung gewesen sein wird.

Seit 18.9.18 ist es endlich möglich, das Baukindergeld zu beantragen. Für Neubauten auch rückwirkend zum 1.Januar 2018. Habt ihr diese staatliche Förderung genutzt?

Das Baukindergeld können wir leider nicht nutzen. Von 4 Kindergeldern bekommen wir nur 1 ausgezahlt. Das Baukindergeld ist an die Berechtigung fürs Kindergeld geknüpft. 1 Freibetrag reicht in unserem Fall wiederum nicht aus, unser Einkommen entsprechend runter zu rechnen, da wir Doppelverdiener sind. So tragen wir zwar sämtliche Kosten für 4 Kinder, können aber die Förderung leider nicht wahrnehmen.

Hier könnt ihr prüfen, ob ihr alle Vorraussetzungen erfüllt, um das Baukindergeld zu erhalten.

  • Alle, die mit dem Gedanken spielen, ein Schweden-/Fertighaus zu bauen, können gerne mal gucken kommen. Diese Möglichkeit haben wir selbst wahrgenommen und waren darüber total dankbar. Kontakt dafür über meinen Insta-Account. Dort gibt es auch weitere Einblicke zum Thema Hausbau, Interior, Patchwork …
Elenas Vorschlag für diejenigen, die sich für den Bau eines Schwedenhauses interessieren

Liebe Elena, das klingt alles so erfrischend ehrlich mit allen Hürden und zeigt trotzdem, dass man sie nehmen kann. Vielen Dank, dass du dir die Zeit zum Beantworten all unserer Fragen genommen hast…