Du hast noch nicht einmal realisiert, dass du wirklich schwanger bist, da schreit es dir plötzlich von überall entgegen: „Achtung, Schwangerschaftsstreifen! Sieh dich bloß vor, sonst trifft es auch dich. Und dann isses aus. Und zwar für imma!“ Tatsächlich befassen sich ganze Foren mit der Frage und andererorts im Internet wird analysiert, ob und wie der weibliche „Marktwert“ (allein, wenn ich das lese, rollen sich mir die Fußnägel auf!) sinken würde, wenn sie nach ihrer Schwangerschaft Dehnungsstreifen am Bauch hätte.
Samma, geht’s eigentlich noch?

Striae what?

Aber fangen wir doch mal von vorne an. Zu allererst mal sei gesagt, dass das Einreißen der Haut unter Dehnung zum allergrößten Teil Veranlagung und auf eine Schwäche des Bindegewebes zurückzuführen ist. Selbst, wenn man die nicht hat: Das Bindegewebe von Frauen ist schlichtweg anders angelegt als das von Männern. So liegen beispielsweise weibliche Fettzellen und Kollagenfasern (verantwortlich für die Spannkraft der Haut) parallel nebeneinander, in männlichen Körpern sind sie dagegen fester miteinander verwoben. Ein schlauer Schachzug von Mutter Natur, denn so kann sich das weibliche Gewebe bei einer Schwangerschaft besser ausdehnen. Sobald wir dann also von den Schwangerschaftshormonen durchflutet werden, lockern sich die kollagenen Fasern des Bindegewebes und unser Babybauch kann wachsen. Allerdings (oder glücklicherweise) tut er das auch, wenn wir relativ unelastisches Bindegewebe haben – was dann jedoch zu eben diesen Dehungsstreifen führt. Niemand kann also wirklich was dafür – oder dagegen tun. Klar kann man ein bisschen unterstützen, lindern, geschmeidig bleiben, aber das zählt am Ende nicht nur für die Haut – auch wir sollten uns vielleicht langsam mal ein bisschen lockerer machen. Oder? #teambodylove

Wie entstehen Schwangerschaftsstreifen überhaupt?

Schwangerschaftsstreifen, auch Striae gravidarum genannt, betreffen zwischen 50-80% aller Frauen. Sie bilden sich dort, wo unsere Haut plötzlich starker Dehnung ausgesetzt wird: am Bauch und den Seiten, an den Brüsten, an den Oberschenkeln und am Po. Übrigens passiert das nicht nur in der Schwangerschaft, sondern auch bei Wassereinlagerungen, Gewichtszunahme oder beispielweise Wachstumsschüben in der Pubertät. Aber zurück zum Babybump. Sobald der Bauch anfängt, zu wachsen – und in der Regel tut er das ja relativ plötzlich – können kleine rötliche oder bläulich schimmernde Risse auftreten. Meistens tun sie das zusammen mit einem starken Juckreiz, der fast nicht auszuhalten ist und sich aber durch Cremen oder Kühlen der betroffenen Stellen lindern lässt.

Wie kann man Schwangerschaftsstreifen vorbeugen?

Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Wenn man mit einem eher schwachen Bindegewebe ausgestattet ist, wird man die Streifen nicht verhindern können, da beißt die Maus keinen Faden ab. Dennoch gibt es ein paar Dinge, die man beachten kann und die sich positiv auswirken. Unter Umständen können sie die Schwangerschaftsstreifen ein wenig mildern.

Ausgewogene Ernährung

Wir kennen es schon vom Dammriss oder den Hämorrhoiden, eine ausgewogene Ernährung ist (nicht nur in der Schwangerschaft!) das A und O. Zu einer gesunden Ernährung gehören laut DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) ausreichend viele Vitamine und Mineralien, die du in Form von Gemüse und Obst zu dir nehmen kannst, dazu stärkehaltige Nahrungsmittel und Vollkornprodukte (z.B. Brot, Vollkornnudeln, Reis, Körner und Saaten) und Proteine wie Fische, Nüsse, Hülsenfrüchte, Eier und Fleisch. Dazu solltest du genügend trinken, idealerweise mindestens 2l am Tag. Am besten eignen sich Wasser, ungesüsste Tees oder (sehr!) leichte Fruchtschorlen (ohne Zuckerzusatz).

Regelmäßiges Eincremen

Sobald der Bauch zu wachsen anfängt, kannst du auch das Cremen beginnen. Wenn du deine Haut mit einer reichhaltigen Pflege verwöhnst, wird sie es dir danken, indem sie geschmeidiger bleibt – was widerum auch zu weniger Rissen führen kann. In der Apotheke oder Drogerie bekommst du dafür spezielle Öle, zum Beispiel das Lillydoo Bio-Mandelöl, dass wir kürzlich vorgestellt haben, das Schwangerschaftsöl von Weleda oder eine Alternative von Das Boep, Bellybutton, Bi-Oil oder diversen anderen Marken. Wer gar nicht auf ein Kosmetikprodukt zurückgreifen will, nimmt einfach ein hochwertiges Pflanzenöl aus dem Supermarkt, das tut’s in der Regel auch.

Massagen

Zupfmassage

Eine Zupfmassage regt die Durchblutung an und kann dadurch helfen, das Bindegewebe zu lockern und die Haut elastischer zu halten – nicht zuletzt durch den Einsatz eines Massageöls. Dabei wird der Bauch kreisförmig massiert und mit den Fingern werden kleine Hautrollen geformt, die sanft nach oben gezupft und wieder losgelassen werden. Das geht natürlich anfangs besser, irgendwann ist die Haut am Bauch schon zu straff. Dann (spätestens gegen Ende der Schwangerschaft) hat es sich bitte erstmal ausgezupft und ihr solltet zu sanfteren Massagetechniken (oder Streicheleinheiten!) übergehen.

Bürstenmassage

Bei der Bürstenmassage wird die Haut mit einer Massagebürste (oder einem Massageschwamm oder Massagehandschuh) massiert. In kreisenden Bewegungen geht es Runde um Runde um den Bauchnabel, das fördert die Durchblutung und kann dabei helfen, die Haut elastischer zu machen. Bürstenmassagen können unter der Dusche oder auch trocken durchgeführt werden. In jedem Fall ist es super, den Bauch danach ordentlich einzucremen oder einzuölen.

Ölmassage

Der Klassiker: Etwas Öl in den Händen erwärmen und Bauch, Beine, Füße, Rücken (im Sitzen!) und alle anderen Körperteile in sanften und kreisenden Bewegungen massieren (lassen!). Das hält nicht nur die Haut geschmeidig, sondern tut auch unheimlich gut, vor allem nach einem langen Tag.

Wechselduschen

Warm, kalt, brrrr und nochmal: Wechselduschen regen die Durchblutung an und stärken die Abwehrkräfte. Man startet dabei mit einer ausgiebigen warmen Dusche, die dazu führt, dass sich die Gefäße weiten. Wenn es gerade richtig wohlig ist, wechselt man für ungefähr eine Minute zu kühlerem (bis kalten) Wasser. Richtet den Strahl nicht direkt auf euren Bauch, sondern führt das Wasser langsam „zum Herz hin“. Ihr beginnt mit den Füßen, dann die Außen- und schließlich die Innenseiten der Beine. Danach sind die Arme dran, in der gleichen Reihenfolge. Dann kommen Bauch, Schultern, Rücken, Gesicht. Für den Anfang wäre es super, wenn ihr das dann direkt noch einmal wiederholt (also nochmal warm und nochmal kalt). Mädels, Achtung: Wenn ihr eh mit eurem Kreislauf zu tun habt, solltet ihr sehr vorsichtig sein (oder zumindest nicht alleine duschen bzw. die Wechseldusche direkt sein lassen).

Regelmäßige Bewegung

Nein, wir reden hier natürlich nicht von Hochleistungssport, sondern schlichtweg von ein bisschen Bewegung – und zwar gemäß eures Trainingszustandes. Wenn ihr eh sportlich unterwegs seid, spricht – wenn es euch gut geht (und bitte nach Absprache mit eurer Frauenärztin oder Hebamme) – überhaupt nichts dagegen, einfach weiterzumachen, solange euch der Bauch oder eure Kurzatmigkeit nicht im Weg sind. Wenn ihr Sport allerdings eher vom Fernsehverhalten eures Partners kennt, solltet ihr nicht unbedingt auf einmal einen Marathon laufen wollen. Toll sind hingehen sanfte Sportarten wie Yoga, Pilates, Schwimmen oder einfach kurze Spaziergänge. Die sorgen dafür, dass ihr beweglich bleibt, regen die Durchblutung an und helfen dabei, euch mal einen kleinen Moment wieder fit zu fühlen. Vor allem das Schwimmen macht schwerelos… (#einwalmussinswasserundso)

Was kann man tun, wenn man nicht mit seinen Streifen leben möchte?

Trotzdem lassen sich Streifen wie anfangs gesagt manchmal nicht vermeiden oder wegcremen. Sie verblassen meistens zwar nach und nach zu feinen, silbrigen Streifen, manchmal bleiben aber auch sichtbarere Male zurück oder die Haut zieht sich nicht wieder vollends zusammen. In diesem Fall können mit der Ärzt*in verschiedene, meistens jedoch nicht von der Krankenkasse übernommene Therapieformen helfen:

Narben eincremen

Verschiedene Cremes, Salben oder Öle können die Streifen weniger sichtbar machen. Dafür sollten sie möglichst direkt nach Entstehung der Streifen angewedent werden, aber auch ein späterer Einsatz ist möglich. Durch ihre Zusammensetzung pflegen Cremes die strapazierte Haut, fördern die Heilung der Wunden und Narben, verhinder Juckreiz und wirken teilweise sogar entzündungshemmend. Fakt ist und bleibt: Narben können nicht weggecremt, sondern nur optisch gemildert werden.

Ultraschall

Ultraschall versetzt die Haut in Schwingungen, was dazu führt, das kleine Zwischenräume im Gewebe entstehen. Die Wirkstoffe der beim Ultraschall eingesetzten Salben oder Gels können dadurch tiefer in das kaputte Gewebe eindringen und dort dadurch besser aufgenommen werden.

Lasertherapie

Es gibt unterschiedliche Arten der Lasertherapie, die dabei helfen können, Narben verblassen zu lassen. Dabei werden dem vernarbten Gewebe unter der Haut je nach Methode kleine Löcher zugefügt, die die Kollagenproduktion anregen und die Zellregeneration fördern sollen. Wirkstoffe von Cremes oder Salben können auch hier tiefer in das Gewebe eindringen und somit besser wirken.

Micro-Needling / Dermaroller

Das betroffene Gewebe wird mit einer Nadelrolle oder einem „Mikro-Needling-Pen“ behandelt. Wie bei der Lasermethode werden dem Gewebe durch feinste Nadeln kleine Verletzungen beigeführt, die zur Neubildung von Kollagen und zur Regeneration der Zellen beitragen sollen. Die Wirksamkeit von Cremes und Salben kann durch die besser Aufnahme bei dieser Therapieform ebenfalls erhöht werden.

Chemische Peelings

Chemische Peelings können Schwangerschaftsstreifen verblassen lassen. Dabei wird die betroffene Haut mit einer Lösung behandelt, deren mikrofeine Moleküle in die oberste Hautschicht eindringen. Dort sorgen sie dafür, dass sich zunächst – wie bei einem Peeling – die oberste Hautschicht ablöst und die Haut glatter und unversehrter wirkt. „Sickert“ die Lösung jetzt weiter in tiefer liegende Hautschichten, ruft sie dort bestimmte Stoffwechselvorgänge hervor, auf die der Körper bzw. unser Immunsystem mit Abwehr reagiert. Es sorgt dafür, dass die Lösung (aka Fremdkörper) abgebaut wird und aktiviert dabei ebenfalls die Kollagen- und Elastinproduktion, die dafür verantwortlich ist, die Haut von innern heraus zu reparieren und regenerieren.

6) Kyrotherapie

Mit Hilfe von Kälte in Form von flüssigem Stickstoff wird das betroffene Gewebe zerstört und stirbt ab. Wenn das passiert ist, sorgt der Körper für Erneuerung und lässt frisches, gesundes Gewebe nachwachsen. Gesundes Gewebe wird bei der Behandlung nicht beschädigt.

Fazit: Keine dieser Maßnahmen wird dazu führen, dass Schwangerschaftsstreifen komplett wieder verschwinden. Aber müssen sie ja auch nicht. Schließlich ist der Grund, warum wir sie haben, der bezauberndste, den es dafür nur geben kann.

Hinweis:

Dieser Artikel ist nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert und aufbereitet. Er dient der Information und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Er basiert nicht auf fachärztlichem Wissen. Vor allem aber ersetzt er keinesfalls den Gang zum Arzt, da seid ihr generell mit gesundheitlichen Fragen am allerbesten aufgehoben.

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