Ich habe Fernweh. Eigentlich immer. Obwohl ich meinem Zuhause Berlin gerade im Sommer auch richtig viel abgewinnen kann, habe ich permanent den Wunsch und das Bedürfnis mich auf Reisen zu begeben. Und immer gefühlte 1000 Ideen wo es hingehen könnte. Ein bisschen paradox dabei ist, dass mich die Reiselust eigentlich erst mit dem Mutterwerden so richtig gepackt hat. War mir anscheinend vorher nicht Abenteuer genug. Am liebsten verreise ich nun also tatsächlich mit meinem Kind, dem das Gott sei Dank genauso viel Spaß macht wie mir. Das war auch schon von Anfang an so. Weder Flüge noch lange Auto- oder Schiffsfahrten machen ihm etwas aus und er ist jedes Mal mit genauso viel (Vor-)Freude und Neugier dabei wie ich. So weit, so schön.

Wäre da nicht diese Tourismusindustrie, die anscheinend die reale Existenz der Einelternfamilie vollständig ausblendet. Ein bisschen absurd, wenn man bedenkt, dass Alleinerziehende 20 Prozent aller deutschen Familienhaushalte mit Kindern unter 18 Jahren ausmachen. Die in der Regel deutlich weniger Geld zur Verfügung haben, als eine Familie mit zwei Einkommen. Oder eben einem richtig satten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Meine erster (naiver) Versuch vor ein paar Jahren mal ein verlängertes Wochenende (außerhalb der Saison!) in einem explizit als FAMILIENHOTEL angepriesenem Haus an der Ostsee zu buchen bot folgende Buchungsvarianten:

– 2 Erwachsene buchen und zahlen.

– 1 Erwachsener, 1 Kind buchen und mehr zahlen als für 2 Erwachsene.

– Gar nicht buchen können, weil die Billigangebote NUR für 2 Erwachsene + 1 Kind gelten.

Ernsthaft? Was soll das!? Und nein, dieses Hotel stellte und stellt wirklich den Normalfall und nicht die Ausnahme dar. Nach der Ausnahme suche ich nämlich bis heute. Zuletzt auf der ITB vor 14 Tagen, wo ich mal wieder gezielt nach Angeboten für Familien geguckt habe, nur um erneut festzustellen dass ALLE Anbieter, die sich das besonders familienfreundliche Programm ganz groß auf die Fahnen geschrieben haben IMMER zwei Vollzahler berechnen, bevor der Kindertarif berechnet werden kann/darf.

Selbst die Anbieter, die explizit betonen ein ganz individuelles Baukastenprinzip zu haben bei dem ALLES möglich ist, mussten bei gezieltem Nachfragen nach „1 Erwachsener + Kind“ etwas kleinlaut zugeben, dass grundsätzlich erst mal alle Angebote für „2 Erwachsene + x Kinder“ konzipiert sind. „Da müssen Sie dann mal mit einem Mitarbeiter im Reisebüro sprechen“. Eigentlich will ich aber gar nicht mit dem Mitarbeiter im Reisebüro sprechen. Ich will einfach nur im Internet eine Reise buchen können. So wie alle anderen auch. Ohne dabei viel zu viel für mein Budget oder eben mehr als andere zahlen zu müssen!

Befragt man die Suchmaschine des Vertrauens zum Thema „Reisen für Alleinerziehende“, bekommt man das erst mal in der Autovervollständigung gar nicht angeboten. Diese bietet mir Reisen für Alle/ Singles/ Schwangere/ Menschen mit Behinderung/ Alleinreisende und diverse andere Personengruppen mit besonderen Wünschen und Bedürfnissen an. Ich allerdings, ich muss es ausschreiben: „Reisen für Alleinerziehende“, bitte. Die Ausbeute ist dann auch dementsprechend mager. Es gibt zwar einige Anbieter und Ratgeber zum Thema, aber inhaltlich nimmt es sich im Grunde nichts.

Entweder sind die Angebote dann doch wieder so teuer das sie einfach den Rahmen dessen sprengen, was sich ein Zwei-Personen-Haushalt mit einem Einkommen leisten kann und sind zudem auch meist trotzdem Nepp. Ich habe mal bei einem dieser speziellen Anbieter spaßeshalber die gleiche (eh schon teure) Reise für zwei Erwachsene und für einen Erwachsenen und ein Kind durchgerechnet. Die Vergünstigung bei zweiter Variante betrug – Obacht – 12 Euro! In Worten: ZWÖLF! Nicht pro Tag, nee, auf den gesamten Reisepreis. Dazu fällt mir dann auch nichts mehr ein.

Oder es ist die zweite oft empfohlene Variante, den Jahresurlaub in der Jugendherberge, einer Familienferienstätte oder auf einem Campingplatz zu verbringen. Okay. Wer‘s mag, bitte. Ich mag es sogar manchmal auch. Für ein langes Wochenende oder eine spontane Übernachtung alles gut. Aber wenn ich von Urlaub spreche, also URLAUB, dann möchte ich den weder in der Jugendherberge oder Familienferienstätte (wo mein Sohn seine Kitareisen hin macht und später vermutlich dann auch die Klassenfahrten), noch auf dem Campingplatz verbringen.

Zumal selbst das in der Hochsaison kein günstiges Vergnügen mehr ist und dann irgendwie auch jede Art von Privatsphäre missen lässt. Da passt dann grad noch die Wäscheleine für die nassen Schlüpper zwischen das eigene und das Nachbarszelt. Alles schon erlebt. Und last but not least: die gute, alte Gruppenreise. „Unsere Single mit Kind Reisen werden alle als Gruppenreisen organisiert“. Puh. Also doch wieder Klassenfahrt. Für die Kinder bestimmt super, aber in der Regel brauchen Kids ja keine Gruppenfahrt, um Anschluss zu finden. Erwachsene im Grunde auch nicht, so sie es denn wollen. Oder eben nicht. Ich gehöre zur zweiteren Gattung und bin ganz froh, wenn ich im Urlaub meine Gesellschaft frei wählen oder eben auch mal nur für mich sein kann.

Es gibt zwar einige Anbieter und Ratgeber zum Thema, aber inhaltlich nimmt es sich im Grunde nichts. Entweder sind die Angebote dann doch wieder so teuer das sie einfach den Rahmen dessen sprengen, was sich ein Zwei-Personen-Haushalt mit einem Einkommen leisten kann und sind zudem auch meist trotzdem Nepp.

Für uns hat das Thema verreisen bis jetzt trotzdem immer ganz gut und auch bezahlbar geklappt, weil wir bis dato noch frei in der Wahl der Reisezeit waren und ich außerdem selten zögere mich schon mit viel Vorlauf zu entscheiden. Mag ich, nehm ich, auch wenn es noch Monate hin ist. Hat bisher gut funktioniert. Wie das nun werden soll, wenn das Kind dieses Jahr zur Schule kommt, davor graut es mir. Feste, teure Ferienzeiten stellen mich vor eine Herausforderung von der mir noch nicht ganz klar ist, wie ich sie bewältigen werde. Komplett auf Urlaub verzichten ist irgendwie keine Alternative.

Wer nun also Tipps oder Anregungen zu dem Thema hat oder vielleicht sogar ganz andere Erfahrungen gemacht hat – lasst es mich gerne wissen!

Und bis dahin freue ich mich auf unseren letzten großen Sommerurlaub vor der Schulzeit. Den habe ich nämlich schon vergangenes Jahr im Oktober gebucht.

Unsere neuen Autoren im Interview:

Sabine

Sabine Ponath unsere Ex-Bayerin lebt seit einiger Zeit in Berlin, arbeitet im Bundestag und ist immer wieder politisch bei den Grünen aktiv. Mit diesem Wissen ist sie die Frau für’s Wesentliche und gewährt uns einen tieferen Blick – nicht nur in sensible, politische Themen.  HIER geht’s zu ihrem Interview.

Judith

Mit unserer neuen Redakteurin Judith Möhlenhof haben wir nicht nur endlich auch die schöne Stadt Hamburg im Team (auch wenn unsere Berliner Wurzeln die gleichen sind), sondern auch eine sehr gefühlvolle und wortstarke Frau, die keine Scheu hat, auch über die schwierigen Momente im Mama-Dasein zu sprechen. HIER geht’s zu ihrem Interview.

Julia

Julia Lippert-Henningsen ist schon seit einiger Zeit in unserem Team (bisher vor allem im Backoffice). Neu ist jetzt, dass auch Julia uns mit eigenen Beiträgen als Contributorin unterstützen wird. Sie wird uns zukünftig mit DIYs unter anderem auch vor einem nachhaltigen Hintergrund versorgen. HIER geht’s zu ihrem Interview.

Miriam

Miriam Bahr ist geborene Berlinerin. Die studierte Kommunikationswirtin hat sich vor etwas über 6 Jahren selbständig gemacht. Fast so lange ist sie auch schon Mutter vom kleinen Vorschulkind Jonathan, von dessen Vater sie sich trennte als er noch sehr klein war. Über Tücken und Glück in ihrem Alltag erzählt sie bei uns. HIER geht’s zu ihrem Interview.