Mit dem Van an die Ostsee – kurze Auszeit am Meer

Ich denke, übers Campen an der Ostsee ist eigentlich längst alles geschrieben. Die beste Reisezeit. Die geheimsten Geheimtipps. Die tollsten Spots für Camper, Strandliebhaber, Kulinariker und so weiter. Und trotzdem: es zieht uns, zumindest Berliner, immer wieder da hinauf. Zurecht!

Die Ostsee ist für mich tatsächlich eher so das pragmatische und praktische Ziel. Mit dem Auto ist dieses Meer von Berlin einfach superschnell erreichbar. Es gibt Sandstrand und Sonnenuntergang. Seit dem letzten Jahr besitzen wir außerdem einen Van. Das heißt, mein Bett ist immer dabei und es lässt sich auch einfach spontan entscheiden, in welche Richtung es gehen soll. Das Kind wollte mehr, die Insta-Umfrage wollte Meer, also wurde es Meer.

Mehr am Meer

Die Ostsee bietet sich über weite Strecken als ideales Reiseziel an. Von Sand- über Steinstrand, Klippen oder Bodden ist alles da. Länderübergreifend. Aber heute geht es um die Nähe. Wir also: Mittwoch los, Zeit bis Sonntag oder Montag, je nach Wetterlage. Der Plan war, eine Zwischenstation in Meck-Pomm mit Landvergnügen einzulegen, dann weiter nach Stralsund, auf den Darß rüber bis nach Kühlungsborn in den Gespensterwald. Kam dann allerdings anders: Der Darß war überfüllt, deswegen landeten wir dann in Dierhagen, letzter Platz auf dem ebenfalls ausgebuchten Campingplatz.

Am nächsten Tag entschloss ich mich dann auf Nummer Sicher zu gehen und buchte schon morgens einen Platz für zwei Tage auf Rügen in Nonnevitz. Der Gespensterwald muss warten – ich hatte Angst, dass es in der Gegend mit Campingplätzen ebenso zuging, wie auf dem Darß.

Nonnevitz ist mit der nördlichste Punkt auf Rügen, hin kommt man z.B. über das dünne lange Band zwischen Glowe und Breege (dort gäbe es auch einige Park-/Übernachtungsmöglichkeiten mit Van auf diversen klassischen Waldparkplätzen). Das Regenbogen Camp in Nonnevitz liegt mitten im Wald und ist im Mai noch nicht überfüllt – im Sommer kann das aber ganz anders sein. Bester Platz: Ganz vorne direkt hinter den Dünen. Ihr wacht also morgens mit Meeresrauschen auf und müsst nur die Düne an den Strand hinunterfallen. Im Mai: alles für euch alleine. Es sind so wenige Menschen unterwegs (Die sind wohl alle auf dem Darß…), aber es gibt auch nichts.

Natur bewusst erleben

Ihr steht im Wald, ihr liegt am Strand. Keine Promenaden, keine Bäderhäuschen, nur Wald, Vögel, Möwen, Natur und Meeresrauschen. Und abends bester Platz für den Sonnenuntergang.

Hart gesottene trauen sich bei 10 Grad Wassertemperatur auch schon in die Ostsee. Andere baden mit Gesicht und allem anderen im Sand – insbesondere gerne Kinder. Ihr braucht nichts außer Sonnenbrille, Strandmuschel (als Windschutz), ne warme Strickjacke, Sonnencreme und Sandspielzeug.

Was kann man da machen

Wen es doch mal raustreibt, der kann zum „Märchenwald“ laufen, der ist gleich um die Ecke und hat mit Sicherheit ein ähnliches Flair wie der Gespensterwald. Nächstes Ziel wäre dann Kap Arkona und auch sonst bietet sich neben den Kreidefelsen einiges an: Ein Dinopark, der Baumwipfelpfad in Prora oder das Erlebnisbad Splash sind nur ein paar wenige Ideen. Aber eigentlich reicht es auch, den Tag an der frischen Luft am Strand zu verbringen.

In Nonnevitz war mein Internet so schlecht, dass ich drei Tage nicht geguckt habe, was so los is im Netz – verpasst habe ich nichts, kann ich jedem also nur empfehlen. (Es gäbe aber auch Wlan vom Campingplatz, glaube aber, die hatten auch grad Netzprobleme).

 Praktische Infos rund ums Campen mit Van

Einen Van kann man auch einfach mieten: Jeder mit einem B-Führerschein darf einen ganz normalen Van fahren (Wohnmobile und Anhänger nicht weil über 3,5 Tonnen) – am Anfang vielleicht etwas ungewohnt, wer länger fährt, fühlt sich aber auch bald sicher in so einem doch recht unübersichtlichen Ding.

Preise vergleichen hilft wie überall. Es gibt verschieden große Modelle und verschiedene Ausstattungen. Ich würde eher zu einem Van tendieren, mit dem ich auch autark stehen könnte – also mit Klo, Herd, im Zweifel auch ner Heizung.

Lasst euch beim mieten Einführung geben (ihr könnt einen Van auch über Privatpersonen mieten). Gerade Themen wie Gas, Strom, Wasser, Grauwasser, Klo kann man sich mal zeigen lassen…
Und ich würde euch zu einer Automatikschaltung raten plus Rückfahrkamera. Geht auch ohne, aber ist halt grad beim Einparken schon bissi geil, wenn eine Kamera hinten dran ist. Auf langen Fahrten finde ich Automatik sowieso immer gut, egal ob Auto oder Bus.

Weniger ist mehr: Je öfter ich mit dem Van wegfahre, desto weniger nehme ich mit. Tatsächlich trage ich hauptsächlich zwei Hoodies durchgehend, zwei Hosen und wechsle eigentlich nur die Unterwäsche täglich. Solange es nicht stinkt…beim Kind ist es nicht so viel anders, ginge es nach ihr: Kleid, Leggings, Pulli – würde sie auch nicht wechseln, würde ich mich nicht kümmern. Für den Fall, dass ihr mal schick ausgehen wollt, geht natürlich auch ein Kleid. Aber ich schwöre auf wenige, aber temperaturregulierende Klamotten (Merino!)

Einkaufen: Hotel und Zelt funktionieren natürlich anders als ein Van. Ich habe einen Kühlschrank, einen Gasherd und kann daher relativ normal kochen. Ginge es nach dem Kind, stehen sowieso nur vier Speisen auf dem Plan: Nudeln, Leberwurstbrot, Marmeladenbrot und Rotkohl mit Knödeln (ja). Frische Luft macht aber auch ihre Laune besser, sie isst zur Not also auch andere Dinge, ohne zu schimpfen. Aber Brot, Joghurt und Leberwurst/Marmelade waren einfach immer an Bord, man weiß ja nie. Außerdem darf ein Grill an Bord m.E. nicht fehlen. Egal ob für Gemüse oder Würstl.

Strecken planen: Grob. Aber kann man auch lassen, einzig über Entfernungen und die Richtung würde ich nachdenken. Aber das Schöne ist ja, wenn man müde ist, bleibt man halt stehen und kann sich auch vom Wetter treiben lassen. Es gibt diverse Apps mit Campingspots und ich bin zudem ein großer Fan von Landvergnügen. Eine Sammlung von über 1400 Höfen/Plätzen in Deutschland, auf denen ihr übernachten könnt. Meist for free, bzw. mit Gegenleistung in Form von einem Einkauf im Hofladen oder Ponyreiten für die Kids oder oder oder. Ich liebe diese Art des Reisens, weil sich zum einen neue Ecken eröffnen, die man vielleicht nie besucht hätte und meistens auch seine Gastgeber kennenlernt. Das ist schön und ich habe bisher nur gute Erfahrungen gemacht.

Landvergnügen bietet die Möglichkeit, fast kostenlos schöne und familiäre Stellplätze zu nutzen. Gibt es 2024 in digital und inklusive Österreich. Mehr Länder, mehr Möglichkeiten!

Campingplätze: Ich bin bisher fast immer gut gefahren, ohne vorher zu reservieren – auch letztes Jahr in den Sommerferien, kann aber dieses Jahr schon wieder ganz anders sein. Es kann auch mal passieren, dass ihr abgewiesen werdet und es gibt Ecken, da würde ich es ohne Reservierung gar nicht erst versuchen (Schwedens südliche Küste z.B. oder den viel erwähnten Darß ;)). Wild Campen ist so gesehen keine Option, zumindest nicht offiziell und Spots werden nicht verraten, die muss der Camper schon selber finden. Wichtig: Bitte nehmt euren Dreck wieder mit!!! Und wenn ihr – dort wo es nicht erlaubt ist – erwischt werdet, wird es teuer.

Das Regenbogencamp in Nonnevitz kann ich euch auf jeden Fall empfehlen – nicht nur für den Van – und für die, die mit dem Zelt unterwegs sind ist auch das Regenbogencamp Prerow der Knaller, hier campt ihr direkt zwischen den Dünen am Strand – wirklich schön (mit dem Van aber halt Waldparkplatz). Aber: je länger ihr selber campt, desto sicherer, offener und entspannter werdet ihr. Hauptsache Leberwurstbrot!

Dani schreibt seit 2007 ihr Familienreiseblogbutterflyfish und lebt mit ihrer Familie als ehemalige Fränkin in Berlin. Sie arbeitet zudem als freie Redakteurin, Grafikerin und Fotografin und war mal Informatikerin – weil eine Sache ist ja viel zu langweilig. Am liebsten fährt sie mit dem Auto und ihrer Familie durch und über die Berge oder wandert rauf und schläft auf ner Hütte. Mit im Gepäck: jede Menge Reise- und Technikideen - und immer und immer: Kinderkram! Inzwischen auch nen eigenen Kindermodeladen in Köpenick, den halben meter

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