Ich halte mich ja eigentlich fast immer mit meiner politischen Meinung zurück. Nur bei meinem Mann – der mich ganz gut filtern kann und weiß, wie wenig Ahnung und Interesse ich mitbringe – mache ich manchmal den Mund auf. Heute kann ich aber meine Fresse einfach nicht mehr halten und möchte gern ein zwei Sätze verlieren. Stammtisch voraus.

Jens Spahn schmeißt unsere Steuergelder in die Forschung

5 Millionen hat Herr Spahn dafür bekommen, dass er jetzt erforschen kann, wie sich Schwangerschaftsabbrüche bei Frauen so verhalten. Also danach. Seelische Folgen und so. Und leider, lieber Jens, kann ich dem SPD-Bundestagsabgeordneten Florian Post nur zustimmen: So viel Geld für so viel Unsinn!

Mir fallen 84504309234 andere Ideen ein, bei denen das Geld besser angelegt und dringender wäre, wenn auch meistens nur als Tropfen auf dem heißen Stein und wenn ich ganz ehrlich bin, ich habe nicht genau verstanden, was Herr Spahn genau wissen möchte. Mir schwant, Herr Spahn war noch nie in der Situation, eine solche Entscheidung treffen zu müssen. Denn auch wenn am Ende die Frau meistens ganz alleine mit ihrer Entscheidung dasteht, wenn es einen Mann dazu gibt, sitzen Paare ja häufig beieinander und reden über so was.

Herr Spahn möchte also erforschen, wie es so ist mit einem Schwangerschaftsabbruch? So direkt könnte ich ihm einfach mal antworten: Beschissen. Zum einen, weil es nie leicht ist, so eine Entscheidung zu treffen. Zum anderen, weil wir Frauen damit so ziemlich allein gelassen werden. Vielleicht gerade, weil sich in der Umwelt oft das Gefühl breitmacht: Du hättest ja auch aufpassen können, dann hättest du ihn jetzt nicht, den Salat.

Den richtigen Arzt finden? Geht fast nur unter der Hand. Dann einfach eine Entscheidung treffen? Fehlanzeige! Denn vorher müssen wir ja auch noch zur Beratung. Und dann noch einmal drei Tage warten, bevor wir uns dem Eingriff unterziehen dürfen – und am besten bloß keinem erzählen: Ich hab mein Kind getötet. Ach so, eine Straftat ist das auch, weil mir als Frau das Recht abgesprochen wird, selbst entscheiden zu können, welche Entscheidung die bessere wäre.

Und muss das wirklich erforscht werden, im Zweifel, um vielleicht im Nachhinein zu Entscheiden, pass auf, den Frauen geht’s schlecht, wir müssen unsere Beratungsangebote eventuell verbessern, dann sag ich: Ey, macht das doch einfach gleich. Sichtbar, transparent, auffällig.

Die Gründe für einen Abbruch sind vielfältig, aber eben NIE einfach. Und hinterher? Mal ganz ehrlich, wie soll es einem schon damit gehen! Fuck it! Du liegst unter Vollnarkose auf einem Tisch und hinterher bist du nicht mehr schwanger. Wäre der Zeitpunkt besser gewesen, wäre es vielleicht super, aber wenn der Zeitpunkt beschissen ist, dann ist eben alles nur zum Heulen. Und im schlechtesten Fall über Monate. Jahre. Jeder verarbeitet anders.

Keine Muschi, keine Ahnung

Ich bin echt keine Feministin, aber ich spreche Herrn Spahn – und vielen anderen konservativen Politikern (und manchmal leider auch Politikerinnen) mit ausreichendem Gehalt – einfach das Wissen über ‚normale‘ Frauen ab. Es soll sie ja geben, die Frauen, die jeden Cent zweimal umdrehen müssen. Ach, Sie erinnern sich vielleicht: 1,5 Millionen alleinerziehende Frauen (und 157000 alleinerziehende Männer) in Deutschland und jedes 5. Kind in Deutschland gilt als arm. GEILE Aussichten für (noch) ein Kind? Jens wird dank eigener Lebensumstände nie in diese Bredouille kommen, über einen Abbruch nachdenken zu müssen.

Das ist auch schon beim Gesetzesentwurf für den Paragrafen § 219a zu sehen. Die Union würde ihn am Liebsten so beibehalten, wie er ist (WTF!) – soll also heißen: Wir lassen Frauen einfach weiter mit der Scheiße allein. Dabei wäre sachliche Information (wie im Gesetzesentwurf der Grünen gefordert) so unfassbar wichtig. Was kann ich tun und welche Lösungswege gäbe es. Ob und wie das also aussehen könnte, wird am Freitag übrigens im Plenum vorgestellt.
„CDU/CSU und SPD haben einen Gesetzentwurf zur Verbesserung der Information über einen Schwangerschaftsabbruch angekündigt, der am Freitag, 15. Februar 2019, 45 Minuten lang in erster Lesung erörtert und anschließend zur federführenden Beratung an den Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz überwiesen werden soll.“

Eine Verbesserung, lieber Herr Spahn, das wäre ein Weg, den ich begrüßen würde. Denn wie Sie sicher schon oft gelesen und gehört haben: Ein Abbruch ist für niemanden eine leichte Entscheidung. Und ach ja, die Pille danach ist auch kein Smartie. Nur falls Sie’s noch nicht wussten.