Endlich Ferien! Vielleicht sind eure Kinder ja auch alt genug, dass ihr es schafft, zwei, drei Seiten am Stück in einem Buch zu lesen. Extra dafür rausgesucht. Kurze, leichte Lektüre, die es trotzdem in sich hat. Bücher für Erwachsene für euren nächsten Urlaub – egal ob daheim oder unterwegs.

Das Buch ist nicht neu auf dem Markt, aber ich habe seit etwa drei Jahren vor, es zu lesen. Gehört habe ich eine Rezension im Deutschlandfunk vor etwas mehr als drei Jahren auf einer meiner vielen Autobahnfahrten, die so anfallen, wenn Eltern Pflegefall werden und nicht in der gleichen Stadt wohnen. Seitdem steht es auf meiner Liste und vor zwei Wochen habe ich es endlich gekauft! Es passt zum Thema, denn es geht um Familie, um Gepäck, das wir wohl alle ein Leben lang mit uns herumschleppen. Die Autorin nimmt uns mit in ihre Familie, erzählt ihre Geschichte, Fragmente aus ihrer Erinnerung und ihrer Angehörigen. Es ist ein kluger Roman, dicht geschrieben und trotzdem leicht zu lesen.
Monika Helfer | Die Bagage | Hanser Verlag | 19 Euro

Und wer gleich dran bleiben will, kann mit „Vati“ weitermachen. Denn während die Bagage hauptsächlich von ihren Urgroßeltern und Großeltern im ersten Weltkrieg erzählt, dreht sich – wie der Titel schon deutlich macht – in Vati alles um den Vater. Der traumatisiert aus dem zweiten Weltkrieg nach Hause kommt und nicht viel spricht. Ihr Vater ist ein Büchersammler, denn in diese Welten flüchtet er sich und es fühlt sich oft an, als gehöre er nicht dazu. Vati ist mindestens so lesenswert wie die Bagage!
Monika Helfer | Vati | Hanser Verlag | 20 Euro

Urlaub wäre doch genau der richtige Zeitpunkt für dieses Buch. Statt Doomscrolling oder Rumgespiele auf Instagram einfach mal so ein Teil aus Papier in die Hand nehmen und lesen. „Wir sind alle schon lange an diesem Punkt, an dem wir uns Gedanken über unsere digitale Balance machen sollten“, sagt Anna Miller (35). „Die Verbundenheit, die wir im Digitalen gesucht und gefunden haben, hat sich so weit verschoben, dass wir immer mehr Probleme haben, Verbundenheit mit uns selbst und dem herzustellen, was gerade um uns herum ist.“

Die Schweizerin hat ein Buch zum Thema digitale Balance veröffentlicht. Eine Bestandsaufnahme und einen Ratgeber, wie wir mal wieder loskommen von dem kleinen Ding, das ständig fiept, leuchtet und vibriert. Es ist nicht das erste Buch zum Thema, das ich lese – aber ich kann es jedem und jeder direkt empfehlen. Ihr sucht Wege aus dem Loch? Abwechslung im digitalen Alltag? Wieder eine Verknüpfung zu euch selbst? Dann lest das Buch, ein Urlaub ist ein guter Zeitpunkt, damit anzufangen. (Und so viel sei verraten, seit ich das erste Buch zum Thema gelesen habe, habe ich viel verändert und durchaus einige Dinge verbessert).
Anna Miller | Verbunden | Ullstein | 12,99

Ich liebe Martin Suter – seine Art zu schreiben ist einfach grandios. Egal ob es die Allmen-Romane sind, die sich übrigens alle sehr fluffig weglesen oder Bücher wie Die dunkle Seite des Mondes, der Teufel von Mailand oder oder oder. Neuestes Werk: Melody. Melody ist vor 40 Jahren kurz vor der Hochzeit verschwunden und ihr Verlobter kommt bis heute nicht darüber hinweg. Zusammen mit Tom, einem Typ, der den Nachlass des Mannes ordnen soll, macht sich die Großnichte auf die Suche nach Melody, der Wahrheit und der Vergangenheit. Spannend. Und so gut geschrieben wie immer!
Martin Suter | Melody | Diogenes | 26 Euro

Raufarhöfn könnte auch ein Dorf in Bayern oder Österreich sein, aber es ist eben Island. Nur wenige Kilometer vom Polarkreis entfernt. Lebte früher vom Fischfang, heute leben nur noch 175 Bewohner im Dorf – am Ende des Buchs sind es zwei weniger. Kalmann Óðinsson, die Hauptfigur, lebt dort auch. Er trägt Cowboyhut und Sheriffstern und passt auf sein Dorf auf.

Spannend wird’s, als Kalmann eine Blutlache findet und der ortsansässige Hotelier und Unternehmer verschwindet. Es geht los: die Polizei kommt vorbei, Drogen gefunden und dann wäre da noch der Eisbär.

Die Gechichte erzählt die Hauptperson selbst. Etwas wunderlich, mit ganz eigenen Ansichten. Das Buch ist definitiv ein großes Lesevergnügen.
Joachim B. Schmidt | Kalmann | Diogenes | 13 Euro

Ich glaube, es gibt niemanden, der Juli Zeh nicht kennt. Der neue Roman Zwischen Welten, den sie zusammen mit Simon Urban geschrieben hat, ist eine echt knackige Story, die es in sich hat.

Die Hauptprotagonisten kennen sich seit ihres Germanistikstudiums in Münster. Sie haben damals in einer WG gewohnt und dort schon viel über Politik diskutiert. Später hat Theresa den Hof ihres Vaters übernommen und Stefan ist stellvertretender Chefredakteur in Hamburg geworden. Jetzt sind beide Anfang 40 und nehmen das Gespräch wieder auf. Zwei Welten treffen hier aufeinander – der eine in seiner Journalistenblase, die andere, die mit dem Hof ums Überleben kommt. Eine Debatte. Über viele Themen, die unsere Gesellschaft derzeit schon schwer beschäftigen.
Juli Zeh & Simon Urban | Zwischen Welten | Luchterhand | 24 Euro

Zwei Frauen. Ein Ziel. Eine ist fünfzehn, die andere fast 70. Juli möchte von der Brücke springen. Hella hat einen Termin in der Schweiz bei einem Sterbehilfeverein. Als Juli springt, lernen sich die beiden Frauen kennen, denn Juli springt vor Hellas Auto.

Damit ist eine Verbindung geknüpft und die beiden begeben sich gemeinsam auf einen Roadtrip in den Süden. Ob es ein gutes Ende nimmt? Einfach selbst lesen – Ronja kann schreiben!
Ronja von Rönne | Ende in Sicht | dtv | 12,95