Be my ValentinE! Druck raus, Liebe rein
Vergesst das perfekte Candle-Light-Dinner: Warum wir für echte Nähe keine Elternzeit brauchen, sondern Mut zur Lücke und warum die beste Zeit für Lust mitten am Tag sein kann.
Ob eingefleischter Valentinstag-Fan oder eher Team Augenroller: Lasst uns diesen Tag einfach als sanften Reminder nutzen. Zwischen Wäschebergen und Alltags-Routinen vergessen wir oft, wie gut es tut, Wertschätzung zu verschenken und zu empfangen. Echte Nähe und ein bisschen Prickeln im Bauch sind wichtig, aber machen wir uns nichts vor: Wir brauchen keine weiteren Hochglanz-Ideen, die in der Theorie toll aussehen, uns aber in der Praxis nur noch mehr Druck machen.
Wer hat schon die Kapazitäten für ein Drei-Gänge-Menü oder ein durchgeplantes Luxus-Date, wenn man eigentlich nur schlafen will? Ein weiteres „To-do“ auf der Liste ist das Letzte, was wir brauchen. Also: Wir legen die Messlatte heute mal ganz entspannt auf den Boden und steigen einfach drüber. Hier kommen 10 Ideen für Micro-Dates, kleine Aufmerksamkeiten und Momente, die ganz ohne Stress für Verbindung sorgen:
- Das 5-Minuten-Konzert: Sucht euch einen Song aus, der euch verbindet, und tanzt in der Küche dazu, egal, ob in Jogginghose oder mit dem Baby auf dem Arm.
- Die „Warme Dusche“-Notiz: Klebe ein Post-it an den Badezimmerspiegel mit einer Sache, die du am anderen gerade besonders schätzt (z. B. „Danke, dass du heute Morgen den Kaffee gemacht hast“).
- Das „No-Task“-Dinner: Bestellt Pizza oder esst Müsli, aber mit einer festen Regel: Keine Gespräche über Orga, Termine oder die Kinder. Redet über Träume oder peinliche Jugenderinnerungen. Verlagert das Ganze vom Esstisch als Picknick auf den Boden, die Couch oder sogar ins Bett.
- Blickkontakt-Challenge: Setzt euch gegenüber und schaut euch bewusst 60 Sekunden lang in die Augen, ohne zu lachen (oder gerade weil ihr lachen müsst). Erstaunlich intensiv!
- Die Kissenschlacht-Revanche: Manchmal löst ein bisschen Albernheit die Alltagsspannung besser als jedes Kerzenlicht.
- Gemeinsames „Window Shopping“ im Bett: Kuschelt euch zusammen und plant einen fiktiven Urlaub oder sucht euer Traumhaus auf Immobilienportalen aus. Hier geht es rein um das gemeinsame Träumen, nicht um die Umsetzung.
- Die verlängerte Umarmung: Wissenschaftlich belegt: Eine Umarmung von mindestens 20 Sekunden schüttet Oxytocin aus. Ein kurzes Innehalten im Flur wirkt manchmal schon Wunder.
- Spicy Textnachricht oder Sprachmemo: Schick deinem Partner/deiner Partnerin tagsüber eine kurze Nachricht, was du an ihm/ihr besonders attraktiv findest oder welche Berührung du dir gerade wünschen würdest. Vorfreude ist die beste Energie.
- Massage-Quickie: Fünf Minuten Nackenmassage beim Serienschauen. Ohne Erwartung auf „mehr“, einfach nur als körperliche Zuwendung.
- Der digitale Liebesbrief: Erstelle eine Mini-Playlist mit drei Songs, die dich an eure Anfangszeit erinnern, und schicke den Link per Messenger.
Der „Abend-Mythos“: Warum wir die Lust aus der Nachtschicht befreien dürfen
Als Sexualberaterin begegnet mir oft ein klassischer Liebeskiller: das Warten auf den perfekten Moment. Wir verschieben Intimität, tiefe Gespräche und auch den Sex auf die Zeit, wenn das Haus endlich still ist. Aber Hand aufs Herz: Wer hat nach einem Marathontag zwischen Windeln, Hausaufgabenhilfe oder Elterngesprächen um 22:30 Uhr noch die mentale Energie für große Leidenschaft? Meistens gewinnt das Kissen und das ist völlig okay.
Mein Tipp: Holt die Lust aus der Warteschleife!
Nähe muss nicht erst stattfinden, wenn es dunkel ist. Ein leidenschaftlicher Kuss zwischen Tür und Angel, ein unkomplizierter Quickie am Nachmittag (während das Baby schläft oder die Großen beim Sport sind) oder intensives Kuscheln auf dem Sofa vor der Tagesschau ist oft viel befreiender als das „Pflichtprogramm“ kurz vor dem Einschlafen.
Lasst uns den Fokus im Alltag wieder auf die kleinen „Glimmermomente“ lenken. Diese Mikro-Dosen an Zuwendung – ein lüsterner Blick beim Kochen, eine Hand auf dem Oberschenkel, eine wertschätzende Nachricht zwischendurch – halten das Feuer am Glimmen, ohne dass wir uns dafür völlig verausgaben müssen. Wenn wir uns über den Tag verteilt immer wieder kurz als Liebespaar begegnen, entsteht das „Wir-Gefühl“ ganz organisch.
Valentinstag ist kein Marathon, für den wir trainieren müssen. Er ist die sanfte Erinnerung daran, dass wir nicht nur Manager eines Familienunternehmens sind, sondern auch zwei Menschen, die sich mal ziemlich gut fanden (und es immer noch tun!). Also: Messlatte flach halten, Glimmermomente sammeln und das Leben genießen. Auch in Jogginghose.


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