Es ist doch verrückt: In der Schwangerschaft lebt man, also wenn es die erste ist, doch weitestgehend im Voraus. Oh, wenn ich nur erst in der x-ten Woche bin, dann passiert das und das, wann ist denn eigentlich dies und jenes und wenn das Baby erst da ist, dann aber…

Schließlich ist es endlich soweit, das Baby wird geboren und nach der anfänglichen Kuschelzeit geht die wilde Jagd weiter: Wann blickt es die Mutter das erste Mal an, also so richtig, wann lächelt es bewusst, wann gurrt es.. Überhaupt ist insbesondere das erste Lebensjahr des Babys vollgestopft mit ersten Malen. Und sind diese Meilensteine dann erreicht, erfreuen sie uns (viel zu) kurz, bevor wir dann schon wieder los sprinten und auf den nächsten Step hinfiebern. So ziehen die Monate (und Jahre) ins Land.

In der zweiten Schwangerschaft (und scheinbar verschärft sich das sogar noch mit jeder weiteren ), bleibt gefühlt kaum Zeit für die Jagd (und auch schon „Recherche“) nach den zu erreichenden Meilensteinen. Das „Wann kommt denn endlich..“ ist einem „Huch, jetzt schon, echt?“ gewichen und statt wie aus der Pistole geschossen auf die Minute genau sagen zu können, in welcher Schwangerschaftswoche man sich derzeit befindet, in wie vielen Stunden der nächste Wochenwechsel ansteht, welche Frucht der Größe des Babys gerade gleichkommt und wie viele Tage es noch bis zum errechneten Geburtstermin sind, ist man froh, wenn man ein „Puh, warte kurz, ungefähr“ nennen kann und sich endlich wirklich gemerkt hat, wann der errechnete Termin ist. Dann ist das zweite, dritte, x-te Kind da und das durch den Neuzugang ins Wackeln gekommene Familiengefüge ruckelt und schuckelt sich langsam wieder zurecht, als man knietief im Alltagstrott steckend merkt, dass das neue Baby sich plötzlich schon drehen kann. Gefühlt einen Wimpernschlag später zieht es sich an der Couch hoch und während wir uns empfundene Millisekunden später noch fragen, was es heute zum Abendbrot geben soll, läuft es dem großen Geschwisterkind schon hinterher. Krippe, Kindergarten und weiterrennen.

Okay, ich gebs zu, dieses „man“, das bin ich und ich schließe hier komplett von mir auf andere. Ich weiß gar nicht, ob es hier überhaupt noch jemandem so geht. Was mich aber Anfang des Monats wie der Schlag getroffen hat ist, dass ich plötzlich zwei (in Worten: ZWEI!!!) Kindergartenkinder habe. Dabei ist das kleinere doch gerade erst auf die Welt gekommen! Wo war ich, als er laufen lief, warum habe ich seine ersten Worte nicht doller gefeiert und wie kann es sein, dass er überhaupt seit anderthalb Jahren schon in die Kita geht? Und mein Großer, wieso ist er denn auf einmal schon fünf Jahre alt, sagt Sachen wie „Na gut Mama, wenn’s sein muss“ und lernt Buchstaben, Zahlen, Rechnen und Schreiben? Ich fürchte vor lauter Alltag mit den Beiden ist das Genießen schlichtweg zu kurz gekommen, statt zu konservieren habe ich organisiert. Auch wenn mit der Einschulung der nächste große Step glücklicherweise noch etwas auf sich warten lässt und mir eine Verschnaufpause gönnt, ich habe die vage Vermutung, dass ich wieder nur einmal kurz abgelenkt sein muss, zack, habe ich ein Schulkind. Und wie geht es dann weiter? Eine zweite Einschulung, dann der erste Wechsel an die weiterführende Schule, irgendwann Abschluss, Ausbildung der Studium und Beruf?

Klar ist der Alltag nicht immer leicht, fordert Anstrengung und unzählige Nerven. Aber ich hab‘ Angst, irgendwann aufzuwachen, meine erwachsenen Kinder zu sehen und dabei das Gefühl zu haben, ich hätte das Wichtigste verpasst. (Aber hey, der Boden unter dem Esstisch war immer so schön sauber, Mama!) „The days are long, but the years are short“ und obwohl lange Tage manchmal unendlich scheinen, werde ich mir das jetzt ein weiteres Mal hinter die Ohren schreiben.

The days are long, but the years are short.
Gretchen Rubin

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Lucie Marshall über das Reisen mit Kindern
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