Schulstart nach den Sommerferien: So kommen unsere Kinder wieder gut in der Schule an

Sechs Wochen lang ausschlafen (gut, vermutlich nicht für alle), Eis zum Mittagessen (und davor und danach), keine Hausaufgaben (halleluja!) und die Frage nach dem Wochentag ungefähr so relevant wie Differentialrechnung (oder 2+9). Und naja, dann ist die beste Zeit der Schulzeit wieder vorbei. Das Ende der Ferien ist bei uns zuhause alles, nur kein Freudentag – bei Kind 1 nicht, auch nicht bei Kind 2 und das dritte Kind hat auch schon keinen Bock.

Der Schulstart nach den Sommerferien ist für viele Kinder wieder eine ziemlich große Umstellung. Auch wenn sie ihre Schule mögen. Plötzlich klingelt morgens der Wecker, der Tag hat wieder einen festen Rhythmus und auf einmal werden Tage wieder viel zu kurz, um alle schönen Dinge unterzubringen – zumindest, wenn Eltern wieder Vollzeit arbeiten müssen (war das schön, als ich selbständig war).

Dazu kommt: Schulstart ist nicht gleich Schulstart. Für ein Kind beginnt mit der Einschulung ein komplett neuer Lebensabschnitt. Ein anderes kennt das Gebäude schon, startet aber in die zweite Klasse und irgendwie wird da schon mehr erwartet als im Jahr zuvor. Wieder andere wechseln vielleicht auf die weiterführende Schule.

Was hilft? Zeit, Struktur, wenig Druck und bissi Verständnis.

Wie können Eltern ihre Kinder auffangen, wenn es wieder losgeht

Die kurze Antwort: Den Alltag langsam wieder strukturieren, Erwartungen besprechen, praktische Dinge gemeinsam vorbereiten und dem Kind das Gefühl geben, dass nicht am ersten Schultag schon alles wie immer ist.

Auch oder gerade jüngere Kinder müssen nach langen Ferien erst wieder in einen Rhythmus finden. Deshalb lohnt es sich, nicht erst am Sonntagabend vor Schulbeginn festzustellen, dass der Wecker am nächsten Morgen zwei Stunden früher klingelt als in den vergangenen sechs Wochen.

Ein paar Tage vor Schulbeginn könnt ihr Schlafenszeiten langsam wieder nach vorn verschieben, morgens etwas früher aufstehen und Mahlzeiten wieder regelmäßiger planen.

Das klingt wenig spektakulär. Hilft aber erstaunlich viel. Haben wir übrigens nicht gemacht haha.

Hilft auch: Darüber sprechen, was kommt. Worauf freut sich euer Kind? Was findet es vielleicht gerade doof? Gibt es jemanden in der Klasse, den es unbedingt wiedersehen möchte? Hat es Angst vor einem neuen Lehrer oder einer neuen Lehrerin?

Nicht jedes Kind möchte ein ausführliches Gespräch über seine Gefühle führen. Oft entstehen solche Gespräche ohnehin eher nebenbei: im Auto, beim Abendessen oder während gemeinsam der Schulranzen ausgeräumt wird und ganz unten noch das Pausenbrot vom Juli auftaucht.

Einschulung: Was Erstklässlern beim Schulstart helfen kann

Die Einschulung ist ein großer Moment. Für Kinder genauso wie für Eltern. Ganz viel haben wir in dazu auch in unserem Paper rund ums Thema Schule festgehalten.

Und während wir Erwachsenen eine Einschulungsparty für Erwachsene planen, ob auch genug Kuchen da ist, die Schultüte fotogen genug ist, das Kind alle mal umarmen musste, beschäftigt Kinder häufig etwas ganz anderes:

Wo ist das Klo? Wer sitzt neben mir? Was passiert, wenn ich etwas nicht weiß? Und darf ich meine Mama holen?

Vor der Einschulung Orientierung geben

Falls möglich, könnt ihr den Schulweg vorher gemeinsam laufen oder fahren. Zeigt eurem Kind, wo die Schule liegt, wo es morgens hineingeht und wo ihr euch nach Schulschluss auch wieder treffen werdet.

Viele Grundschulen bieten vor der Einschulung Kennenlerntage oder Veranstaltungen für zukünftige Erstklässler an. Nutzt sie, wenn euer Kind Lust darauf hat.

Auch kleine praktische Dinge helfen:

Wo kommt die Brotdose hin?
Wie funktioniert die Trinkflasche?
Kann das Kind seine Jacke alleine schließen? (gilt auch für Schuhe und Hosen!)
Und wie geht der Schulranzen auf?

Niemand muss vor der ersten Klasse das komplette Leben beherrschen. Ein bisschen Selbstständigkeit gibt Kindern aber Sicherheit. Aber Unterstützung solltet ihr eurem Nachwuchs natürlich auch weiterhin gönnen.

Muss ein Kind vor der Einschulung lesen und rechnen können?

Nein. Natürlich nicht. Die Schule ist genau dafür da, Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen.

Natürlich gibt es Kinder, die bei der Einschulung schon lesen. Andere erkennen ihren Namen und ein paar Buchstaben. Manche zählen begeistert bis 100 und andere verlieren spätestens nach 17 das Interesse. Und da ist alles okay.

Wertvoll und wichtig sind auch Fähigkeiten wie zuhören, Fragen stellen, sich Hilfe holen, kleine Aufgaben alleine erledigen und mit anderen Kindern zurechtkommen.

Macht aus der Einschulung keine Prüfung

Sätze wie „Jetzt beginnt der Ernst des Lebens“ gehören auf den 80er-Friedhof.

Schule darf wichtig sein, aber bedrohlich soll es auch nicht sein.

Die Botschaft sollte vielleicht lauten: Da kommt etwas Neues. Du wirst viel lernen. Nicht alles wird sofort klappen. Und wenn etwas schwierig ist, kümmern wir uns gemeinsam darum.

Zweite Klasse: Warum der Schulstart plötzlich anders sein kann

Die zweite Klasse bekommt dann schon fast keine Aufmerksamkeit mehr. Keine Schultüte, keine Party, einfach so wieder in die Schule müssen. Und ja, die Schule ist nicht mehr neu und die Kids sind nicht mehr die Kleinsten. Abläufe werden selbstverständlicher und damit steigen häufig die Erwartungen.

Lesen, Schreiben und Rechnen nehmen mehr Raum ein. Hausaufgaben können umfangreicher werden. Kinder in der zweiten Klasse brauchen trotzdem Begleitung. „Du kennst das doch schon“ ist schnell gesagt.

Nach sechs Wochen Sommerferien fühlt sich Schule trotzdem erstmal wieder neu an.
Deshalb dürfen auch Zweitklässler langsam zurück in den Alltag finden. Und ja, vielleicht schreibe ich das, weil wir hier eine Zweitklässlerin haben, die sich nicht so sehr auf die Schule gefreut hat – neue Räume, neue Lehrerin, keine enge Freundin, alles irgendwie nicht so perfekt, wie sie es sich gewünscht hat.

Gerade in den ersten Wochen kann es helfen, den Nachmittag nicht komplett vollzuplanen und wer kann, kann seine Kinder vielleicht sogar mal früher abholen. Nach der ersten Schulwoche war das Kind auch in der zweiten Klasse total fertig. Kinder sind nach einem langen Schultag oft schlicht müde, sie haben auch einen harten Arbeitstag hinter sich.

In der zweiten Klasse wird Lesen für viele Kinder wichtiger. Trotzdem muss daraus zu Hause keine zusätzliche Unterrichtsstunde entstehen. Lieber zehn Minuten regelmäßig als eine halbe Stunde mit schlechter Laune.

Und ja, natürlich zählen Comics! Witze auch! Überschriften und Filmtitel bei Netflix.

Das Ziel ist ja nicht, schon in Klasse 2 anspruchsvolle Literatur zu lesen. Kinder sollen merken, dass Lesen ihnen etwas bringt.

Falls ihr merkt, dass euer Kind über längere Zeit große Schwierigkeiten hat, sprecht frühzeitig mit der Lehrkraft. Vielleicht hat sie ein paar Ideen, wie ihr eurem Kind helfen könnt.

Oft lässt sich gemeinsam viel besser einschätzen, ob ein Kind einfach etwas mehr Zeit braucht oder zusätzliche Unterstützung sinnvoll wäre.

Was hilft allen Kindern beim Schulstart?

Egal ob erste, zweite oder sechste Klasse: Einige Dinge machen den Start nach den Sommerferien deutlich leichter.

1. Den Schlafrhythmus rechtzeitig umstellen

Beginnt möglichst einige Tage vor Schulstart damit, Schlafenszeiten wieder anzupassen.

Gerade jüngere Kinder benötigen morgens häufig etwas Zeit, um wieder in den Schulrhythmus zu kommen.

2. Schulsachen gemeinsam (!) vorbereiten

Ranzen ausräumen.
Stifte kontrollieren.
Brotdose suchen.
Sportschuhe überprüfen.
Vielleicht passt die Regenjacke nach sechs Wochen plötzlich nur noch der kleinen Schwester.
Wenn Kinder ihre Sachen gemeinsam mit euch vorbereiten, wird aus dem abstrakten „bald ist Schule“ langsam etwas Konkretes.

3. Morgens mehr Zeit einplanen

Der erste Schultag ist nicht der perfekte Zeitpunkt für einen neuen persönlichen Geschwindigkeitsrekord. Plant lieber zehn Minuten mehr ein. Wir sind übrigens zu spät gekommen…wir waren nicht die Einzigen, aber so in das neue Schuljahr zu starten ist für’s Kind total scheiße.

4. Nicht jeden Nachmittag verplanen

Gerade nach den Ferien brauchen viele Kinder wieder mehr Erholung.
Ein Nachmittag ohne Termin ist kein verschwendeter Nachmittag.

5. Fragen stellen, aber nicht verhören

Nicht jedes Kind erzählt sofort.

Manche Kinder berichten beim Abholen jedes Detail. Andere antworten auf fünf Fragen hintereinander konsequent mit „weiß nicht“.

Hilfreicher sind konkrete Fragen:

Was war heute lustig?

Was war heute schwer?

Neben wem hast du gesessen?

Was war das Beste in der Pause?

Gab es heute etwas, das dich genervt hat?

Manchmal kommen die Antworten auf die gestellten Fragen auch erst, wenn das Kind im Bett liegt und sich das Gedankenkarussell langsam sortiert. Eltern kennen das…

6. Gefühle nicht sofort lösen wollen

Wenn ein Kind sagt, dass Schule gerade doof ist, braucht es nicht automatisch eine Lösung.

Manchmal reicht zunächst:

„Kann ich verstehen.“

Oder:

„Was genau war heute schwierig?“

Erst danach könnt ihr gemeinsam überlegen, was helfen könnte und manchmal reicht auch einfach nur zuhören und dranbleiben.

Was tun, wenn ein Kind nach den Ferien nicht in die Schule möchte?

Ein bisschen Unlust nach sechs Wochen Ferien ist normal.

Wenn ein Kind morgens sagt, dass es lieber weiter Ferien hätte, ist das noch kein Grund zur Sorge – mir geht es ja nicht anders.

Anders sieht es aus, wenn die Angst stark ist, regelmäßig Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen auftreten, das Kind häufig weint oder über längere Zeit überhaupt nicht mehr zur Schule möchte. Dann lohnt sich ein genauerer Blick, denn das heißt oft auch, das etwas nicht stimmt.

Gab es vor den Ferien Probleme?
Fühlt sich das Kind in der Klasse wohl?
Gibt es Konflikte mit anderen Kindern?
Überfordert der Unterricht?
Hat sich etwas verändert?

Sprecht bei anhaltenden Schwierigkeiten möglichst früh mit der Klassenleitung oder einer Vertrauensperson in der Schule. Je früher klar wird, was hinter der Ablehnung steckt, desto besser lässt sich gemeinsam nach Lösungen suchen.

Kurze FAQ zum Schulstart nach den Sommerferien

Wie lange brauchen Kinder, um sich nach den Ferien wieder an die Schule zu gewöhnen?

Das ist sehr unterschiedlich und lässt sich ja pauschal nicht beantworten. Einige Kinder sind nach wenigen Tagen wieder im Rhythmus, andere brauchen mehrere Wochen. Besonders Einschulung, Schulwechsel oder Veränderungen in der Klasse können die Eingewöhnung verlängern.

Wie kann ich mein Kind nach den Sommerferien motivieren?

Vorfreude funktioniert meistens besser als Druck. Sprecht über Freunde, schöne Fächer oder Dinge, auf die sich euer Kind freut. Auch neue Schulsachen oder ein gemeinsames Ritual zum Schulstart können helfen.

Sollte mein Kind vor der Einschulung lesen können?

Nein. Lesen, Schreiben und Rechnen werden in der Grundschule gelernt. Viel wichtiger sind Neugier, Selbstständigkeit und die Fähigkeit, sich Unterstützung zu holen.

Was hilft gegen Angst vor dem ersten Schultag?

Vertraute Abläufe geben Sicherheit. Lauft den Schulweg vorher ab, besprecht den Tagesablauf und beantwortet konkrete Fragen. Versucht nicht, Sorgen mit „Du brauchst keine Angst zu haben“ wegzuwischen. Nehmt sie ernst und überlegt gemeinsam, was helfen könnte.

Wie unterstütze ich mein Kind in der zweiten Klasse?

Sorgt für einen überschaubaren Alltag, lest regelmäßig gemeinsam und bleibt mit der Lehrkraft im Austausch. Besonders wichtig ist, Kinder nicht ständig mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern zu vergleichen.

Wie kann ich mein Kind bei einem Schulwechsel unterstützen?

Gebt eurem Kind Zeit, sich zu orientieren und neue Kontakte aufzubauen. Lernt wenn möglich vorher den Schulweg und das Gebäude kennen. Fragt regelmäßig nach dem Alltag, ohne sofort Lösungen oder neue Freundschaften erzwingen zu wollen.

Dani schreibt seit 2007 ihr Familienreiseblogbutterflyfish und lebt mit ihrer Familie als ehemalige Fränkin in Berlin. Sie arbeitet zudem als freie Redakteurin, Grafikerin und Fotografin und war mal Informatikerin – weil eine Sache ist ja viel zu langweilig. Am liebsten fährt sie mit dem Auto und ihrer Familie durch und über die Berge oder wandert rauf und schläft auf ner Hütte. Mit im Gepäck: jede Menge Reise- und Technikideen - und immer und immer: Kinderkram! Inzwischen auch nen eigenen Kindermodeladen in Köpenick, den halben meter

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