Das mit den Hämorrhoiden ist ja so eine Sache. Sobald man dieses zugegebenermaßen nicht ganz harmlose Thema irgendwo anspricht, herrscht erst einmal betretenes Schweigen. Gefolgt von – zu allermeist – nuschligem Gestammel, dass man (sie und auch er!) dazu wohl auch so einiges beitragen könnte. Aber nicht wollte, denn das sei ja schließlich irgendwie unangenehm. Für’n Arsch!

Klar ist es unangenehm, und das scheint noch eine absolute Verharmlosung zu sein. #mytwocents Aber wie kann etwas, das so viele Menschen gleichermaßen betrifft, ein solches Tabu-Thema sein? Grund genug für uns, der Sache mal etwas genauer auf den Grund zu gehen.

Was sind Hämorrhoiden überhaupt?

Hämorrhoiden (auch Hämorriden) sind schwammartige Blutgefäßpolster im After, die ringförmig angelegt sind und dazu dienen, zusammen mit dem Schließmuskel den Darmausgang abzudichten. Jeder Mensch hat sie, aber nicht jedem bereiten sie Probleme. Dennoch betrifft es fast jeden zweiten Erwachsenen und ob dick oder dünn, sportlich oder nicht, viel sitzend oder stehend – niemand ist vor einem Hämorrhoidalleiden gefeiht. Denn wenn das Bindegewebe im After ausleiert (zu den Ursachen später mehr), schwellen diese Blutgefäße knotenförmig an und werden je nach Schwere und Fortschritt der Erkrankung während des Stuhlgang oder sogar dauerhaft nach außen gedrückt.

Hämorrhoidalleiden lassen sich in verschiedene Grade einteilen.

 

1. Grad – Ach herrjeh!

Die Gefäßpolster schwellen leicht an und können schon etwas nach unten rutschen. Sie sind jedoch noch nicht sichtbar oder zu ertasten, können aber schon entzündet sein und ein Jucken oder Brennen verursachen.

2. Grad – Oh no!

Die Venen und Arterien im Anus haben sich weiter vergrößert, dadurch kann der Schließmuskel nicht mehr einwandfrei arbeiten. Deshalb kann ein nässendes Gefühl am Po entstehen, welches im weiteren Verlauf für Jucken, Brennen, leichte Blutungen und Schmerzen beim Stuhlgang mit sich bringt. Die Blutgefäße können beim Stuhlgang schon mit nach außen gedrückt werden, ziehen sich danach jedoch meistens wieder zurück.

3. Grad – Shit happens!

Die Hämorrhoiden sind so stark angeschwollen, dass neben dem massiven Jucken und Brennen teilweise auch starke Schmerzen und Nässen auftreten. Die Blutgefäße können sich entzünden und treten beim Stuhlgang nach außen. Sie sind nun auch zu erfühlen und ziehen sich nicht mehr von alleine zurück, können aber mit ein bisschen Fingerspitzengefühl sanft zurück geschoben werden.

4. Grad – Ach du heilige Scheiße!

Das Bindegewebe ist stark ausgeleiert, was zur Folge hat, dass der Gefäßring sich ständig außerhalb des Afters befindet und sich nicht mehr zurückschieben lassen. Hämorhoiden 4. Grades verursachen zumeist starke Schmerzen. Darüber hinaus arbeitet manchmal der Schließmuskel nicht mehr und unter Umständen kann der Stuhl nicht mehr gehalten werden.

Bildquelle: PublicDomainPictures via Pixabay

Aber wie kommt es überhaupt zu Hämorrhoiden?

Hämorrhoiden können beispielsweise durch eine vererbte oder im Laufe der Zeit entstandene Schwäche des Bindegewebes entstehen. Auch unsere Lebensgewohnheiten können dazu führen: zu wenig Bewegung, Übergewicht und falsche Ernährung. Aber auch zu viel oder falsche Bewegung können das Bindegewebe strapazieren und dazu führen, dass es ausleiert. Frauen in der Schwangerschaft sind außerdem besonders gefährdet.

Hämorrhoiden in der Schwangerschaft

Der Hormoncocktail bzw. die komplette Umstellung der Hormone in der Schwangerschaft sind dafür verantworlich, dass der weibliche Körper „auf weich stellt“. Das betrifft leider nicht nur ausgewählte und von der Schwangerschaft direkt betroffene Körperpartien, sondern das gesamte Bindegewebe sowie die komplette Haut, den Beckenboden und sämtliche Blutgefäße – auch die im Enddarm. Dazu kommt die eingeschränkte Bewegungsfreiheit und der zunehmende Druck, den das Fruchtwasser und das immer kräftiger werdende Baby ausüben. Unausgewogene Ernährung, die natürlich die Verdauung beeinflusst und für zu harten Stuhlgang sorgt, tut dann ihr übriges. Manchmal sind Hämorrhoiden in der Schwangerschaft auch gar kein Thema, treten aber dann durch den Druck bei der Geburt nach außen.

Wie kann man Hämorrhoiden vorbeugen?

Wenn man Hämorrhoiden vermeiden will, achtet man am besten auf eine ausgewogene Ernährung, denn die hilft am effektivsten, Verstopfungen zu verhindern. Das schafft man, indem man sich ballaststoffreich ernährt und viel trinkt, am besten Wasser oder ungesüßten Tee. Sollte der Stuhlgang trotzdem zu fest werden, können Lein- oder Flohsamen (in Naturjoghurt gerührt oder über Nacht in ausreichend Wasser quellen gelassen und getrunken), Trockenobst und Pflaumensaft für Abhilfe sorgen. Zudem kann die Darmtätigkeit durch Sport und ausreichend Bewegung (z.B. Spaziergänge) angeregt werden. Sollten dennoch Probleme auftreten, weiß der/die Gynäkolog*in oder die Hebamme Rat. Von Abführmitteln besser die Finger lassen!

Was kann man gegen Hämorrhoiden tun?

Die gute Nachricht ist: durch die Schwangerschaft verursachte Hämorrhoiden bilden sich bei guter Pflege meistens vollständig zurück. Diese ist natürlich je nach Grad unterschiedlich intensiv. In den meisten Fällen helfen schon ausreichend Hygiene, Sitzbäder mit Eichenrinde sowie Beckenbodenübungen oder ganzheitliche Körpertrainings, wie z.B. Cantienica.

Unterstützend oder wenn die Hämorrhoiden sich nicht mehr zurückziehen wollen, helfen spezielle Cremes oder Zäpfchen aus der Apotheke. In sehr hartnäckigen oder schmerzhaften Fällen ist jedoch ein Gang zum Proktologen oder Dermatologen unvermeidbar und sollte auf keinen Fall zu lange herausgezögert werden – Fachärzte können Hämorrhoiden meistens schnell und einfach veröden. Das ist völlig schmerzfrei und hilft sofort. In einigen Fällen läuft es auch manchmal auf eine Operation hinaus, das ist allerdings die allerletzte Option. Wenn ihr nicht sicher seid oder Fragen habt, sprecht erstmal eure Frauenärztin an, sie kann euch sicher sagen, was als nächstes zu tun ist.

Und bitte vergesst nicht: Ihr seid nicht allein! Auch, wenn niemand gerne (oder überhaupt) drüber spricht, jeder zweite bis dritte ist ebenfalls betroffen. Kein Grund also, sich zu schämen! Tut lieber etwas dagegen, damit ihr bald wieder beschwerde- und vor allem schmerzfrei seid. Gute Besserung!

Übrigens:

Richtiges Sitzen auf der Toilette
und genügend Zeit für den Toilettengang
helfen auch, Hämorrhoiden vorzubeugen
bzw. ihre Rückbildung zu unterstützen.

Dafür sollte der Rücken möglichst rund sein und
die Beine höher gestellt (ca. 35° zum Oberkörper).
Ein Toilettenhocker (oder einfach der Hocker,
der es euren Kids ermöglicht, selbst ans
Waschbecken zu kommen) ist dafür perfekt:
Einfach vor die Toilette stellen,
Füße drauf und los!

Heikel, Heikel?
Nö, finden wir nicht:

Was passiert bei einem Dammriss und wie kann man ihm vorbeugen? Judith hat sich damit mal genauer befasst.

Was verursacht eigentlich Haarausfall und was hilft dagegen? Camilla geht der Sache auf den Grund.