Ich habe ja bereits meine Meinung zu unserem sehr starren Denken hinsichtlich der 40-Stunden-Woche sowie Vollzeit und Teilzeit aufgeschrieben. Ich habe mich in letzter Zeit sehr viel mit Leuten unterhalten, über Karriere, über Aufteilungen in Partnerschaften, mit HR Verantwortlichen über flexible Arbeitsmodelle. Und ich bin immer wieder erstaunt, in welche „alten“ Denkmustern und auch Verhaltensmustern wir alle stecken.
Da wundert sich die HR warum sie keine guten Bewerbungen bekommt (auf ihre guten Vollzeit Stellen), da wird eine Partnerschaft, in der der Mann ganz klar Vollzeit arbeitet und die Frau Teilzeit dennoch als gleichberechtigt wahrgenommen… In so vielen Fällen leben wir doch die Modelle der Eltern oder anderer Generationen. Der Artikel in der SZ, auch wenn ich noch zu Kritik daran komme, hat mich dennoch wieder getroffen. „Kaum irgendwo sonst in Europa sind so viele Mütter in kurzer Teilzeit tätig, unter 20 Stunden die Woche. Häufig landen sie in einem B-Job, der unter ihren beruflichen Fähigkeiten rangiert. Wenn sie das völlig frei so wählen, lässt sich daran nichts aussetzen. Oft aber wollen sie länger und anspruchsvoller arbeiten. Es scheitert am Umfeld: am unflexiblen Abteilungsleiter, an kurzen Hortstunden, an politischen Fehlanreizen, am egoistischen Partner.“ Damit stimme ich voll überein.
Weiter schreibt der Autor: „Nötig wäre ein Mentalitätswandel in den Unternehmen. Die berauben sich durch mangelnde Wertschätzung von Müttern der Fachkräfte, die sie sonst lauthals fordern. Es wäre aber unfair, die Hindernisse allein den Unternehmen anzulasten. Mehr und mehr Betriebe kümmern sich engagiert darum, dass ihre Mitarbeiter Beruf und Familie vereinbaren können. Dazu zählen Großkonzerne genauso wie kleine Firmen. Es sind nicht nur Arbeitgeber, die es Müttern manchmal schwer machen. Zu viele Väter überlassen Hausarbeit und Nachwuchs wie selbstverständlich der Partnerin, um sich auf die eigene Karriere zu konzentrieren.“ Ich habe auch bereits geschrieben, dass es vor allem ein Mentalitätswandel nötig ist. Gesellschaftlich, politisch, im Kleinen bei jedem zuhause. Mich hat aber vor allem der Fokus auf die Väter interessiert. Ich bekomme es auch viel mit. Bei sehr vielen ist es keine gleiche Aufteilung.

Es sind nicht nur Arbeitgeber, die es Müttern manchmal schwer machen. Zu viele Väter überlassen Hausarbeit und Nachwuchs wie selbstverständlich der Partnerin, um sich auf die eigene Karriere zu konzentrieren. Alexander Hagelüken

Sueddeutsche Zeitung

Viele sagen, die wirklich gerechte Aufteilung funktioniere vor allem in der Selbstständigkeit. Ich selbst bin der Meinung, dass man auch einfordern muss. Dass es vermutlich nie einen Arbeitgeber geben wird, oder sagen wir mal wenige, die auf den Arbeitnehmer zukommen und sagen „ich finde ab jetzt arbeitest du mal nur mehr 32 Stunden oder zumindest machen wir es dir flexibler möglich, damit du auch mehr zuhause helfen kannst und deine Frau und du beide gleich viel arbeiten könnt.“ Seien wir doch ehrlich, das breiten die wenigsten vor euch aus. Ich bin also der Meinung: erkämpft es euch! Und die Ausrede, das gehe im eigenen Job nicht, weil man unabdingbar sei, weil man Dienstleister sei, weil weil weil… die zieht nicht. Und glauben denn alle, dass sich die Arbeitgeber der Mütter freuen, wenn diese von der Schwangerschaft berichtet und bespricht, wie man das weitere Vorgehen plant? Nein, auch wir Mütter müssen und das alles erkämpfen, verhandeln, planen… und wir bekommen das doch auch hin. Also lieber mal nicht erwarten, dass es auf dem Silberteller kommt, es einfordern, unangenehme Gespräche führen und flexible Arbeitsmodelle leben und durchsetzen. Geht nicht von heute auf morgen? Ok, aber geht auch nur, wenn es angegangen wird. Aber mich hat interessiert, was denn die Papas so dazu sagen? Wie teilen sie es sich denn zuhause auf? Wie läuft die Arbeit und die Kindererziehung? Ich habe einige gefragt und teile mit euch hier ein paar Antworten. Eines vorweg: Ich hätte gerne mehr Antworten bekommen. Gerne mehr Vielfalt gehabt. Denn die fortschrittlichen, die meine Meinung teilen, ja die gibt es natürlich. Aber das muss die Mehrzahl werden, sonst ändert sich doch nichts. Ich werde versuchen für später noch mehr Meinungen zu bekommen. Bis dahin, hier Zitate rund um meine Fragen. Und wenn ihr uns eure Meinung oder euren Ablauf erzählen wollt oder sagen wollt, was passieren muss, schreibt mir, ich bin gespannt!
Joscha „Ich habe nicht das Gefühl, dass in Deutschland die Betreuung von Kindern priorisieren wird. Wie leider nahezu alle Bereiche, die nur bedingt einer starken Wirtschaftlichkeit unterliegen: Erziehung, Bildung, Soziales, Kunst, Kultur, Immigration – für mich ein starker Indikator, für die Entwicklung und Positionierung eines Landes. Meine Frau hat nach relativ langer Elternzeit jetzt wieder angefangen freiberuflich zu arbeiten. Das finde ich persönlich sehr gut, da mir immer wichtig war, dass sie -wie ich auch- einen persönlichen Ausgleich zum schönen, aber doch sehr intensiven Familienleben findet. Die hohe Besteuerung ist leider nicht hilfreich und stützt im Zweifelsfall noch stärker die Verlagerung und Fokussierung auf den einen (meist männlichen) Hauptverdiener. Auch wenn bei uns die Kombination aus: Selbstständigkeit, pendeln, Großeltern in anderer Stadt möglicherweise immer zu einer Form abseits der Norm führen wird, würde ich mir deutlich mehr Unterstützung und Förderung für Frauen nach der Elternzeit wünschen und bin sicher, dass sich dann Stück für Stück auch Männer erlauben mehr Auszeit zu nehmen, stärker zurückzutreten und sich deutlicher auf die Familie zu konzentrieren. Die CDU ist eine auf konservativen, christlichen Werten ruhende Partei. Sie zieht einen Großteil ihrer Wählerschaft aus Familienmodellen, die üblicherweise für sich den Vater als Hauptverdiener auf der einen und die Mutter als Betreuung für Kinder und Haushalt auf der anderen Seite definieren. Ein hohes, einseitiges Einkommen, Beständigkeit für die Kinder zuhause. Ich bezweifle, dass sich dieses Modell von alleine ändern wird. Zumindest nicht, solange diese, vergleichbare oder gar extremere Parteien die Mehrheit bilden. Die Lösung: aufstehen, rausgehen, wählen und anders machen!“

Felix „Meine Frau übernimmt die Betreuung nach der Kita an drei Wochentagen. An einem Tag haben wir eine Nanny und einen Nachmittag mache ich selbst. Die Morgende sind mein Terrain sowohl unter der Woche als auch am Wochenende. Ich hatte bei unserem Sohn 2 Monate Elternzeit und um ehrlich zu sein ist mein damaliger Chef sehr gut damit umgegangen. Die Entscheidung 2 Monate zu machen war auch finanziell gesteuert. Die größte Ungerechtigkeit in Deutschland sind die nicht ausreichenden Kita-Plätze. Als wir nach Berlin gezogen sind war es unmöglich für unser zweijähriges Kind eine Kita zu finden und meine Frau war hoch schwanger. Das bringt eine Familie an die Grenzen und darüber hinaus. Von jedem Einzelnen erwarten wir heutzutage Flexibilität am Arbeitsmarkt und eigentlich auch, dass beide Elternteile arbeiten, denn als Familie ist einiges zu leisten… Kinder groß ziehen, für das Alter vorsorgen, sich gesund zu ernähren, eine gute Work-Life-Balance hinzubekommen, etc… Das ist mit einem Alleinverdiener in einer Familie sehr schwierig. Und damit beide Elternteile arbeiten ist die Kita ein elementarer Bestandteil unserer Gesellschaft, der aber von der Politik nicht ausreichend gefördert wurde und wird. Da scheitert die Vereinbarkeit von Job und Familie schon an Grundlegendem. Alle wissen das, nur zu lösen ist diese Misslage anscheinend nicht.“
Falk „Es ist mein Kind. Nie wieder werde ich soviel Zeit mit ihm verbringen können. Es war also reiner Egoismus. Im Ernst: Es war schon immer klar und vorher abgesprochen, dass wir uns diese Zeit aufteilen würden. Eigentlich wollten wir jeweils 7 Monate machen, bei der Anmeldung der Elternzeit hat meine Frau mir dann im letzten Moment noch einen Monat abgeschwatzt.“ „Es gibt drei Arten von Argumenten gegen Elternzeit bei Männern: Finanzelle Engpässe: Die Gender Paygap schlägt hier zu, viele Männer sagen, sie können sich Elternzeit nicht leisten. (Könnte man durch ein gehaltsunabhängiges Elterngeld vielleicht ein wenig lindern). Unabdingbarkeit der eigenen Person: „Ohne mich geht leider gar nix im Büro oder auf der Arbeit.“ Das ist offenbar ein Männerding. Wenn man nicht selbständig ist, sicher quatsch – und selbst dann… Revierkämpfe in der Familie: Es soll tatsächlich Frauen geben, die nicht wollen, dass der Mann allein mit dem Kind zuhause bleibt. Die Diskussion blieb mir glücklicherweise erspart. (…) Jeder Arbeitgeber sollte Väter aktiv ermutigen, sich allen Themen des Familienlebens zu stellen. Führungspersonen, die mit gutem Beispiel voran gehen, helfen hier mehr als E-Mails und Plakate. Das ist das große Ganze, aber auch operativ kann man einiges anbieten.“ (Danke Falk für die Freigabe deiner Antworten. Das ganze Interview mit Falk findet ihr hier).
Der Kommentar in der SZ gefiel mir. Er kam von einem Mann, er spricht Missstände an, die wir immer wieder ansprechen müssen um sie in Zukunft ändern zu können. Ich sprach zuvor von Kritik am Artikel. Ja, er gibt keine Lösungsvorschläge, er prangert die Missstände nur an. Natürlich wäre ein Weiterdenken notwendig und gut. Aber ich finde bereits Artikel, die vielleicht auch im Kleinen, der eigenen Familie und in Firmen, zum Nachdenken anregen oder auch nur eine Diskussion auslösen, sind wichtig. Und daher immer gern gesehen. Ich habe leider wenig Zitate und Kommentare von Vätern bekommen, gerne hätte ich eine große Bandbreite gelesen und euch gezeigt. Deshalb nochmal: Schreibt mir ( julie@mummy-mag.de ), wenn ihr dazu Texte habt, Zitate oder eure Meinung loswerden wollt. Es gibt doch so viel, was schief liegt hier. Wir müssen alle daran arbeiten, dass sich das ändert!
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