Eine selbstbestimmte Hausgeburt, das war mein Wunsch bei unserem ersten Baby. Dass eine solche selbst mit einer erfahreren Hausgeburtshebamme an der Seite nur unter bestimmten Vorraussetzungen durchgeführt werden kann, das musste ich vor vier Jahren am eigenen Leib erfahren… und noch ein bisschen mehr!

Meine erste Schwangerschaft war ein Spaziergang. Das mag lapidar klingen, aber es war eben so. Ich war so positiv eingestellt, hatte keine Beschwerden und habe mich deshalb entschieden unser Kind zuhause auf die Welt zu bringen. Ich war ja schließlich nicht krank. Der Gedanke an die Krankenhausatmosphäre, die Keime die dort lauern schreckten mich ab.
Meine Hebamme Melanie Bredow begleitete mich bereits im Vorfeld liebevoll und sie gab mir ein sicheres Gefühl. Nur eines stellte sie von Anfang an klar: eine Hausgeburt wird nur dann durchgeführt, wenn alles normal und gut abläuft. Wenn es einen Grund zum Zweifel gibt oder sie bei mir eine Unsicherheit wahrnehmen würde, dann würden wir uns auf den Weg ins Krankenhaus machen. Das gab mir nur noch mehr das Gefühl, dass sie professionell und vertrauenswürdig ist. Schließlich kam der große Tag. Ein heißer Julitag. Für den Abend wurden grollende Gewitter vorausgesagt. Ich spürte schon in der Nacht zuvor, dass sich etwas anders anfühlt. Schmerzen empfand ich keine. Aber mein Bauch wurde immer wieder hart. Anders als bei den Übungswehen. Ich kann es schwer beschreiben.
Am späten Nachmittag entschlossen wir uns, die Hebamme zu uns zu bitten. Nicht, weil ich glaubte, die Wehen kämen zu häufig. Sondern um mal nach dem Rechten zu sehen. Mein Freund kochte Nudeln mit Pesto, während sie nach dem Muttermund schaute. Schon 7 Zentimeter! „Ich bleibe jetzt bei dir, dein Baby wird bald kommen“, meinte sie. Dann schaute sie nach den Herztönen. Sie wurde ruhig. Melanie nahm meine Hand und sagte plötzlich ernst: „Ihr Beiden, erschreckt nicht. Es ist alles gut. Aber die Herztöne sind mir ein bisschen zu ruhig für eine Hausgeburt. Ich würde jetzt gerne mit euch ins Krankenhaus fahren.“ Seltsamerweise hielt mich ihre liebe, entspannte und souveräne Art davon ab, in Panik zu verfallen. Vielleicht haben auch die Hormone ihre Finger mit im Spiel gehabt. Wir stiegen ins Auto, zur Sicherheit legte ich mir etwas unter, weil die Fruchtblase ja noch intakt war. Auf der Fahrt nahm die Intensität der Wehen zu. Melanie half mir, sie zu veratmen. Ich war trotzdem überrascht. Ich hatte mir die Eröffnungswehen ganz anders vorgestellt. Extremer. Fordernder. Noch ging es mir erstaunlich gut. In den Pausen scherzte ich.
Im Krankenhaus angekommen war der Muttermund vollständig geöffnet. Ich hatte kurz darauf schon Pressdrang. „Darf ich?“ fragte ich. Die Hebamme im Krankenhaus nickte ermutigend. Auch jetzt erinnerte ich mich wieder an den Geburtsvorbereitungskurs. Jetzt dürfte es ja nicht mehr lange dauern, oder?
Die Realität holte mich Stunden später ein. Ich war zutiefst erschöpft. Die Wehenwellen überrollten mich mit einer tiefen Kraft, sie rissen mich förmlich von den Beinen. Ich konnte vor Müdigkeit kaum mehr stehen. Und doch schien nichts voran zu gehen. Irgendwann in diesen langen Stunden, während draußen ein Gewitter tobte, platzte die Fruchtblase mit ungeheurer Wucht. Und trotzdem. Ärztin und Hebamme bemerkten sorgenvoll, dass das Baby sich schon am Köpfchen aufgescheuert hatte, weil es so sehr versuchte, seinen Weg nach draußen zu finden. Langsam verdrängten Sorgen mein durch Hormone vernebeltes Vorfreudegefühl. Als auch nach fünf Stunden Presswehen, PDA, wehenfördernden Mitteln nichts passierte, entschied die Ärztin: „Wir müssen jetzt einen Kaiserschnitt machen, es hilft nichts.“ Das Baby war scheinbar inzwischen ebenfalls schon sehr erschöpft und ich hatte überhaupt keine Kraft mehr. Mir war alles egal – Hauptsache dieses Kindchen kommt gesund auf die Welt.
15 Minuten später war er da. Ich kann mich gar nicht mehr richtig an den ersten Schrei erinnern, wie er klang. Ich weiß nur, dass irgendetwas Großes in mir, in meinem Herz, geplatzt ist. Vor Glück. Auch wie er aussah, das weiß ich gar nicht mehr richtig. Ich konnte ihn nur kurz sehen, dann musste Flüssigkeit aus seinen Atemwegen abgesaugt werden. Ich höre ihn im Nebenraum brüllen, protestieren, während ich genäht wurde. Alles in mir wollte zu ihm. Aber ich wusste, er ist versorgt, mein Freund war bei ihm. Nach einer Stunde etwa konnte er dann zu mir. Der Rest versinkt in müdem, glücklichem Nebel.
Ich wünschte, die Geschichte wäre damit vorbei. Leider stellten die Ärzte zwei Tage später eine Neugeboreneninfektion fest. Wir wurden in ein anderes Krankenhaus verlegt. Viele Sorgen, Tränen folgten. Meine erste Woche mit Baby war so ganz anders, als ich es mir gewünscht hatte.
Rückblickend ist alles gut gegangen. Dem Kleinen geht es heute top, er ist putzmunter und ein wunderbarer kleiner Mensch. Ich bereue auch nicht, dass ich ihn damals zuhause auf die Welt bringen wollte. Es war alles gut und Melanie hat den Beginn der Geburt professionell und sicher begleitet. Es tut mir auch nicht leid, dass ich letztendlich einen Kaiserschnitt hatte. Dieser Kaiserschnitt hat uns wohl letzten Endes gerettet. Was mir aber geblieben ist: erwarte das Unerwartete. Eine Geburt liegt so ganz außerhalb unseres Einflussbereiches. Wir können sie nicht kontrollieren, sie ist eine Naturgewalt.

Informationen zu Hausgeburten von meiner Hebamme Melanie Bredow

Voraussetzungen für eine Hausgeburt

Nur gesunde Frauen dürfen gesunde Kinder zu Hause oder im Geburtshaus gebären. Ausschließlich Einlinge in Schädellage dürfen zu Hause geboren werden. Erst ab 37.0 SSW bis spätestes 41.6 SSW kann das Baby außerklinisch geboren werden. Es muss einen stetigen Geburtsforschritt geben bzw. sind Geburtsstillstände zeitlich begrenzt. Die kindlichen Herztöne, die in Abständen meist mit dem Dopton – sieht aus wie ein kleiner Staubsauger – abgehört werden, müssen unauffällig bleiben.

Heutzutage ist es Luxus, ein echtes Geschenk zu Hause gebären zu dürfen. Immer mehr Ausschlusskriterien, Leitlinien und Standards stecken den immer enger werdenden Rahmen ab, der es der Frau erlaubt, außerklinisch gebären zu dürfen.

Hebamme Melanie Bredow

Von der Hausgeburt in die Klinik

Nach einer Verlegung ins Krankenhaus ist die Hausgeburtshebamme nicht mehr versichert, die Verantwortung liegt beim Klinikpersonal – selbst wenn die vertraute Hebamme anwesend bliebe. Sollte etwas passieren und es zur Klage kommen, dann würde die Hausgeburtshebamme als Fachkraft jedoch auch zur Rechenschaft gezogen werden. Deshalb wird Hausgeburtshebammen aus versicherungstechnischen Gründen empfohlen, sich bei einer Verlegung in die Klinik von der Gebärenden zu verabschieden.

Für mich gibt es aber auch einen zweiten Grund: Ich halte es schwer aus zuschauen zu müssen, wenn der Gebärenden Schmerzmittel ( PDA …) empfohlen werden oder ihre Bewegungsfreiheit vom CTG eingeschränkt wird. Zu Beobachten, wie die Energie von Angst und Sorge im Raum steht und die Frau aus ihrem Vertrauen, ihrer Kraft geholt wird, macht mich so traurig. Oft passiert das alles sehr unbewusst.

Hebamme Melanie Bredow

Statistik Hausgeburten

In 2017 waren 37,4% Erstgebärende, 39% Zweitgebärende und 23,5% Dritt-u. Mehrgebärende. Eine gute Quelle zu Informationen über außerklinische Geburten www.quag.de

Mehr über Hebamme Melanie erfahrt ihr hier.

Unsere Serie THE DAY THAT…

Hausgeburt Astrid Rometsch hatte eine Traumgeburt zu Hause. Mit anwesendem großen Geschwisterkind. Ok, es war Silvester und sie selbst sowie die Hebammen eigentlich auf Party eingestellt, aber das hat die Pädagogin und jetzt Zweifachmama nicht aus der Ruhe gebracht…
Wunschkaiserschnitt Katrin Schlotterhose, aka Schlotti, darüber, wie es ist, eine Entscheidung für sich getroffen zu haben, von der viele im Umfeld glauben, einen wieder auf den rechten Weg bringen zu müssen. Über die Hürden und das Hadern mit einem Wunschkaiserschnitt