Wenn es um Nachhaltigkeit geht, hat inzwischen ja wirklich fast jeder eine Meinung und möchte mitreden (Hurra, na endlich!). An allen Ecken und Enden wird sich im großen Stil engagiert und gekämpft, Kinder gehen für den Klimaschutz und Eltern widerum für ihre Kinder auf die Straße, um sich für eine bessere, grünere Zukunft stark zu machen. Doch was passiert eigentlich bei uns zuhause, im stillen Kämmerlein?

Zwischen Schwarz und Weiß passen Shades of Green

Klar, sicherlich sind einige auch in den eigenen vier Wänden schon top vorbereitet, quasi dunkelgrün, und geben alles. Solche gibt es ja immer. Aber ganz im Ernst: dieses nur Schwarz-oder-Weiß-Gesehe ist doch anstrengend und macht alles nur schwerer – sowohl für den Seher, als auch für uns „Normalsterbliche“. Niemand verlangt doch, dass wir uns von heute auf morgen um 180° drehen und alles von der Pike auf ändern. Gewohnheiten, die sich über einen langen Zeitraum entwickelt haben, brauchen auch Zeit, um umentwickelt zu werden. Aber mal genauer hinzusehen und zu überlegen, was man unmittelbar  – vielleicht sogar ohne großen Aufwand – anders machen könnte, ist doch ein guter Anfang. Und es ist überhaupt mal ein Anfang, der auch leichter fällt, wenn er überschaubar bleibt. Wie war das noch? Es ist keine Frage, dass es so nicht weitergehen kann. Die Frage ist doch, wann wir endlich anfangen.

Kleine Schritte

Also legen wir doch einfach gleich los. Wer sich erstmal einen Überblick verschafft und sich gründlich, bewusst und achtsam in seinem Badezimmer umgesehen hat, wird vermutlich noch eine ganze Menge Optimierungspotenzial entdecken. Aber Achtung, jetzt heißt es weiterhin Ruhe bewahren und nicht Hals über Kopf los „konden“. Klar, viel auf einmal umzusetzen ist am Anfang toll, weil es das Gefühl verleiht, dass gerade richtig etwas passiert. Langfristig ist es aber schwer, ein solch hohes Niveau auch beizubehalten. Fangt lieber langsam an und geht in kleinen Schritten voran. Damit kommt ihr auch an euer Ziel – etwas langsamer zwar, dafür aber sicherer und mit weniger Bauchklatschern.

Aufbrauchen statt wegwerfen

Wenn ihr bei eurer Inspektion im Badezimmer Sachen entdeckt, die ihr zukünftig nicht wieder kaufen wollt, schmeißt sie auch bitte nicht gleich weg. Wenn sie für euch noch vertretbar sind, braucht sie lieber noch auf, alles andere wäre ja Verschwendung und dem Nachhaltigkeitsgedanken auch wieder nicht zuträglich. Ich persönlich habe mich rigoros von allem getrennt, in dem beispielsweise Paraffin oder andere Mineralölprodukte (-abfälle?) steckten, weil ich so etwas schlichtweg nicht auf meiner Haut haben möchte. Andere Produkte, wie zum Beispiel Duschgele oder mein Shampoo, werden erst noch benutzt, statt direkt im Müll zu landen. Übrigens: Den kleinen Rest, der sich so schwer aus den fast leeren Flaschen quetschen lässt, bekommt man super raus, wenn man ihn einfach ein bisschen verdünnt. Dafür etwas Wasser in die Flasche geben und gut schütteln, so lässt sich der Inhalt von Flaschen fast nahezu entleeren und die Flasche sich auch viel besser recyclen.

Soweit alles klar? Na dann lasst uns mal loslegen.

10 Tipps, die leicht (und nach und nach!) umzusetzen sind

1
Naturkosmetik und -pflegeprodukte

In unserer Kindheit (ok, zumindest in meiner) gab es Naturkosmetik nur im Reformhaus oder in kleinen Fachgeschäften wie z.B. Spinnrad (ok, in meiner Kindheit gab es ehrlich gesagt auch kein Reformhaus oder Spinnrad, aber das ist wieder eine andere Geschichte). Naturkosmetik war jedenfalls immer ein bisschen farblos, roch nach gar nicht bis maximal „nach gesund“ und so richtig viel Spaß machten die Produkte meist auch nicht. Brauchten sie auch gar nicht, sie mussten auch nicht perfekt sein. Hauptsächlich waren sie eine Sache der Einstellung und dienten als Kritik am System. Atomkraft, nein danke. Anfang der 2000er (und spätestens, nachdem sich Madonna als Dr. Hauschka Fangirl outete,) machten sie dann doch plötzlich Spaß, kosteten aber kleine Vermögen und waren immer noch nicht „mal eben im Vorbeigehen“ zu ergattern. Aber auch das hat sich inzwischen glücklicherweise geändert. Unzählige Marken für alle Vorlieben (von fad bis fancy) haben sich inzwischen in den Drogeriemärkten und sogar schon in manchen Supermärkten und Discountern ausgebreitet, für jeden Geschmack und Geldbeutel ist etwas dabei. Kein großes Ding also, das herkömmliche Pflegeprodukt beim nächsten Einkauf durch eins zu ersetzen, das bei der Herstellung nicht nur klingelnde Kassen, sondern auch unsere Umwelt und deren Schonung im Kopf hat.

2
Nachhaltige Zahnpflege

Online schon lange kein Geheimnis mehr, haben Alternativen für die nachhaltigere Zahnpflege inzwischen auch in den Drogerien unseres Landes Einzug gehalten. Egal ob Zahnbürsten aus Bambus oder anderen nachwachsenden Rohstoffen (wie Holz oder Zuckerrohr) mit Borsten aus pflanzlichem Nylon (auf Rizinusölbasis), Zahnpflegetabs, Zahnpulver, Mundspülungen oder gar Zahnseide – inzwischen ist es viel einfacher, auch im stationären Handel nach einer nachhaltigen Variante zu greifen. Für den, der noch mehr dazu lesen will, hat die entzückende Shia von Wasteland Rebel sich der Sache sehr genau angenommen und einen super ausführlichen Artikel zu nachhaltiger Zahnpflege verfasst.

3
Q-Tips, (k)ein Pappenstiel

Klein, aber alles andere als unbedeutend: Wattestäbchen kommen häufig mit einem Stiel aus Plastik daher. Was das an Müll bedeutet, hat das Team von Amazing Nature mal hochgerechnet und ehrlich gesagt zieht es uns da glatt die Birkenstocks von den Füßen: Allein durch Wattestäbchen entstehen etwa 12,5 Tonnen Plastikmüll – täglich! Und selbst, wenn diese Berechnung nicht wissenschaftlich belegt ist, diese Zahl ist erschreckend. Zwar hat die EU gerade Ende März ein Gesetz verabschiedet, nachdem unter anderem Q-Tips mit Plastikstiel bis 2021 vom Markt genommen sein müssen. Bloß warum warten? Die Stäbchen schon beim nächsten Einkauf durch eine Variante mit Pappstiel auszutauschen, ist doch kein großes Ding. Oder?

4
Seife, Shampoo, Duschgel? Eine handfeste Sache!

Von den winzigen Plastikpartikeln in unseren Pflegeprodukten, denen wir demnächst einen ganz eigenen Post widmen werden, mal ganz abgesehen, bringt so ein Shampoo oder Duschgel ja schon eine ganze Menge Müll mit ins Haus. Allein wenn man sich vorstellt, wie viele Kilo Plastikmüll da in den Regalen unserer Drogerien stehen, kann einem ja schon ganz anders werden. Was also tun? Zum Beispiel wieder zum guten, alten Stück Seife greifen. Die gibt es inzwischen nämlich nicht nur für Hände, sondern auch für Haut und Haar. Und steckt man das Seifenstück dann noch in ein hübsches kleines Seifensäckchen, hat man nicht nur „den Glibsch“ in die Flucht geschlagen, sondern gleich auch noch einen schönen, natürlichen Peelingeffekt gewonnen. Yeah!

5
Kosmetikprodukte einfach selber machen

Ach Pinterest, was wären wir nur ohne dich? Nach Fashion, leckeren Rezepten und Kinderbasteleien hilfst du uns ein weiteres Mal und versorgst uns mit allem, was das grüne Herz in unserer Brust wissen möchte. Tatsächlich quillt die Bildsuchmaschine über mit guten Ideen, wie man auch ohne Labor, Kittel, Pipette und großes Aufheben zum Beispiel Seife in den knalligsten Farben, Badezusätze, Lippenbalsam, Gesichtscreme oder Pflege für trockene Hände herstellen kann. Schaut doch mal!

MUMMY MAG auf Pinterest folgen? Ein Klick auf das Bild bringt euch zu uns!

6
Nachhaltige Monatshygiene

Auch diesem Kapitel, dem etwa 50% der Bevölkerung zumindest eine ganz schöne Zeit lang einmal im Monat Beachtung schenken muss, widmen wir die Aufmerksamkeit, die es verdient – in einem separaten Artikel. Vorab sei an dieser Stelle aber schon gesagt: Nicht nur die Verpackungen aus Folie oder Plastik, auch die für die Herstellung benutzten Rohstoffe tragen nicht unbedeutend zum Müllaufkommen in unseren Badezimmern bei. Wer nicht auf eine müllreduzierende Alternative wie beispielsweise die Menstruationstasse zurückfgreifen möchte, kann aber trotzdem etwas tun: Nicht nur Slipeinlagen und Binden, auch Tampons gibt es inzwischen aus ökologischer und nachhaltiger Herstellung. Und das ist nicht nur freundlicher zu unserem Planeten, sondern auch zu unserer Haut und den Schleimhäuten. Win-win, also!

7
Recycling Toilettenpapier

Rund 18 Kilogramm Toilettenpapier verbrauchen wir Deutschen laut einer Studie des WWF pro Jahr. Damit liegen wir deutlich über dem Durchschnitt von 13 Kilo pro Kopf (oder Hintern)! Da muss doch etwas zu machen sein? Zugegebenermaßen ist die Idee mit dem recycleten Papier ja nicht unbedingt neu. Dieses dicke, harte und faserige Toilettenpapier gibt es glaube ich, seitdem ich denken kann. Was aber (inzwischen wahrscheinlich auch gar nicht mehr ganz so) neu ist: so dick, hart und faserig ist es tatsächlich gar nicht mehr, denn inzwischen fühlen sich auch viele mit dem blauen Engel (Umweltabzeichen für besonders umweltschonende Produkte) zertifizierte Papiere tuffig weich an. Und das Beste: Laut Greenpeace können bei der Produktion von Toilettenpapier aus recycleten Materialien rund 60% Energie und 70% Wasser eingespart werden. Wer sich mit jedem Gang auf die Toilette außerdem auch noch sozial engagieren möchte (#klogagement!), greift zum Beispiel zu „Goldeimer“, dem ersten sozialen Klopapier, das für jeden Kauf soziale Projekte von Viva con Agua unterstützt . Das Papier von Smooth Panda hingegen ist „besonders vegan“, plastikfrei verpackt und aus schnell nachwachsendem Bambus hergestellt. Und du kannst es dir im Abo nach Hause schicken lassen, ist ja auch ganz praktisch. Klar, jetzt kann man wieder über die Nötigkeit des Versandes oder der Transportwege aus China streiten, aber immerhin kompensieren die Jungs und Mädels von Smooth Panda alle durch den Containertransport entstehenden CO2-Emissionen durch Spenden in Klimaschutzprojekte. Wer das trotzdem nicht möchte, kann immer noch auf herkömmliches Recycling Papier zurückgreifen. Oder ihr geht gleich den gänzlich papierfreien Weg und lebt ein (durchaus amüsantes und zum Schmunzeln anregendes) Leben komplett ohne Toilettenpapier.

8
Waschbare Abschminkpads

Hand aufs Herz, wie viele Wattepads benutzt ihr zum Abschminken? Würde man jeden Abend zwei verwenden, wären das rund 60 Stück im Monat, oder aufs Jahr hochgerechnet 730 Stück. Das ist bei einem Gewicht von etwa 1g pro Stück fast ein Kilogramm Müll, der ohne große Anstrengung vermieden werden könnte. Zum Beispiel, indem man herkömmliche Wattepads zum einmaligen Gebrauch durch wiederverwendbare, waschbare Pads oder Schwämmchen aus Naturmaterial ersetzt. Die kann man sich entweder selber nähen, online bestellen oder mittlerweile sogar schon in der Drogerie oder im Reformhaus erstehen. Nach Gebrauch wandern sie dann einfach in die Wäsche und können in der Waschmaschine gereinigt oder unter fließendem Wasser ausgespült werden. Und das Beste daran: diese ewige Fusselei beim Abschminken hat ein Ende. Endlich!

9
Haarige Zeiten für Rasierer

Mal ganz abgesehen davon, dass neue Klingen für den Rasierer wirklich unverschämt teuer sind, sie kommen auch mit ordentlich Plastik daher – sowohl am Produkt, als auch bei der Verpackung. Und Einwegrasierer? Don’t get us even started! Die umweltfreundliche und zudem noch äußerst stylishe Alternative heißt: Rasierhobel. Klar erfordert er ein bisschen Übung in der Handhabung, hat man den Dreh aber raus, rasiert er nicht nur gründlicher, sondern auch hautschonender. Außerdem verstopfen keine Häärchen die (völlig unnötigen!) Klingen, also kann er auch besser gereinigt werden. Die Erstanschaffung ist zwar etwas teurer als bei den türkisblauen Griffeln aus der Drogerie, die Klingen sind aber deutlich güstiger und – Überraschung – halten auch noch länger. Naja, und wenn ihr auf das ewige Rasieren sowieso keine Lust mehr habt, lasst eure Haare halt einfach wieder wachsen. Ist doch eh seit einiger Zeit wieder hip. #bodypositivity  #januhairy

10
Dabei bleiben!

Am Anfang fühlt es sich immer fantastisch an, alles auf neu, ein gutes Gefühl. Der Himmel scheint ein kleines bisschen blauer, die Welt ein deutliches bisschen grüner zu sein. Und dann kommt eine Phase, vielleicht verschont sie euch auch, da ist plötzlich nicht mehr alles so leicht. Man sehnt sich nach dem Duft des Liebslingsduschbads morgens unter der Dusche, Mist, die Menstruationstasse ist noch nicht ausgekocht und die Abschminkpads liegen auch noch unausgewaschen am Waschbeckenrand. Wichtig ist: lasst euch davon nicht in die Flucht schlagen! Der Mensch ist nun mal ein Gewohnheitstier, wir müssen neue Abläufe hunderte Male wiederholen, bis alte überschrieben sind und sie zu neuen Routinen werden. Lasst euch von euren Schweinehunden nicht stänkern, sondern dreht den Spieß um. Es kostet nur ein klitzekleine Überwindung doch weiterzumachen, aber fühlt sich hinterher mindestens dopppelt so gut an – versprochen!

Ps: Dass der Wasserhahn zugedreht werden darf, während man sich die Hände wäscht oder die Zähne putzt, ist eh klar, ne?

Bildquellen:

Füße im Wasser: Pexels via Pixabay
Alle anderen Bilder: Judith privat

JETZT AKTIV WERDEN im Klimaschutz

Wir hatten ja neulich ausführlich über die Initiative „Parents for Future“ berichtet. Jetzt geht es noch einen Schritt weiter: Unsere Redakteurin Sabine hat zusammen mit den Parents for Future eine E-Petition beim Bundestag eingereicht, die ein Klimaschutzgesetz fordert, das nicht erst irgendwann, sondern spätestens zum neuen Schuljahr greift. Ziel muss es sein, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Alles, was bisher dafür getan wurde, war absolut unzureichend.

Bitte helft uns! UNTERZEICHNET JETZT! Hier geht’s zur Petition.

Und sharing is caring, you know? Bitte unterstützt die Petition auch über eure Unterschrift hinaus. Hier gibt es Ideen, was ihr tun könnt, um zu helfen.

Lust auf noch mehr Nachhaltigkeit? Bitte schön, dann hier entlang:

Umdenken fängt schon beim Einkaufen an. Wie ihr da schon ordentlich Plastik einsparen könnt, hat Judith euch in diesem Artikel zusammengefasst.

Falls euch das Badezimmer nicht reicht, bei Melanie Johnsson und ihrer „The Green List“ findet ihr 50 wunderhübsch illustrierte Tipps, wie man unserer Umwelt auch außerhalb der eigenen vier Wände Gutes tun kann. #theresnoplanetb