Über den Begriff “Working Mom” sind wir längst hinaus. Denn am Ende geht es nicht um Mütter oder Väter, sondern vielmehr um die Herausforderungen, die mit dem Eltern-Werden kommen. In unseren Augen ist die Zukunft “equal” und welchen Aufgaben wir uns auch stellen – ob Job oder Kinder – wir übernehmen gemeinsam die Verantwortung für unsere Kinder. Wir haben Eltern auf der ganzen Welt gefragt, wie sie sich die Aufgabenbereiche Kinder & Karriere aufteilen, welche Hürden es gibt und auch welche Tipps sie haben, damit es besser klappen kann. Heute starten wir unsere achtteilige Serie mit der schönen Stadt Tel Aviv in Israel.

Katharina Höftmann Ciobotaru (34) ist Autorin (ihr neustes Buch: “Jeden Tag ein bisschen Meer”), Nahum Ciobotaru (41) ist Projekt Manager bei Israel Natural Gas Lines: gemeinsam haben sie die beiden Söhne Ari (4) und Ben (1).

Wie teilt ihr euch Arbeitszeit und Betreuungszeit eurer Kinder untereinander auf?

Katharina: Im Moment ist es so, dass beide Kinder bis 14 Uhr fremdbetreut werden, ab September beide bis 16 Uhr. Den Rest der Zeit ist es eigentlich so, dass ich vier Morgende übernehme mit beiden. Manchmal ist mein Mann noch da. Einen Morgen bringt er sie in die Kita. Dann übernehme ich drei Nachmittage und er übernimmt zwei Nachmittage in der Woche. Am Wochenende machen wir viel zu viert. Wenn die Kinder krank sind, übernimmt er alle Aufgaben am Tag, obwohl ich zuhause arbeite.

Nahum: Jeder Elternteil muss Zeit für sich und nur für sich selbst haben. Nur er und ohne irgendwelche anderen Familienmitglieder.

Wie ist es möglich, dass dein Mann sich in einer Vollzeit-Anstellung zwei Nachmittage um die Kinder kümmert? Macht er dann am Abend Home Office? Oder gibt es da andere flexible Modelle in Israel? Gleitzeit?

Nahum: Zwei Tage sind meiner Meinung nach das Minimum, um auf deine Kinder aufzupassen. Es ist einfach so, dass sie jetzt Priorität haben und die Tage bei der Arbeit von mir kürzer, effektiver und effizienter gestaltet werden müssen. Und selbst wenn ich noch etwas zuhause machen muss, kann ich es als Home Office abends machen. Wenn die Kinder schlafen. Das ist ungefähr um 19:30 oder 20 Uhr. Dann kann ich ein bis eineinhalb Stunden arbeiten, was nötig ist. Aber sie zwei Tage nachmittags zu übernehmen ist für mich ein Minimum, ein Muss.

Zwei Tage sind meiner Meinung nach das Minimum, um auf deine Kinder aufzupassen. Es ist einfach so, dass sie jetzt Priorität haben und die Tage bei der Arbeit von mir kürzer, effektiver und effizienter gestaltet werden müssen. Und selbst wenn ich noch etwas zuhause machen muss, kann ich es als Home Office abends machen….

Nahum

Habt ihr das Thema vor der Familienplanung besprochen? War das für euch schon immer klar?

Katharina: Ehrlich gesagt haben wir das nicht besprochen. Unsere Beziehung war schon immer so, dass wir sehr auf Augenhöhe agieren. Es gab aber Zeiten in unserer Elternschaft und auch bis jetzt ist es so, dass ich mehr übernehme. Andererseits muss ich auch sagen, dass ich, wenn ich wegen der Arbeit oder auch weil ich einfach Lust darauf habe, mal ein Wochenende nach Berlin, Paris oder New York wegfliegen will, er klarkommt und es auch gerne übernimmt und ich auch kein schlechtes Gefühl dabei habe. Es ist nicht ganz 50:50, aber es ist dicht dran.

Nahum: Wir haben über die Planung der Familie gesprochen, aber wir haben nie darüber nachgedacht, wie viele Kinder es sein werden und wie genau unser Leben dann aussieht. Es gibt mehrere Rollen, die jeder von uns übernimmt. Vor allem die Planung der Ausbildung wird von meiner Frau gemacht und ich mache einfach Sachen möglich.
Katharina: Was machst du genau?
Nahum: Alles, was getan werden muss.
Katharina: Also ich bin der Chef und ich delegiere dich!? (lacht)
Nahum: Du kannst es so sagen. Du gibst die generelle Richtung vor, was ich tun muss.

Was ist das übliche Modell der Aufteilung zwischen den beiden Elternteilen in Tel Aviv oder Israel, wie machen das andere Familien in eurem Umfeld?

Katharina: Israel und Tel Aviv sind sicherlich ein bisschen so wie Berlin und Deutschland. Tel Aviv hat sicherlich eine Sonderstellung. Hier beobachten wir es eigentlich überwiegend so, dass es relativ ausgeglichen ist. Also das kann man auch über die israelischen und Tel Aviver Väter allgemein sagen, sie übernehmen eigentlich sehr viel und kümmern sich auch sehr viel um die Kinder. Aber es ist natürlich auch in Israel das klassische Ding, dass Männer besser bezahlte Jobs haben, in höheren Positionen sitzen und dadurch die Frauen oft ein bisschen mehr machen. Aber in unserem Umfeld haben wir auch zwei Beispiele, in denen es komplett umgekehrt ist. In denen die Männer deutlich mehr übernehmen. Insgesamt ist es für Israel relativ ausgeglichen, aber die Frauen haben doch schon einen Überhang in der Betreuungszeit.

Nahum: Mit der Familie und vor allem mit den Kindern zusammen zu sein, ist meiner Meinung nach sehr wichtig. Und Eltern müssen die Zeit dafür investieren und im Voraus planen, damit das machbar ist. Und um davon zu profitieren. Es ist sehr wichtig für die Kinder, Zeit mit ihren Vätern zu verbringen. Weil die Väter hauptsächlich und traditionell mehr Zeit in der Arbeit verbringen. Und auch die Gesellschaft fordert es von den Vätern. Deshalb reduzieren wir als Väter unsere Zeit bei der Arbeit und verbringen sie mehr mit Dingen, die für uns und unsere Kinder wichtig sind – und nehmen so tatsächlich an ihrer Ausbildung teil und beeinflussen auch die Art, wie sie erzogen werden.

Die Gesellschaft fordert es von den Vätern. Deshalb reduzieren wir als Väter unsere Zeit bei der Arbeit…

Nahum

Gibt es so etwas wie Elternzeit, Elterngeld oder Mutterschutz?

Katharina: Es gibt drei Monate Mutterschutz bzw. Elternzeit, von denen sich die Mutter mindestens sechs Wochen nehmen muss. Vor der Geburt gibt es nichts. Das liegt auch daran, dass die Frauen hier mehr Kinder haben. Aber vom Staat her ist es nicht vorgesehen. Nahum hat das letzte Mal in Israel das Maximum von dem, was man an Elternzeit nehmen kann, genommen. Er war der Erste in seinem Unternehmen, der das gemacht hat. Sein Chef hat ihn auch mit hochgezogenen Augenbrauen angeguckt und gesagt: “Ok, ich wusste nicht, dass es sowas gibt.” Ist also nicht so wahnsinnig verbreitet. Aber es ist auch für Frauen nicht so wahnsinnig viel. Die meisten Frauen nehmen sechs Monate, hangeln sich da finanziell irgendwie durch, aber dann gehen die meisten wieder arbeiten.

Wie wird man vom Staat bei der Kinderbetreuung unterstützt? Gibt es finanzierte Kindergärten oder Kitas? Kannst du uns das Modell erklären?

Katharina: Im Durchschnitt gibt es deutlich mehr Kinder in Israel als in Deutschland. Und trotzdem ist die Unterstützung auf dem Papier sehr viel weniger. Kindergärten sind erst ab 3 Jahren kostenlos und dann auch nur bis 14 Uhr. Wenn man 

das bis 16 Uhr haben möchte, muss man nochmal 200 Euro extra zahlen. Bis 3 Jahre muss man entweder eine Nanny nehmen oder einen privaten Kindergarten. Die meisten nehmen das erste Jahr eine Nanny, das ist wahnsinnig teuer. Das ist ein volles Gehalt natürlich – wir zahlen 1300 bis 1400 Euro pro Monat für unsere Nanny. Und danach ist der private Kindergarten bis 3 oder 3,5 Jahren möglich. Diese privaten Kindergärten kosten 700 – 800 Euro pro Monat. Kinder zu haben ist also ein sehr sehr teures Unterfangen – und trotzdem haben die meisten Familien mindestens zwei, meistens drei oder sogar vier Kinder. In den arabischen Familien sind es noch mehr, da wird dann auch familiär betreut.

Und ab 3 Jahren ist der Kindergarten dann bis 14 Uhr kostenlos und der Hort muss privat bezahlt werden.

Was aber in Israel viel mehr greift als in Deutschland ist die Familie. Da das Land nicht so groß ist, ist in den meisten Fällen die Familie viel näher dran. Man sieht hier in den Kindergärten viel viel häufiger Großeltern, die die Kinder abholen. Meine Schwiegermutter ist auch immer da, wenn man sie braucht, jemand krank ist, die Nanny ausfällt etc. Die Familie ist aktiver, weil sie noch dichter ist und weil es auch viel gewünschter ist.

Kindergärten sind erst ab 3 Jahren kostenlos und dann auch nur bis 14 Uhr. Wenn man Betreuung bis 16 Uhr haben möchte, kostet es nochmal 200 Euro extra. Bis 3 Jahre muss man entweder eine Nanny nehmen oder einen privaten Kindergarten. Die meisten nehmen das erste Jahr eine Nanny, das ist wahnsinnig teuer. Das ist ein volles Gehalt natürlich – wir zahlen 1300 bis 1400 Euro pro Monat für unsere Nanny.

Katharina

Was aber in Israel viel mehr greift als in Deutschland ist die Familie.

Katharina

Was ist euer Tipp, damit die Aufteilung von Job & Familie unter den Elternteilen reibungslos und ohne Frustrationen klappt?

Katharina: Man muss Respekt für den Job des anderen haben und für die Sachen, die der andere wichtig findet. Mein Mann geht zum Beispiel zweimal die Woche zum Karate, was für mich irgendwie sehr schwer zu akzeptieren war, weil ich mir denke: “Ich habe nicht die Zeit, das zu machen, warum nimmst du dir das Recht?” Aber am Ende des Tages muss man sich irgendwie die Freiheiten geben, diese Sachen zu machen. Also den Respekt voreinander haben und dann natürlich kommunizieren. Immer fragen “Kannst du hier, kannst du da?”, und nicht davon ausgehen, dass der andere das schon weiß. Laufende Kommunikation und Respekt vor den Dingen, die dem anderen wichtig sind.

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