Träume hat jeder. Doch der Schritt, diesen hinterherzujagen ist nicht immer einfach. Oftmals entwickelt sich der Wunsch erst im Laufe eines Lebens. In dieser Zeit haben sich die Lebensumstände vielleicht geändert. Man ist nicht mehr allein, hat eine Familie oder lebt sogar getrennt mit Kindern. Erschwerende Umstände. Muss man seine Träume deshalb aufgeben?

Ab 35, so sagte es zumindest meine Mutter immer, befindet man sich in der Blüte seines Lebens. Und dem kann ich nur zustimmen. Als zweifache Mutter, glücklich verheiratet, zufrieden mit meinem Körper – denn der Blickwinkel verändert sich und die Prioritäten ebenso, bin ich im Privaten angekommen. Doch sobald der eine Punkt stimmt, kommen die Gedanken zur beruflichen, zukünftigen Perspektive auf. In meinem Fall sind es 13 Arbeitsjahre, die bereits hinter mir liegen, inklusive zwei Pausen wegen der Kinder, die ich sehr genossen habe. Gerade in dieser Zeit kamen die Fragen auf, was möchte ich eigentlich in meinem Leben, neben den Kindern, erreichen. Weitere 30 Jahre Berufsleben liegen vor mir und der Wunsch nach einem Job, den ich annähernd so liebe, wie mein privates Dasein wurde immer stärker. Also begann ich, vor allem in der zweiten Elternzeit, mich mit mir selbst auseinander zu setzen und auszuprobieren, wo die Reise hingehen soll. Gefühlt ergeht es vielen Frauen in dieser Zeit so. Die Karriere bzw. der aktuelle Jobstatus wird, durch den Neuzuwaschs unterbrochen und viele können sich nach der Elternzeit auf einmal nicht mehr vorstellen in den alten Arbeitsalltag zurückzukehren. In Vollzeit zurück kommt für die Wenigstens in Frage, zumal wir, gerade in Deutschland noch größtenteils das alte „Die Frau bleibt zu Hause, der Mann rennt seiner Karriere weiter hinterher“ System pflegen. Ich muss ehrlich gestehen, ich hätte es mir andersrum nicht vorstellen können. Keinen einzigen Tag meiner Elternzeit möchte ich missen. Zumal ich der Typ Mensch bin, dem nie langweilig wird, da ich mir ständig etwas suche, was ich machen kann. Sei es stricken, schreiben oder aufräumen.

Und so war es auch in der zweiten Elternzeit. Durch die Unterstützung meines Mannes war ich, im Gegensatz zu meiner ersten Elternzeit, in der ich alleinerziehend war und meinen Sohn und mich versorgen musste, in der luxuriösen Lage die vollen drei Jahre zu nehmen und konnte verschiedene Ideen, die ich in meinem Kopf hatte, ausprobieren. Auch wenn das hieß, den alten, sicheren Job an den Nagel hängen und erst mal selbstständig zu sein. Und so habe ich in einem Bereich Blut geleckt, den ich gern weiterverfolgt hätte. Doch bereits nach wenigen Wochen wurde mir schnell bewusst, dass sich diese Idee in meiner jetzigen Situation, als zweifache Mutter, mit einem Kita- und Schulkind und einem Mann, der unter der Woche einige Tage, beruflich bedingt, nicht bei uns sein kann, als schwer umsetzbar erwies. Zu unflexibel bin ich und zu sehr an die Schließ- und Abholzeiten der Kinder gebunden. Ganz davon abgesehen, dass Kleinkinder sich ja auch ständig bei anderen Kindern anstecken und man dadurch zusätzlich das ein oder andere Mal ausfällt. Meine Enttäuschung war bzw. ist groß. Ich hätte mich gern umorientiert und einen anderen Weg eingeschlagen. Doch so einfach ist es heutzutage leider noch immer nicht. Nach wie vor wird an dem 40-Stunden-Arbeitsmodell (plus mehr) festgehalten.

Obwohl inzwischen allseits bekannt ist, dass die 35-Stunden-Woche um einiges effektiver wäre. Daher bin ich auch fest davon überzeugt, dass eine Mutter in 20-25 Stunden wesentlich mehr schafft als so manch einer in einem regulären 40-Stunden-Job. Konzentriert und effektiv durcharbeiten lautet die Devise. Und auch das Thema „Homeoffice“, das einem jeden Arbeitnehmer mehr Flexibilität schaffen kann, ist nur langsam auf dem Vormarsch. Und somit heißt es, zumindest für mich, wieder der Familie zu Liebe einen Kompromiss einzugehen. Die eigenen Bedürfnisse zurückstecken. Und dann der Vorwurf an sich selbst, warum habe ich nicht früher begonnen, mich auszuprobieren, einen anderen Weg einzuschlagen. Die Antwort darauf ist einfach: Ich wusste nicht, was ich will. Man reift mit seinen Erfahrungen und lernt erst im Laufe des Lebens durch diverse Meilensteine und Schicksalsschläge dazu und entwickelt sich weiter. Zu dem Menschen, der ich heute bin. Und der möchte mehr. Ankommen im beruflichen Leben. Das weiß ich erst jetzt.
Doch was bedeutet das eigentlich? Meinen Träumen und Ideen, vielleicht aussichtslos, hinterherzujagen? Auf gewisse Art und Weise immer rastlos zu bleiben? Vielleicht gibt es einen anderen Weg? Eine Möglichkeit wäre, sich mit dem zufrieden geben, was man hat. Meine zwei wundervollen Kinder, Zeit für sie zu haben und meine Ideen vielleicht nebenher weiterzuverfolgen. Als Hobby. Ich gebe zu, ich spreche an dieser Stelle von einem sogenannten „Luxusproblem“. Nichtsdestoweniger bin ich frustriert, dass man als Frau und Mutter einfach zurückstecken muss, da unser System, in meinen Augen, veraltert ist und familienfreundlicher werden könnte. Meine Situation wird sich von heute auf morgen nicht ändern. Das ist mir bewusst. Doch meine Kinder werden größer und der Alltag wird wieder einfacher. Vielleicht ist der Weg das Ziel und nicht der Gedanke in meinem Kopf, ich muss mich JETZT entscheiden, ob ich nach links oder rechts abbiege. Und je öfter ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich an. Noch nicht an meinem Ziel. Aber ich bin unterwegs.

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