Es gibt eine Vielzahl an Familienmodellen. Von der, ich nenne sie einfach mal, klassischen, über Patchwork bis hin zur alleinerziehenden Familie. So vielfältig die Modelle sind, können aber auch die Konstellationen innerhalb dieser sein. In unserem Fall ist es die „klassische“ Patchworkfamilie inklusive Teilzeitalleinerziehend. Klingt komplex? Ist es auch..

Als Mutter von zwei Kindern, die unterschiedliche Väter haben, der Vater meines Erstgeborenen und ich leben getrennt, ist es nicht immer leicht. Das gilt auch für die weiteren Familienmitglieder und das inkludiert, in meinen Augen, die beiden Väter sowie auch dazugehörige Partner und vor allem die Kinder. Doch nach mittlerweile 6 Jahren in diesem Modell kann ich behaupten, dass wir es extrem gut hinbekommen haben und es den Kindern und uns allen an nichts fehlt. Aber zu unserer Patchworkfamilie kommt erschwerend hinzu, dass wir in meiner kleinen Familie, das sind mein jetziger Mann, Vater unserer gemeinsamen Tochter und unseres Sohnes – an dieser Stelle darf gesagt werden, dass mein Mann bei den Kindern keinen Unterschied macht und beide gleich behandelt – noch eine besondere Situation haben: Ich nenne es mal die „Teilzeitalleinerziehende“. Denn mein Mann ist unter der Woche an 3-4 Tagen, beruflich bedingt, in Hamburg. Zum Glück ist Hamburg seine Heimatstadt und ermöglicht ihm, neben dem Berg an Arbeit, an diesen Tagen einen Abstecher in sein „altes“ Leben. Was im ersten Moment schön klingt, hat auch seine Schattenseiten. Denn dauerhaft von der Familie getrennt zu sein, fällt ihm überhaupt nicht leicht, ganz abgesehen von der ganzen Pendelei.

Auf der anderen Seite – nämlich in Berlin – stehe dann ich. Mit zwei Kindern, einem Job und dem Alltag. Das ist, vor allem seit Schulbeginn unseres Ersten, durchaus eine Herausforderung. Und wenn die Kinder mal krank sind, dann legen sie es natürlich auf die Tage, an denen mein Mann nicht da ist. Das ist inzwischen schon fast ein „running gag“ zwischen uns. Da steh ich dann da wie ein begossener Pudel, denn die Großeltern sind in weiter Ferne und der Mann ja auch. In solchen Situationen fühle ich mich dann oft allein gelassen und sehne mich nach dem Leben meines Mannes, der in meinen Augen, dann seine Ruhe hat, Freunde treffen kann und „raus“ kommt. Doch die Kehrseite der Medaille sieht anders aus. Denn mein Mann wiederum fühlt sich schuldig und ist traurig, dass er nicht bei uns sein kann und ackert sich in der Zwischenzeit förmlich den Allerwertesten für seine Firma ab. Und so beißt sich die Katze in den Schwanz.

Aber man schafft ja bekanntlich alles und daher möchte ich an dieser Stelle auch nicht meckern, denn es geht uns auf jeden Fall sehr gut! Und wie sagt man so schön, man wächst mit seinen Aufgaben. Das gilt auch für uns. Die alltäglichen Abläufe werden schnell zur Routine und wir sind inzwischen ein eingespieltes Team in allen Lebenssituationen. Umso witziger ist es zu beobachten, dass, wenn mein Mann da ist, diese Routine manchmal ganz schön durch einander gerät. An dieser Stelle wäre es dann schon wünschenswert, eine tägliche, gemeinsame Routine zu entwickeln. Doch das wird uns in nächster Zeit wohl leider noch verwehrt bleiben. Umso mehr versuchen wir die Wochenenden für uns bewusst zu nutzen, denn wir sind ja nur jedes zweite Wochenende „komplett“. Und so komplex das jetzt alles klingen mag, ich bin sehr dankbar für meine Familie – und auch die erweiterte.